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Saufnix
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Dieses Thema hat 1 Antworten
und wurde 162 mal aufgerufen
 Positives
Susanne Offline



Beiträge: 201

27.11.2018 11:50
Zwangsspüldienst - "Klappe die letzte" antworten

Hallo zusammen,

hier nun das Finale bezüglich des Zwangsarbeitsdienstes „Spülen“ während meiner achtwöchigen Reha-Zeit Anfang 2018.

Geschildert habe ich den Sachverhalt ausgiebig schon hier: „Der Vorhang zu“, #266, S.18.

Meinem eigenen Zeitgerüst entsprechend hatte ich meinen ersten Brief mit dem Thema „Spüldienst“ über drei Monate nach Reha-Ende erst am 30.06.2018 an den Geschäftsführer Suchthilfe des Trägers, der sowohl für die Frauensuchtklinik als auch für die Männersuchtklinik zuständig ist, gesendet. Ich wollte sicher gehen, dass das Thema auch nach so relativ langer Zeit noch die Relevanz für mich haben würde. Hatte es.

Sechs Tage später hatte ich ein Antwortschreiben im Briefkasten, in dem der Geschäftsführer Suchthilfe schreibt:
„In der Tat werden derzeit sehr konkrete Überlegungen angestellt, um den Spüldienst zumindest in weiten Teilen und zeitnah abzuschaffen. Wir sind bereits mit der Personalakquise befasst und rechnen mit einer baldigen Umsetzung.“

Das fand ich super, denn das klang doch schon einmal ziemlich gut.

Übrigens habe ich den Inhalt dieser beiden ersten Briefe hier eingestellt, der Thread ist allerdings (nach über 600 Zugriffen) vom Forenbetreiber gelöscht worden, da ich sowohl den Namen der Klinik, als auch den des Geschäftsführers erwähnt hatte.
Das vermeide ich nun selbstverständlich.

Wieder entsprechend meinem selbst auferlegten Zeitgerüst habe ich am 30.09.2018, also drei Monate später, schriftlich nachgefragt und ein zweites Antwortschreiben erhalten.

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admin. editiert
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So, nun die Frage, ob das –sprichwörtliche!- Glas halb voll oder halb leer ist. Tatsache ist, dass der Spüldienst nach dem Mittagessen der härteste und stressigste ist. Dass der GF jedoch von einer organisatorischen „Angleichung“ der beiden Kliniken spricht, ist schon eine Unverschämtheit. Immerhin wissen wir beide, dass die Männer in ihrer Klinik 0% spülen müssen, also zu keiner der täglich drei Mahlzeiten und die Frauen nun weiterhin nach zwei Mahlzeiten, also zu 66,6%. Wie nennt man nochmal so jemanden, der wider besseres Wissen bewusst die Unwahrheit spricht?

Dennoch möchte ich mal nüchtern ein Fazit ziehen: Ich habe zwei Briefe geschrieben und schlappe vier Monate später ist (zumindest) der mittägliche Spüldienst abgeschafft bzw. an Externe abgegeben worden.

Der Aufwand von zwei Briefen und das Ergebnis in Relation zueinander betrachtet kann sich, so meine ich, durchaus sehen lassen.

Und es ist auch so, dass ich aus meinem Engagement keine *hüstel* Lindenstraße machen möchte mit Endlosschleifen an Briefwechseln, die m.E. nun auch nicht weiter zielführend wären. Manchmal ist es ganz klar, dass „mehr desselben“ in Bezug auf das angestrebte Ergebnis nichts mehr bringen wird.
Außerdem habe ich das große seelische Bedürfnis, das Thema „Spüldienst“ auf gar keinen Fall mit in das Neue Jahr 2019 hineinzuziehen. Ich hatte mir vorgenommen, bis spätestens 30.11.2018 mein Engagement zu beenden.

Folgende Schritte habe ich gestern in diesem Zusammenhang unternommen:

1.) Klinik-Bewertung auf jameda.de (Fair und positiv, oft die Note 2, jedoch mit kritischem Text zum Spüldienst)

2. Bewertung auf klinikbewertungen.de (inhaltlich wie bei jameda). Wird erst nach zwei Werktagen veröffentlicht.

3.) Post an die DRV Bund als Kostenträger der Reha: a) Ausfüllen des 17seitigen Beurteilungsbogens, den ich bereits im April erhalten hatte, b) Schreiben zur Spüldienst-Angelegenheit unter Betonung der ca. 50.000 € die bislang jährlich und jahrelang von den suchtkranken Frauen erwirtschaftet worden sind. (An der Stelle möchte ich nochmal betonen, dass mir der finanzielle Aspekt viel viel wichtiger war als das Gender-Gedöns. Und das Schweigen, die Ignorierung bzw. Tabuisierung dieses finanziellen Aspekts in den Schreiben seitens der Klinik ist äußerst beredt. Da widmen die sich lieber dem Gleichstellungs-Thema als dem kleineren Übel.) Als Anlage an die DRV Bund dazu meine zwei Schreiben und die zwei Antwortschreiben der GF Suchthilfe. Ich habe außerdem bei der Reha-Abteilung angerufen, ob die sich für so etwas überhaupt interessieren und die Mitarbeiterin meinte, ich solle unbedingt unter mein Schreiben ausdrücklich um Rückantwort / Stellungnahme bitten. Dann müsse sich jemand damit inhaltlich und ernsthaft befassen.

4.) Letztes Schreiben an den GF Suchthilfe des Inhalts, dass seine Bemühungen und der erzielte Fortschritt Anerkennung verdienen, jedoch aus meiner Sicht bei aller Freude über die bereits realisierte teilweise Verbesserung weiterhin Handlungsbedarf bestünde. An dieser Stelle wolle ich mich für das Angebot zum Dialog bedanken, diesen nun jedoch, da nicht weiter zielführend, ruhen lassen.

5.) Weiterleitung der letzten beiden Schreiben an die drei Therapeuten, die mir in der letzten Woche meines Klinikaufenthalts deutlich signalisiert hatten, dass sie über eine Abschaffung des Spüldienstes heilfroh wären. Es wäre jedoch sehr hilfreich, so hieß es, wenn endlich mal jemand aus Rehabilitandinnen-Sicht sich gegen den Spüldienst deutlich aussprechen würde. Solange alle Frauen brav weiterspülen würden ohne Gegenwehr würde sich leider nichts ändern. Es ginge immerhin um viel Geld.

6.) So – jetzt noch hier und heute der Beitrag und ich atme mal tief ein und aus und sage mir trotz des nur teilweisen Erfolgs:
Gut gemacht! ;-)


Viele Grüße,
Susanne


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ame Offline




Beiträge: 101

27.11.2018 14:37
#2 RE: Zwangsspüldienst - "Klappe die letzte" antworten

allerdings.
GUT gemacht

liebe Susanne!

ich bewundere deine Ausdauer
dein diplomatisches Geschick zu "suaviter in modo, fortiter in re"
und dein Talent zur wirksamen Wortwahl.

von deiner Beharrlichkeit und Kraft mal ganz abgesehen.

so elegant hätte ich das nicht geschafft.
womöglich hätte ich vor Ort rebelliert und die Reha für immer unversöhnlich abgebrochen.




ame (aka amethysmena)
„Die beste Droge ist ein klarer Kopf.“


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