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Saufnix
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Dieses Thema hat 6.316 Antworten
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 Meckern, Toben, Alltagsfrust
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Wilma Offline




Beiträge: 2.102

03.05.2006 17:06
#61 RE: scheiße schreien antworten

Ja, dank dir Jörg...ich hoffe...
er trinkt seit drei Tagen und meldet sich nicht..
das macht mich zur Zeit wahnsinnig...

er war doch in einer Selbsthifegruppe und so überzeugt davon, daß er das jetzt packt...umso schlimmer ist es jetzt irgendwie für uns beide wieder...

da steckt viel mehr dahinter, als er glaubt

und ich doofe hätte es besser wissen müßen...
bin doch aber auch nur ein Mensch der gerne glaubt, was sie lieber hören möchte..


annilein Offline




Beiträge: 4.212

03.05.2006 17:06
#62 RE: scheiße schreien antworten

Hallo Wilma

schöne Scheiße !!!

Vielleicht sieht er es nu endlich ein, das er es wirklich nicht alleine schafft und holt sich nun Hilfe !!

Ich würde ihn aber nun nicht wie einen "Kranken" behandeln, du weißt schon wie ich das meine. So mit in Watte packen und so.

Fakt ist, er ist krank und tut nichts gegen seine Krankheit!!


Ich umärmel dich auch mal ganz doll !!


annilein Offline




Beiträge: 4.212

03.05.2006 17:10
#63 RE: scheiße schreien antworten

@Wilma,

huch, haben wir uns wohl überschnitten.

Ich wußte nicht, das er in die SHG geht.
Geht ihr dort zusammen hin ??

Ja, vielleicht reicht eine SHG allein nicht aus !!!

Ich würd viel mehr Scheiße schreien, sollte er sich gegen eine Therapie entscheiden. Das würd ich persönlich nämlich scheiße finden !!

Warum macht er keine??

Muß kurz mal weg, bin später wieder da !!


Wilma Offline




Beiträge: 2.102

03.05.2006 17:26
#64 RE: scheiße schreien antworten

Hallo Anja

das sind doch auch meine Fragen, die ich im Moment sowieso nicht stellen kann, da er ja in seiner Welt unterwegs ist..

Ich frag ich, was mit mir gerade los ist???

Meine Gelassenheit ist mir komplett flöten gegangen...die alten Knöpfe werden gerade gedrückt...
da muß ich wohl jetzt durch....
na, ja...wird schon..

meine Nerven liegen einfach bloß

hoffentlich bald wieder die alte Wilms


Schneeflocke Offline



Beiträge: 485

03.05.2006 17:34
#65 RE: scheiße schreien antworten

Wilma,

würde mir wohl auch so gehen, wenn mein Mann wieder trinken würde.

Ich hoffe nur, dass ich im Fall des Falles genug weiß, um schneller wieder raus zu kommen aus der Hilflosigkeit und ich habe mir vorgenommen, dann schleunigst für mich direkte Hilfe zu organisieren (hab sogar ein kleine Adressensammlung für den Notfall).

Ich wünsche Dir, dass Du schnell ein wenig Abstand zu seiner Sucht für Dich aufbauen kannst.

Viele Grüße Schneeflocke.


Wilma Offline




Beiträge: 2.102

03.05.2006 17:59
#66 RE: scheiße schreien antworten

Hallo liebe Schneeflocke,
das isses wohl!!

Ich bin anscheinend gerade dabei mein Netzwerk zu aktivieren...

Scheiße schreien hilft da manchmal auch

Lieben Dank


Faust Offline




Beiträge: 5.512

03.05.2006 18:02
#67 RE: scheiße schreien antworten

Wilma,

Also - ich gehe jetzt in meine SHG,
das hilft gegen (fast) alles.

LG
Bernd


Schneeflocke Offline



Beiträge: 485

03.05.2006 18:07
#68 RE: scheiße schreien antworten

Klar musst Du erst mal Scheiße schreien, wenn sich da "einer" wie ein Arschloch benimmt!

Schneeflocke.


Joosi Offline




Beiträge: 2.036

03.05.2006 18:20
#69 RE: scheiße schreien antworten

Huhu Wilma,


Zitat
und ich doofe hätte es besser wissen müßen...
bin doch aber auch nur ein Mensch der gerne glaubt, was sie lieber hören möchte



Ne, wieso denn?

Wenn du gleich besser wüßtest, dass er soundso rückfällig wird und ihm nicht mehr glauben würdest, was soll denn dann noch eine Beziehung?

Ich finde es schon richtig, dass du vertraut hast.
Und nun trinkt er wieder...ABER...das heißt doch nicht gleichzeitig, dass es es tut, um dich zu verletzen oder weil du ihm egal bist. Er ist abhängig...und für manche (auch für mich war es so!) ist es ein mühsamer langer Weg, es sich selbst eingestehen zu können. Und wenn die ganze Welt mir vorgesagt hätte, dass ich suchtkrank bin, das nützt nichts. Ich musste es selbst entdecken und mir eingestehen. Das war anfangs ein Riesengong für mich...und ehrlich gesagt, habe ich ab diesem Zeitpunkt erst mal gar nichts mehr gesagt. Keine Versprechungen, keine "Beweise" an meinen Mann, wie sehr ich mich doch bemühe nicht oder weniger zu trinken, gar nichts mehr. Ich habe gebrütet und dann hier geschrieben. Viele besorgte Ratschläge oder Androhungen hätten mich persönlich viel weiter von meiner Erkenntnis weggetrieben, da ich dann mehr mit selbstverteidung, noch was retten wollen und Schamgefühlen beschäftigt gewesen wäre.

Warum schreib ich das jetzt?

Vielleicht, weil ich der Meinung bin, dass es absolut NICHTS nützt, wenn du mit deinem Mann über seine Sucht sprichst, außer vielleicht, er wollte von sich aus mit dir mal darüber sprechen. Alles andere bringt ihn höchstens dazu Versprechungen zu machen, sich zu bemühen, weil er dich mag - und eigentlich ist das eine ziemliche Quälerei für euch beide. Eine Aufgabe wäre für dich, dieses Thema künftig auszuklammern, wenn er nicht mehr trinkt.

Und weil ich auch der Meinung bin, dass es NICHTS nützt hier darüber zu diskutieren, welche therapeutischen Maßnahmen dein Mann ergreifen soll. Er ist hier gar nicht anwesend und ich finde eher, dass du genau davon Abstand brauchst, dir den Kopf darüber zu zerbrechen, was für ihn gut oder nicht gut wäre.

So ist zumindest meine Alkoholiker-Sichtweise dazu.

Im Moment geht es aber um dich und deine Gefühle!

Wie schaut´s, warst du schon in einer Angehörigengruppe?
Würde ich dir sehr empfehlen, du brauchst mal ein paar Gleichgesinnte von Angesicht zu Angesicht, die mit dir über dich reden und nicht über Therapiemaßnahmen für deinen Mann.

Hast du mal einen Suchtberater aufgesucht, um von deiner Krise zu berichten?

Ich kann dir gut nachfühlen, wie schlimm es dir gerade gehen muss. Versuche trotzdem irgendwie FÜR DICH aktiv zu werden.

Liebe Grüße
Gaby


Wilma Offline




Beiträge: 2.102

03.05.2006 18:38
#70 RE: scheiße schreien antworten

Ach liebe Gaby,
wie recht du hast...
was da heute gerade mit mir passiert ist, war meine "Beklopptheit"...meine alten Mechanismen habe sich verselbständigt...hat nix mit Verstand und vernünftig sein zu tun..

Ich war schon zweimal bei einer Beratung
und das schreiben und lesen hier hilft
und zwei Freundinnen von mir sind sowas wie 'ne SHG, da ähnlich betroffen...

du hast auch Recht damit, daß ich mich nicht mit seinem Weg, vom Alk wegzukommen beschäftigen sollte...

nur: wenn du von dieser Person auf irgendeine Weise abhängig bist (und das bist du als Partner, ob du willst oder nicht..er ist einfach eine wichtige Person in meinem Leben, und diese Beziehung ist jetzt wieder nicht mehr intakt)ist es erstmal richtig schwer den gesunden Abstand wiederzufinden...

ich kann doch nicht in einer Beziehung leben und immer und ewig darauf gefaßt sein, daß alles sich plötzlich verdreht und nicht mehr so ist wie vorher (z.B. tagelang keinen Kontakt wenn vorher einmal am Tag Minimum)...dann bewahre ich doch ständig einen komischen Sicherheitsabstand...oder muß ich das sowieso, wenn ich mir einem Alkoholiker zusammen bin, oder muß man das überhaupt sowieso in Beziehungen??

Liebe Grüße

[ Editiert von Wilma am 03.05.06 18:48 ]


ewli Offline



Beiträge: 862

03.05.2006 18:59
#71 RE: scheiße schreien antworten

Hi Wilms!

laß dich erstmal feste drücken

Ich war seit September erst einmal in einer vergleichbaren Lage wie du, aber es graust mir vor der Vorstellung, dass "es" jederzeit wieder sein könnte...

Was ist dann? Mein erster Gedanke beim Lesen war: Abstand! Abstand gewinnen. Nicht von ihm weg, sondern zu mir hin.
Ich möchte mich nicht mehr so an jemanden anlehnen, dass ich umkippe, wenn er fällt oder verschwindet.

Und ... weia ...letzlich ist jederzeit alles möglich - das sich was verdreht und nicht mehr so ist wie vorher. Das ist die Realität.


Liebe Grüße Scheiße
ewli


annilein Offline




Beiträge: 4.212

03.05.2006 19:03
#72 RE: scheiße schreien antworten

Zitat Joosi:
Vielleicht, weil ich der Meinung bin, dass es absolut NICHTS nützt, wenn du mit deinem Mann über seine Sucht sprichst, außer vielleicht, er wollte von sich aus mit dir mal darüber sprechen. Alles andere bringt ihn höchstens dazu Versprechungen zu machen, sich zu bemühen, weil er dich mag - und eigentlich ist das eine ziemliche Quälerei für euch beide. Eine Aufgabe wäre für dich, dieses Thema künftig auszuklammern, wenn er nicht mehr trinkt.

Also, das sehe ich als Angehörige aber ein bischen anders.

Wilma´s Partner trinkt. Sie hat ein Problem damit, er weiß das. vielleicht weiß er selber, das er ein Problem hat.
Auf jedenfall weiß er, das Wilma damit ein Problem hat, weswegen ja auch schon mal eine Trennung vollzogen wurde.

So, nun sollte Wilma mit ihrem nassen Partner nicht über das Thema Sucht sprechen, es sei denn, er fängt davon an.
Und wenn er mal eine trockene Phase zu fassen hat, sollte dieses Thema ausgeklammert werden.

Ich habe meinem Mann immer gesagt, das mir seine Sauferei stinkt, ich habe ihm schon meine Wut spüren lassen.
Er bechert sich schön einen, und ich soll das Thema nicht ansprechen??? Ne, ne, das habe ich anfangs so gemacht. Mir ging es immer schlechter und er machte schön weiter.

Und gerade als er nüchtern war habe ich mit ihm Tacheles geredet.
Klar, kam dann das schlechte Gewissen durch, die Versprechungen. Das war es aber gar nicht, was ich wollte, ich wollte, das mein Mann endlich begreift, das er es nicht alleine schafft, seine Sauferei in den Griff zu bekommen !!

Nur leider war er noch nicht so weit, das er es sich eigestehen konnte.

Aber, und das war das Wichtigste, er hat mich mit seiner Sucht nicht mehr herunterziehen können.


Biene2 Offline




Beiträge: 4.231

03.05.2006 20:04
#73 RE: scheiße schreien antworten

Zitat:

"ich kann doch nicht in einer Beziehung leben und immer und ewig darauf gefaßt sein, daß alles sich plötzlich verdreht und nicht mehr so ist wie vorher (z.B. tagelang keinen Kontakt wenn vorher einmal am Tag Minimum)...dann bewahre ich doch ständig einen komischen Sicherheitsabstand...oder muß ich das sowieso, wenn ich mir einem Alkoholiker zusammen bin, oder muß man das überhaupt sowieso in Beziehungen??"

Hi Wilms,

also,eigentlich gibts nichts Öderes,als eine Beziehung,die immer nach Schema F verläuft.
Und täglich grüsst das Murmeltier..oder so...

Ich wage auch mal ganz vorsichtig zu formulieren,daß Du Dir wahrscheinlich auch einen Partner ausgesucht hast,der Dir nicht zu nahe auf die Pelle rückt.

So als Nähe-Distanz-Spiel.

Die Frage ist auch,denke ich,wie ihr Beiden das Wort "Beziehung" überhaupt definiert....so jeder für sich.

Der Eine meint damit nicht unbedingt das Gleiche wie der Andere.

Vielleicht habt ihr ja nicht nur ein Alkohol- sondern gleich ein Beziehungsproblem dabei.

Über das Ihr so noch gar nicht nachgedacht habt.


Mohnblume ( gelöscht )
Beiträge:

03.05.2006 21:00
#74 RE: scheiße schreien antworten

Liebe Wilma,

es tut mir leid, dass Du das jetzt durchmachen mußt. Doch bitte höre auf Dich selbst zu beschimpfen. Du bist nicht doof und was hättest Du wissen müssen? Vielleicht hast Du einen Fehler gemacht, doch würdest Du ein Kind auch gleich als doof bezeichnen, nur weil es Fehler macht? Ich bin mir sicher, dass würdest Du nicht tun. Du hast nichts gemacht, er hat getrunken.

Ich selbst bin alkoholabhängig und meines Wissens nicht Co. Doch mein jetziger Freund ist auch Alkoholiker. Ich weiß nicht genau, ob Dir meine und seine Geschichte ein wenig hilft, doch ich schreibe sie einfach mal auf:

Wir haben uns damals vor fast 9 Monaten während der Entgiftung kennengelernt. Nachdem wir aus der Klinik kamen haben wir uns verliebt. Es war eine schöne aber auch sehr schwere Zeit für mich. Damals hat er mir sehr geholfen, meine Krankheit zu verstehen und sie anzunehmen. Viel habe ich von ihm gelernt. Er hatte schon 3 Entgiftungen und neben Alkohol auch Erfahrung mit Drogen. Wir freuten uns auf unser neues trockenes Leben. Gemeinsam entdeckten wir das Leben neu. Theater, Museen und die Natur. Besoffen hat man ja keinen Sinn mehr dafür. Wir hatten viele Pläne.
Nach eineinhalb Monaten begann ich dann meine 12-wöchige stationäre Langzeittherapie. War aber in unserer Stadt. Die letzten 4 Wochen der Therapie waren ambulant, so dass wir uns regelmäßig besuchen konnten. Er selbst wollte keine Therapie machen, er bräuchte sowas nicht, meinte er.

Eines Abends rief ich ihn an und er war betrunken. Das war ein fürchterlicher Schock für mich. Es war so furchtbar, den Mann den ich liebte, betrunken zu erleben. Eines wurde mir sofort klar, ich mag ihn nicht, wenn er betrunken ist!
Ich war etwa 2 Tage unter Schock. Er meldete sich nicht bei mir und ich mich nicht bei ihm. Dann begann ich, ihm einen Brief zu schreiben. Auf 15 Seiten habe ich ihm geschildert, wie ich mich damit fühle, dass er trinkt. Habe von unseren gemeinsamen Träumen geschrieben, von unserer schönen Zeit. Aber eines machte ich ihm ganz deutlich: Ich will Dich nicht, wenn Du trinkst! Ganz klar habe ich geschrieben, was ich von ihm erwartete. Nämlich, dass ich ihn weder sehen noch hören will, wenn er nicht bereit ist seine Krankheit in den Griff zu bekommen. Ich verstand darunter als erstes Entgiftung und danach LZT. Es wäre seine Entscheidung, ich oder der Alkohol. Dabei ging es mir gar nicht so sehr um ihn, sondern um mich. Ich wollte nicht kaputt gehen, durfte meine Abstinenz nicht gefährden und vor allem wollte ich keine Beziehung mit einem Mann der trinkt. Deshalb mußte ich diese Forderung stellen. Für mich selbst war das ganz neu. Bisher war ich schließlich immer abhängig von Männern. Sei es aus finanziellen Gründen oder aus mangelndem Selbstbewußtsein. Oder einfach nur aus Angst vor dem Alleinsein. Forderungen an meine Partner habe ich nie gestellt, nur ihre erfüllt.
Jedenfalls habe ich all meinen Mut zusammengenommen und den Brief eingeworfen. Ich rechnete mit dem Schlimmsten, nämlich, dass er sich für den Alkohol entscheidet. Mein Selbstbewußtsein war damals noch nicht allzu groß. Konnte mir nicht vorstellen, dass ich gegen den Alkohol gewinnen könnte. Ich war fest davon überzeugt, er würde sich jetzt todsaufen. Getrauert habe ich um ihn und ein wenig wütend war ich auf ihn, weil er sein Leben und unsere Liebe einfach so wegschmeißt.

Etwa 4 Wochen später rief er mich an. Aus der Entzugsklinik und erzählte mir, dass er eine LZT beantragt habe. Ich habe das gar nicht glauben wollen. Doch er hat das durchgezogen. Entgiftung und dann sofort in die LZT. Hat sich konsequent von seinen alten Freunden getrennt, sich eine neue Wohnung gesucht. Ich habe ihm nicht dabei geholfen. Ich bin richtig stolz auf ihn, wie er es gepackt hat. 5 Monate ist das jetzt her. Unsere Liebe ist wieder da. Doch diese Beziehung bezeichnete ich meiner Therapeutin als seltsam. Sie fragte warum seltsam, nur weil Sie mal nicht abhängig von einem Mann sind? Sie mal Grenzen gesetzt haben? Das ist nicht seltsam, sondern völlig normal.

Mein Freund und ich sind jetzt sehr glücklich. Der Mann tut mir sehr gut und ich ihm. Wenn wir zusammen sind, haben wir eine wunderschöne Zeit. Wir reden viel und schweigen auch gemeinsam. Doch wir beide wissen genug über unsere Krankheit. Wir sind vorsichtig miteinander. Er oder ich könnten ganz plötzlich wieder damit konfrontiert werden, dass der andere trinkt. Ich weiß, er will mich nicht betrunken und er weiß, ich will ihn nicht.
Keine Ahnung, ob wir eine gemeinsame Zukunft haben können. Wir machen keine Plänge bezüglich einer gemeinsamen Wohnung oder langfristig geplanter Reisen oder dergleichen.

Ich fühle mich frei mit ihm, obwohl ich ihn brauche. Brauche seine Liebe, weil sie mir gut tut. Er respektiert mich wie ich bin, will mich so wie ich bin und nicht wie ich sein sollte. Und ich respektiere ihn, so wie er ist. Doch eben nur, wenn er nüchtern ist.

Einmal habe ich Grenzen gesetzt. Es war schmerzvoll, weil so ungewohnt. Doch es war eine großartige Erfahrung für mich. Ich weiß jetzt, dass ich es wieder tun kann, wenn ich in Gefahr bin, wenn er irgendetwas macht, was mich verletzt. Ich fühle mich unabhängig.

Liebe Wilma, denke bitte an Dich! Mach Dir ganz deutlich, was ein Leben mit einem Alkoholiker bedeuten kann. Kannst Du das wirklich auf Dauer durchstehen, ohne dass Du daran ernsthaften Schaden nimmst?

Laß Dich umarmen.


Joosi Offline




Beiträge: 2.036

04.05.2006 08:25
#75 RE: scheiße schreien antworten

Huhu Annilein,

Zitat
Ich habe meinem Mann immer gesagt, das mir seine Sauferei stinkt, ich habe ihm schon meine Wut spüren lassen.
Nur leider war er noch nicht so weit, das er es sich eigestehen konnte.



Hat es dann irgendwann noch geklappt? Habt ihr einen Weg gefunden?


Zitat
So, nun sollte Wilma mit ihrem nassen Partner nicht über das Thema Sucht sprechen, es sei denn, er fängt davon an.



Ja, ich denke er weiß zu genüge, dass Wilma damit kaum klarkommt, dass sie sich irgendwann trennen wird etc. pp. Ich gehe mal davon aus, dass Wilmas Partner nicht geistig minderbemittelt ist daher weiß er es doch und ich fände es nicht in Ordnung, ihn trotzdem deswegen beispielsweise zur Rede zu stellen, Vorwürfe zu machen. Was soll das besser machen?

Zitat
Aber, und das war das Wichtigste, er hat mich mit seiner Sucht nicht mehr herunterziehen können



Meiner Meinung nach. ist dazu nicht notwendig, dass ich dem Partner Vorwürfe wegen seiner Suchterkrankung mache.
Abgrenzen ja. Adäquat reagieren (im Sinne von: nicht auf heile Welt machen, wenn sie es nicht ist)ja. Sauer sein - auch o.k. Ich meinte eben nur, dieses Druck machen, ihm sagen was er zu tun hätte. Das halte ich für sinnlos und letztlich für beziehungszerstörend.

Zitat
Er bechert sich schön einen, und ich soll das Thema nicht ansprechen???


So wie du diesen Satz schreibst, klingt er, als ob du sein Trinken persönlich genommen hast. Wenn ich mir vorstelle, mein Mann würde mir diesen Vorwurf so gemacht haben: "ich becher mir schön einen", dann ist dies doch ein Vorwurf, dass ich es mit Absicht mache. Es mir gut gehen lasse und er oder sonstige Verpflichtungen mir scheißegal sind. Ich kann natürlich nur von mir sprechen. Bei mir war in den letzten Jahren ein Leidensdruck und eine Verzweiflung dahinter. Ich habe mir nicht schön einen gebechert. Ich konnte es einfach nicht lassen. Viele Jahre habe ich mich selbst runtergemacht quasi mit mir selbst geschimpft, was ich doch für ein willensschwaches Stück bin, alle meinen es gut mit mir und ich blöde Kuh, hab kein Rückrat und mache die Pulle schon wieder auf.
Ich kam erst aus dieser Spirale raus, als ich erkannt habe, dass ich nicht böse, gemein und willenschwach bin, sondern dass es eben eine Suchtkrankheit ist.


Hi Wilma,

Zitat
ich kann doch nicht in einer Beziehung leben und immer und ewig darauf gefaßt sein, daß alles sich plötzlich verdreht und nicht mehr so ist wie vorher (z.B. tagelang keinen Kontakt wenn vorher einmal am Tag Minimum)...dann bewahre ich doch ständig einen komischen Sicherheitsabstand...oder muß ich das sowieso, wenn ich mir einem Alkoholiker zusammen bin, oder muß man das überhaupt sowieso in Beziehungen??



Nein, dass glaube ich auch nicht, dass das ewig geht. Es ist kein schöner Zustand mit einem nassen Alkoholiker zusammenzusein. Irgendwann wird die Grenze erreicht sein, wo du vielleicht entscheidest, dass die Krankheit stärker ist und die Liebe zerstört. ..oder er schafft es seine Trinken als Erkrankung zu akzeptieren mit den dazu notwendigen Konsequenzen für ihn.

Trotzdem kannst du ihn nicht ändern. Wenn mir auch noch so verständlich ist, wie sehr du das möchtest.

Und ich gebe dir auch recht, dass dieser "komische" Sicherheitsabstand, den du aus Selbstschutzgründen in einer Beziehung mit einem nassen Alkoholiker brauchst, nicht sehr befriedigend ist. Vertrauen und Nähe sind ganz wichtige Basiselemente einer Beziehung, die sind bei euch durch die Suchtkrankheit leider nicht richtig lebbar. Das ist ein schweres Los für dich. Und es ist auch wirklich nicht zu raten, wie lange man aus Liebe das ertragen kann und wann einzusehen ist, dass man daran zugrunde geht und deshalb ganz Abstand nimmt.

Sicherheitsabstand in Beziehungen?
Ich denke, es ist in Beziehung einfach wichtig, dass jeder sein eigener Mensch bleibt. Klar teilt man vieles, macht Kompromisse, macht auch mal was für den anderen. Aber man muss weitgehend auch seine Bedürfnisse erfüllen können, ohne dass dies eine Bedrohung, Angriff oder persönliche Verletzung des Partner bedeutet (z.B. das er es so auffassen würde). In einer Beziehung mit einem nassen Alkoholiker ist schnell ein Zustand erreicht, wo der andere Partner viel mehr Abstriche macht, als ihm guttun. Genauso ist es ja auch bei anderen kranken. Wenn du z.B. eine bettlägerige Mutter pflegen würdest, die dich beispielsweise ständig rumkommandiert und angreift, weil sie vielleicht Schmerzen hat, unglücklich ist, dann zerrt das irgendwann auch sehr an dir und an eurem Verhältnis. Es ist vielleicht zu ertragen, da man eben weiß, wie krank der andere Mensch ist. Aber es wäre nicht ein ganzes Leben lang zu ertragen, da würde jeder irgendwann durchdrehen.
Und ich kenne das von Angehörigen, die jahrelang eigene Bedürfnisse zurückstellen z.B. bei Pflege und wenn die Angehörige dann gestorben ist, fallen sie in ein tiefes Loch, kommen nicht mehr klar.
Und so ähnlich sehe ich auch die Beziehung zu einem nassen Alkoholiker. Diese Gefahr ist größer, als in einer Beziehung wo beide keine (sucht)erkrankung haben. Deshalb ist da auch ein größerer Sicherheitsabstand notwendig.
Und du bist selbst gefordert, auf dich zu achten, wie lange du dir das zumuten kannst, diese Defizite in Vertrauen und Gefühlsdingen aushalten kannst.

Ich würde dir auch zusätzlich trotzdem eine Angehörigen-Gruppe empfehlen. Probier es doch mal aus. Denn Menschen, die sich mit der Co-Abhängigkeit auseinandergesetzt haben, die wissen, was gut tut bei einem "Rückfall". Das sind manchmal andere Dinge, als sie bei einer einfachen Beziehungskrise sinnvoll wären.

Kopf hoch Wilma!

Du wirst dich da durchwurschteln.
Ich finde es ganz toll, dass du dich nicht zurückziehst, sondern drüber redest.

Liebe Grüße
Gaby


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