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Saufnix
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Dieses Thema hat 55 Antworten
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 Akute Hilfe
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Beachen Offline




Beiträge: 3.654

15.06.2004 13:30
#16 RE: Es ist so weit... antworten

Zitat
Ob Du Streß hast oder nicht, ob Du Dich alleine fühlst oder Du Ärger mit irgendjemandem hast, ob Du einen Job hast oder nicht - egal, was immer kommt, bleib das nächste Mal trocken.


Hi Bärle !

Zur Erläuterung :
die von dir genannten Punkte sind Dinge die jedem im tagtäglichen Leben passieren werden.
Wenn man genau das ständig heranzieht - was ich übrigens auch tat - also man sich selbst einredet " ich trinke aus diesem und jenem Grund " oder " ich habe mir das Trinken verdient, weil..." ist man noch sehr weit von irgendeinem Verstehen oder Einsicht entfernt.
Im Endeffekt tut man das, damit man wieder trinken "darf", so als imaginäre vorherige Entschuldigung für den kommenden Trinkexzess. Das ist ein rein mentaler Vorgang, so war das jedenfalls bei mir.
Und wenn ich dann betrunken war, konnte ich mich erst recht in meinem Jammertal suhlen.
Nur, so kommt man über Jahre keinen Schritt weiter sondern nur immer tiefer ins Saufen mit entsprechenden Folgen.
Was ich damit sagen will, ich mußte lernen, genau dieses Denken " ich trinke, weil ... " zu entkoppeln, ich trank nämlich weil ich trinken wollte.
Ich mußte lernen, zu mir und meinem Leben zu stehen, nicht mimosig auf dem Sofa sitzen und mich selbst bedauern.
Es gibt keinen Grund wieder zu trinken !
Und wenn ich sowas wieder einmal denken sollte, ist das hausgemacht !
Verstehst du was ich meine ?

Gruß
Bea


Adobe Offline




Beiträge: 2.561

15.06.2004 21:46
#17 RE: Es ist so weit... antworten

Hallo Bea,

ich jedenfalls verstehe vollkommen, was Du meinst. Und es entspricht auch voll und ganz den Tatsachen.

Alkoholiker wird man wohl, weil man mit den ganz normalen täglichen Anforderungen nicht zurechtkommt. Das ist das erste, an dem man arbeiten muß, um zufrieden trocken zu bleiben.

Du hast das sehr gut erläutert.

Viele Grüße
Adobe


Beachen Offline




Beiträge: 3.654

15.06.2004 22:23
#18 RE: Es ist so weit... antworten

Hi Adobe !

Nach meinem post ist mir noch eingefallen, es sind doch im Endeffekt die unangenehmen Gefühle wie Frust etc., die ich nicht aushalten wollte.
Ich habe ja auch garnicht wirklich gelernt, genau das zu "können", wie auch, wenn man bereits mit 16 merkt, man kann genau das prima mit Alkohol ausklinken.
Man kann sich schöne Gefühle und selbstbewußt trinken, nur sieht man leider nicht den ganzen Horrorrattenschwanz, der oft genug unwiederruflich über Jahre folgt.

Und wegen deinen genannten tagtäglichen Anforderungen, mit denen kann man meiner Erfahrung heute nach auch nur zurechtkommen wenn man 1. und am allerwichtigsten aufhört zu saufen.

Nur kurz zur weiteren Ergänzung
Grüßle von
Bea


Gast ( gelöscht )
Beiträge:

15.06.2004 23:10
#19 RE: Es ist so weit... antworten

Hallo Bernd
Schön dass du wieder trocken unter uns weilst.
Wenn man immer wieder das gleicher erlebt, ist die Chance groß dass man auf einem Karussell sitzt. Ich darf mit einer gewissen Berechtigung Kompetenz beanspruchen, was Karussellfahren angeht. Ich habe es fast 10 Jahre lang betrieben: Mit dem Wissen dass ich Alkoholiker bin, habe ich die ganze Palette von Hilfen beansprucht. Drogenberatung, Langzeit, das hat mich letztendlich nicht vom Saufen abhalten können. Und ich war auch in der Lage bei Bedarf die richtigen Sprüche anzubringen, von denen ich wusste, dass sie im Kreis der Helfer gern gehört werden. „Gib dem Therapeuten, was des Therapeuten ist...)

Dieser berühmte Klick, den es gemacht hat, der bestand bei mir darin, mich zu bemühen ehrlich zu werden, und zwar zu mir selbst. Das ist ja auch so ein Spruch mit dem man Wirkung erzielen kann. (Öffentliche Selbstkritik im Kreis gestrenger Kader...)Aber der Anfang meiner –anderen- Ehrlichkeit bestand darin, dass ich angefangen habe, meinen eigenen Erklärungen zu misstrauen. Nichts hatte poetischere Kraft wie meine Erklärungen (die im Grunde nur Entschuldigungen waren) Ich war – und potentiell bin ich es immer noch- in der Lage mir alles so zurecht zulegen, dass es für mich stimmig war, dass ich mit mir im Reinen war.

Anstatt Erklärungen abzusondern habe ich sklavisch fast hündisch das gemacht, was andere mir gesagt haben. (und zwar in Bezug auf Alkohol!!!!) Ich habe mich einfach anderen anvertraut. Weil ich es selbst nicht konnte, trocken bleiben. Ich habe dazu die AA gefunden, jede andere Gruppe ist genauso gut, auch das board hier. Es geht einfach darum, aufzuhören zu glauben, dass man die Dinge deichseln kann.

Dazu braucht es Vertrauen. Und Vertrauen kann man nicht erzwingen. Man muß sich einfach trauen, zu vertrauen

Liebe Grüße
Michael


Randolf Offline



Beiträge: 981

16.06.2004 12:32
#20 RE: Es ist so weit... antworten

Hi all, hallo Bea !

Du hast vorhin einen Punkt angesprochen, der auch aus meiner Sicht die Hauptschwierigkeit darstellt:
das Konfrontiert-Werden und Aushalten von unangenehmen Gefühlen.

Denn die gibt es, unweigerlich.Man kann sich davor nicht schützen oder dem aus dem Weg gehen.Das alltägliche Leben bringt es eben mit sich.

Auch wenn's schmerzhaft ist (sonst wären es ja keine negativen Gefühle)seinen Ärger oder Frust usw. zu bewältigen, es bleibt einem sowieso keine Wahl!
Wenn ich eine unangenehme Erfahrung mit Alk einzudämmen versuche, mag mir das heute zwar gelingen, aber das morgige Erwachen wäre ungleich schlimmer, da man ja die ganze Sch... wieder ins Haus geholt hat.

Dann schon lieber einen Abend, an dem man mit der 'ungerechten' Welt hadert - der nächste Tag bringt wieder andere Dinge. Leider oder Gott sei Dank gibt es nichts dauerhaftes.

Manche Tage sind allerdings nicht einfach.

Grüße

Randolf


Merryl Offline




Beiträge: 822

16.06.2004 13:27
#21 RE: Es ist so weit... antworten

Hallo Bernd!

Willkommen zurück. Was sollst du schon anderes machen, als LZT und Suchtberatung? Ich glaube, Du weißt das ganz genau.

Ich finde das was Michael geschrieben hat, sehr sehr gut:

"Aber der Anfang meiner –anderen- Ehrlichkeit bestand darin, dass ich angefangen habe, meinen eigenen Erklärungen zu misstrauen. Nichts hatte poetischere Kraft wie meine Erklärungen (die im Grunde nur Entschuldigungen waren) Ich war – und potentiell bin ich es immer noch- in der Lage mir alles so zurecht zulegen, dass es für mich stimmig war, dass ich mit mir im Reinen war."

Die Erklärungen/Entschuldigungen gehören für mich persönlich zur Sucht, sie sind auch bei mir das, was die eigentliche Sucht ausgelöst hat. Dieses mit sich selbst "im Reinen" sein, was ja nichts als eine billige Lüge, ein herumeiern um die tatsächliche Frage ist ist es, was so wahnsinnig gefährlich und irreführend ist.

Bernd, der Ansatz, seinen eigenen Erklärungen zu misstrauen, ist, gleube ich sehr gut. Du gibst hier immer den Tapferen, den "ich habe alle begriffen, ich kann es nur noch nicht"-Bernd. Einsichtig und voller Selbstvorwürfe, blos keine Angriffsfläche für wirkliche Fragen bieten (du hast nicht erzählt, warum Du wieder gesoffen hast).

Bernd, Alkoholismus ist eine Krankheit, versuche das Zentrum der Krankheit zu finden, versuche die Ursachen zu entdecken und dann tu was!

Vertraue nicht darauf, dass Du nun mit dem neuen Absturz gemerkt hast was Alkohol mit Dir macht, dass die negativen Auswirkungen Dich abhalten können. Das haben sie bisher nicht gemacht, das werden sie auch beim nächsten Mal nicht machen.

Was? "Körperlich bin ich völlig OK - noch - und das soll auch so bleiben." Na, dann ist ja alles prima. Versuche doch mal mit diesem Satz anzufangen und hinterfrage ihn doch mal grundsätzlich.

Ich drücke Dir die Daumen, aber das mache ich auch nicht gerade das erste mal.
Merryl


Biene2 Offline




Beiträge: 4.231

16.06.2004 16:12
#22 RE: Es ist so weit... antworten

Hallo Ihrs,

das war auch das Geheimnis meiner,diesmal,erfolgreichen Therapie.

Ich habe von Anfang an meine Therapeutin darauf aufmerksam gemacht,daß sie mir bloss nicht alles glauben darf,was ich ihr da erzählen werde....

Damit war sie zwar nun auch keinen Deut schlauer,denn leider sind wir ja nicht durchsichtig...aber ich hatte mir dadurch schon mal selbst einen Kurzschluss verpasst.

Und konnte mich somit auch selbstkritischer mit der ganzen Sache auseinandersetzen.


Bernd48 Offline




Beiträge: 979

16.06.2004 16:34
#23 RE: Es ist so weit... antworten

Hallo Ihr Lieben,

danke erst einmal für alle Hinweise und Ratschläge.

Trotz allem habe ich keine Ahnung, wie es zu diesem Absturz kam. Eine gute Freundin, mit der ich bis dahin jeden Tag telefoniert habe, sagte mir, es sei völlig ansatzlos gekommen. Normalerweise hätte ich wichtige Termine gehabt, es war auch alles vorbereitet.

War es Angst ?

Ich weiß es nicht.

Eine Bemerkung muss ich noch machen.
Ich habe seit Jahren nie getrunken, um die Welt besser zu sehen oder mich besser zu fühlen.
Es war immer so angelegt, gar nichts mehr zu sehen und zu fühlen.


Merryl Offline




Beiträge: 822

16.06.2004 16:50
#24 RE: Es ist so weit... antworten

Bernd,

kann es sein, dass Du Deine Gefühle und Gedanken so lange aufstaust, bist Du sie nicht mehr ertragen kannst? Danach kämpfst Du Dich dann wieder durch die Trockenheit und lenkst Dich damit ab? "Hauptsache ich trinke nichts"? Du mußt rausfinden, was Du nicht verarbeiten kannst, was Du nicht an Dich ranläßt. Lauf davor nicht wieder weg!
Merryl


Bernd48 Offline




Beiträge: 979

16.06.2004 17:16
#25 RE: Es ist so weit... antworten

Nein, weglaufen will ich nicht.

Bin nur momentan hin und her gerissen -
zwischen dem Versuch, den ganzen Mist langfristig auf die Reihe zu bringen -
oder den ganzen Kram endgültig hinzuschmeißen...


Marieluu ( gelöscht )
Beiträge:

16.06.2004 19:38
#26 RE: Es ist so weit... antworten

bernd,

bringe es auf die Reihe, damit tust Du Dir einen größeren Gefallen.
Ein Rückfall ist immer SCH...., aber es ist nicht das Ende der Welt.
Alles hinschmeissen heißt aufgeben.
Gib Dich nicht auf, sondern kämpfe.

Ich wünsche Dir gute 24 Stunden

Marieluu


Bernd48 Offline




Beiträge: 979

16.06.2004 19:52
#27 RE: Es ist so weit... antworten

Nun ja, so einfach ist das eben nicht.

Wenn mir - so wie die Situation im Moment aussieht - lediglich das nackte Leben bleibt, ist das bißchen wenig.

Es stellt sich ernsthaft die Frage - was soll's dann noch?


Biene2 Offline




Beiträge: 4.231

16.06.2004 20:08
#28 RE: Es ist so weit... antworten

Hallo Bernd,

sach mal,was issen mit dir los?

Diesmal keine Kohlrouladen ectpp...????

Macht sich da etwa Depri breit?Siehs doch mal positiv.
Das nackte Leben ist immerhin von allen Schnörkeln befreit.
Da kannste frisch und fröhlich drauflos-drapieren.

Und besser wird es doch immer wieder....

Versteh ich nu nicht ganz,was da momentan in dir abgeht...


Adobe Offline




Beiträge: 2.561

16.06.2004 20:10
#29 RE: Es ist so weit... antworten

Bernd,

auch wenn es im Moment vielleicht für Dich schlecht aussieht, es bleibt einem immer viel mehr als das nackte Leben. Was ist eigentlich passiert?

Es gibt ein altes Sprichwort:

Wenn Du glaubst es geht nicht mehr,
kommt von irgendwo ein Lichtlein her.

Ich wünsche Dir ganz stark, daß Du es langfristig auf die Reihe kriegst.

Viele Grüße
Adobe


Bernd48 Offline




Beiträge: 979

16.06.2004 20:24
#30 RE: Es ist so weit... antworten

Aber Biene - womit sollte ich mein nacktes Leben drapieren ?

Mit meinem Schuldenberg ???


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