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Saufnix
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Dieses Thema hat 13 Antworten
und wurde 714 mal aufgerufen
 Deine eigene Alkoholkarriere
Günzel Offline



Beiträge: 6

25.09.2016 10:42
Raus aus dem Teufelskreis antworten

Hallo ihr Lieben,

ich würde auch gerne ein paar Zeilen loswerden, da die Einsicht in die Notwendigkeit bei mir endlich gesiegt hat.

Ich werde es kurz halten.

Es begann im 15. Lebensjahr mit dem ersten Vollrausch. Es fühlte sich nach Spaß an und ich konnte damit auch bei Mädchen landen.
Zu der Zeit war es allerdings eher Gras und Zigaretten, die den weiteren Alltag begleitet haben. Aufgrund von Anschlusssschwierigkeiten in der Schulklasse bin ich in eine Gruppe geraten, die es mir "beibrachten". Eigentlich sehr behütet aufgewachsen, stellte sich mit wachsender Reife heraus, dass mein Vater immer so lustig war, weil er schon um halb 10 die ersten Runden hinter sich hatte. Er war Frührentner und das hat er genossen. Dadurch gab es viel Streit zu Hause, was mir als fröhlichen Menschen keine dauerhafte Option bat und ich somit ständig bei der Gang war, die ähnliche Situationen zu Hause hatten.

Bis 18 lief alles relativ "gut" weiter, am Tag ca. ein Gramm Gras das half, allerdings begann dann der Alkohol Überhand zu nehmen und Mischkonsum war an der Tagesordnung. In der 12. Klasse nochmal die Schule gewechselt. Dumme Idee, aber da meine Mutter arbeitslos wurde dachte ich mir da muss ich helfen, da ich nebenbei schon selbstständig war und soviel wie meine Eltern zusammen verdient habe.
Naja dann noch schnell das Abi gemacht und ab zum Studium, dann ging es schleichend los. Zunächst nur am Wochenende hagelvoll, dann auch unter der Woche. Ich war mit meinem Werdegang sehr unzufrieden, Abischnitt schlecht und meine Freundin war auch eine Nervensäge und keine Zukunft für mich. Ich ertränkte oder rauchte das alles weg...

So vergingen 4 Jahre Partyleben. Dann wachte ich auf: Ich brach das Studium ab, verließ die Frau, verkaufte meine Firma und zog weg um neu anzufangen.

Dort angekommen machte ich mir am ersten Abend eine Flasche Sekt auf zog in die Stadt zum Feiern und wusste danach nicht, wie ich nach Hause gekommen war... die Monate wurden düster... Ständig gefrustete Druckbetankung um den Kopf auszumachen. Ein Autounfall 3,4 proMill bei rot über eine Ampel gelaufen, wohl mit Herzdruckmassage durch Passant behandelt. 30 min bewusstlos. Erwacht im Krankenhaus, leichte Prellung, alles gut.

Noch 4 weitere Monate wechselten sich Kampf des Aufhörens und Versagens ab. Dann fällte ich eine Entscheidung. NULL ! Ich habe dann 18 Monate total abstinent gelebt. Meine Traumfrau gefunden, eine super Wohnung, ein tolles Geschäft aufgebaut und ein guter Jura-Student wurde ich auch noch, dass was ich mir immer gewünscht habe. Das leben war wie im Traum. Dann gab es ein Glas Sekt, weil ich meine Freundin aufmuntern wollte (Sie wusste von alle dem natürlich nichts)...

Das Suchtgedächnis vergisst nie. Die Flasche war leer an dem Abend und ein paar Kippen mussten geholt werden. Alle 8 Wochen kam es dann zum Vollrausch, wie früher...Das zog sich ein Jahr lang (Party und dann 3 Tage im Bett Kater und Schuldgefühle), doch jetzt hat sich der Abstand beschleunigt. alle 2 Wochen...

Wenn ich jetzt nicht aufhöre, verliere ich alles.

Meine Entscheidung ist gefallen: NULL !!! Nur glaube ich diesmal, dass ich einen Ort zum Mitteilen benötige. Ich freue mich hier diese Zeilen schreiben zu dürfen.


Beste Grüße an alle Mitstreiter!!!

In jedem kämpft ein guter Wolf gegen einen bösen Wolf. Wer gewinnt?
Jener den man füttert.


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vicco55 Offline




Beiträge: 2.562

25.09.2016 12:16
#2 RE: Raus aus dem Teufelskreis antworten

Dann mal herzlich Willkommen im gallischen Dorf, Günzel und viel Erfolg bei Deinem Vorhaben gewünscht.

Sorry, jetzt kommt halt die obligatorische Frage: willst Du Dir außer hier an Board Hilfe auch im realen Leben holen? Mal daran gedacht, in eine Suchtberatung zu gehen oder gar, Gott behüte, in eine Selbsthilfegruppe? Wäre vielleicht nicht verkehrt. Aber immerhin hast Du ja hier mal einen Anfang gemacht. Dafür Reschpekt!

Gruß
Viktor


Günzel Offline



Beiträge: 6

25.09.2016 12:43
#3 RE: Raus aus dem Teufelskreis antworten

Danke Viktor,

ich werde mir morgen einen Termin bei einer Psychotherapeutin geben lassen um dort möglicherweise bessere Strategien zu entwickeln, als ich selbst mir beibringen konnte, um mit dieser Krankheit leben zu lernen. So jedenfalls meine Wunschvorstellung.

An eine AA Gruppe habe ich auch schon gedacht. Was würdet ihr raten? Oder kann man es auch gut alleine schaffen, sich die entsprechenden Dinge anzutrainieren. Ich stelle mir das Ganze wie ein Computervirus im Gehirn vor, das Programm wird jedenfalls immer dann gestartet, wenn der stoff im körper ist bzw sein soll und sperrt dann alle andere guten Programme wie Maß und Einsicht Vernunft Stärke... es belügt mich immer habe ich das Gefühl.

Als "Heilung" kann ich mir nur soetwas vorstellen, das dieses Programm immer wieder am Ausführen hindert, sodass es letztlich nie zur Aufnahme kommt. So wie NLP in etwa, das hat mir beim letzten Mal sehr geholfen.

Was gibt es für Strategien die man lernen kann??? Habt ihr da Erfahrungen ?

Gruß Günzel

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vicco55 Offline




Beiträge: 2.562

25.09.2016 13:01
#4 RE: Raus aus dem Teufelskreis antworten

Hallo Günzel,

das mit dem Programm ist schon ein ganz gutes Bild. Jedoch glaube ich nicht, daß eine Umprogrammierung, wie immer ich mir das vorstellen kann, alleine hilft.
Kurz (länger kannst Du im Archiv nachlesen) wie es bei mir war: ich habe in den 8 Wochen in der Klinik Bad Tönisstein vor über 19 Jahren erst mal meine Suchtgeschichte aufgearbeitet: also wieviel, wann, zu welchem Anlaß. Dann haben sie mir verhaltenstherapeutisch das Rüstzeug beigebracht, abstinent die ersten ein/zwei Jahre zu überstehen, mich daran zu gewöhnen, nicht bei jedem Up and Down wie gewohnt zur Flasche zu greifen. Danach habe ich mal hingeschaut, wo sind denn meine Baustellen, die ich immer mit Alkohol überdröhnt habe. Diese Baustellen habe ich dann nach und nach in verschiedenen Therapien verarbeitet. War eine schöne und spannende Zeit. Ich war Spiegeltrinker und ich bin Ich - daher gilt obige Herangehensweise erst mal für mich.
Eine spezielle Suchttherapie, auch Entwöhnungsbehandlung genannt, wäre nicht schlecht, egal ob ambulant oder stationär. Das kannst Du in der Suchtberatung abklären. In die Tiefe kannst Du nachher immer noch bei dem Psychodoc Deines Vertrauens gehen.
Noch ein Tipp: weiß ja nicht, wo Du wohnst, ob ländlich oder städtisch: Es gibt nicht nur die AAs; es gibt freie Gruppen, es gibt den Kreuzbund, die Blaukreuze, die Guttempler, die Freundeskreise ... Schau Dich um, wenn es dir in der ersten Gruppe nicht gefällt, probier eine andere aus. Gib aber der Gruppe, die Du ausprobierst, 3x die Chance. In den größeren Städten kriegst Du die Info in den Selbsthilfezentren (auch KISS manchmal), auf dem Land Dir meistens das Landratsamt sagen, bei wem (uU bei der AOK) Du die Infos bekommst.
Gruß
Viktor


vicco55 Offline




Beiträge: 2.562

25.09.2016 13:08
#5 RE: Raus aus dem Teufelskreis antworten

Mach mal die Ingrid:

ich stelle mir das Suchtgedächtnis, bzw. das abstinente Gedächtnis so vor: Ich sehe da so einen mittelalterlichen Karrenweg, auf dem mein Lebenskarren hin- und herschaukelt. Vor bald 20 Jahren habe ich dann begonnen, mir einen neuen Weg zu bahnen, auf dem ich nun dahin rumple. Der alte Weg ist weiterhin vorhanden, inzwischen schon richtig zugewachsen. Es kann mir aber jederzeit passieren, daß mein Karren durch ein Hindernis aus dem neuen Weg hinüber in den alten geschleudert wird - Rückfall. Meine Aufgabe ist es u.a., so vorausschauend durch den neuen Hohlweg zu rumpeln, daß ich rechtzeitg die Hindernisse erkenne und aus dem Weg räumen kann. Dazu hilft mir die Gruppe- meine reale und meine virtuelle.


Günzel Offline



Beiträge: 6

25.09.2016 13:27
#6 RE: Raus aus dem Teufelskreis antworten

Klasse das Bild von Ingrid, kann ich mir sehr gut vorstellen. Erstmal großen Respekt für die 19 Jahre, fantastische Leistung.

Ok dann werde ich erstmal eine Suchtberatung aufsuchen gehen. Und das mit den Gruppen ist ein toller Tip. Wusste gar nicht, dass es noch andere gibt.
Herrlich ! Da werde ich mich morgen gleich mal vorstellen bei der Suchberatung.

Achso noch fürs Offizielle: Letzter Tag war der 18.09.2016

Und ich habe so keinen Bock mehr auf dieses Theater mit diesem Zeug ! Warum finden das alle anderen eigentlich so toll??? Das frage ich mich schon lange...

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vicco55 Offline




Beiträge: 2.562

25.09.2016 14:37
#7 RE: Raus aus dem Teufelskreis antworten

Hört sich gut an Dein Vorhaben. Viel Glück


<klugscheiss>Die Ingrid machen: im Usenet gab es zu Olims Zeiten eine Ingrid, die sich sehr oft selbst antwortete; daher machte ich die Ingrid, als mein neuer Beitrag direkt unter meinem alten kam</klugscheiss>.


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Bodhisattva Online




Beiträge: 1.048

25.09.2016 17:04
#8 RE: Raus aus dem Teufelskreis antworten

Moin Moin Günzel,

welcome im club der ehemaligen trinkHOCHbegabten Gallier, schön, dass Du da bist und ein wenig von Dir erzählt hast, erinnert mich auch an meine vita, da gibt's einige Parallelen.

Bei mir war es so, dass ich im 1ten Jahr Strecke machen wollte, Tag für Tag erstmal nüchtern bleiben, die 4 Jahreszeiten & diverse wiederkehrende Ereignisse (Geburtstag, Weihnachten) erstmals nüchtern erleben.

Die Wege in die Trockenheit sind verschieden, kannst hier ja perfekt nachlesen, bei mir war es so, dass ich mir so circa nach 6 Wochen ohne Alk eine SHG gesucht habe, in welche ich bis heute sehr gerne gehe. Ob nun AA; Freundeskreis, Blaukreuz, CliC etc. pp., war mir relativ egal, hätte diese Gruppe nicht gepasst, hätte ich mir andere gesucht, jede Hilfe annehmen bzw. schauen ob's für einen passt und annehmen. Jetzt so nach knapp 2 1/2 Jahren Trockenheit werde ich eine ambulante Therapie beginnen, um die Schlaglöcher, welche in gewissen Bereichen noch da sind zu bearbeiten und erstmals nüchtern anzugehen, kann nüt schaden, habe ein gutes Gefühl dabei.

Sind sicher anfangs für Dich ziemlich viele Emotionen / Eindrücke, Unbehagen, gehe weiter, der nüchterne Weg ist goil, so oder so.

Grüße, Bodhi


Günzel Offline



Beiträge: 6

25.09.2016 19:49
#9 RE: Raus aus dem Teufelskreis antworten

Servus Bodhi,

das mit den Galliern gefällt mir, wie seid ihr darauf gekommen... liegts am Zaubertrank?

Ja das mit der Gruppe nehme ich in Angriff.

Emotionen damit habe ich wirklich einige. Ich stelle mir vor allem verrückte Fragen wie: Warum ist mir das passiert? Gibt es wirklich keine Heilung? Wer hat dieses Zeug eigentlich zum Verkauf erlaubt? Und was macht es so besonders?

Weiter muss ich feststellen, dass vor allem in den Medien (Filme Serien) Alkohol immer zelebriert wird. Besonders in den Amerikanischen Serien, ich meine Charly Harper war doch cool oder nicht? Es ist allgegenwärtig...

Wie denkt ihr über die grundsätzliche Existenz ?

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septembersonne Offline




Beiträge: 5.735

25.09.2016 20:12
#10 RE: Raus aus dem Teufelskreis antworten

Hallo, Günzel und auch ein Herzliches Willkommen von mir

Möchte mich meinen Vorschreibern anschließen .... hüte und pflege ihn sorgsam...Deinen Neuanfang...es lohnt sich!

Viele Grüße!

Manuela

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Das Leben ist schön, von " einfach " war nie die Rede.


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Günzel Offline



Beiträge: 6

25.09.2016 20:16
#11 RE: Raus aus dem Teufelskreis antworten

Hallo Manuela,

danke für deine Zeilen. "Den Neuanfang hüten", das ist eine schöne Vorstellung. Vielen Dank dafür !

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vicco55 Offline




Beiträge: 2.562

25.09.2016 20:17
#12 RE: Raus aus dem Teufelskreis antworten

Gallisches Dorf deswegen, weil wir uns auch ab und an kloppen, um uns dann bei einer Maß Apfelschorle (keine Cervisia, nein!) wieder zu vertragen


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karlbernd Offline




Beiträge: 4.397

26.09.2016 06:51
#13 RE: Raus aus dem Teufelskreis antworten

hetzlich willkommen.

die frage warum es gerade dir passiert, ist relativ einfach. du hast "suchtstrukturen" entwickelt (andere nicht)
man kann dieses auch als "eigenschaft" bezeichnen. so wie jeder mensch viele eigenschaften hat, haben "wir" die eigenschaft, den alkohol in uns hineinzuschütten, als gebe es kein ende!

über die jahre führt das zu einem "suchtgedächtnis". das bleibt dir für immer erhalten. du kannst es aber austricksen, indem du es schlafen legst. diesen prozess nennt man entwöhnung. mit einer gruppe ist es viel einfacher, weil alle das gleiche problem haben. austausch, zuspruch, kritik, tipps und hilfe ... das bietet eine gruppe.


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Günzel Offline



Beiträge: 6

26.09.2016 07:35
#14 RE: Raus aus dem Teufelskreis antworten

Hallo Karlbernd,

das ist gut beschrieben. Verstehe!
Die Entwöhnung ist also nur das Ruhigstellen des Suchgedächnisses, damit es uns nicht ständig erinnert.

Das klingt gut. Der Gedanke an Trinken ist am Nervigsten finde ich. Dieses Verhandeln... am "besten" finde ich : "na los ein letztes mal dann ist aber Schluss"
was soll das?

Ach das tut gut hier einfach mal seine Gedanken loszuwerden!!! Danke für diese Plattform mit all den bis jetzt freundlichen und starken Menschen!

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