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Saufnix
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Dieses Thema hat 233 Antworten
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 Akute Hilfe
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Julia Offline



Beiträge: 82

17.01.2018 11:11
#226 RE: Der Vorhang zu antworten

Zitat von nino im Beitrag #225
Wo ich anfangs mehr Schwierigkeiten hatte - und für entsprechende Rückmeldung hier dankbar war - wie ich damit umgehe, dass andere scheinbar weniger zielgerichtet in der Therapie sind: Leute, die rumeiern / tröge die Termine absitzen, ohne was zu sagen, ohne zu reflektieren / die regelmäßig Rückfälle bauen und diese als "mal getrunken, aber ja nur ein Vorfall" verklären. Da habe ich mich von der Vorstellung getrennt, dass wir irgendwie als Team die Reha "bestehen" müssen. Wenn andere die Möglichkeiten nicht nutzen, muss ich mich eben nicht mit runterziehen lassen oder am Erfolg zweifeln.



Diesen Aspekt finde ich auch sehr sehr spannend. Im Grunde geht es doch immer um einen selber. Sich auseinandersetzten mit sich, durch Selbstreflexion, das Spiegeln durch andere, die Konfrontation mit anderen, das Arbeiten für sich und mit Gruppen. Und genau den Punkt finde ich mega interessant. Es geht aus meiner Sicht darum, immer bei sich zu bleiben. Zu beobachten, wie man andere wahrnimmt, wie andere auf einen wirken, wie das Verhalten, die Worte, das Tun oder nicht tu der anderen auf einen wirkt, was es in einem auslöst und wie man damit umgehen will. Das ist es für mich im Kern, wie man selbst weiterkommt. Auch, wie man selbst auf andere wirkt, wie die einen wahrnehmen als Person, im tun, im Handeln, im Reden etc.


Zu deiner Frage , wie man damit umgeht, dass andere weniger zielgerichtet sind, möchte ich gern sagen, dass ich das jeweils unterschiedlich handeln kann. Manchmal gelingt es mir, das einfach so stehen zu lassen, weil ich denke, dass es deren recht ist, das zu tun, weil wir alle frei sind und jeder seinen Rhythmus hat. Ich stelle dann für mich fest, dass es mir nicht nahe geht, mich nicht tangiert und ich es einfach so stehen lassen kann. Neutral. Dann gibts Momente, da macht es mich fuchsteufelswild! Da verurteile ich das extrem. Vor allem, wenn sich jemand als Opfer inszeniert. Da werd ich dann ganz schlimm ungerecht. Und irgendwann merke ich, dass das niemanden etwas bringt, auch mir nicht. Nur weil ich auf dem Weg und fest entschlossen bin, muss der andere das nicht sein. Nachdem sich die Wut gelegt hat, kann ich damit gut umgehen. Und der anderen Person auch positiv begegnen.


Was für mich ganz schlimm ist, wenn Menschen denken, sie seien besser oder höher gestellt als andere. Ich arbeite schon viele Jahre mit bedürftigen und auch ausgegrenzten Menschen durch freiwillige soziale Arbeit. Bei mir steht der Mensch im Vordergrund. Ich empfinde es als ganz grosser Privileg, so ein gutes Leben führen zu dürfen. Menschen begegne ich hoffentlich immer auf Augenhöhe, weil es mir um den Menschen geht und nicht, darum, was er hat. Hab z-B. einen Mittags- und Sonntagstisch für Bedürftige mitbegründet und koche und backe dort auch regelmmässig für unsere Gäste. Das sind Familie und Menschen, die nicht viel haben und sich über was Gutes zu essen von Herzen freuen. Da sitzen alle an einem Tisch und es ist egal, ob jemand unter der Brücke wohnt, oder in geregelten Verhältnissen. Wie sind dort Menschen. Die Lebensmittel beziehen wir von ortsansässigen Händlern, die an der Aktion "gegen Foodwaste" teilnehmen und uns die Ware geben, die sonst abends im Müll landen würden. Kistenweise bestes Gemüse, Fleisch, Früchte. Joghurts usw.

Hier musste ich lernen, dass manche einfach noch nicht so weit sind, sich helfen zu lassen. Ein Mann lebt seit vielen Jahren mit seinem Hund auf der Strasse. Wir führen oft Gespräche. Ich bin immer fasziniert, wie klug er ist, wie geistreich und der Welt gegenüber nicht böse. Ich freue mich immer, wenn Bedürftige unser Angebot wahrnehmen und ein warmes Essen und ein wenig Herzlichkeit annehmen und ins Gespräch kommen.

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Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut wird,
ist es noch nicht das Ende. (Oscar Wilde)


Komplex Offline



Beiträge: 3.836

17.01.2018 12:39
#227 RE: Der Vorhang zu antworten

Zitat von Julia im Beitrag #226
[quote="nino"|p3631221] Vor allem, wenn sich jemand als Opfer inszeniert. Da werd ich dann ganz schlimm ungerecht.


Dabei sind wir Alkoholkranken es erstmal zu einem Teil Alle. ;-)

Der entscheidende Schritt, klar, ist der, den Weg weg davon zu finden. Aber das braucht nun mal unterschiedlich lange Zeit, bzw. erreichen auch nicht alle. Sollte man nicht vergessen, auch für sich selbst nicht.

Ich bin da, auch aus Erfahrung, lieber milde. Steht mir selbst auch besser. :-D

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Julia Offline



Beiträge: 82

17.01.2018 12:52
#228 RE: Der Vorhang zu antworten

@ komplex

Ich wäre dir sehr dankbar, wenn du nicht einfach einen Satz/ein Zitat aus einem Gesamtzusammenhang reisen würdest. Danke!

Ich habe meinen Umgang damit wie folgt beschrieben:

Zitat von Julia im Beitrag #226
Zu deiner Frage , wie man damit umgeht, dass andere weniger zielgerichtet sind, möchte ich gern sagen, dass ich das jeweils unterschiedlich handeln kann. Manchmal gelingt es mir, das einfach so stehen zu lassen, weil ich denke, dass es deren recht ist, das zu tun, weil wir alle frei sind und jeder seinen Rhythmus hat. Ich stelle dann für mich fest, dass es mir nicht nahe geht, mich nicht tangiert und ich es einfach so stehen lassen kann. Neutral. Dann gibts Momente, da macht es mich fuchsteufelswild! Da verurteile ich das extrem. Vor allem, wenn sich jemand als Opfer inszeniert. [b]Da werd ich dann ganz schlimm ungerecht. Und irgendwann merke ich, dass das niemanden etwas bringt, auch mir nicht. [/b]Nur weil ich auf dem Weg und fest entschlossen bin, muss der andere das nicht sein. Nachdem sich die Wut gelegt hat, kann ich damit gut umgehen. Und der anderen Person auch positiv begegnen.

[/b]


Es gelingt mir mal so und mal so. Dieses wütend werden hat mit meinen Emotionen zu tun, das ist spontan. Wenn ich dann darüber reflektiere, kann ich eben auch "milde sein". Es geht dabei um mich, nicht um den anderen. Es ist mein Weg zu lernen!

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Komplex Offline



Beiträge: 3.836

17.01.2018 13:07
#229 RE: Der Vorhang zu antworten

Nein, ich reise nicht. ;-)

Und reiße auch nicht aus dem Zusammenhang; man sollte nur nicht vergessen, dass man selbst auch Opfer ist/war. Das kommt in Deiner Reflexion oben nicht wirklich raus. Darum gehts.:-)

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Julia Offline



Beiträge: 82

17.01.2018 13:17
#230 RE: Der Vorhang zu antworten

@komplex:

Ich lebe nicht in Deutschland und hier gibt es kein "ß". Ich habe auch keines auf meiner Tastatur. Daher ss, oder manchmal auch nur s. Hin und wieder, sehr oft, wird einem hier durch den Selbstkorrekturmodus einfach ein Wort draus gemacht, das man so nicht schreiben wollte. Kennen wir sich alle. Manchmal setzt der Korrekturmodus "ß" und manchmal nicht. Wobei Reisen ja eine schöne Metapher ist

Zum Opferstatus:
Ich bin und war nie ein Opfer. Warum auch? Ich habe es doch selbst zu verantworten, wie ich mit meinem Leben umgehe. Manches läuft gut, manches scheisse. Dass ich mich fürs Saufen entschieden habe, hat doch nichts mit Opfer sein zu tun. Es ist ein selbstzerstörerisches Verhalten, eine Strategie, die vermeintlich ein Lösungsweg zu sein scheint. Die Quittung kommt dann irgendwann, wenn man man Boden ist. Ist man deshalb ein Opfer? Man kann doch dann einen anderen Weg gehen.

Ich habe sehr viel schlimmes in meinem Leben erfahren müssen. Wie ich in einem anderen Post schon schrieb. Das Leben verlangt von uns oft, Dinge wegzustecken, für die wir gar keine Taschen haben. Wir müssen dann schauen, wie wir damit umgehen. Sorry, dass ich echt nicht in die Opfer-Narration einsteigen kann. Wo Opfer sind, sind auch Täter. Dann sind wir bei Klischees, Stereotypen usw. Ich glaube an die Kraft, die lieg in jedem von uns.

Wenn du gern ein Opfer sein willst, steht dir das natürlich zu. Das entscheidet ja jeder für sich selbst.

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newlife Offline




Beiträge: 3.664

17.01.2018 13:57
#231 RE: Der Vorhang zu antworten

@nino

Es gibt nichts klarzustellen, nino. Ich wusste seinerzeit doch selber nicht, wohin die Reise geht. Ich habe mit der Therapiegruppe zusammengearbeitet ohne mir Gedanken zu machen, wer es da jetzt vielleicht nicht "ernst" meint, wenn ich mir meiner Sache selber nicht mal sicher war. Ich hatte genug mit mir zu tun.

Einige von uns kommen ab und zu zum Jahrestreffen. Ich war auch schon zweimal dabei. Es sind nur wenige, die heute noch völlig clean sind. Deshalb aber unterhalte ich mich mit denen doch auch, wenn wir bereits während der Therapiezeit guten Kontakt hatten. Ich bekam trotzdem von vielen den Eindruck, dass sie von dort einiges für sich mitnehmen konnten.

Deshalb muss ich ja nicht die Verantwortung gleich für andere mitübernehmen. Das stimmt schon, das mache ich auch nur für mich und das hab ich bestimmt so hier nicht ausgedrückt. Na ja, und was du jetzt mit dem "Rest der Welt" so ausdrücken wolltest belasse ich einfach mal in deiner Fantasie. Mir gehts lediglich um den Lesestoff, den ich hier so unterbreitet bekomme.

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kapoen Offline



Beiträge: 281

17.01.2018 14:34
#232 RE: Der Vorhang zu antworten

@alle


meine Erfahrungen mit der Therapie bzw. meinen Mitpatienten ist, das man dort auf alle möglichen Typen und Motivationen trifft. Wo ich war waren längst nicht alle "freiwillig" dort, zum Teil auf Grund gerichtlichen Auflagen, zum Teil aus anderen äußeren zwingenden Gründen, zum Teil aus echter Einsicht etc. ppp! Ich glaube auch nicht, daß die eigene Therapiechance in erste Linie davon ahängt, ob möglichst viele voll motiviert sind oder nicht. Mit den man sich befreundet, das sind die die fürs Wohlbefinden zuständig sind, die jenigen die man weniger mag sind die, die einem manchmal auch mal unverblümt die ungeschminkte Wahrheit unter die Nase reiben. So gesehen sind alle sind wichtig für einen selber. (trifft auch übrigens für so ein Forum hier zu!) Wichtig ist allerdings sehr wohl das Therapeutenteam für die Qualität einer Therapie.

Auch meine persönlich Erfahrung ist, daß im Sinne von wer schafft es am Ende und wer nicht, kaum zuverlässliche Vorhersagen getroffen werden können, auch nicht vom Team! Viele die "Bestnoten" bekommen haben, hats in nullkommanix zerlegt andere bei denen ein baldiger Rückfall befürchtet würden haben hingegen gar nicht selten die Kurve gekriegt.

Wer, wann, warum die Kurve kriegt, ist wohl immer noch kaum wirklich rational erklärlich! Es liegt in aller erster Linie hauptsächlich an einem selber, so denke ich!

Grüße

Kapoen


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newlife Offline




Beiträge: 3.664

17.01.2018 14:44
#233 RE: Der Vorhang zu antworten

und wieder mal exakt auf den Punkt gebracht, kapoen. Genau so auch meine Empfindungen.

xfce.org - Für ein Leben ohne Abhängigkeiten


Komplex Offline



Beiträge: 3.836

17.01.2018 20:32
#234 RE: Der Vorhang zu antworten

Zitat von Julia im Beitrag #230

Ich bin und war nie ein Opfer. Warum auch?

Wenn du gern ein Opfer sein willst, steht dir das natürlich zu. Das entscheidet ja jeder für sich selbst.




Deine Geschichte liest sich ganz anders. Aber wenn Du das so sehen willst, ist das Dein Ding.

Und nein, vom "Opfer" bin ich lange weg, aber ich war zum Teil auch Opfer, ungefähr so wie Du, denn meine Kindheit/Jugend war alles andere als aufbauend.

Aber der Begriff an sich scheint Dich ja ziemlich zu triggern. Opfer sind übrigens nicht die, die sich dazu machen, und, so wie Du es in einem heutigen Beitrag siehst, ein ungemein verantwortungsloses Anspruchsdenken an die Gesellschaft haben.

Was ich Dir gerne raten möchte, auch wenn Du sämtliche Therapien, egal welcher Art, für Dich ausschließt: Schau Dir mal ein paar SHG an. Und wenn es "nur" hilft, sich regelmäßig die eigene Situation bewusst zu halten und zu machen, und zu sehen, dass Niemand mit seiner Sucht alleine ist.

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