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Saufnix
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Dieses Thema hat 291 Antworten
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 Akute Hilfe
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newlife Offline




Beiträge: 3.871

21.12.2017 19:29
#166 RE: Der Vorhang zu antworten

Hi Biene,

ich handhabe das aber so und wenn es andere anders sehen wollen, kann ich nix dazu. Ich vertrete das aber auch so in der Personalverwaltung. Die können von mir denken, was sie wollen, wenn ich mal krank bin. Was glaubst du, was mich das interessiert? Nicht die Bohne.

Mein früherer Chef hat damals im technischen Rathaus rumerzählt, dass ich ja angeblich immer, wenn genug Arbeit da ist, entgiften gehen würde. Der traut sich im Übrigen heute nicht mehr aufs Personalamt. Im Übrigen glaube ich auch, dass der mal gehen sollte.

Nen dickes Fell brauchste halt und das ist insbesondere durch sowas sehr gewachsen. Glaube nicht, dass mich im neuen Kollegenkreis da mal jemand drauf angesprochen hat. Die sinds doch, die Schiss in der Butze haben bzw. keine blöde Antwort von mir wollen. Da hat doch das Tabu-Thema sogar noch nen Vorteil für den Betroffenen.

Dann tut man doch lieber so, als hätte man es "vergessen" oder als ob es nie so gewesen wäre. Kommt aber bestimmt auch darauf an, wie du dich selber positionierst.

on the way...


Susanne Offline



Beiträge: 160

21.12.2017 19:33
#167 RE: Der Vorhang zu antworten

Danke, Biene, Du bringst es mit wenigen Worten direkt auf den Punkt:
Es ist genauso, wie Du schreibst - so sieht die Realität eben aus.
Viele Grüße, Susanne


1 Mitglied findet das Top!
newlife Offline




Beiträge: 3.871

21.12.2017 19:35
#168 RE: Der Vorhang zu antworten

na, Susanne. Dann lebe ich wohl woanders.

on the way...


Susanne Offline



Beiträge: 160

21.12.2017 19:41
#169 RE: Der Vorhang zu antworten

Hallo newlife, beim Lesen Deiner Beiträge drängt sich mir der Eindruck auf, dass Du schon sehr lange beruflich agierst gemäß dem Spruch:
"Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert".

Das kann und wird nicht mein Weg sein.

Viele Grüße, Susanne


newlife Offline




Beiträge: 3.871

21.12.2017 19:46
#170 RE: Der Vorhang zu antworten

du liegst nicht falsch damit. Mir ist das Denken anderer ziemlich wurscht und daraus schöpfe ich ne Menge Kraft. Das spüren andere eben auch und ich lebe mein Leben und fühle mich wohl am Arbeitsplatz. Ich habe das nicht nötig, anderen Gefallen zu wollen und es gibt glaube ich so einige, denen genau das wiederum gefällt.

on the way...


grufti Online




Beiträge: 3.594

21.12.2017 19:49
#171 RE: Der Vorhang zu antworten

Ich glaube zwar auch, dass die Erfahrungen vom Newlife nicht repräsentativ sind (mag tatsächlich daran liegen dass er im öffentlichen Dienst arbeitet und quasi unkündbar ist).

Auch in einem Großbetrieb mag es funktionieren, dass man nicht sagt, welche Krankheit man hat. Ich kenne das aber anders, und in einem kleinen Handwerksbetrieb kann ich mir echt nicht vorstellen, dass man 16 Wochen auf Reha ist und keiner fragt, weshalb.

Auf der anderen Seite:

"Du kannst 20 Jahre trocken sein und wirst für deinen Arbeitgeber immer der Suffkopp bleiben."

So ist es aber definitiv auch nicht, zumindest nicht in dieser Pauschalität.

Liebe Grüße vom Grufti!
Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden (Mark Twain)


newlife Offline




Beiträge: 3.871

21.12.2017 20:00
#172 RE: Der Vorhang zu antworten

nein, grufti. Wegen Alkohol ist auch der angeblich "unkündbare" schon ausm öD geflogen. Gabs auch bei unserer Stadt schon, wobei ich mich da immer und generell dagegen aussprechen werde, solange das eine Krankheit ist. Aber es gibt selbstverständlich andere "fadenscheinige" Personalmaßnahmen, die dann eben umgesetzt werden können.

Ich habe ganz bestimmt durch jahrzehntelange gute Arbeit Aufmerksamkeit erhalten. Auch wenn ich wegen Sucht des öfteren dann mal gefehlt habe, benutzen noch heute die Techniker die von mir erstellten Anwendungen um Bauprojekte zu überwachen für die ich seinerzeit sogar ne ordentliche Prämie bekommen hatte. Das war 2006, da sind sogar aus meiner Suchtbirne noch die ein oder anderen Ideen entstanden.

Es wird nicht nur die Sucht gesehen, sondern auch die Arbeitsleistung und das Engagement. Das ich jetzt sogar beim gleichen Arbeitgeber, die alles wissen, nochmal die Möglichkeit hatte, mich beruflich zu verändern, spricht wohl eher für mich, als gegen mich. Die Darstellung deiner Person, dein Auftreten und deine Argumentationen sind es in aller Regel, die bewertet werden. Wäre ich weiterhin unterm Teppich gelaufen, hätte ich das bestimmt nicht hinbekommen.

on the way...


newlife Offline




Beiträge: 3.871

21.12.2017 21:20
#173 RE: Der Vorhang zu antworten

Hab das jetzt hier nochmal gelesen und will mal sagen, dass Susanne und ich da nicht zusammenkommen können. Beide Argumentationen haben sicherlich ihre Berechtigung. Susanne hat andere Erwartungen und Bedürfnisse als ich, glaube ich. Sie hat ein anderes Anspruchsdenken. Letzteres habe ich selbst zwar auch, denn auch ich halte Arbeit für das wichtigste Glied in der Tagesstruktur und mich hat sie vielleicht sogar "gerettet". Mein Anspruchsdenken jedoch bezieht sich nur auf meine eigene Person und ich ziehe auch Sachen durch, ohne dass mich Meinungen anderer interessieren. Susanne aber ist es wichtig, auch positiv durch andere wahrgenommen zu werden.

Ich werde auch von einigen Menschen positiv wahrgenommen, aber eben nur in dem Rahmen, wie es sich halt ergibt. Manche mögen mich eben und andere wieder nicht. Ich mache eben nichts, um anderen gefallen zu wollen, einen gewissen Stellenwert zu wahren oder ähnliches. Ich kann doch froh sein, dass es mich überhaupt noch gibt. Vieles hat für mich keine Bedeutung oder ist einfach nur Unwichtig geworden. Ich selbst aber will gut für mich sorgen. Das reicht mir eben und jetzt ziehe ich mich hier auch zurück.

on the way...


vicco55 Offline




Beiträge: 2.599

21.12.2017 21:48
#174 RE: Der Vorhang zu antworten

Wie so oft, gibt es in dieser Frage kein Patentrezept. Es kömmt auf die Person, die Firma, die Dauer und Schwere der Abhängigkeit und und an. Bei mir damals in dem Kleinbetrieb konnte ich nur mit offenen Karten spielen, ebenso meinen langjährigen Kunden gegenüber. Mir persönlich erwuchsen dadurch keinerlei Probleme. Aaaaber das giltet nur mich.

Neben der Größe des Betriebs spielt sicher auch die Dauer und Intensität der Abhängigkeit eine Rolle. Es ist ein Unterschied, ob jemand wie Susanne (wenn ich es recht auf dem Schirm habe) am 'Anfang' ihrer Karriere stand oder als Extrembeispiel der newlife dagegen. Ich stand dazwischen, war zum Schluß einige Jahre Spiegelalkoholiker. Ich denke, mein Umfeld wußte Bescheid. Solange ich einigermaßen funktionierte, wurde es nicht offen angesprochen. Ich kenne einige Abstinente, die sich nach Trockenlegung wunderten, wieviele Menschen in ihrem familiären, beruflichen und privaten Umfeld von ihrer Sucht wußten.


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malo Offline




Beiträge: 1.745

21.12.2017 21:52
#175 RE: Der Vorhang zu antworten

Ich arbeite ja heute nicht mehr in dem Betrieb, aus dem ich in Therapie ging,
aber damals wusste sowieso jeder, dass ich ein riesiges Problem hatte, also
konnte ich auch offen damit umgehen...

auf meine heutige Arbeitsstelle hatte ich mich damals auch gleich zu meiner
Abhängigkeit bekannt und es wurde darin überhaupt kein Problem gesehen...
und ganz sicher hatte das überhaupt gar nichts damit zu tun, dass ich in
einer diakonischen Einrichtung arbeite, die sind nämlich keinen Deut besser
im Umgang mit ihren Mitarbeitern als in der freien Wirtschaft...

Zitat
Die Darstellung deiner Person, dein Auftreten und deine Argumentationen sind
es in aller Regel, die bewertet werden.



das sehe ich genau so Dirk, obwohl wir sicher nicht immer einer Meinung sind...

Authentizität...das ist für mich das Hauptsächliche für meine Abstinenz...mich nicht
mehr verbiegen lassen oder verstecken hinter irgendwelchen gesellschaftlich
vorherrschenden Vorurteilen...wenn sie mich nicht so nehmen wie ich bin,so what...
dann haben sie mich auch nicht verdient punkt...im Betrieb halten mich auch einige für
einen schwierigen Menschen und das meistens nur, weil ich ihnen nicht nach dem Mund sabbel...
kann ich nicht mehr und werde ich nicht mehr...hab ich lange genug gemacht und mich
dann abends zugeschüttet...

das ist definitiv nicht mehr meins, auch wenn sich dadurch mein Freundeskreis
in engen Grenzen hält...dabei fällt mir ein...die meisten davon leben auch
abstinent...

LG Malo

wer jeden tag kämpft
muss eines tages verlieren


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Vianne Offline



Beiträge: 219

22.12.2017 10:16
#176 RE: Der Vorhang zu antworten

Hallo :)

Ich find das gut mit der Email, dass man sagt, dass man das Schreiben sobald wie möglich nachreicht und dann aber wenn nöglich nur eine "neutrale" Bestätigung z.B. von der RV vorlegt, wenn das irgendwie geht. Den Namen der Klinik würde ich auch nicht herausrücken.

Ich könnte für mich persönlich mir noch vorstellen, das nur demjenigen, der dafür zuständig ist, unter 4 Augen so zu erklären.

"Wissen Sie, es ist mir lieber, wenn hier in der Firma kein Flurfunk herumgeht, dass es was Psychosomatisches ist."

Dann denkt derjenige du hast Burnout, Depressionen oder eine Trauerreaktion und du bist in der Psychosomatik. Das ist heutzutage komplett anerkannt und Burnout ist fast schon trendy.

Das hat mittlerweile jeder zweite, der sich länger krankmeldet.

Also ich versteh dich sehr gut. Ich würde das auch nicht publik machen.

Liebe Grüße,

Vianne


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sole Offline




Beiträge: 2.298

22.12.2017 21:21
#177 RE: Der Vorhang zu antworten

Ich arbeite seit vielen Jahren im öffentlichen Dienst, immer als Sozialarbeiterin, aber in verschiedenen Bereichen.
Eines der wichtigsten Werkzeuge sind da die kollegialen Fallberatungen, die ja auch das Risiko minimieren, richtig Schei*e zu bauen und eventuell noch selbst wegen unterlassener Hilfeleistung vor Gericht zu stehen. Solche Fallberatungen kenne ich also schon mein halbes Berufsleben lang. Sie sind wichtig und hilfreich.

Was ich allerdings in diesen Besprechungen immer wieder erlebt habe: Menschen mit einer Suchterkrankung werden auch in Fachkreisen immer wieder auf ihre Sucht reduziert. Es ist wie ein Stempel, ein Stigma. Da ist es völlig wurscht, ob Klienten schon x Jahre trocken oder clean sind. Besonders möchtegerntherapeutisch angehauchte KollegInnen (das sind oftmals die altegedienten, einflussreichen mit therapeutischer Zusatzausbildung) sprechen bei offenkundig stabiler Abstinenz noch gerne von der "Suchtstruktur" oder der "Suchtpersönlichkeit". Dieses Etikett wirst du als Klient nicht los, egal wie sehr du auf dem Boden der Nüchternheit und deine Frau stehst.

Das ist der eine Teil des Ganzen. Der andere ist wie überall: Ist von Kollegen bekannt, dass sie psychisch oder suchtkrank ist, dann wird bei Krankmeldungen tatsächlich gemunkelt. Nach diesen Erfahrungen habe ich darauf verzichtet, mich als suchtkrank zu outen.

Jetzt brauche ich es auch nicht mehr. Es gibt keine Anlässe mehr im Kollegenkreis, wo nixsaufen auffallen würde. Das war früher mal anders.
Jeder in meinem jetzigen Team weiß, dass ich eine Suchtspezialistin bin, einige jüngere Kolleginnen schicken ihre suchtkranken Klienten sogar zu mir. Es fragt mich aber seltsamerweise keiner, warum ich so viel Ahnung von der Materie habe. Würde mich eine mal direkt drauf ansprechen, würde ich's vielleicht sogar erzählen.

Jetzt bin ich so entspannt, das liegt aber auch daran, dass ich wirklich fest im Sattel sitze. Meine Chefin zieht schon Strippen, um mich zur Psychiatriekoordinatorin zu machen. Bestünde auch nur der Hauch einer Gefahr, dass mein toller Arbeitsplatz ob eines Outings wackeln könnte, ich würde schweigen wie ein Grab.

Ich verstehe Susanne sehr gut.

"Der Rasse meines Vaters ist die dubiose Wirkung von Alkohol erspart geblieben." (Mr. Spock)


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newlife Offline




Beiträge: 3.871

22.12.2017 22:06
#178 RE: Der Vorhang zu antworten

Ich glaube dir das, sole. Ich bin nicht im sozialen Bereich tätig. Natürlich brauche ich in meinem jetzigen Job auch eine gewisse Empathie und die Fähigkeit Situationen einschätzen zu können, aber eben nur personalbezogen und ich denke, dass ich das ganz gut umsetze und zudem dabei noch recht viel lerne.

Bei uns ist man eher zurückhaltend, was solche Themen angeht. Der Wein wird hier geliebt. Man will von Sucht so wirklich gar nichts wissen und für viele gibt es sowas einfach nicht. Deshalb erlebe ich das wohl auch anders. Ich erzähle ja auch nix drüber und bin ja eher so unterwegs, dass ich noch mitlache rund um die Weinseligkeit in unserer Stadt. Ich glaube sogar, mir würde das gar keiner mehr abnehmen heute. Vielleicht glauben sie auch, das war damals jemand anderes. Ich hab echt keine Ahnung.

Es ist überall grundverschieden und ich glaube dennoch, dass deine Erscheinung eine gewisse Rolle spielt. Es weiß auch niemand, dass ich jetzt gar nicht mehr trinke, bzw. wie ich überhaupt heute damit umgehe. Mich hat noch nie jemand danach gefragt. Die gehen bestimmt eher von einem moderaten Alkoholkonsum aus. Im Sport habe ich mal über das Thema gesprochen, da sind auch ein paar von der Stadt mit dabei. Da hatte sich damals sogar jemand bedankt für die Offenheit, der selbst einen Suchtfall in der Familie hat. Ich habe hier im Forum auch darüber geschrieben. Ist eine sehr positive Rückmeldung und Wertschätzung für mich gewesen.

Du hast jetzt eben auch einen Hang zum Thema Psychologie und das ist auch wieder etwas verwandt mit der Thematik. Da guckt man evt. auch ein bisschen eher drauf. Spielt vielleicht alles auch ein wenig mit rein.

Auf jedenfall interessant die Erfahrungen hier mal zu benennen, auch für mich. Verallgemeinern kannst du aber wiedermal gar nix. Wie so oft. Susanne aber wird das schon zu ihrer Zufriedenheit gebacken kriegen, nehme ich mal an.

on the way...


Bodhisattva Online



Beiträge: 1.236

23.12.2017 19:18
#179 RE: Der Vorhang zu antworten

Ich stelle mir das sehr mühsam vor mit dieser Angst "entdeckt" zu werden zu leben, ist Teil des Problems, näher betrachtet auch kein gesellschaftliches Problem sondern die Wurzel steckt in einem selbst, nicht anerkennen wollen was ist. Früher hätte ich gesagt, die Stigmatisierung ist ein Problem da draußen, nein, es ist der Alkoholiker selbst der nicht zu dem steht was wirklich ist und wegen ökonomischen und gesellschaftlichen Zwängen abtaucht. Schade, und doch sehr nachvollziehbar. Wenn mich einer drauf anspricht, bspw. in Teneriffa der Vater eines Freundes der dort lebt (Kontext warum ich keinen Alkohol beim Abendessen trinke), dann spreche ich darüber. Beruflich wurde ich in der Vergangenheit nicht darauf angesprochen, also warum drüber reden, demnächst bin ich im Praktikum bei nem freien Träger für 5 Monate und da ist das kein Problem und ich hab's gleich gesagt, ist jedoch nicht vergleichbar mit jobs in anderen Bereichen.

Da ist Angst im Spiel bei vielen Menschen bezüglich beruflichen Konsequenzen bzw. innerer Druck die eine Leistungsgessellschaft erzeugt und vor allem beruflich steht das Selbstbild mit einer gewissen Perfektion (auch wenn die nur illusionär ist), verstehe ich vollkommen wenn jemand das Thema im job weglässt. Mit der "Angst" entdeckt zu werden muss die Person dann jedoch leben und so ein Geschmack von Verstecken bleibt.

Grüße, Bodhi

Nicht die Dinge ändern sich: Wir ändern uns. (Henry D. Thoreau)


4 Mitglieder finden das Top!
Susanne Offline



Beiträge: 160

27.12.2017 15:57
#180 RE: Der Vorhang zu antworten

Hallo zusammen,

hinter mir liegt ein alkoholfreies Weihnachten. Und es war überraschend einfach; ich war ganz stabil. Darüber bin ich sehr froh. Es war das dritte Weihnachts“fest“ ohne meinen Mann. Ich habe mir die Fotos von Weihnachten 2014 angeschaut; zwei Monate später war er tot. Ich fühle mich ihm immer noch sehr verbunden. Tanja hatte hier im Juni ja geschrieben: „…dass man während der Trinkzeit seinen Schmerz nicht wirklich auslebt auch wenn es sich anders angefühlt hat, dass er sich seinen Raum sucht wenn der Verstand wieder klar ist.“ Und eine Frau in der Motivationsgruppe, die ich fünf Monate besuchte, hatte folgenden Vergleich: „Der Alkohol ist wie ein Deckel auf `ner Biotonne. Lässt man den Alkohol weg, ist auch der Deckel auf der Biotonne weg und die üblen Gerüche sind alle wieder da.“ Mein Herz zerreißender Schmerz jedoch hat sich in der Zwischenzeit in aushaltbare Wehmut und Trauer über den Verlust verwandelt. Mit „aushaltbar“ meine ich: Ich kann die Gefühle ohne Alkohol aushalten. Dennoch bin ich mir der Fragilität meiner Abstinenz bewusst und auf der Hut.

Die Beiträge zur Authentizität im Kontext Arbeitgeber/Alkoholabhängigkeit habe ich mit großem Interesse gelesen, finde mein seelisches Geschehen jedoch selbst nach längerem Hineinhorchen in mich in den „Bekenner“-Schreiben nicht gespiegelt. So wie das unabdingbare Weglassen des Alkohols ist es –für mich- ein Akt der radikalen Selbstfürsorge und des Einstehens für meine Interessen, mein bislang unbelastetes Verhältnis zur „Firma“, auch wenn sie weitaus harmloser als die von John Grisham beschriebene ist, nach Möglichkeit auch für die Zukunft so zu belassen und mich vor Stigmatisierung und beruflichen Nachteilen zu schützen. Ich möchte diesen Kontext allerdings, irgendwann nach Ablauf der stationären Therapie, wahrscheinlich nochmals reflektierend aufgreifen.

Mittlerweile ist auch die schriftliche „Bestätigung Aufnahmetermin“ der Klinik da, mit einer Menge Anlagen. Zweibettzimmer die ersten beiden Wochen, Handyabnahme für die ersten drei Wochen, Laptop geht gar nicht, Ausgangsverbot bzw. Spaziergänge zu dritt erst ab der dritten Behandlungswoche, stichprobenartige Urin,- Alkohol- und Zimmerkontrollen, uiuiuiuiui – akzeptiere ich `mal alles ohne Murren. Ist ja von mir selbst so gewählt. Ich freue mich auf die zwei Monate und hoffe sehr, meine Abstinenz mit dieser Hilfestellung auf stabile und tragfähige Grundlagen stellen zu können.
Und Bügel möge man mitbringen; die wären immer Mangelware. Na denn.

Viele Grüße,
Susanne


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