Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 
Saufnix
Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 1 Antworten
und wurde 529 mal aufgerufen
 Selbsthilfe und Gruppengespräche
sternenfaengerin Offline




Beiträge: 45

28.08.2014 08:56
Erfahrung mit dem Blauen Kreuz und wohl weiter suchend... antworten

Moin,

gestern abend war ich zum dritten Mal in einer SHG des blauen Kreuzes (wie einige von Euch bestimmt wissen, werden diese Gruppen i. d. R. von evangelisch-freikirchlichen Baptisten betrieben).

Eigentlich hatte ich (Co-Alkoholikerin mit vielen Zweifeln und Fragen) mich dort spontan wohl gefühlt: Ich bin selber gläubig und überzeugtes Mitglied der evangelischen Kirche - dabei allerdings nicht bibelfest und einigermaßen kritisch/ vieles hinterfragend. Mit Baptisten hatte ich bisher bis auf einen netten und sehr offenen Arbeitskollegen bisher nichts zu tun.

Gestern abend waren wir nur zu viert in der Gruppe - drei Mitglieder der Baptistengemeinde und ich.
Bis auf die letzte halbe Stunde haben wir relativ sachlich diskutiert, erzählt usw.

Da kippte die Sache in einer Weise die mir nicht gefiel und die mich bis heute beschäftigt/ sprachlos macht:
Es ging um den Umgang mit Problemen bei denen man nicht weiterkommt, bei denen man den Lauf der Dinge nicht vorhersehen/ planen kann und ich meinte ziemlich unbedacht, daß ich bestimmte Dinge einfach herankommen lasse, mir heute noch keinen Kopf darüber mache oder mich einfach mal auf meine soziales Netz verlasse.

Daraufhin kam von der Gruppenleiterin mit einem schiefen Lächeln und wie aus der Pistole geschossen: "Also, wir sind ja eine christliche Gruppe und wir glauben hier, daß Gott schon dafür sorgt, daß alles in die richtigen Wege geleitet wird".

Bevor ich irgendetws erwidern konnte, setzte ein weiterer Teilnehmer zu einem länger dauernden Monolog an, daß er ja allein durch seine Bekehrung vom Trinken abgekommen wäre, man könne und müsse das nicht erklären, das wäre bei ihm einfach so.

Dann ging es zwischen den beiden und der weiteren Teilnehmerin (wie bereits erwähnt, alle drei aus der Gemeinde und sich schon länger kennend) noch eine Weile lang darüber weiter.
Ich kam gar nicht mehr zu Wort (und auch ab einem gewissen Punkt nicht mehr mit - mir war das zu... - abgefahren/ "gehirngewaschen").

Mir kam es vor, als ob die Gott als Universallösung hernehmen und es sich damit manchmal ganz schön bequem machen ("ich KANN mich nicht von meinem trinkenden Mann trennen, Gott verbietet mir das" und solche Sachen).

Als ich am Schluß noch beim Aufräumen des Raumes mithelfen wollte, wurde ich als Einzige richtiggehend rauskomplimentiert ("äh, wir machen das hier schon alleine... Tschüß!").

Irgendwie bin ich grad in einem inneren Zwiespalt - bis auf das gestrige "Erlebnis der anderen Art" habe ich mich dort bisher gut aufgehoben und respektiert gefühlt.

Mich würde interessieren, in was für Gruppen (speziell als Angehörige/ Co's) Ihr so geht und wie Eure Erfahrungen sind.

...die Welt kann ich auch morgen noch retten - heute hab ich Besseres zu tun :hallo1:


sole Offline




Beiträge: 2.257

28.08.2014 20:56
#2 RE: Erfahrung mit dem Blauen Kreuz und wohl weiter suchend... antworten

Weia, das klingt ja gruselig.

Evangelisch-Erweckliches ist mir ein Graus, ich habe in meiner Ausbildung ganz furchtbare Erfahrungen mit evangelikalen, gehirngewaschenen Christen gemacht und mache seither einen Bogen um alles Dogmatische.

Ich bin schon ewig und drei Tage im Kreuzbund, eine katholische Organisation, aber ich fühle mich auch als bekennende Atheistin und ehemals evangelisches nicht-mehr-Kirchenmitglied ganz wohl. Manche Feiern haben einen leicht christlichen Impetus, auch bei Seminaren gibt es manchmal einen Gottesdienst/eine Messe. Man muss das aber nicht mitmachen. Die Inhalte der Gruppenabende und der gesamten Sucht- und Angehörigenselbsthilfe sind null religiös geprägt, es herrscht eher große Toleranz. Frau darf offen ebenso zu ihrem Glauben wie auch zu ihrem Nicht-Glauben stehen, das wird beides akzeptiert und respektiert, und wenn sich ein Jude, Hindu oder Moslem einer Gruppe anschlösse (was ich bisher noch nicht erlebt habe) wäre das auch kein Problem.

Ich wünsche Dir viel Glück bei der Weiter-Suche. Da wär ich auch nur einmal gewesen

"Der Rasse meines Vaters ist die dubiose Wirkung von Alkohol erspart geblieben." (Mr. Spock)


 Sprung  
disconnected Saufnix-Chat Mitglieder Online 0
Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen