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Saufnix
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Dieses Thema hat 16 Antworten
und wurde 1.223 mal aufgerufen
 Ganz, ganz viele Fragen
Seiten 1 | 2
JREWING ( gelöscht )
Beiträge:

10.01.2008 13:21
RE: Zwanghafte Vermeidung VT? antworten

Liebes Forum, meine Ängste und Depris konnte ich weitgehend in der Trockenheit abbauen. Mit AA, Forum und Therapie hab ich es geschafft ohne Rückfall trocken zu bleiben. Ungefähr seit dem 1. AA Meeting. Also viel positives. Vor AA habe ich 4 Jahre weitergetrunken trotzdem ich sporadisch zur Suchtberatung und zu Hausärzten ging, also 4 Jahre gekämpft. Insgesamt habe ich 15 Jahre getrunken.
Geblieben vom negativem ist leider eine zwanghafte Vermeidung (Selbstdiagnose); ich schaffe es nicht die Wohnung gut sauberzuhalten, mit Geld umzugehen, Struktur zu schaffen. Ich komme zwar gut klar insgesamt, mit kleinen Einbrüchen täglicher Art emotional; allerdings kann ich niemanden einladen zu mir, zudem ständige Geldnot trotz recht gutem Job. Die Schulden habe ich in der Trockenheit wenigstens bezahlt. Manchmal mache ich mir schon Sorgen das alles so weiterzuführen; Ich gehe fast jeden Tag zu AA, ab und an zu AA ähnlichen Gruppen für Kinder von suchtkranken bzw. sex und liebessüchtigen. Bei letzterem habe ich es gerade gut im Griff, Jahrelang bin ich zu Prostituierten, auch zwanghaft. Ist das eine okay, so treffen mich die anderen Dinge um so härter. Es ist mir superwichtig, Psychoanalyse mache ich bereits; ich denke ob ich vielleicht besser eine Verhaltenstherapie machen sollte. Ich brauche hier ganz, ganz dringend die Erfahrung von euch. So langsam kann ich nämlich nicht mehr. Nach außen sieht alles gut aus, ich steh echt gut da. Aber es ist halt auch nur eine Rolle und ich denke die Vermeidung steht für was. Zumindest schafft sie es das ich mich nie!!! normal fühlen darf(bisher).
Gruß B


Angsthäsin Offline




Beiträge: 2.029

10.01.2008 13:32
#2 RE: Zwanghafte Vermeidung VT? antworten

Hallo B.

Zitat
Gepostet von JREWING
ich schaffe es nicht die Wohnung gut sauberzuhalten, mit Geld umzugehen, Struktur zu schaffen.



Ich denke, gerade bei diesen Probs (ich habe z.Z. ähnliche) ist ein VT der Analyse deutlich überlegen. Es ist nämlich momentan völlig uninteressant, WIESO Du bspw. keine Struktur n Deinen Tag kriegst. Darauf kannst Du später immer noch schauen, wenn es denn dann überhaupt noch wichtig für Dich ist.
Jetzt musst Du erstmal raus aus diesem Trott und da sind die VT-Ansätze allemal brauchbarer, wenn Du sie dann auch umsetzt.
Ich habe auf diese Weise gelernt, mir vernünftige Tagespläne zu machen und tue alles, um diese auch einzuhalten. Vernünftig heißt, einige Dinge tun, die getan werden müssen und einige, die mir gut tun und Freude machen. Meine Thera hat mich dabei unterstützt. Das war der praktische Part, nicht immer einfach durchzuhalten, aber es geht, wenn man es wirklich will. Der andere Part war, mein Denken zu analysieren und zu gucken, welche Gedankenken bei mir welche Gefühle und dann das entsprechende Handeln auslösen und wie man diesen Kreis durchbrechen kann. Das alles gehört zur kognitiven VT.

Liebe Grüße
Tina

Interpunktion und Orthographie dieses Beitrages sind frei erfunden.
Eine Übereinstimmung mit aktuellen oder ehemaligen Regeln wäre rein zufällig und ist nicht beabsichtigt. :zwinker1:


grüne fee Offline



Beiträge: 2.384

10.01.2008 13:40
#3 RE: Zwanghafte Vermeidung VT? antworten

hallo herr ewing,

von mir erst mal auch ein willkommen.
ich denke,daß dir eine kognitive verhaltenstherapie mehr
helfen würde als die psychoanalyse(wobei ich deren qualität nicht in zweifel stellen möchte...)
deine zwangssymptome sind nicht durch biographische arbeit bzw ursachenforschung alleine in den griff zu bekommen.
und ich denke,daß auch da gilt,die verknüpfung zur sucht nicht aus den augen zu lassen,du bist da ja auf zwei dampfern unterwegs,auf der stofflichen und der sog.nichtstofflichen ebene-
ich wünsche dir,daß du da zu einer guten entscheidung findest,um dir einen änderungsprozeß auf das JETZT bezogen zu ermöglichen.
was deine aufräumhemmung betrifft,hab da geduld mit dir selber und mach kleine schritte.setz dir prioritäten und übe struktur.erst mal die whiskygläser entsorgen
und echo Tina...
liebe grüße
sabine

there are things known
and there are things unknown.
in between there are doors. william blake


eventually, everything connects. charles eames


vicco55 Offline




Beiträge: 2.573

10.01.2008 15:08
#4 RE: Zwanghafte Vermeidung VT? antworten

Hallo B

ich mal das echo von den Vorschreiberinnen.

Ich bin ja ähnlich lange trocken wie Du und habe auch ähnliche Probleme wie Du.

Nix gegen die AAs; aber mir scheint Du bist so langsam auch noch von den Meetings abhängig Es gibt auch ein Leben außerhalb.

Mir hat die a) die Erkenntnis geholfen, daß ich ein Suchtler bin, auch wenn ich kein Alkohol trinke und b) die Konsequenz daraus, meine div. Baustellen u.a. verhaltenstherapeutisch anzugehen.

Wie gesagt, ich hatte eine Suchtstruktur, bevor ich meinen ersten Schluck Alkohol trank und meine erste Zigarette rauchte. Diese Erkenntnis hat mich befähigt, die einseitige Fixierung auf den Alkohol loszulassen. Ich bin u.a. auch Alkoholiker.

Ich bin zwar zwischenzeitlich nicht perfekt, ich habe mir aber einige Sicherheitsleinen eingezogen, damit z.B. nicht wieder total in die Schuldenfalle laufe.

Gruß
Viktor

PS Meditierst du noch?


Lissy01 Offline




Beiträge: 2.780

10.01.2008 15:42
#5 RE: Zwanghafte Vermeidung VT? antworten

Hi JREWING

Einerseits habe ich eine riesige Achtung, mit welcher Disziplin Du an Deinen Problemen arbeitest.

Auf der anderen Seite denke ich mir, daß Du vielleicht auch zu viel des Guten tust und dadurch erschöpft bist.

Zitat
So langsam kann ich nämlich nicht mehr.


Kann ich gut verstehen.

Vielleicht solltest Du den Fokus mehr auf Dinge legen, die Du gerne machst?

Ich mache übrigens eine koginitive Verhaltenstherapie und fühle mich damit gestärkt.

Allerdings kann ich nicht wirklich mitreden, was für Dich gut ist. Ich bin ja Co und habe mit weiteren Süchten keine persönlichen Erfahrungen.

Ich wünsch Dir, daß wieder Licht in Dein Leben kommt!
Gruß, Lissy


minitiger2 ( gelöscht )
Beiträge:

10.01.2008 16:10
#6 RE: Zwanghafte Vermeidung VT? antworten

Mach Dich mal locker, JR.

Will sagen, es ist sicher realistisch, daß nicht alles easy ist, aber bei Dir hab ich manchmal den Eindruck, daß Du alles, was Du tust, zuallererst als Problem betrachtest und am liebsten sämtliche Deiner Lebensäusserungen in irgendner Form bearbeiten möchtest.

Meine Erfahrung ist die, daß ich mich manchmal besser einfach so lasse wie ich bin. So lange es mich nicht umbringt und mir auch sonst nicht wesentlich schadet, lass ich bei meinen Macken halt mal fünfe gerade sein.

So ein ausgepowerter Zustand hat manchmal den Vorteil, daß er den Blick aufs Wesentliche lenkt..weils dann für den Aktionismus nicht mehr reicht



[ Editiert von minitiger2 am 10.01.08 16:11 ]


JREWING ( gelöscht )
Beiträge:

11.01.2008 22:35
#7 RE: Zwanghafte Vermeidung VT? antworten

Muchas Gracias liebes Forum, eure Antworten tuen mir sehr gut; heute abend habe ich mal einen Onkel besucht, also jemanden Nichtsüchtigen und es tat richtig gut.

Wir haben auch mal kurz tiefergehende Themen besprochen, Tod meiner Mutter etc.; das hat mich sehr bewegt und ich spüre innerlich eine Gelöstheit.

Morgen will ich wieder zum Sport, freu mich auch schon drauf.
Süchtig: Ganz ehrlich, ohne Negativismus bzw. Fokusierung auf Probleme(obwohl ich das schon stark mache); bisher habe meine süchtigen Anteile sogar ohne Alk schon überwogen. So empfand ich rückblickend mein Leben. Alles musste kicken; das aa meeting; der job, die Frauen, musik. Ich sah das Leben durch die Brille des süchtigen trotz Trockenheit; ich will meinen Fokus nun mehr auf Realität lenken, auf Gefühle, und dabei locker bleiben!!!

Ich danke euch; bisher habe ich nur rausgekriegt das ich wohl nicht so einfach von der Analayse zur VT wechseln kann. Ich berichte weiter; bin ja schon total dankbar überhaupt trocken zu sein. Meine Depris gehören wohl halt zu mir; ist halt so. Das zu akzeptieren ist wohl das Beste was ich machen kann.

So long, hasta luege, Boris Ewing


relaunch ( gelöscht )
Beiträge:

11.01.2008 22:40
#8 RE: Zwanghafte Vermeidung VT? antworten

ich will meinen Fokus nun mehr auf Realität lenken, auf Gefühle, und dabei locker bleiben!!!

klingt cool und lebendig!

mach' was draus!!!

wünscht dir

M.


JREWING ( gelöscht )
Beiträge:

12.01.2008 14:17
#9 RE: Zwanghafte Vermeidung VT? antworten

Hi relaunch, who the hell cares, aber vielen dank für dein post; kriege heute ja mal nur Zuspruch, ganz was Neues.
Also auch außerhalb des Forums lief alles supi heute,
Gruß JR


Kleinerfuchs Offline



Beiträge: 3.725

12.01.2008 22:28
#10 RE: Zwanghafte Vermeidung VT? antworten

Hallo JR,

Deine Beschreibung erinnert mich ziemlich an mich selbst, mein bester Freund sagte mal zu mir "wann lernst Du eigentlich mal, daß das Leben kein fortwährendes Disneyland ist"?
Völlig drogenfrei empfinde ich mein leben als seicht, und mein Fühlen und Denken erst recht. Ich kann nicht "in mir Ruhen", nicht zufrieden sein und ich hab auch fortwährend Angst und Depressionen(seit Kindertagen), wenn ich mich nicht an irgendeiner Sucht festklammer. Zudem haben Süchte, sei es Essen, Trinken oder Rauchen (alle anderen hab ich im Frühstadium wieder abgelegt) eine dämpfende Wirkung auf mich. Mir fehlen irgendwie ein paar Filter in der Wahrnehmung, ich kann mich von nix abgrenzen, ich weiß z.b. in ganz kurzer Zeit ganz viel über die Leute um mich herum, weil ich jedes Signal aufnehme und nichts mehr davon verdrängen kann -bin halt auch in einem Alkoholikerhaushalt aufgewachsen.

Und ich kann notfalls von allem süchtig werden, stofflich und nicht- stofflich. Soviel hab ich inzwischen festgestellt.

Ich habe den genau umgekehrten Fall erlebt, drei Verhaltenstherapien, und jedes mal haben die Therapeuten mich am Ende eindringlich (sozusagen:rolleyes gebeten, doch bitte eine Psychoanalyse zu machen.

Hab ich bis heute nicht, da ich auch die Erfahrung gemacht habe, daß es tatsächlich nichts bringt, sich noch tiefer in seine Vergangenheit reinzuversetzten, wenn man eh schon so eine -in meinem Fall- Problemtante ist, die dauernd vor sich hin analysiert und vor lauter Vergangenheitsbewäligung gar nicht mehr nach vorne schaut.

Momentan versuche ich, mich zu nehmen, wie ich bin, doch zumindest das Trinken sowie mein gestörtes Essverhalten möchte ich langfristig loswerden.

Richtig "normal ticken" werde ich vermutlich nie, ich tröste mich halt damit, daß das eben ich bin und jeder sein Kreuz zu tragen hat, wenn ich das mal so sagen darf..

Kommst Du denn gut klar mit Deiner Psychoanalyse? Ich überlege schon, dies doch nochmal in Anspruch zu nehmen, aber eigentlich hab ich auch ziemlich Angst davor. Ist ja langwierig und geht ganz schön tief. Ich stell mir das immer wie beim der Homäophatie vor, daß erstmal alle Symtome sich arg verschlimmern, bevor eine Besserung eintritt.

Bei Dir ganz konkret könnte ich mir übrigens schon vorstellen, daß eine VT auch ein guter Weg wäre. Gerade, weil Du offenbar auch immer gern im Bodensatz rumgründelst und bei Dir selbst immer am Defizit ansetzt. Das bringts ja nicht unbedingt.

LG, Kleinerfuchs

Ob Du "gut klar kommst" war natürlich blöd ausgedrückt, zumal Du ja schreibst, daß Dir offenbar noch irgendwas enscheidendes fehlt Ich wollte genaugenommen nur allgemein mal ein, zwei grundsätzliche Sätze von jemandem dazu hören, der so etwas macht, da ich privat niemanden kenne und mir eigentlich gar kein Bild von Psychoanalyse bzw. Erfahrungen damit machen kann

[ Editiert von Kleinerfuchs am 12.01.08 22:34 ]


JREWING ( gelöscht )
Beiträge:

13.01.2008 00:37
#11 RE: Zwanghafte Vermeidung VT? antworten

Hi Fuchs, am meisten hilft mir derzeit eine Kombination aus AA, Slaa und vor allem EKS. AA um das Trinken zu stoppen, Slaa um meine Sexualität und meine Nicht-Beziehungen in den Griff zu kriegen, EKS(für Leute aus Suchtfamilien bzw. sonstwie dysfunktionalen Herkunfts-Familien) um echt an meinen Gefühlen zu arbeiten.
Trotz allem; das Nichtaufräumenkönnen und nicht mit Geld umgehen können sind noch geblieben, von daher die VT Idee.

Die Analyse hat mir schon geholfen. a)ich durfte alles aussprechen ohne für verrückt gehalten zu werden, dies ja auch noch vor einer Fachfrau b)ich konnte aufgrund von a), Beziehung in der Therapie etwas üben; z. B. auch unangenehmes für die Therapeutin ansprechen und merken es passiert nichts schlimmes, etc. c)die Analyse hat mich stabilisiert;

Das sind die drei Hauptmerkmale für mich. Allerdings denke ich das nicht mehr soviel kommen kann; wäre froh wenn mir jemand hier was darüber schreiben könnte; ich finde das ich in der Gruppenarbeit bei den SHGs aufgrund der Frequenz einfach viel mehr bearbeiten kann.
Zur Erklärung: die Analyse ist sehr stundenintensiv; der Therapeut spricht eher wenig, kommentiert eher nicht; man liegt meist auf einer Couch;

VT könnte mir halt helfen konkret an meinen beiden noch destruktiven Verhaltensweisen zu arbeiten.
Ich denke ich geh erstmal wieder zu meiner Therapeutin und kann ja offen reden, mal sehen was daraus dann wieder entsteht. Aufgrund meiner letzten neuen Erkundigungen kann man wohl eh nicht so einfach von Analyse zu VT wechseln und insbesondere da wo ich wohne gibt es die totale Therapeutenebbe mit Riesenwartezeiten.

Ganz wichtig(!!!):wenn du noch trinkst, so habe ich das mal gelernt in der SHG; bringt so eine Gesprächs-Therapie sowieso nichts. Das saufen muss zuerst im Griff sein; man sollte zwischen Analyse und dem saufen aufhören sich ruhig eine ganze Weile Zeit lassen, hab schonmal was von 10 Jahren gehört, dann erst ist man bereit für eine Analyse. Das Saufen aufzuhören ist für einen Trinker die absolute Grundvorraussetzung um an sich wirklich arbeiten zu können.
Nebenbei, das schöne bei AA ist das man da auch mal beschwippst auftauchen kann, solange bis man es halt mal schafft. Ich durfte vor einiger Zeit allerdings, gerade ein paar Tage, nüchtern dort beim 1. Mal erscheinen und habe seitdem nie wieder getrunken.
Ganz wichtig ist mir der Bezug zum Leben geworden, bzw. der Bezug zur Spiritualität zu einer Macht größer als ich selbst wie ich sie verstehe. Dies ist das einzige laut dem Gründer von AA was wirklich das Loch in der Seele eines Süchtigen stopfen kann. Das kann die Natur sein, die Sonne, Jesus, Buddha, Yoda, Yoga oder der Yeti. Aber ich muss sagen es funktioniert wirklich. Ich sehe mich noch mittendrin in diesem ganzen Genesungsding. Aber meine erheblichen sozialen Ängste, die Angst allein zu sein etc. habe ich fast gänzlich abbauen dürfen auf diesem Weg. In einer Depression vor 2 Jahren habe ich ganz stark an meine höhere Macht gedacht und zu ihr eine Verbindung aufgebaut; dann war die Depression ziemlich vorbei und ich durfte diese liebevolle schöne Verbindung zu ihr behalten. Vielleicht ist dies nur ein Trick der Menschheit, aber er funktioniert. Mal ist die höhere Macht die Natur für mich, mal Jesus; als Freidenker in gewissen Dingen bin ich da recht offen und zugänglich für vieles. Ich fühle einfach was mir da guttut.

Für jemanden der davon noch nicht viel gehört hat, hört es sich komischst an; es ist halt ein Weg, ein Weg den ich wohl den Rest meines Lebens gehen werde. Er ist mit Worten schwer zu beschreiben, man muss ihn gehen (oder nicht) um es fühlen zu können. Es gibt Zeiten neuerdings da bin ich voller Glücksgefühle; leider bin ich auch ein bisschen arg traumatisiert von meiner Kindheit das ich halt auch noch viele üble Gefühle in mir habe. Ich bin überzeugt das auch noch in den Griff zu kriegen auf meinem Weg.
Die VT wäre tatsächlich echt nur fürs Aufräumen der Wohnung und für den Finanzenüberblick. Klar das hinter diesen Vermeidungen auch was steht; aber eine Technik um überhaupt mal wirklich anfangen zu können was zu tun würde ich mir schon wünschen; genauso wie ich mir wünsche das ich ernstgenommen werde. Wer das mit dem Nichtaufräumen können und mit der Geldlosigkeit nicht kennt, kann einfach nur froh sein. Es ist nämlich sehr beschämend; als wenn ich bei jeder Person die ich kennenlerne sagen müsste, ich bin Boris, aber Achtung, ich bin nicht in Ordnung; Egal, mir geht es insgesamt in der letzten Zeit mehr gut als schlecht und das sehe ich als große Gnade an, genauso wie ich es als die größte Gnade ansehe trocken sein zu dürfen.

Gruß Boris


Kleinerfuchs Offline



Beiträge: 3.725

13.01.2008 19:36
#12 RE: Zwanghafte Vermeidung VT? antworten

Hallo Boris,

10 Jahre zwischen Abstinenz und Psychoanalyse, das ist ja ein ziemlicher Zeitraum, da hätte ich in der Tat noch was Zeit

Mir fehlen übrigens auch ein paar innere Strukturen, ebenfalls Ordnung und Finanzen betreffend. Manchmal komm ich bei Leuten in die Wohnung, die sich panisch für die Unordnung entschuldigen, während ich nur denke ja, wäre schön, wenns bei mir mal so aussähe. Oder wenn ich selbst Besuch habe, fallen mir plötzlich Dinge auf, die ich sonst einfach nicht sehe, Staub auf ner Lampe z.B. und dann sitz ich da und guck die ganze Zeit entsetzt darauf. Wenn der Besuch das nächste mal kommt ist der Staub meisst immer noch da. Unangekündigter Besuch kann mich in existenzielle Krisen stürzen. Ich krieg einfach nie den Dreh, irgendwas effektiv zu machen und verzettel mich in tausend Einzelaktionen. Am Ende bin ich immer total fertig und manchmal siehts nachher schlimmer aus als vorher. Die Finanzen hab ich schon vor langer Zeit meinem Mann untergejubelt

Ich hab mir überlegt, mir mal ganz einfach so ein nettes Selbsthilfebüchlein zu dem Thema anzuschaffen, davon gibts ja ne ganze Menge auf dem Markt für Chaoten wie mich. Gerade hab ich so einen Jahreskalender ins Auge gefasst, in dem für jeden Tag Aufgaben stehen, um irgendwas zu strukturieren....jetzt müsste ich nur noch wissen, wo ich den Zettel mit dem Titel und dem Verlag hingelegt hab...immer der gleiche Driss Ist wahrscheinlich eh wieder blinder Aktionismus, aber versuchen kann ichs ja mal.

Ich glaube tatsächlich an eine höhere Macht, ziemlich konkret. Allerdings hat mich mein Glauben auch nicht trockenlegen können bzw. gar nicht erst meine Alklaufbahn verhindert, das lief irgendwie immer parallel.

In unserer Gegend sind die Psychoanalytiker auch Mangelware, darum kommt das mit den 10 Jahren wahrscheinlich so oder so hin.

Danke für Deiner Antwort

LG, kleinerfuchs


zai-feh ( gelöscht )
Beiträge:

13.01.2008 19:48
#13 RE: Zwanghafte Vermeidung VT? antworten

Das Problem mit den Finanzen kenne ich, irgendwie schaffe ich nie das in den Griff zu bekommen.

Das mit der Ordnung geht einigermaßen.
1. Es muss bei mir nicht steril sein, es wird niemand operiert.
2. Man muss nicht vom Boden essen können - ich habe Teller.
Aber was am wichtigsten ist. Ich schaffe es seit einigen Jahren eher etwas weg zu schmeißen. Das mit dem Staub auf der Lampe kenne ich. Dafür leiste ich mir den einzigen wirklichen Luxus (obwohl ich ihn mir nicht leisten kann): alle 3 Wochen eine Putzfrau für etwa 4 Stunden.
Ansonsten nehme ich mir jeden Tag (außer Sonntag) ein (1!) Regalbrett oder Schrankfach vor. Und damit fahre ich einigermaßen gut. Seit ich das mache (etwa 2-3 Jahre) bin ich nicht mehr komplett vermüllt - und ich habe alles einigermaßen im Griff.
Okay - für die Papiere gibt es ein eigenes Schrankfach Das schaffe ich nur einmal jährlich, das wirklich wegzuräumen - und dazu muss es mir sehr gut gehen. Aber wenn ich was suche, ist es in diesem Haufen. Und dann finde ich es auch.


JREWING ( gelöscht )
Beiträge:

13.01.2008 22:01
#14 RE: Zwanghafte Vermeidung VT? antworten

Hi, danke für eure Ehrlichkeit und Tipps. Komme mir ja schon bald ganz schlecht vor mit meinen komischen Themen.
Für morgen habe ich mir das Spülen vorgenommen. Heute morgen war ich in einem AA Meeting dann 20km wandern im Mittelgebirge.
Morgen ist Therapie, danach wohl meeting. D. h. ich könnte vorher spülen.
Das Ganze passt schon hierher ins Forum, es brächte mich wohl oder kurz über lang vielleicht wieder zum Trinken zurück, das Chaos, das Kaufen.

Ach Fuchs; die Frage ist je wohl, willst du aufhören mit dem Alkohol? Falls ja, es gibt Hilfe. Vergiß das nicht. Jeden Tag AA hilft auch wenn man noch nicht ganz trocken ist; Gerade für uns gibt es soviele Hilfsangebote; hast du die Bereitschaft? Manchmal geschehen Wunder in der Trockenheit. Bald bist du vielleicht eins von ihnen?

Gruß Boris


Kleinerfuchs Offline



Beiträge: 3.725

14.01.2008 20:12
#15 RE: Zwanghafte Vermeidung VT? antworten

Hallo Boris,

seit ich mir in diesem Forum und teilweise auch bei Menschen im RL eingestanden habe, ein Alkproblem zu haben, ist mir eigentlich "nichts menschliches mehr fremd".

Für mich war das das, womit ich mich schlecht fühlte, da ich meine Mutter in schlimmen Zuständen erlebt habe. Mein prägenstes Erlebnis war, als sie sich kurz vor ihrem Tod, da war ich 10, ganz betrunken an mich klammerte und mir sagte, ich solle sie nicht verlassen, sie brauche mich doch.

Zu dem Zeitpunkt war sie vom Alk schon sehr entstellt und ihr Kopf war rasiert und voller frisch genähter Narben von der letzten Attacke meines Steifvaters, und ich habe mich nur noch geekelt.

Ich bin ihren Weg nachgegangen, wenn auch nicht in dieser extremen Ausprägung, und ekel mich mit dem Eingeständnis, Alki zu sein, dementsprechend auch immer wieder vor mir.

Da ist es mir ein leichtes, eingestehen zu können, daß ich ein schlimmer Chaot bin.

Meine Mutter hatte alle Chancen, sie hatte eine grosse Familie, die sie liebte und auf sie aufpasste, sie hat viele Therapien gemacht und war mehrfach im Entzug und in Langzeittherapie. Letztendlich starb sie mit 36 während ihrer letzten Entgiftung im Delir (oder am 3. Hirninfarkt infolge der Schläge, das weiß niemand genau), und das ist der Grund, warum ich mir ausser "konventioneller" Therapie und Hausarzt keine professionelle Hilfe suche. Ist bestimmt ein Spleen von mir, aber ich kann es nur so und nicht anders.

Ich befinde mich gerade im 2. Trockenschleudergang meines Lebens, der erste ist nach 5 Monaten gescheitert, und die Hilfen, die ich momentan habe, sind Saufnix, die Therapien, die ich bereits gemacht habe und ich selbst.

Entweder es funktioniert so, oder ich muss mir was anderes überlegen. Aber erstmal möchte ich es nochmal auf diesem Weg versuchen.

LG, kleinerfuchs


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