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Saufnix
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Dieses Thema hat 68 Antworten
und wurde 3.152 mal aufgerufen
 Deine eigene Alkoholkarriere
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Annie Offline



Beiträge: 37

07.01.2018 12:16
Eure Einschätzung antworten

Hallo,

ich habe mich angemeldet, weil ich befürchte, daß ich schon in schlechterem Zustand bin als bis vor Kurzem noch angenommen.

Ich bin 46 Jahre und habe seit 25 Jahren immer wieder Probleme mit Bier. Phasenweise habe ich gar nichts getrunken, aber ich kam immer wieder darauf zurück sobald irgendwas los war. Vor 7 oder 8 Jahren ergab es sich so, daß ich seitdem jeden Abend 2 Flaschen Bier getrunken habe. Es gab mal kleinere Ausschläge nach oben, aber normalerweise 2 Flaschen. Gelegentlich habe ich darüber nachgedacht, daß das nicht richtig ist, aber da ich keine negativen Begleiterscheinungen hatte, war es auch egal.

Jetzt kam es in den letzten 14 Tagen häufiger dazu, daß ich 6 Flaschen Bier abends getrunken habe. Da war ich richtig voll! Aber das Schlimme war eigentlich, daß ich extrem aggressiv war. Ich war dann besoffen in einem Forum und hatte mir eine Person rausgepickt, an der ich alles ausgelassen habe. Und der hat irgendwann geschrieben, daß das aber mehr als 1 Flasche sein muß und ob ich das jeden Abend machen würde. Ich habe mich dann entschuldigt, aber am nächsten Abend ging es wieder von vorne los. Ich hatte mich da nicht mehr im Griff.

Wenn man von einem Fremden darauf angesprochen wird, ist das schon übel. Mir ist das alles extrem peinlich jetzt, aber es war ein heilsamer Schock. Ich habe versucht, dem aus dem Forum das zu erklären, aber der will verständlicherweise nichts mehr von mir wissen.

Nächste Woche will ich zur Suchtberatung gehen. So kann es nicht weitergehen. Ich würde von euch gerne mal wissen, ob ich noch zu retten bin. Mir geht es mit der Erkenntnis, daß ich schon in einem fortgeschrittenen Stadium sein könnte, echt schlecht.


vicco55 Offline




Beiträge: 2.573

07.01.2018 12:38
#2 RE: Eure Einschätzung antworten

Hallo Annie,

herzlich willkommen hier im Forum.

Was meinst Du damit, ob Du noch zu retten bist? Du hast zumindest die ersten Schritte dazu gemacht. Du hast Dich hier angemeldet und vor allem, Du hast einen Termin bei der Suchtberatung. Da sitzen die Menschen, die Dich berufsbedingt einschätzen können; also ob Du noch mißbräuchlich oder schon abhängig trinkst. Abhängig von dieser Diagnose erstellen die mit Dir einen Ausstiegsplan. Das kann von einem KT-Kurs (Kontrolliertes Trinken) bis hin zu stationärer, bzw. ambulanter Entwöhnungsbehandlung nach einer Entgiftung gehen. Das Ziel heißt dann Abstinenz.

Dein aggressives Verhalten nach Alkoholkonsum ist so unüblich nicht. Die einen werden ruhig und in sich gekehrt, die anderen werden aggressiv, andere albern oder flirtig. Ich kannte einen, der wurde schon verabal ausfällig, wenn der nur einen Schnaps angeboten bekam; er mußte ihn nicht mal trinken. Wenn Du so veranlagt bist, ist es wohl wirklich das Beste, Du läßt die Finger von der Flasche; vor allem wenn Du Dich nicht kontrollieren kannst. Da ist es dann wohl egal, an welcher Stelle der Skala Du stehst. Eigenschutz heißt die Devise.

Schaue Dich um hier. Du findest Dich bestimmt in der einen oder anderen Geschichte wieder.

Gruß
Viktor


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Annie Offline



Beiträge: 37

07.01.2018 14:48
#3 RE: Eure Einschätzung antworten

Ich würde es vorziehen, für eine Woche in ein Krankenhaus zu gehen um etwas Abstand zu haben. Wenn ich zu Hause bin, ist mir die Versuchung im Moment zu groß wieder 6 Flaschen zu trinken. Ich werde das bei der Suchtberatung fragen. Oder beim Arzt. Da werde ich ja hin müssen.


Vianne Offline



Beiträge: 143

07.01.2018 17:10
#4 RE: Eure Einschätzung antworten

Willkommen an Board :-)

Hmmm. Was willst du denn in einer Woche im Krankenhaus machen? Was soll da der Grund für deinen Aufenthalt sein? Dass du nicht an Alkohol rankommst?

Wenn dann wirst du zur Entgiftung geschickt. Eine Entgiftung dauert 10 bis 14 Tage. Normalerweise folgt dann ne 12 bis 16 wöchige Langzeittherapie. Die Frage ist, ob du das willst und brauchst. Auch ob du solange aus deinem Job fernbleiben kannst. Es gibt auch ambulante Therapien und Tageskliniken, wo man abends heimkann.

Ich würde zur Suchtberatung gehen und mir diese Möglichkeiten genau erklären lassen, die du hast -- und schau vielleicht mal zu den Anonymen Alkoholikern. Die gibts in ganz Deutschland.

Ich wünsch dir viel Geduld, Kraft und Zuversicht auf deinem Weg. Ich hab mich hier in die Trockenheit geschrieben. Das Anfangen war am Schwierigsten. Danach wurde alles leichter. Man muss nur den Mut haben, anzufangen.

Alles Gute :)

Vianne


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Annie Offline



Beiträge: 37

07.01.2018 18:10
#5 RE: Eure Einschätzung antworten

Zitat von Vianne im Beitrag #4


Hmmm. Was willst du denn in einer Woche im Krankenhaus machen? Was soll da der Grund für deinen Aufenthalt sein? Dass du nicht an Alkohol rankommst?




Das ist ein Grund. Der andere ist, daß ich kreuzunglücklich mit dieser Situation bin. Wenn man sich im Suff peinlich benimmt, pöbelt usw. und einem klar wird, daß man sich nicht mehr im Griff hat, ist das echt kein schönes Gefühl. So viel wie in den letzten zwei Tagen habe ich schon lange nicht mehr geheult. Ich habe schon öfter Ausfälle gehabt, aber mir wurde das eigentlich immer verziehen. Und wenn ich mir vorstelle, daß ich dann zu einer Therapie antreten darf, wo man den Grund für alles herausfinden will... Das wird richtig übel! In einem Krankenhaus wäre ich wenigstens aus der Wohnung. Ich finde es hier irgendwie zu verlockend mich an den gewohnten Platz mit dem gewohnten Getränk zu setzen. Bei der Menge, die ich für gewöhnlich im Schnitt trinke, bin ich wahrscheinlich gar nicht süchtig sondern nur mißbräuchlich. Ich brauche bestimmt keine Entgiftung, nur Therapie. Ich kenne mich mit diesen Sachen aber nicht aus. Das werden die mir morgen bei der Suchtberatung schon erklären. Ich schäme mich gerade extrem vor mir selbst.

Ich möchte eigentlich nicht in eine Gruppe gehen. Mir wären Einzelgespräche lieber.

Wie ist denn das eigentlich? Wenn ich nur mißbräuchlich trinke, darf ich dann auch nie wieder was trinken oder gilt das nur für Süchtige? Ist das Ziel in beiden Fällen Abstinenz?


Bodhisattva Offline




Beiträge: 1.098

07.01.2018 18:23
#6 RE: Eure Einschätzung antworten

Zitat von Annie im Beitrag #5
Wie ist denn das eigentlich? Wenn ich nur mißbräuchlich trinke, darf ich dann auch nie wieder was trinken oder gilt das nur für Süchtige? Ist das Ziel in beiden Fällen Abstinenz?


Hi Annie,

willkommen erstmal bei den Saufnixen und klasse, dass Du etwas unternehmen willst um deine Probleme zu lösen. Zu deiner Frage: Was ist Missbrauch, wann geht der Missbrauch in die Sucht über, was ist überhaupt der Unterscheid und wer beurteilt das? Nur Du kannst diese Frage beantworten ob Du nun missbräuchlich trinkst oder süchtig bist. Fakt ist, dass es Dir beschissen geht und das Alkohol damit zusammenhängt, das sind schon starke Parameter in Richtung Sucht.

Der klassische Weg ist Hausarzt/Suchtberatung und dann weitere Schritte einläuten und dazu gehört auch ein "Wollen", schämen sollte sich ein Mensch der keine Hilfe sucht, nicht derjenige der sich Hilfe nimmt, und glaube mir, es war bei mir anfangs auch nicht schambefreit.


Die Menge ist übrigens nicht der entscheidende Punkt ob Du süchtig bist oder nicht.

Frage: Warum trinkst Du?

Grüße, Bodhi


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Bea60 Offline




Beiträge: 2.402

07.01.2018 18:41
#7 RE: Eure Einschätzung antworten

Zitat von Annie im Beitrag #5

Wie ist denn das eigentlich? Wenn ich nur mißbräuchlich trinke, darf ich dann auch nie wieder was trinken oder gilt das nur für Süchtige? Ist das Ziel in beiden Fällen Abstinenz?


Hallo Annie und willkommen an Board.

Diese Frage wundert mich schon etwas. Du beschreibst, wie Du Dich unter Alkohol veränderst und benimmst, aber stellst schon die Frage, ob Du als Missbräuchler wieder trinken darfst?? Kann ich jetzt echt nicht verstehen.
Du merkst doch, was der Alkohol mit Dir macht. Das wird er doch dann immer wieder machen - oder??

Ich habe auch die Diagnose, dass ich nicht abhängig erkrankt bin und "musste" nie trinken, kenne nicht das Zittern am Morgen u.a. Trotzdem konnte ich, wenn ich denn mal angefangen hatte, nicht aufhören. Da waren die nüchternen Zeitabstände egal. Deswegen habe ich mich für den Weg ohne Alkohol entschieden.

Suchtberatung ist ein guter Anfang und zu einer Selbsthilfegruppe kann ich Dir auch nur raten.

Alles Gute für Dich
Beate


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Annie Offline



Beiträge: 37

07.01.2018 18:43
#8 RE: Eure Einschätzung antworten

Ich glaube, ich trinke, weil ich ein schwieriger Mensch bin. Das Problem ist, daß ich dadurch noch schwieriger geworden bin. Mit mir war es immer schon schwer auszukommen, weil ich sehr empfindlich bin. Das macht einsam. Ich glaube, so kam es, daß ich mir das Leben mit Alkohol versüßt habe. Richtig einsam bin ich nicht, aber ich habe nicht viele Leute. Selbst mit meinen Eltern breche ich regelmäßig den Kontakt ab. Oder die mit mir.

Wie war das denn bei euch mit Freunden und Verwandten? Haben die sich euch gegenüber geäußert zum Trinken oder zu eurem Verhalten? Ich habe nämlich heute aus Verzweiflung meine Eltern nach langer Zeit angerufen und meine Mutter meinte, daß ihr schon aufgefallen ist, daß ich eine Flasche Rotwein wie eine Flasche Wasser trinke, sie sich aber nichts dachte, weil sie ja nicht wußte, daß ich mir danach zu Hause noch ein paar Bier trinke. Und sie meinte, daß ihr vor 3 Jahren schon merkwürdiges Verhalten bei mir aufgefallen sei. Hat man euch sowas auch gesagt?

Edit: Bea60, du hast vollkommen recht;-)


Annie Offline



Beiträge: 37

08.01.2018 17:36
#9 RE: Eure Einschätzung antworten

So. Ich war heute bei der Suchtberatung. Er meinte, daß meine tägliche Dosis recht niedrig wäre, aber man trotzdem was dagegen unternehmen müßte. Er schlägt vor, einfach wieder zu normalem Trinkverhalten zurückzukommen. Kontrolliertes Trinken. Max. 2 Bier an 2 Abenden die nächsten 4 Wochen. Das versuchen wir jetzt! Es war insgesamt gar nicht so schlimm, wie ich es mir vorgestellt hatte:-) Und danke fürs Lesen. Gestern war ich echt schlecht drauf.


nino Offline



Beiträge: 72

08.01.2018 17:46
#10 RE: Eure Einschätzung antworten

Die befreiende Wirkung meiner ersten Besuches bei der Suchtberatung habe ich auch in guter Erinnerung. Das senkt sicher die Hürden für mögliche weitere Unterstützungsangebote.
Wenn der Therapeut dort tatsächlich diese Formulierungen verwendet hat, finde ich das interessant. Einfach mal zum normalen Trinken zurückkommen. Hört man halt mal auf mit süchtig sein oder zu missbrauchen.
Der Selbstversuch ist sicherlich aber eine gute Möglichkeit herauszufinden, wo Du stehst. Entscheidend halte ich aber auch die Frage von Bodhi:

Zitat von Bodhisattva im Beitrag #6
Frage: Warum trinkst Du?


und ich denke nicht, dass die Antwort einfach nur "schwieriger Mensch" ist. (was ist das überhaupt konkret?)
Für irgendwas war Alkohol bislang ja gut bzw. vermeintlich notwendig. Diese Gründe, egal wie gut oder schlecht, sind nicht einfach weg mit dem Beschluss es anders haben zu wollen.


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Annie Offline



Beiträge: 37

08.01.2018 18:34
#11 RE: Eure Einschätzung antworten

Ja gut, so einfach wird es wohl nicht sein. Er sagte, daß auf die Art erfahrungsgemäß ein paar Leute ganz aufhören zu trinken, weil sie sich nicht entscheiden können, wann diese Tage in der Woche sein sollen. Und irgendwann dreht sich alles nur noch um diese 2 Tage und dann entschließen sich einige irgendwann, ganz aufzuhören. Wie du schon sagst, will er damit herausfinden, was mich eigentlich dazu treibt. Ich soll aufschreiben, wie die einzelnen Wochentage mit und ohne Alkohol sind. Und entscheidend wäre, ob ich, wenn ich 2 Flaschen trinke, nicht widerstehen kann und Nachschub kaufen gehe. Denn dann könnte das ein Anzeichen für eine Sucht sein. Wenn ich mit diesem "Trinkmodell" nicht klar komme, würden wir was anderes probieren. Das er nicht zu kompletter Abstinenz rät, liegt nur daran, daß ich nicht soooo viel getrunken habe und die Chancen gut stehen, wieder zu einem normalen Trinkverhalten zurückzufinden. Es kann natürlich auch sein, daß das nicht klappt. Ach so. Es sollen max. 2 Flaschen/2 Abende sein, nach Möglichkeit natürlich weniger.

Die Frage nach dem Warum ist nicht so leicht zu beantworten. Er hat mich das ja auch gefragt. Ich habe ihm dann von meinen besoffenen Wutausbrüchen erzählt. Er sagte, daß da wohl eine emotionale Schieflage besteht, die therapeutisch behandelt werden müßte. Andererseits macht Alkohol manche Leute sowieso aggressiv. Er sagte, daß ich wahrscheinlich immer wütend bin, nur daß ich das ohne Alkohol nicht merke. Man müßte sehen, was genau da im Argen liegt. Er hat gesagt, daß die meisten Leute 1 bis 1,5 Jahre dort zur Therapie kommen. Das wäre eine Mischung aus Gruppen- und Einzelgesprächen. So wie ihr das ja auch schon geschrieben hattet.

Mit schwieriger Mensch meine ich... ??! Ich muß wirklich mal über mich nachdenken.

Insgesamt bin ich sehr zufrieden jetzt. Ich bin froh, daß ich dahin gegangen bin.


grufti Offline




Beiträge: 3.530

08.01.2018 21:58
#12 RE: Eure Einschätzung antworten

Hallo Annie,

herzlich willkommen im Forum!

Ich bin ziemlich sicher, bei uns bist du genau richtig.

Aus deinen Beiträgen lese ich vor allem heraus, dss du noch damit haderst, ob du nun "echter" Alkoholiker bist oder nicht.
Da fällt mir ein Satz von der Ame ein, die früher schon unter dem Namen Amethysmena hier aktiv war.
Sie meinte sinngemäß: " Ich habe noch niemanden kennengelernt, der ernsthaft darüber nachdenkt, ob er ein Problem mit Alkohol hat, der nicht auch tatsächlich eins gehabt hätte".
Aus meiner Erfahrung kann ich das nur unterstreichen.

Du schreibst doch selbst, dass du schon seit 25 Jahren Probleme mit Alkohol hast, aber phasenweise auch mal nichts getrunken hast.
Was soll dann der alberne Selbstversuch mit 4 Wochen 2 Bier an zwei Abenden?
Natürlich wirst du das hinkriegen, hast dir damit bewiesen, dass du kein Alkoholiker bist und dann trinkst du wieder die 6 Bier/Abend (oder mehr).

Ich wundere mich auch oft über die Ratschläge in der Suchtberatung. Ich kann mir die nur so erklären, dass der Herr entweder keine Ahnung von Sucht hat (kommt bei der Suchtberatung selten vor, bei Hausärzten oft), oder dass er seine Klienten mit dem aus meiner Sicht einzig richtigen Ratschlag ("du hast nur eine Chance, wenn du dauerhaft und vollständig die Finger vom Alkohol läßt") nicht sofort wieder verscheuchen will.

Ich selbst habe mal ein ganzes Jahr keinen Tropfen getrunken und danach zwei bis drei Jahre "kontrolliertes Trinken" betrieben. Man was war ich stolz auf mich, dass ich der eine aus 100000 bin, bei dem das kontrollierte Trinken funktioniert. Leider war die Sucht doch stärker und nach einem weiteren Jahr war ich schlimmer dran als vor dem Beginn dieser ganzen " Experimentierphase". Dann habe ich eine stationäre Entgiftung gemacht, anschließend eine lange ambulante Therapie, besuche seitdem eine Selbsthilfegruppe und bin inzwischen 11 Jahre ohne Rückfall abstinent.

Mein Rat: Verabschiede dich von der Vorstellung, jemals wieder vernünftig Alkohol trinken zu können und hole dir zum Erreichen des Ziels, dauerhaft ohne Alkohol zu leben, professionelle Hilfe, sprich mach eine Therapie, besuche SHG's, schreib in diesem Forum, alles was dir hilft, ist erstmal gut.

Glaub mir, du ersparst dir damit unendlich viel Leid, nicht nur Peinlichkeiten, sondern, wenns dumm kommt, ruinierst du dir auch gründlich die Gesundheit(z.B. Leber, Bauchspeicheldrüde, Hirn) bis hin zum Tod.


"Ich würde von euch gerne mal wissen, ob ich noch zu retten bin."

Ich würde sagen, selbstverständlich bist du noch zu retten. Das Problem liegt erfahrungsgemäß eher darin, ob der- oder diejenige gerettet werden will.

Liebe Grüße vom Grufti!
Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden (Mark Twain)


4 Mitglieder finden das Top!
Annie Offline



Beiträge: 37

09.01.2018 18:26
#13 RE: Eure Einschätzung antworten

Hallo Grufti,

danke für die ausführliche Antwort. Du bist jetzt mit nino schon der zweite, der sagt, daß er diesen Versuch nicht so toll findet und dazu rät, lieber nie wieder was zu trinken. Aber irgendwas muß der Suchtberater sich ja dabei gedacht haben. Ich war selbst über den Vorschlag überrascht. Im Moment habe ich überhaupt keine Lust mir 2 Tage für diese Woche rauszupicken, wo ich dann sozusagen trinken MUSS?! Ist doch kontraproduktiv. Grübel, grübel.

Ich hätte aber mal eine andere Frage. Warum trinkt ihr denn? Oder habt getrunken? Ich kann das nämlich gar nicht so einfach beantworten. Ich hatte weiter oben schon gefragt, ob ihr auf eure Trinkerei angesprochen wurdet. Ich habe leider keine Antwort gekriegt. Wäre schön, wenn einer was dazu schreibt. ;-)


Julia Offline



Beiträge: 83

09.01.2018 18:54
#14 RE: Eure Einschätzung antworten

Liebe Anna

Aus meiner Sicht/Erfahrung hat das mit dem "Darauf ansprechen" mehr mit den jeweiligen Personen im Umfeld zu tun als mit dem eigenen Trinkverhalten. Beispiel: wenn ich mal unterwegs war, sagten Fremde, dass ich aber ganz schön was vertragen könne. Mein Umfeld hätte das nie gesagt, weil die Leute eher versuchen, einen zu unterstützen und nichts von sich aus ansprechen, sondern warten, bis man Hilfe sucht und von sich aus kommt. Für mein Umfeld würde es mit einem Gesichtsverlust des Angesprochenen einhergehen. Und auch bei meiner Arbeitsstelle würde es wahnsinnig lang dauern, bis man sagen würden, dass einem aufgefallen ist, dass er Mitarbeitende zu viel trinkt. Man schaut dann eher auf andere Sachen und sagt, mir ist aufgefallen, dass sie in letzter Zeit häufig gereizt im Umgang mit Kollegen reagieren und dann ein Beispiel machen.

Wenn man zu viel trinkt, muss man immer davon ausgehen, dass die anderen das merken. Sie sagen es einem, aus unterschiedlichen, Gründen nur einfach nicht. Ich halte es auch für eine Illusion zu denke, dass die anderen das nicht merken, nur weil man z.B. jeden Tag zur Arbeit geht und seinen Job fehlerfrei macht. Wenn du abends besoffen bist und das mehrmals in der Woche und du deshalb nachts Mühe mit Herzrasen etc. hast, dann musst du einfach davon ausgehen, dass dein Umfeld wahrnimmt, dass es dir nicht gut geht. Ich persönlich bin heute noch sehr dankbar dafür, dass mich niemand direkt angesprochen hat. Wenn ich besoffen mal nen Heulanfall oder so hatte, dann hat mein Partner gesagt: "ich denke, dass du jetzt genug Alkohol getrunken hast". Dann wusste ich, dass es gar nicht mehr gut ist. Da muss dir keiner sagen; hey, mir ist aufgefallen, dass du trinkst".

Aus meiner Sicht belügt man sich damit viel zu lange selbst. Zu denken, dass es keiner merkt. Es merken nicht alle, darum fallen manche auch aus allen Wolken, wenn sie es erfahren, es gibt aber genug Menschen mit sehr feinen Antennen und die blicken sofort, was los ist.

_______________________________________________
Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut wird,
ist es noch nicht das Ende. (Oscar Wilde)


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nino Offline



Beiträge: 72

09.01.2018 22:00
#15 RE: Eure Einschätzung antworten

Trinkgründe... viele. In Gesellschaft teils Spaß, die Hemmungen loswerden, wenn es gut lief. In Gesellschaft, wenn es nicht so gut lief, die Unsicherheit wegtrinken. Manchmal nur um was mit anderen gemeinsam zu haben, gerade in früheren Zeiten. Wenn man sich nix zu sagen hat, hat man wenigsten ordentlich einen zusammen gesoffen. Alleine daheim - den aufgestauten Stress loswerden wollen. Im Trübsinn vom anderen Leben träumen, was nur benebelt richtig gut geht. Zeit totschlagen, nicht so viel übers tatsächliche Leben nachdenken müssen, das Trinken als Beschäftigung, gerade wenn es auch heimlich erfolgen muss. Irgendwann aber auch eine feste Gewohnheit, ich war mir sicher, dass ich ohne Alkohol unmöglich einschlafen könnte, dass ich dann die ganze Nacht unruhig wachliege. Die Reißleine habe ich gezogen, als ich am freien Wochenende (=ohne Kind) immer früher an Alkohol gedacht habe und immer deutlicher der Gedanke hochkam "ohne Alkohol schaffst Du diesen langen Tag nicht".

Angesprochen aufs Trinken - ich weiß nicht, wofür es wichtig ist. Bewusst wurde ich nicht angesprochen mit "Du hast ein Alkoholproblem" oder "Du bist Alkoholiker". Meine Ex-Frau hat natürlich etliches mitbekommen, v.a. dass ich so regelmäßig abends was getrunken habe. War durchaus ein Streitthema. Ich hatte bislang noch nicht den Mumm, sie direkt anzusprechen, ob sie die anderen Sachen tatsächlich nicht gemerkt hat, sinngemäß wenn sie sich beschwerte, dass ich nix mehr anders als Bier trinke und ja schon wieder 3 getrunken hätte, war ich ja froh, dass sie offenbar die weiteren 5-6 gar nicht mitbekommt hat. Abstruse Leistungen, die ich mit verstecken betrieben habe.
Bei der Arbeit wurde ich nicht angesprochen, dort habe ich nicht getrunken und besoffen kam ich da auch nicht an. Vermutlich war ich öfter mal optisch ziemlich kaputt, weil schlichtweg müde und fertig, es sagte aber keiner was, ich hab auch gute Rückzugsmöglichkeiten und laufe nicht dem gleichen Kollegenkreis täglich über den Weg. Im Freundeskreis war nur bekannt, dass ich einiges vertrage, von Ausfallerscheinungen haben sie nichts mitbekommen - es war beim Aufhören daher dort eher schwierig zu erklären, wie mein Problem mit Alkohol im Alltag tatsächlich aussah und warum ich nichts mehr trinke bzw. eine Therapie mache.

Wegen dem Selbstversuch: Ich habe keine Ahnung, ob es für Dich funktioniert. Vielleicht ist der Vorschlag vom Suchtberater geeignet, es herauszufinden. Für mich war nach einigem Rumexperimentieren (allerdings die unstrukturierte Methode, also nicht bei der Suchtberatung, sondern eher der verzweifelte Versuch weiterzutrinken ohne die Nebenwirkungen) klar, dass ich nur auf die Wirkung trinke. Da bringt halt die "risikoarme Dosis nach WHO" mit einem kleinen Bier nix, das muss schon ein paar Kollegen mitbringen, damit was zu spüren ist. Also war klar, wenn ich trinke, dann richtig. Alle meine Versuche, es nur bei ganz bestimmten Anlässen mal krachen zu lassen, haben nicht funktioniert. Denn wenn es ein so grandioser Wirkstoff ist, dann sollte man den ja möglichst häufig einsetzen.


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