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Saufnix
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Dieses Thema hat 264 Antworten
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 Akute Hilfe
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Susanne Offline



Beiträge: 100

11.04.2018 21:14
#241 RE: Der Vorhang zu antworten

Hallo Grufti,

einschränkend bei all dem Guten möchte ich dann doch ganz schnell hinterher schieben, damit die Idylle einen Kratzer bekommt, , dass es für "nur" Hochdeutsch sprechende Menschen in der Klinik schwierig ist ;-)

Therapeutenseitig alles okay, aber die Damen so rund aus den Dörfern im weiten Radius und Einzugsgebiet der Klinik ... uiuiui. Da habe ich manchmal, wenn sie sich im Speisesaal mit hohem Lärmpegel oder in der Lobby mit Radio im Hintergrund untereinander unterhielten, nicht so viel verstanden. Das muss man vorher wissen! :-)
Zu meiner Rettung gab es aber auch Zugezogene aus Bochum und so...

In der Gruppentherapie war es ja immer eine sehr aufmerksame und eher leise Atmosphäre und nur jeweils eine Mitpatientin redete. Das klappte meistens gut! Fremde Wörter hat mein Hirm wie in jeder Fremdsprache dann versucht, irgendwie Sinn gebend zu ergänzen...

Nur an Einer bin ich Woche um Woche gescheitert: Wir wurden gebeten, bei den Vorstellungsrunden auch immer anzugeben, warum wir aus unserer Sicht denn nun eigentlich in der Suchtklinik seien. Und Woche um Woche sagte sie:

ihannawängzfuidrungeh

In der siebten Woche hatte ich `s dann :-)

Ach, und bei den Jungen Wilden (denen mit dem illegalen Zeugs) hatte ich auch ab und zu gute und hochdeutschelnde Gespräche. Obwohl die meisten der jeunesse desolée mit uns alten, abgehalfterten Alkoholikerinnen nicht viel anzufangen wussten, nachvollziehbarerweise.
Ich dachte dann an meinen Sohn mit seinen 25 Jahren und dass es doch manches gibt, wofür ich dem Schicksal dankbar sein kann - zum Beispiel als er mit 13, 14 Jahren als Berufswunsch unbedingt Wrestler werden wollte und sein Papa ihn wöchentlich zum Training fuhr,
dass er sich ausgerechnet CM Punk / Straight Edge zum Vorbild erkoren hatte. https://de.wikipedia.org/wiki/CM_Punk

Bis die Tage, Susane


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Susanne Offline



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11.04.2018 21:32
#242 RE: Der Vorhang zu antworten

Hallo Julia,

vielen Dank für Deine engagierte Stellungnahme zur Praxis!
Und puh - Du hast Deine letzten OPen in der ersten Zeit der Nüchternheit absolviert,ja? Taff.

Ich freue mich echt so sehr darauf, dass wir beide mit nur wenigen Tagen Differenz in nicht allzu ferner Zeit unser Einjähriges werden feiern können :-)))

Vorfreudige Grüße,
Susanne


Susanne Offline



Beiträge: 100

11.04.2018 21:59
#243 RE: Der Vorhang zu antworten

Hallo StellaLuna,

schönes Foto :-)

"Aushalten können" war auch in der Therapie ein Thema, insofern, dass es am Anfang ohne Alkohol erst einmal (wieder) sehr gewöhnungsbedürftig ist.
Ich finde nur für mich, dass es auch eine Gratwanderung ist. Ich will nicht mit einer neuen Königsdisziplin "Aushalten können" Situationen zementieren, die nicht gut für mich sind. So in diese Richtung denke ich auch. Ist bei mir aber auch noch etwas diffus, dieses Thema.

Zur Klinik Höchsten werde ich in einem späteren Schreiben noch erklären dass der Zwangsarbeitsdienst, wie er aktuell im Jahr des Herrn 2018 in dieser Klinik praktiziert wird, ein Frauen verachtender und Frauen ausnutzender Anachronismus ist. Mit dem Zwangsarbeitsdienst refinanziert die Klinik meiner überschlägigen Rechnung nach mindestens 50.000 € im Jahr mit der Arbeitskraft und auf dem Rücken kranker Frauen. Dass es diese Zwangsarbeit in der zum selben Träger gehörenden Männerklinik Ringgendorf nicht gibt, ist nicht zum Aushalten :-) So viel für heute - mehr dazu demnächst..

Liebe Grüße zurück :-) Susanne


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Susanne Offline



Beiträge: 100

11.04.2018 22:06
#244 RE: Der Vorhang zu antworten

Hallo Romy,

hey, fein Dich zu lesen!

Du machst auch, Schritt f0r Schritt, Deinen Weg, ne? Viel Erfolg weiterhin!

Danke for die Wünsche und das Feedback.

Viele Grüße,
Susanne


Susanne Offline



Beiträge: 100

19.04.2018 11:08
#245 RE: Der Vorhang zu antworten

Aktualisierung:

Am letzten Donnerstag hat sich mit der CT nur ergeben, dass ich tatsächlich einen "Lungenrundherd links" R91LG habe; der hat sich in den über drei Monaten, also seit dem 03.01.18, als der Arzt ihn schon hätte sehen müssen, nicht verflüchtigt. Meine Entzündungswerte, besonders die BSG Blutsenkung, die < 30 sein sollte, lag im Januar bei 70 und jetzt bei 120. Der vierfache Wert. Ob der "Lungenrundherd“ jetzt auch vier Mal so groß ist?

Ich habe dann am selben Tag eine Überweisung vom Hausarzt für eine Krankenhausbehandlung bekommen. Die haben mich am nächsten Tag angerufen, dass sie am 20.04.18, also morgen, ein Bett frei haben werden auf der Krebsstation. Ich möge mich auf 5 Werktage Diagnostik einstellen.
Die Tage seit dem 10. April, seit ich den Schatten auf dem Röntgenbild gesehen habe, sind so schwer zu ertragen. Dass es schlimm ist, ist unzweifelhaft. Wie schlimm es ist, wird sich erst im Laufe der nächsten Woche herausstellen. Ich lebe im Fegefeuer mit Blick in die Krebshölle.

Ich bleibe jeden Tag stabil und bewusst und zornig trocken. Ich weiß nicht, wie ich es schaffe, diesen irren Druck ohne Ausweg, ohne Wegbeamen, ohne Dämpfung auszuhalten, aber ich schaffe es. Ich habe keinen Suchtdruck. 80 % der Patienten mit Lungenkrebs sind nach spätestens fünf Jahren tot. In meinem allerersten Beitrag hier schrieb ich von Frau Dr. Idihelahf, die wegen der 80 % Rückfälle nach stationären Suchttherapien räsonierte. Pareto winkt von Ferne. In der Nachbarstadt sind kürzlich zwei Krebspatienten aus dem 4. bzw. 6. Stock eines Krankenhauses in den Tod gesprungen, weil sie die Schmerzen nicht mehr aushalten konnten.

Egal was passiert - getrunken wird nicht. Schreibt oder sagt sich leicht, wenn alles einigermaßen läuft.
Aber jetzt ist es mein tägliches Mantra.

Vorgestern war ich noch in der Therapiegruppe und gestern hatte ich noch ein Einzelgespräch mit der Therapeutin; bin ja nach dem Suchtklinikaufenthalt in der ambulanten Phase. In der Gruppe wollte ich nicht so recht; die Frauen dort haben selbst so viele Päckchen zu tragen und es ist ja keine "Krebs-SHG" und ich wollte sie nicht sinnlos belasten. Hab nur kurz gesagt, was Sache ist. Mit der Einzeltherapeutin ist das so eine Sache; sie erzählt immer so viel und ich muss mich immer etwas durchsetzen, um zu Wort zu kommen, das ist bisher jedes Mal so. Sie erzählt sehr viel und hört wenig zu. Als ob ich ihr nur Stichwörter zu geben hätte und dann legt sie los. Ich unterbreche sie dann schon mal, sie dann schnell wieder mich und so ist das so krawallig. So ganz anders als mein westfälischer, ruhiger, kluger, nachfragender und mitdenkender Einzeltherapeut im Süden. Ich sollte das mal ansprechen, ne? Aber jetzt habe ich ja erst einmal andere Prioritäten. Auch in der Gruppe war ich die drei Mal die ich in den drei Wochen seit Rückkehr aus Bad Saulgau dort war, unglücklich. Auch in der Klinik habe ich schlimme Dinge gehört, aber dann war es nach der Gruppentherapie 12 Uhr und wir sind gemeinsam zum Mittagessen gegangen, es war hell, und man konnte eine weinende Mitpatientin auch mal ein bisschen in den Arm nehmen. Die teils schrecklichen Schicksale wurden durch das weitere Zusammensein in der Gruppe für alle erträglich. Hier ist es halt so, dass die Gruppe um 21 Uhr beendet ist, es war dann dunkel, es war kalt und jede Frau geht mit den Belastungen aus der Gruppe alleine nach Hause. ich hatte wirklich Schwierigkeiten, mich abzugrenzen - sicherlich gelingt einem dass im Laufe der Zeit besser; aber der Unterschied zur Suchtklinik war wie Faust aufs Auge.

Zweierlei ist für mich noch sehr wichtig: Zum einen habe ich keine Angst vor dem Tod. Ich habe einen second-hand-Glauben an ein „Danach“, der sich daraus speist, dass alle tollen Naturwissenschaftler, die forsch(t)en, den Zufall als Erklärung für alles Wunderbare, was sie entdecken, nicht gelten lassen können, sondern eine übergeordnete Ordnung als existent annehmen. Vielleicht wird also meine Seele in einer Metamorphose wieder mit meinem Kerl zusammen sein können? Das wäre schön. Oder aber ich kehre zu dem Bewusstseinsstand zurück, in dem ich vor meiner Geburt, ja sogar vor meiner Zeugung war, also ins Nichts – auch gut. Natürlich ist beides und alles diskutabel, aber dies ist nun einmal meine Überzeugung, mit der ich gut leben und auch sterben kann.

Zum anderen mein Sohn. Mein Abstürzen in die Alkoholabhängigkeit ab 2015 ist meine und ausschließlich meine Angelegenheit. Ich habe die Flaschen geöffnet, die Gläser getrunken, den Wahnsinn spät, zu spät bemerkt und ich habe den Weg aus der Abwärtsspirale gesucht und mühsam gefunden und trinke seit 03. Juni 2017 nicht mehr. Meinen Sohn habe ich – und was bin ich heute zehnfach froh und erleichtert darüber – in nichts diesbezüglich mit einbezogen – das war allein mein Problem und ich bin es angegangen. Ich hätte ihm eine Last aufgebürdet, ohne dass meine Last kleiner geworden wäre und ihn seiner Hilflosigkeit überlassen müssen, denn, wie wir alle wissen, niemand anders kann für einen selbst trocken werden, das kann nur jeder Einzelne selbst für sich schaffen. Er sollte davon unbeschadet und unbelastet sein Leben führen dürfen.

Jetzt ist es anders. Wir sehen uns ja meist ein Mal in der Woche, oder ich lade ihn und seine Freundin ins Theater oder zum Essen ein oder wir treffen uns im Garten und ich kann meine krebsigen Gefühle, Ängste und meine Sorgen nicht vor ihm verstecken, so wie ich es mit dem Alkoholtrinken konnte.. Ohnehin fange ich seit dem 10. April immer wieder den ganzen Tag lang an, zu weinen und mir laufen die Tränen einfach so das Gesicht herunter. Und so habe ich ihm erzählt, was ist.
Ich tue es, obwohl es für mich als Mutter so schrecklich ist, meinem –wenn auch erwachsenen- Kind Schmerz zufügen zu müssen, weil wir vor drei Jahren, beim Tod seines Vaters, meines Mannes, von jetzt auf gleich mit diesem Tod fertig werden mussten. Das war so entsetzlich, dass ich es ihm – mit mir –nicht noch einmal zumuten möchte. Er ist erwachsen, ein junger Mann, ich will und kann ihn nicht täuschen, auch jetzt, in der Anfangsphase dieser schrecklichen Erkrankung, will ich das nicht.
Und er hat gesagt: „Mama, Du hast so lange so viel Verantwortung für mich übernommen – jetzt übernehme ich mal Verantwortung für Dich“.

Wisst Ihr, ich fasse es einfach nicht.
Im Februar 2015 dieser plötzliche Tod eines von uns so sehr geliebten Menschen.
Mein Abdriften in die Alkoholabhängigkeit und mein verzweifeltes Bemühen, da wieder herauszukommen.
Und im April 2018 Lungenkrebs.
So viele Einschläge in der Mitte des fünften Lebensjahrzehnts erst.

Mein Sohn: Mit 22 Jahren den Vater verloren.
Ich werde tun, was sein muss, dass er nicht mit 25 Jahren die Mutter verliert.

Übrigens hatte Peter Lindinger bzw. das Deutschen Krebsforschungsinstitut in Heidelberg, zu dem ich 2001 losen Kontakt hatte, bereits damals wissenschaftlich fundiert dargestellt, dass ehemalige Raucher nach 15 Jahren Rauchstopp dasselbe Risiko, an Herz-Kreislaufkrankheiten oder Lungenkrebs zu sterben, wie Nicht- bzw. Nie-Raucher haben. Auch heute noch, wenn man mal im Internet querliest, steht diese Zahl. Ich rauche seit dem 1.10.2001 nicht mehr, also seit 16 Jahren. Hat nix genützt.

Also, morgen Krebsklinik Es wird alles furchtbar werden. Mit Furcht und Zorn stehe ich hier und sage es ganz klar: Ich werde nicht wieder anfangen, zu trinken. DAS kann ich beeinflussen. Das andere nicht. Eine Sache auch der Ehre und meiner Würde.

Wenn es ein paar „Daumen hoch“ gibt, unter meinem Text, würde ich mich freuen. Ich würde das dann als „Kopf hoch“ interpretieren. Viel sagen oder schreiben kann man ja eh nicht. Danke fürs Lesen, Susanne


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Julia Offline



Beiträge: 155

19.04.2018 13:09
#246 RE: Der Vorhang zu antworten

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"Auf die Dauer der Zeit nimmt die Seele die Farben deiner Gedanken an" (Marc Aurel)


Romy Offline



Beiträge: 53

19.04.2018 13:18
#247 RE: Der Vorhang zu antworten

Susanne,

nicht nur TOP (Kopf hoch)...

Zitat von Susanne im Beitrag #245
Wenn es ein paar „Daumen hoch“ gibt, unter meinem Text, würde ich mich freuen. Ich würde das dann als „Kopf hoch“ interpretieren. Viel sagen oder schreiben kann man ja eh nicht. Danke fürs Lesen, Susanne


Man weiß´wirklich nicht, was man schreiben könnte...

Aber, das lass ich auch auch mal da.

LG
Romy


grufti Online




Beiträge: 3.542

19.04.2018 20:06
#248 RE: Der Vorhang zu antworten

Hallo Susanne,

ich habe deinen Beitrag heute Mittag schon gelesen und mit dem "TOP" noch gewartet, weil ich dachte, mir fällt vielleicht heute Nachmittag noch was Sinnvolles ein, was ich schreiben könnte.

Ich muss aber gestehen, mir fällt auch nichts ein, womit ich dir deine mehr als verständliche Angst vor dem, was kommt, nehmen könnte.

Drum beschränke ich mich darauf, dir von Herzen alles zu wünschen, was dir im Moment helfen könnte und ich drück dir die Daumen, bis sie blau werden...

Liebe Grüße vom Grufti!
Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden (Mark Twain)


Randolf Offline




Beiträge: 1.017

19.04.2018 21:20
#249 RE: Der Vorhang zu antworten

Hallo Susanne,

ich will dir sagen dass mir deine Situation sehr nahe geht, ich musste heute den ganzen Tag dran denken.

Keine Floskel, sondern so aufrichtig wie es mir möglich ist: alles Gute dir.

LG

"Don't you carry stones,
don't you carry stones
- in your bowl of light."

Trevor Hall


Grosser Bruder Offline




Beiträge: 5.007

19.04.2018 21:31
#250 RE: Der Vorhang zu antworten

Alles gute, Susanne

----------------------------------------------------------------
It's nice to be a Preiss, it's higher to be a Bayer


Guidoof Offline



Beiträge: 125

19.04.2018 23:55
#251 RE: Der Vorhang zu antworten

Hallo Susanne,

ich will jetzt nicht zu lustig klingen, obwohl ich mir sicher bin, dass Du es einordnen kannst:

Top + Kopf hoch ergibt für mich:

Topf hoch

Also koch bitte weiter so leckere Dinge wie zuletzt und mach Dich nicht verrückt!

Alles erdenklich Gute und sei lieb gegrüßt!

Guido


sole Offline




Beiträge: 2.281

21.04.2018 08:09
#252 RE: Der Vorhang zu antworten

Hallo Susanne,

"Hiob lässt grüßen" schrieb Trollblume. Dem ist nichts hinzuzufügen.
Ich wünsche dir alle Kraft der Welt und finde es großartig, wie du trocken bleibst, trotzig und wütend, aber trocken.
Nützt ja auch nüscht: wenn du wieder trinkst, hast du Läuse UND Flöhe: Alkoholismus UND Krebs.

Nachrichten im Saufnix, das ich umzugsbedingt eher nicht so verfolgt habe, machen mich gerade fassungslos.

Alles Gute Dir.
sole

"Der Rasse meines Vaters ist die dubiose Wirkung von Alkohol erspart geblieben." (Mr. Spock)


Susanne Offline



Beiträge: 100

06.05.2018 15:25
#253 RE: Der Vorhang zu antworten

Hallo zusammen,

ganz, ganz vielen Dank für die vielen „Daumen hoch – Kopf hoch“-Klicks; das hat mich wirklich ganz enorm gefreut und auch richtig gerührt und mir für die Fahrt in die Klinik mit den Rücken gestärkt. Vielen Dank auch an diejenigen, die trotz des unmöglichen Themas es geschafft haben, in die Tastatur zu hauen – ich hätte es für wen auch immer nicht geschafft, also ganz dolle seelische Leistung von Euch allen, merci vielmals!

Jetzt kommt etwas über meine Erkrankung im engeren Sinn. Ich schreib `s in blau und kursiv; wer das gerade nicht lesen möchte. Es wird auch mein letzter Beitrag zu meiner Erkrankung sein; wenn ich hier in Zukunft mich beteilige, dann werde ich mich auf das „Saufnix“ , auf das Board-Thema konzentrieren. Es wird gut sein, das zu trennen.

Ich habe Lungenkrebs, wie schon vermutet. Letzten Donnerstag gab es die so genannte „Tumor-Konferenz“ der behandelnden Ärzte und Fachrichtungen, vorgestern erklärte mir dann ein junger Assistenzarzt den status quo und das weitere geplante Vorgehen: Der Tumor ist jetzt aktuell 10x9x7,5 cm groß und damit wegen der Größe inoperabel. Deswegen werde ich ab dem 11. Mai 2018 mit Chemo- und Strahlentherapie bombardiert, damit diese „maligne Raumforderung“ in geplant 4,5 Monaten zügig soweit geschrumpft sein wird, dass sie heraus operiert werden kann. Ansonsten durchaus ein Fan davon, alternative Heilmethoden zumindest einmal auszuprobieren, stehe ich mental dazu, dass dieser Tumor weder durch Wildkräutersmoothies noch durch Meditation verschwinden wird. Meine Chance: Es sind gegen alle Wahrscheinlichkeit bislang keine Metastasen gefunden worden.

Ich trinke nicht.
Ich bin froh, dass ich seit dem 03.06.2017 keinen Alkohol mehr getrunken habe. Bei Beginn der Chemo dann fast ein Jahr. Wie wären meine Aussichten, würde ich noch zwei Flaschen Rotwein am Abend trinken? Wie wären sie, würde ich pro Tag locker eine Schachtel Marldingsbums rauchen? Die Ärzte attestieren mir einen „guten gesundheitlichen Allgemeinzustand“. Immerhin.

Beim Alkohol nennt man es Rückfall, beim Krebs Rezidiv. Das schwebt jetzt beides für immer über meinem Leben. Keine schönen Gedanken.

Ich muss jetzt erst einmal abwarten, wie ich auf die Chemo reagiere. Dann erst kann ich gucken, wie es mit meinem Job weitergeht und auch, wie mit dem ambulanten Teil der Suchttherapie. Ich bin mit allen in Kontakt und gehe mit dieser aktuellen Erkrankung offen und relativ transparent um. Ich muss schauen, ich kann jetzt noch nichts zu irgendetwas sagen.

Ich habe das Gefühl, dass ich aufpassen muss, dass sich das Erkrankungsthema nicht so völlig vor das Abstinenzthema schiebt. Der letzte Monat war so sehr seelisch belastend, das Hangen und Bangen aushalten zu müssen, aber ich blieb weitgehend von süchtigem Verlangen verschont. Kurze Trinkgelüste gab es jedoch schon. Als der junge Assistenzarzt mit mir sprach, oder gestern, als wir mit Toilettenpapierrollen, Konfetti und Spielkarten warfen.
Cards for sorrow. Cards for pain.

Aber ich will nie, nie, nie hier irgendwann einmal schreiben müssen „Es fing ganz harmlos an.“ Ich habe es (hoffentlich genügend) verinnerlicht, dass es niemals mehr etwas „Harmloses“ in Zusammenhang mit Alkohol für mich geben wird. Es wird sich immer wandeln in Harm. Harmvoll werden. Aber jetzt denke ich erst einmal an das Überstehen (und ja, auch an das Überleben) der nächsten sechs Monate.

Drei oder vier Themen habe ich noch, die sich auf meine Abstinenz und Fortschritte und noch Offenes aus dem Aufenthalt in der Suchtklinik beziehen. Da habe ich sozusagen „seelische Reste“, die noch geschrieben werden wollen. Demnächst `mal.

Viele Grüße und nochmals vielen Dank für den „support“ vom 19.04 2018 ff.
Susanne


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Hüftl Offline




Beiträge: 3.549

06.05.2018 20:05
#254 RE: Der Vorhang zu antworten

Hallo Susanne, ich kann mich gut in dich reinversetzen, vor 5 Jahren bekam ich diese Diagnose ( Zungen und Mundbodenkarzinom rechts pT2 pNO(0/22)
cMO,ED02/2012
Histologie: G2 differenziertes Plattenepithelkrizinom
R0 Resektion) das hat mich etwas aus der Bahn geworfen und ich dachte wie geht es jetzt weiter ? trinken ? nie und nimmer ( seit 2005 Trocken ) , weiterrauchen NEIN Päckchen Zigaretten in den Müll geschmissen. Also hab ich mir einen Plan erstellt, 1. OP,2. Beschtrahlung, 3. niemals aufgeben.Und jetzt 5 Jahre ohne Rezidiv.
Susanne ich wünsche dir viel Kraft, und niemals aufgeben.Bild admin. entfernt

LG Frank

Die Kraft des Geistes ist grenzenlos,
die Kraft der Muskeln ist begrenzt.


Koichi Tohai


Susanne Offline



Beiträge: 100

06.05.2018 20:19
#255 RE: Der Vorhang zu antworten

Hallo Frank,

5 Jahre sind super! Statistisch bist Du ja mit dem Thema dann durch oder wie der Rheinländer sagen würde: "Da kütt nix mih."

Dein Plan klingt gut - Punkt 3 "Niemals aufgeben" will ich beherzigen. Dank für Deinen Zuspruch.


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