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Saufnix
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Dieses Thema hat 49 Antworten
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 Deine eigene Alkoholkarriere
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Wanderfee Offline




Beiträge: 193

18.03.2018 17:19
Wanderfee auf neuen Wegen antworten

Hallo. Ich bin froh das Forum hier gefunden zu haben, habe mich jetzt einige Zeit durchgelesen und bin nun hier.
Ich bin seit 8 Tagen trocken, bin seit einigen Jahren in Therapie, war schon auf Kur und psychosomatischer Reha. Immer war der Alkohol dabei. Im Schnitt habe ich pro Woche 1-2 Tage ohne Alkohol geschafft. Die anderen Tage habe ich mich mit 1/2 bis 1 1/2 Flasche Wein betäubt, belohnt, mich entspannt, mich fröhlich gemacht, mich zum vergessen gebracht.
Ich bin vor drei Jahren mit einer schweren depressiven Episode (Burnout) zusammengebrochen, habe nur noch geheult, Krankschreibung und Antrag auf Reha. In der Reha kam dann die lange verdrängte und völlig vergessene Kindheit hoch. Erst danach begann ich langsam alles, was mir (auch an mir) immer so seltsam vorkam einzuordnen. Beim Einordnen, entwickeln und entdecken bin ich immer noch. Oft sind die Ängste jedoch viel schneller als meine Erkenntnisse. Die Angst wartet morgens schon auf meinem Kopfkissen, bis ich endlich wach bin.
Ein halbes Jahr nach der Reha (und wöchentlicher Psychotherapie) habe ich dann eine neue Arbeit angefangen (endlich mein berufliches Ziel erreicht). Und von da an spürte ich die Erwartungen, mein Perfektionismus, das "ich muss alles richtig machen, sonst passiert etwas ganz schreckliches",.... zum Ausgleich wurde der Alkohol mehr.
Jetzt wurde mir immer klarer, dass ich nur trinke um die Wirkung zu spüren. Das genüßliche Glas dachte ich, könnte ich irgendwann wieder haben.
Inzwischen (nach 8 Tagen) kann ich mir eingestehen, dass es das genüssliche Glas Wein nie gab. Ich habe schon immer getrunken um eine Wirkung zu spüren, zu erzielen, damit es mir besser geht. Anfangs um im Umgang etwas lockerer zu werden, eine gewisse Leichtigkeit zu spüren und nun (also die letzten 2 - 4 jahre), um die Schwere des Lebens, mit all seinen Anforderungen, aushalten zu können.
Und auch, weil diese Anforderungen ja auch oft in mir sind. Mein Kindheitstrauma macht ja was in mir, mit mir. Ich bin da noch lange nicht fertig. werde es vielleicht nie sein. Aber ich will lernen damit zu leben, und nicht im Suff zu versinken und damit das mit mir selber fortsetzen, was er/sie mir damals antat.
Ich bin es mir wert, ich darf glücklich sein, ich darf zufrieden mit mir sein.

Ich bin auf Suche nache einer Selbsthilfegruppe. Entdeckt habe ich bisher eine Gruppe der AA, die nur für Frauen ist mit 14 tägigen offenen Meetings. Oder auch eine Gruppe für Frauen die in der Kindheit .... wurden. Momentan bin ich leider krank (Bronchitis). Sobald ich wieder gesund bin, werde ich wohlmit beiden Gruppen mal Kontakt aufnehmen.

Ich möchte hier meinen Weg aufzeigen und freue mich auf eure virtuelle Begleitung.
Wanderfee


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Bodhisattva Offline



Beiträge: 1.243

18.03.2018 18:19
#2 RE: Wanderfee auf neuen Wegen antworten

Lieber Wanderfee,

toll, dass Du den Weg ins Saufnix gefunden hast und Alles Gute für dich auf dem weiteren Trocknungsweg. Wirkungstrinker war ich ebenso, schwere Depression und Reha hatte ich ebenso, was ich ebenso hatte war der begleitende Alk.

Diese Illusion wenn-dann wird's auch ohne Alkohol gehen hält einen gefangen im Sprit, denn dort ist es besser als hier und es wird immer ein neues dort geben und erst dann wird aufgehört zu Saufen.

8 Tage sind ein Anfang, schreibe weiter und viel Glück mit der SHG.

Grüße, Bodhi

Nicht die Dinge ändern sich: Wir ändern uns. (Henry D. Thoreau)


1 Mitglied findet das Top!
Wanderfee Offline




Beiträge: 193

18.03.2018 18:44
#3 RE: Wanderfee auf neuen Wegen antworten

Danke für die Begrüßung.
Ja, 8 Tage sind ein Anfang.
Und über den freue ich mich. Und auch über das Lesen und Schreiben hier.
Grüße


Julia Offline



Beiträge: 513

19.03.2018 08:57
#4 RE: Wanderfee auf neuen Wegen antworten

Liebe Wanderfee

Herzlich Willkommen! Schön, dass du hier bist. Deine Geschichte klingt in mir an. Vieles davon habe ich auch so erlebt.


Zunächst mal gute Besserung. Bronchitis kann ganz schön anstrengend sein.

Ich wünsche dir einen guten Austausch hier.

Liebe Grüsse
Julia

********
"Leben allein genügt nicht, sagte der Schmetterling. Sonnenschein, Freiheit und eine kleine Blume muß man auch haben".
(H.C. Andersen)


Wanderfee Offline




Beiträge: 193

19.03.2018 12:38
#5 RE: Wanderfee auf neuen Wegen antworten

Liebe Julia,


danke für das Herzliche Willkommen. Ich finde es beruhigend für mich und mein trocken bleiben, zu wissen dass ich hier schreiben und lesen kann.
Tschau


1 Mitglied findet das Top!
Wanderfee Offline




Beiträge: 193

20.03.2018 22:03
#6 RE: Wanderfee auf neuen Wegen antworten

Heute abend habe ich eine Situation trocken überstanden, bei der ich sonst immer getrunken habe. Das war einfach meine Belohnung und sorgte dafür dass ich ruhig blieb. Konnte ich mir anders gar nicht vorstellen. Heute habe ich mich damit beschäftigt, auf kleine Kärtchen zu schreiben, was mir beim Trocken werden und trocken bleiben helfen kann. So habe ich diese Situation überstanden und eine Beispielsituation erschaffen, bei der ich trocken blieb.

Momentan verkrieche ich mich ja zu Hause, weil ich ja noch krank bin. Ab Wochenende sind dann Ferien und am Ende der Ferien bin ich auf einer Fortbildung für 3 Tage, bei der abends, beim gemütlichen Zusammensitzen, ganz schön viel getrunken wird. Die letzten beide Male war ich da ja dabei. Diese Mal? Ich glaube, ich ziehe mich in die Ruhe meines Zimmers zurück, mit was zu lesen, oder TV (gibt es dort auch) ... Was meint ihr, mit eurer Erfahrung?

Wanderfee, glücklich, dass ich es bis heute geschafft habe.


newlife ( gelöscht )
Beiträge:

20.03.2018 23:47
#7 RE: Wanderfee auf neuen Wegen antworten

Ich denke, dass wird zunächst einmal sinnvoll für dich sein, wenn du dich dem Alkohol fernhälst. Beobachte dich gut und pass auf, das damit aber nicht ein sozialer Rückzug einhergeht.


Julia Offline



Beiträge: 513

21.03.2018 00:29
#8 RE: Wanderfee auf neuen Wegen antworten

Liebe Wandefee

Freut mich, dass du heute so ein gutes Erlebnis hattest. Diese Erlebnisse sind es, die uns zeigen, dass es auch ohne Alkohol geht. Gut sogar. Man muss sich nur einfach daran gewöhnen :-)

Betreffend Fortbildung habe ich es so gemacht, dass ich aufs Zimmer und nicht mit den anderen zusammengesessen bin. Das war im Januar, da war ich 7 Monate abstinent. Während ich von Beginn an an beruflichen Anlässen teilgenommen habe, an denen es Alkohol gab, habe ich dieses Zusammensitzen bei der Fortbildung bewusst vermieden. Alle Leute waren neu und an diesem Abend irgendwie in Trinklaune. Ich habe mich ausgeklinkt und gesagt, dass ich noch was für den Job machen muss. Das war mir wirklich zu viel. Eigentlich hat es mir bis dahin nichts ausgemacht, an Anlässen mit Alkohol zu sein. Da schon. Weil es so nah war. Zu nah.

********
"Leben allein genügt nicht, sagte der Schmetterling. Sonnenschein, Freiheit und eine kleine Blume muß man auch haben".
(H.C. Andersen)


Angler1975 Offline




Beiträge: 266

21.03.2018 00:41
#9 RE: Wanderfee auf neuen Wegen antworten

Erstmal gute Besserung und schön, dass du hier bist!

Nach so kurzer Abstinenz, kurz und knapp: Von feucht-"fröhlichen" Runden fernhalten.
Notfalls mit irgendeiner Ausrede. Meine Sicht der Dinge.

Wozu etwas riskieren?

Abgesehen davon:
Je "gemütlicher" das Zusammensitzen, umso "ungemütlicher" für JEDEN Nüchternen.

Ich habe die Tage mal das Forum einer großen Frauenzeitschrift nach dem Thema "Alkohol auf Feiern" durchstöbert:

Der nüchterne Blick von nicht-süchtigen Wenig-bis-Noch-nie-Was-Trinkern öffnet einem nochmal schön die Augen,
was "normal" ist und was nicht. Alkoholmissbrauch ist es definitiv nicht. Was ich dort gelesen habe,
wenden sich die meisten von "Vieltrinkern" recht schnell ab. Schlicht und ergreifend weil sie mit deren Verhalten
nix anfangen können. Diejenigen, die im Bekanntenkreis etwas genauer hinschauten, machten folgende Beobachtung:

Anfang 30 stellen die meisten ihren bis dahin durchaus exzessiven Konsum ein,
weil andere Prioritäten im Vordergrund stehen.

Manche bleiben aber "kleben" und die fallen dann immer mehr auf. Auch vom körperlichen Erscheinungsbild.
Anfang 40 bemerken dann einige ihr Problem und unternehmen aktiv was dagegen. Prognose ungünstig, aber trotzdem machbar.

Anfang 50 kaum noch Chancen. So der "allgemeine" Tenor dort. Deckt sich auch mit meinen Erfahrungen...

Wie komm ich jetzt darauf? Achso, "gemütliches" Zusammensitzen.

Hoffentlich hast du deine Bronchitis bald überstanden.
Freu dich darauf, wenn sich dein Körper ohne Alk wieder richtig erholen kann.

Thema Kindheitstrauma:
Das hast du ja leider nicht erst seit "gestern" und das läuft dir leider auch nicht weg.
Geht mir genauso.

Ein alter, schlechter Witz unter Sozialpädagogen (Ich bin keiner): "Lieber gut verdrängt als schlecht therapiert!"

Ein wahrer Kern steckt jedoch (vorerst) drin.
Für mich ist nach knapp 6 Monaten alkfrei erstmal meine körperlich-geistige Genesung wichtig.
Weil ohne die kann ich meine seelische Genesung nicht erreichen. Die kommt aber später.


Angler1975 Offline




Beiträge: 266

21.03.2018 00:53
#10 RE: Wanderfee auf neuen Wegen antworten

Sorry, lese gerade dein Geburtsdatum. Ich will dich auf keinen Fall entmutigen.

Die oben genannte Aussage bezieht sich auf Leute, die seit ihrer Jugend zu viel trinken.


newlife ( gelöscht )
Beiträge:

21.03.2018 08:02
#11 RE: Wanderfee auf neuen Wegen antworten

Hi Angler,
les vielleicht mal weniger Frauenzeitungen, die immer so wunderbar verallgemeinern.
Ich bin auch jemand, der aus der Angstschiene kommt und immer 10 Ausreden hatte, warum dies oder jenes bei mir nicht geht. Eine Außenwirkung gabs erst gar nicht, weil ich immer auf den Boden guckte. Das wird erkannt und wahrgenommen. Da geht dann wirklich nix, aber es liegt nur an der Ausstrahlung, nicht am Alter. Spaß haben, lachen können, Freude empfinden geht nur in Gesellschaft und das sind enorm wichtige Komponenten eines jeden Genesungsprozesses und für mich war es essentiell. Fehlende Sozialkontakte standen im ursächlichen Zusammenhang mit meiner Suchterkrankung. Also musste ich genau da ansetzen um etwas erreichen zu können. Nüchtern im stillen Kämmerlein war immer mein Rückfallgrund Nr. 1


Bodhisattva Offline



Beiträge: 1.243

21.03.2018 11:23
#12 RE: Wanderfee auf neuen Wegen antworten

Zitat von newlife im Beitrag #11
Spaß haben, lachen können, Freude empfinden geht nur in Gesellschaft


Bezogen auf Dich Dirk, es gibt viele Menschen die ziehen Kraft aus sich selbst und es ist völlig schnuppe ob sich die Person in einer Gesellschaft bewegt, als Einsiedler Zeit genießt oder wie auch immer sein Leben gestaltet. Ich denke ich lebe nur auf der Grenze wirklich, auf jemanden zugehen und sich dann wieder zurückziehen, Rhythmus zwischen Einzelnem und Gemeinschaft, echtes Nein- und Ja-Sagen. Dieses Spannungsfeld zwischen Ich und Du möchte ich nicht auflösen, das führt nur zu Konflikten und Problemen. Lebendige Begegnung ist ein Zusammenspiel von Kontakt aufnehmen und sich zurückziehen. Es gibt kein a oder b - sondern nur a und b. Um so länger ich trocken bin um so deutlicher wird mir das auch.

Grüße, Bodhi

Nicht die Dinge ändern sich: Wir ändern uns. (Henry D. Thoreau)


2 Mitglieder finden das Top!
newlife ( gelöscht )
Beiträge:

21.03.2018 12:52
#13 RE: Wanderfee auf neuen Wegen antworten

Hi Bodhi,

ich geb dir recht. Ich mache es ja auch nicht anders. Verzicht auf ein soziales Umfeld aber macht bestimmt keinen Menschen glücklich. Sorry für die Verallgemeinerung, ich kann mir das aber einfach nicht vorstellen. Gut, vielleicht gibt es auch das, aber zu denen gehöre ich auf jeden Fall nicht. Da glaube ich bei uns sozialen Wesen doch eher an die Herdentiere...

Was aber vollkommen richtig ist, dass alleine sein durchaus bewusst genossen werden kann. Habe da gerade eine ganz frische Erinnerung ausm Urlaub. Ich wandere gerne ganz alleine. Ganz bewusst die Natur genießen, diese Sinnlichkeit ganz weit weg in den Bergen und nicht eine Person zu sehen. Mir begegnet dann die Vegetation, ich beobachte wie sich die Natur auf dem Weg verändert, nehme Einzelheiten am Wegesrand wahr und kann richtig abtauchen.

Das sind ganz tolle Erfahrungen die mich auch emotional berühren. Das ist schön, aber einseitig. Dazu braucht es auch die richtige Stimmung um das einfangen und auch wertschätzen zu können.

Ist auf jedenfall was ganz tolles um in völliger Ruhe über so manches nachzudenken oder auch dazu geeignet, so richtig Abstand zu nehmen, sich fallen zu lassen oder wie auch immer.


Angler1975 Offline




Beiträge: 266

21.03.2018 13:13
#14 RE: Wanderfee auf neuen Wegen antworten

Zitat von newlife im Beitrag #11
Hi Angler,
les vielleicht mal weniger Frauenzeitungen, die immer so wunderbar verallgemeinern.



HALLO??? Geht´s vielleicht auch in weniger BELEHRENDEM Ton??? Besten Dank

Zitat von newlife im Beitrag #13
Da glaube ich bei uns sozialen Wesen doch eher an die Herdentiere...



Ich bin ganz sicher KEIN Herdentier wie ein Schaf, Rind oder Gnu, sondern eher ein Kleingruppen-bzw. Rudeltier wie Affe, Wolf oder Murmeltier.


Wanderfee Offline




Beiträge: 193

21.03.2018 15:41
#15 RE: Wanderfee auf neuen Wegen antworten

Vielen Dank für eure Beiträge. Ich muss mir die später noch mal alle durchlesen. (Mein Gehirn ist noch etwas Grippemüde).

Klar ist, ich werde mich bei der Fortbildung von allen "gemütlichen" und für mich "ungemütlichem" (weil nüchtern) Zusammensein fern halten. Ich bin ja auch sehr gerne mit mir alleine und nütze die Zeit dann zum Lesen, usw.

Das mit dem Alter ist schon ok. Ich denke mein Alkoholkonsum hat sich so Mitte 40 in die Richtung missbräuchlich und abhängig entwickelt. (zwischen 14 und 40 Jahren trank ich höchstens mal zum Geburtstag, Silvester und Weihnachten, oder mal bei einem schönen Essen). Schon erstaunlich, wie schnell und unbemerkt man/frau dann dennoch in die Abhängigkeit rutscht.

Heute vormittag habe ich mich endlich getraut die Kontakt-Nr. für die SHG für Frauen (Missbrauch) anzurufen. War ein sehr gutes erstes Gespräch und ich werde Kontakt zu der Gruppe aufnehmen. Gefühle der Angst, Stress, nervosität, Überforderung, ... brachten mich zum Trinken. Dieser Gefühle waren aber nicht wirklich auf reale Tatsachen bezogen (die gibts natürlich auch, aber die kann ich ja lösen) sondern entstanden als Traumasymptome.

jetzt muss ich für meine tochter noch eine kurze Arbeit Korrekturlesen - und dann gibts nochmal Tee und Ruhe.

Wanderfee


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