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Saufnix
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Dieses Thema hat 291 Antworten
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 Akute Hilfe
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Julia Offline



Beiträge: 427

16.01.2018 21:17
#211 RE: Der Vorhang zu antworten

Liebe Susanne

Ich wünsche dir von Herzen eine gute Zeit. Bin sehr gespannt was du berichten wirst. Vor allem auch von den Gruppentherapien. Selbst motiviert zu sein und einen klaren Plan und ein konkretes Ziel zu haben, ist das eine. Was es mit einem macht, wie die anderen sich verhalten, und wie man damit umgehen möchte, das andere. Spannend! Was macht es mit einem, wenn andere die eigenen Pläne durchkreuzen, oder einen spiegeln, wie man das so gar nicht will? Es auszuhalten, dass zum Beispiel jemand weiter sein Leben zerstört, wo man selbst doch gerade an der Gesundung des eigenen mit aller Entschlossenheit arbeitet.


Ich könnte mir vorstellen, dass einen das auch ganz schön mitnimmt. Weil da ein Mensch vor einem sitzt, der sich zerstört und man merkt, dass das niemand, auch diese Therapie nicht, aufhalten kann. Ich gehe mal davon aus, dass newlife u.a. das auch mit Schwerstahängigen meint. Drehtürpatienten, die immer und immer wieder kommen, und, es ist vergebens. Oder Menschen, die wirklich epileptische Anfälle hatten, sich eingenässt haben usw. Die sich noch nie wirklich mit sich und damit beschäftigt haben, was ein "gutes" und befriedigendes, selbstbestimmtes Leben eigentlich ausmacht. Und dass man dafür selbst verantwortlich ist. Oder Männer/Frauen, die erzählen, wie sie als Kinder missbraucht wurden, nie Liebe, sondern nur Elend erfahren haben. Das ist schon eine andere Hausnummer als man selbst, der bis zum Schluss die perfekte Fassade aufrecht erhalten konnte (vermeintlich). Ich könnte mir vorstellen, dass man dort Schicksale mitbekommt, die man kaum aushalten kann.

Auch, der Umgang damit, wenn man zum Beispiel einen Therapeuten so gar nicht toll findet. Wie geht man damit für sich selbst um? Annehmen offen sein? Bewerten und ablehnen, sich drüber stellen? Uhhh, spannend! Da lernt man sicher unglaublich viel, vor allem auch über sich selbst.

Ich wünsche dir eine gute Zeit . Deine Waffen sind scharf (Intellekt, Verstand, Sprache). Ich wünsche dir, dass du dir dessen bewusst bist. Und ich wünsche dir, dass du dein Herz öffnen kannst, dir gegenüber und den anderen Menschen gegenüber.

Alles Gute und liebe Grüsse
Julia

********
"Leben allein genügt nicht, sagte der Schmetterling. Sonnenschein, Freiheit und eine kleine Blume muß man auch haben".
(H.C. Andersen)


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F10 2 Offline




Beiträge: 4.416

16.01.2018 21:21
#212 RE: Der Vorhang zu antworten

Es gäbe da noch eine - wie ich meine passende- Erweiterung des Koffers, um die quanti & qualitative Bandbreite noch etwas zu strecken **

Steht meiner -in diesen Dingen selbstverständlich immer hakenden - Erinnerungen nach bei Trollis:
"wie komm ich raus aus der sucht,ohne..."

irgendwo auf den ersten 15 Seiten.

_____________________________________________________________________________________
Wer nach vorne kommen will, muss Regeln brechen. Wer innovativ sein will, muss Konventionen missachten. Wer Kreatives schaffen will, muss Bestehendes vergessen.


Susanne Offline



Beiträge: 177

16.01.2018 21:36
#213 RE: Der Vorhang zu antworten

Hallo Julia,

vorhin war ich noch bei dem Arzt, der im November 2016 zu meiner Platzwunde an der Stirn meinte, dass das unbedingt hätte genäht werden müssen und der mir heute die nötige aktuelle Bescheinigung ausstellte, dass ich "reisefähig und belastbar für Leistungen der medizinischen Rehabilitation" bin.

Er meinte: "Und arbeiten Sie nicht so viel an den anderen in der Gruppe".

Diesen Hinweis werde ich beherzigen.

Auch Dir alles Gute und viele Grüße,
Susanne


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newlife Offline



Beiträge: 3.897

16.01.2018 21:37
#214 RE: Der Vorhang zu antworten

@Julia

ich war selbst so und wenn ich permanent nur Ablehnung erfahren hätte, dann wäre ich wahrscheinlich heute nicht hier. Mir fehlt bei Susanne das Unterstützende und Hilfegebende. Ich lese da immer nur ich und nehme ihre "Waffen" wahr. Therapie aber ist was anderes. Es wird ja dort auch versucht, Abstinenzbereitschaft zu fördern. Das ist nicht bei allen dort so ausgeprägt, für manche vielleicht auch nicht direkt erreichbar und deshalb geht man ja da auch hin. Um zu lernen und nicht um schon alles zu wissen.

Natürlich ist Susanne stark, dadurch aber auch mit Vorstellungen und Erwartungen behaftet. Ich bin ohne Erwartungen dahingegangen und dort gibt es Regeln und es wird eine gewisse Anpassungsfähigkeit vorausgesetzt und es gibt mitunter Rollenspiele und natürlich mit denen, mit denen man nicht so gut kann. Hat alles seinen Sinn. Da sind schon so manche von ihrem etwas zu hohen Ross gestiegen. Ich habe ja zwei solche Therapien gemacht und mich wohl gefühlt.


Julia Offline



Beiträge: 427

16.01.2018 21:38
#215 RE: Der Vorhang zu antworten

Es geht nicht um die anderen. Es geht um einen selbst, darum, was es mit einem macht.
Das Herz öffnen heisst weich sein und annehmen und nicht, an anderen "arbeiten".

Mir ging es lediglich darum, dass es sicher spannend ist, was es mit einem selbst macht, dies zu erleben und damit konfrontiert zu sein, während man für sich selbst total motiviert ist.

********
"Leben allein genügt nicht, sagte der Schmetterling. Sonnenschein, Freiheit und eine kleine Blume muß man auch haben".
(H.C. Andersen)


newlife Offline



Beiträge: 3.897

16.01.2018 21:43
#216 RE: Der Vorhang zu antworten

Es geht in einer solchen Einrichtung um ein Zusammenleben in einer Gemeinschaft. Ein Geben und ein Nehmen. Das brauche ich nicht fett zu schreiben und muss mich auch nicht aus dem Fenster lehnen. Aus diesem Grund erfolgt die Unterbringung oft auch in Doppelzimmern.


grufti Offline




Beiträge: 3.600

16.01.2018 21:59
#217 RE: Der Vorhang zu antworten

Das ist ja fast schon wie in der ersten Gruppenstunde einer Therapie, wenn der Therapeut jeden fragt, was er sich von der Thera erwartet oder so ähnlich...

Liebe Grüße vom Grufti!
Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden (Mark Twain)


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Julia Offline



Beiträge: 427

16.01.2018 22:04
#218 RE: Der Vorhang zu antworten

"@Julia:
ich war selbst so und wenn ich permanent nur Ablehnung erfahren hätte, dann wäre ich wahrscheinlich heute nicht hier. Mir fehlt bei Susanne das Unterstützende und Hilfegebende"


Lieber Dirk

Ich fühle mich unwohl, wenn du einen Post an mich richtest, in dem du "über Susanne" sprichst. Bitte direkt adressieren. Ich verstehe schon um was es dir geht. Und ich verstehe, um was es Susanne geht. Und beide habe "recht". Ich möchte nur gern einfach "miteinander sprechen", nicht übereinander. Ein Grundsatz, den ich auch im täglichen Leben so praktiziere.

Liebe Grüsse
Julia

********
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Vianne Offline



Beiträge: 220

16.01.2018 22:22
#219 RE: Der Vorhang zu antworten

Alles Gute für die Therapie, Susanne.

Liebe Grüße,
Vianne


grufti Offline




Beiträge: 3.600

17.01.2018 01:14
#220 RE: Der Vorhang zu antworten

Ich möchte noch eine kurze Anmerkung machen zum Thema, was man alles an Menschen (Schwerstabhängige, Drehtürpatienten..., Menschen die (scheinbar?) viel tiefer drinstecken als man selbst) trifft in der Therapie:

Auch ich bin vor der Therapie von mir nahestehenden Personen darauf hingewiesen (man könnte fast sagen gewarnt) worden, was ich denn dort alles an "Gesindel" zu sehen bekäme.

Und tatsächlich habe ich in der Therapie (und seitdem noch viel intensiver in der SHG) Menschen kennengelernt, denen der Alkohol (oder soll ich sagen das Schicksal) schon viel stärker zugesetzt hatte als mir.

Alle diese Erlebnisse und die Erzählungen der Menschen, wie sie in die Sucht gerieten, haben bei mir ganz tief drinnen eines bewirkt:

Ich habe definitiv jedes auch noch so kleine Standesdünkel gegenüber Menschen verloren, die scheinbar "unter" mir stehen, nach welchen Maßstäben auch immer. Ich laufe heute auch mit einem anderen Gefühl an einem Obdachlosen am Hauptbahnhof vorbei als früher. Ich weiß heute, das es nur einem glücklichen Umstand, Schicksal, Gott, von mir aus auch mir selbst, oder was auch immer zu verdanken ist, dass ich die Kurve gekriegt habe und nicht "einer von denen" geworden bin.

Das ist übrigens einer der positiven Aspekte, nach denen ich inzwischen die Tatsache beurteile, dass ich Alkoholiker geworden bin.

Liebe Grüße vom Grufti!
Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden (Mark Twain)


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newlife Offline



Beiträge: 3.897

17.01.2018 08:14
#221 RE: Der Vorhang zu antworten

Der Austausch mit den Mitpatienten dort ist Bestandteil der Therapie. Ausgrenzung wird nicht gerne gesehen. Wie das bei mir war, habe ich schon ab und zu mal beschrieben. Alle in der Gruppe waren mehrfachabhängig. Einige waren schon im Knast, einer kam gerade daher. Ich war der einzige, der noch einen Arbeitsplatz hatte. Für mich stellte sich zu Beginn die Frage, ob es mir noch einmal möglich ist alleine zu wohnen und meiner Arbeit nachzugehen, kann ich dann aus eigenen Stücken heraus jetzt clean bleiben oder brauche ich weitere Unterstützung. Meine Mutter befürwortete seinerzeit eine betreute Wohngruppe für mich und ich selbst habe auch in diese Richtung überlegt. Während der Therapie dann kam so nach und nach die Überzeugung, ja ich kann das auch alleine und werde das schaffen.
Ich war im Übrigen noch nicht ganz entgiftet, als ich dort ankam. Ich hab mich gefreut wie ein kleines Kind, als ich mit dem Speckstein ein paar Figuren formen konnte und dabei nicht mehr so zittrig war. Von den Ärzten dort wurde ich sehr genau beobachtet, weil es darum ging, ob man mich vor Ort nochmal in ne Entgiftung stecken sollte.

Es gab da kein Anspruchsdenken. Wir waren froh, die Gemeinschaft zu haben. Es war völlig egal, wie ernst es jetzt dein Gegenüber meint. Wichtig war nur, nicht alleine zu sein. Ich glaube hier, aus einer völlig anderen Perspektive zu schreiben.


Vianne Offline



Beiträge: 220

17.01.2018 08:29
#222 RE: Der Vorhang zu antworten

@newlife

Ich finde, du schließt manchmal (mit besten Absichten) ein bisserl zu sehr von dir auf andere, bzw. vergleichst was andere schreiben zu stark mit deiner Erfahrung, so dass das für dich ähnlicher wirkt als es tatsächlich ist. Es kommt zumindest für mich so rüber. Es geht dabei dann oft um das Thema "Integration in der Gesellschaft" und dass du meinst, andere integrieren sich nicht genug.

Da nimmst du manchmal bei anderen Defizite wahr, obwohl diese da nicht stehen im Text. Ich vermute du willst die anderen ja nur davor bewahren, die selben Fehler wie du selbst zu machen, und das ist durchwegs gut gemeint von dir -- nur der andere fühlt sich dann leicht auf den Schlips getreten -- weil er sich falsch verstanden fühlt. Ich glaube, daher kommt dann bei dir wieder das Gefühl, nicht verstanden zu werden.

Was das "unterstützen und helfen" angeht, was ja auch was mit Integration zu tun haben kann, kann man das in den falschen Hals bekommen, weil es beim anderen ein Defizit ausmacht, wo wahrscheinlich gar keins ist.


Zitat von newlife im Beitrag #214
@Julia

Mir fehlt bei Susanne das Unterstützende und Hilfegebende. Ich lese da immer nur ich und nehme ihre "Waffen" wahr. Therapie aber ist was anderes. Es wird ja dort auch versucht, Abstinenzbereitschaft zu fördern. Das ist nicht bei allen dort so ausgeprägt, für manche vielleicht auch nicht direkt erreichbar und deshalb geht man ja da auch hin. Um zu lernen und nicht um schon alles zu wissen.

Natürlich ist Susanne stark, dadurch aber auch mit Vorstellungen und Erwartungen behaftet. Ich bin ohne Erwartungen dahingegangen und dort gibt es Regeln und es wird eine gewisse Anpassungsfähigkeit vorausgesetzt und es gibt mitunter Rollenspiele und natürlich mit denen, mit denen man nicht so gut kann. Hat alles seinen Sinn. Da sind schon so manche von ihrem etwas zu hohen Ross gestiegen. Ich habe ja zwei solche Therapien gemacht und mich wohl gefühlt.




Wieso sollte jemand, der in eine Klinik geht "unterstützend" und "hilfegebend" sein? Eine Patientin fährt doch dahin um Hilfe und Unterstützung für sich zu bekommen, nicht um diese an andere Patienten zu geben. Ich schreib jetzt mal in der "sie"-Form, aber ich meine natürlich dich, Susanne, persönlich, ich hoffe, ich formuliere das so richtig: Von dem, was ich gelesen und persönlich gesprochen habe, schätze ich dich/Susanne (ich hab dich/sie ja auch mal am Feldberg kennengelernt)als sehr gut gesellschaftlich integrierte Person ein und eher jemanden, der sich zuviel aufbürdet und sich viel für die Belange anderer einsetzt. Ich finds gut, dass jemand, der solche Anteile hat, mal nur was für sich selber tut, und eben nicht für andere.

Ich denke, gerade "wir Frauen" sind tendentiell eher so gestrickt (Gender-Fans mögen mich jetzt lynchen), dass wir im sozialen Bereich unseren Mitmenschen eher zu viel abnehmen, helfen und betüdeln. Das hängt auch mit der Erziehung zusammen, dass Mädchen eher als "Helferinnen und Unterstützerinnen" sozialisiert werden. Und vielen Frauen fällt es dann später im Leben schwer, "gesund-egoistisch" zu sein, wir sind also oft "zuviel" integriert -- als diejenigen, die sich kümmern, soziale Beziehungen pflegen und aufrechterhalten, und vergessen uns dabei selbst.

Ich finde es gut, mal nur was für sich zu machen, und auch in der Klinik wird es "solche und solche" geben. Diejenigen, die nur auf Druck von Angehörigen hingehen und diejenigen, die wie Susanne aufrichtig ihr Leben ändern wollen. Da darf man schon Erwartungen haben und feste Ziele im Auge. Und ob man "leicht abhängig" oder "schwer abhängig" ist, finde ich ist ziemlich egal, es ist ja eher ne Zeitfrage als ne Charakterfrage -- manche wachen halt zeitlich gesehen früher auf (ich zähle mich auch dazu) und müssen z.B. nicht wie viele Schwerstabhängige jahrelang spiegeltrinken und mit der Whisky-Bottle unter der Brücke hausen, um zu erkennen, dass sie am Tiefpunkt sind. Manche kriegen die Kurve früher, manche später. Sucht bleibt aber in beiden Fällen Sucht, es gibt keine "light"-Version aus meiner Sicht.

Liebe Grüße,
Vianne


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newlife Offline



Beiträge: 3.897

17.01.2018 09:37
#223 RE: Der Vorhang zu antworten

Zitat
Ich finde, du schließt manchmal (mit besten Absichten) ein bisserl zu sehr von dir auf andere, bzw. vergleichst was andere schreiben zu stark mit deiner Erfahrung, so dass das für dich ähnlicher wirkt als es tatsächlich ist. Es kommt zumindest für mich so rüber. Es geht dabei dann oft um das Thema "Integration in der Gesellschaft" und dass du meinst, andere integrieren sich nicht genug.

Da nimmst du manchmal bei anderen Defizite wahr, obwohl diese da nicht stehen im Text. Ich vermute du willst die anderen ja nur davor bewahren, die selben Fehler wie du selbst zu machen, und das ist durchwegs gut gemeint von dir -- nur der andere fühlt sich dann leicht auf den Schlips getreten -- weil er sich falsch verstanden fühlt. Ich glaube, daher kommt dann bei dir wieder das Gefühl, nicht verstanden zu werden.



Hallo Vianne,

ich will nur mal kurz auf deine ersten Zeilen eingehen.

Das ist hier doch ein Forum für Alkoholiker, die sich austauschen möchten. Dass ich meine Erfahrungen einbringe, Vergleiche anstelle und versuche darzustellen, wie das hier Vorgetragene auf mich wirkt ist doch genau das, was man im allgemeinen unter dem Begriff "Austausch" versteht. Ganz genau das machst du nämlich hier auch und andere machen es auch und dabei kann es passieren, dass du Dinge beschreibst, die tatsächlich nicht im Text stehen, weil eine gewisse Interpretation der Sachverhalte ja auch nötig ist.

Ich schreibe über meine Erfahrungen und bekomme rückgemeldet, dass viele andere einfach diese Erlebnisse nicht hatten und von daher auch die damit verbundenen Emotionen nicht so recht teilen können. Ich kann jetzt aber auch nicht so tun als ob, um hier "besser abzuschneiden" und das liegt mir auch fern. Das widerspricht auch dem Sinn einer solchen Plattform und wäre ich so gestrickt, bräuchte ich nicht schreiben.

Ich gehe real auch eher so vor, dass ich mich mit Menschen austausche, die ähnliche Erfahrungen wie ich gemacht haben, damit mir selbst der Austausch auch was bringt. Ich beobachte also eine Weile und stelle mir nach einer gewissen Zeit genau diese Frage. Dadurch bin ich auch flexibel und betrachte somit die Hilfsangebote differenziert und nicht starr. Die Entwicklung geht weiter und ich gucke somit, was brauche ich hier und heute. Das kann durchaus etwas anderes sein, wie noch vor zwei Jahren.

So wie es hier oft ist, hab ich selbst nicht viel davon. Einige Menschen hier erleben und fühlen scheinbar völlig anders. Ich will ja niemandem was, aber ich bin in meinem Werdegang so manchen Personen und Charaktären wie hier noch nie begegnet. Wir waren alkohol- und drogensüchtig und eher im unteren Gesellschaftssegment angesiedelt. Da komme ich halt her und da bleib ich auch, woanders fühle ich mich unwohl. Ja, so etwas gibt es. Ich will nix Besonderes sein, meine Ansprüche sind klein und überschaubar und ich freue mich darüber, dass ich lebe. Hier passt es jetzt nicht von der Herkunft und der Gesellschaft aus der wir kommen und durch die wir geprägt worden sind. Zeigt auch mein Beitrag weiter oben ein wenig.

Die Entwicklung hier lässt sich nicht beeinflussen. Das Forum ist öffentlich. Es melden sich Menschen an, die glauben hier andere Menschen mit ähnlichen Erfahrungen zu treffen. Genau das glaube ich manchmal auch, aber meine Erfahrungen sind wohl (tatsächlich) oft andere. Ich kann aber durchaus überlegen, passt das hier noch für mich oder ziehe mich doch besser zurück. Ja, gucken wir mal, das Jahr hat erst angefangen.


grufti Offline




Beiträge: 3.600

17.01.2018 09:42
#224 RE: Der Vorhang zu antworten

"Und ob man "leicht abhängig" oder "schwer abhängig" ist, finde ich ist ziemlich egal, es ist ja eher ne Zeitfrage als ne Charakterfrage..."

Das trifft es genau, den Satz merk ich mir!

Liebe Grüße vom Grufti!
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nino Offline



Beiträge: 80

17.01.2018 10:18
#225 RE: Der Vorhang zu antworten

Du hast meine Gedanken gut rübergebracht, Vianne. Wie ich es verstehe, vermischen sich zwei Aspekte - einmal, wie man sich in der Therapie einbringt und dabei auch mit Leute umgeht, die den Tiefpunkt erst später erreicht haben (ist das politisch korrekt formuliert?), zum anderen aber die Frage, für wen ich die Verantwortung trage. In der ambulanten Reha landen wohl systembedingt eher die Kandidaten, die gefestigter sind, früher die Kurve bekommen haben. Dennoch sind auch in meiner Gruppe Menschen, die schon mehr durch den Alkohol verloren haben als ich (beruflich, famililär, gesundheitlich). Auch von ihnen, ihren Erfahrungen, ihren Geschichten kann ich was lernen - das stand aber m.E. in der Diskussion hier auch nicht in Frage. Und ja, daran muss ich mich selbst gelegentlich erinnern, da ich mich eher zu sehr zurückhalte, versuche ich hilfreiches Feedback zu geben, auch wenn mir einer unsympatisch ist oder ich das Verhalten nicht nachvollziehen kann. Vielleicht meinst Du das ja mit Integration, Dirk - eine aktive Zusammenarbeit in der Therapiegruppe trotz aller Unterschiede, eben nicht die Beiträge anderer aufgrund ihrer Unterschiede komplett abblocken oder die Übungen nur halbherzig mitzumachen, wenn der andere nicht 100% auf der gleichen Wellenlänge ist. Die Aufgeschlossenheit versuche ich aber rein aus eigennützigen Motiven schon reinzubringen.

Wo ich anfangs mehr Schwierigkeiten hatte - und für entsprechende Rückmeldung hier dankbar war - wie ich damit umgehe, dass andere scheinbar weniger zielgerichtet in der Therapie sind: Leute, die rumeiern / tröge die Termine absitzen, ohne was zu sagen, ohne zu reflektieren / die regelmäßig Rückfälle bauen und diese als "mal getrunken, aber ja nur ein Vorfall" verklären. Da habe ich mich von der Vorstellung getrennt, dass wir irgendwie als Team die Reha "bestehen" müssen. Wenn andere die Möglichkeiten nicht nutzen, muss ich mich eben nicht mit runterziehen lassen oder am Erfolg zweifeln.

Im Sinne der offenen Rückmeldung:

Dirk, es kommt bei Dir regelmäßig durch, dass Du so komplett anders wärst, keiner Deine Erfahrungen nachvollziehen könnte oder Dich versteht. Wenn es zu einer konkreten Aussage von Dir abweichende Rückmeldungen gibt, dann schweifst Du weit aus, kommst auf grundlegende Unterschiede zwischen Dir und dem Rest der Welt zu sprechen, auf Sinn und Zweck des Forums und des Austauschs. Auf die konkrete Aussage gehst Du gar nicht mehr ein. Erst an anderer Stelle kommen dann später Infos von Dir durch, mit denen sich eher verstehen lässt, auf was Du hinaus willst. Da habe ich den Eindruck, die Mehrzahl der Fälle, in denen es scheinbar komplett unterschiedliche Sichtweisen gibt, sind eher Missverständnisse.

Zitat
ich war selbst so und wenn ich permanent nur Ablehnung erfahren hätte, dann wäre ich wahrscheinlich heute nicht hier. Mir fehlt bei Susanne das Unterstützende und Hilfegebende



Da lese ich: Es ist die Aufgabe von Susanne, sich um die "schwachen" Patienten zu kümmen, damit diese nicht auf der Strecke bleiben. Dazu gab es entsprechend kritische Rückmeldungen. Wenn die Aussage nicht war, was Du gemeint hast, dann stell das doch einfach richtig.


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