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Saufnix
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Dieses Thema hat 53 Antworten
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 Ganz, ganz viele Fragen
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Ameise Offline




Beiträge: 1.110

01.09.2003 13:41
#16 RE: Angst- und Panik-Zustand antworten

Ihr Lieben,

danke für Eure mutmachenden Antworten.
Körperlich geht es mir heute besser -
aber mein Selbstvertrauen ist ganz schön angeschlagen.
Ich habe wieder gemerkt, wie verletzlich ich bin.
Einmal pusten - pffffffft - und ich fall um. Peng.

Vorhin war ich einkaufen.
Die Angst fuhr mit .
Statt wie sonst mich darüber aufzuregen, daß auf allen Radiosendern nur gelabert wird, statt mal gute Musik zu spielen - hörte ich nur in mich selbst.
Grausam.
Ich achtete auf meine Atmung, zählte die Sekunden, bis die Ampel endlich auf grün sprang, weil ich schon hibbelig wurde.
Konzentrierte mich beim Einkaufen nur auf den Einkauf - statt wie sonst hier mal zu gucken und da mal zu gucken.
Und hatte einfach nur ein unwirkliches Gefühl die ganze Zeit.
Die Panik blieb aus.

Allmählich komme ich wieder zu mir.

Schreibe später nochmal -
meine Kleine kommt gleich von der Schule!

Liebe Grüße

PS: Bea - Dein "Senf" ist mir sehr wichtig!

@Michi - habe Dir eine nmail geschickt!
@Debbie: Didäää war klasse - danke nochmal!
@Biene: sich die Angst ansehen - da ist wohl viel dran!
Ich werde es versuchen!
@Schneeflocke: Ich werde ab und an mal an Deine Tante denken. Die Angst wird mich nicht umbringen!!!!

[f1][ Editiert am: 01-09-2003 13:45 ][/f][f1][ Editiert am: 01-09-2003 13:49 ][/f]


Rosa Krebs Offline




Beiträge: 436

01.09.2003 19:24
#17 RE: Angst- und Panik-Zustand antworten

Hallo Helena,

schön dass es Dir wieder besser geht.
Panikattacken hatte ich noch nicht, kann mir aber sehr gut vorstellen was das gerade jetzt, wenn es einem doch so gut geht, auslösen kann. Ich glaube auch, dass man dann nicht verzweifelt nach Gründen suchen sollte, sondern versuchen sollte sich zu beruhigen.
Ich habe auch ein Problem (Tinnitus), dass mich an manchen Tagen "fast verrückt" macht und weglaufen ist da nicht drin. Also muss ich damit leben und das Beste daraus machen.
Jede Aufregung oder Stress löst dieses "fiese" Geräusch im Ohr aus. Also muss ich versuchen ausgeglichen und ruhig zu bleiben. Da es bis heute keine richtige Therapie gibt, musste ich lernen mich selbst zu beruhigen.
Am Besten geht es, wie schon von Bea vorgeschlagen wurde, durch autogenes Training und einer Atemtechnik. Ich habe eine bei der VHS und später noch mal eine bei meine Krankenkasse, die auch Seminare anbietet, gemacht. Diese Technik half mir auch bei meinem Entzug. Mein Herzrasen und meine Unruhe habe ich damit gut in den Griff bekommen. Und Bea, es stimmt, man kann seinen Körper wirklich damit sehr "herunterfahren". Ich werde dabei ganz ruhig und entspannt. Kann sogar meinen Tinnitus positiv damit beeinflussen.

Liebe Helena, ein Versuch wäre es doch wert.

Wünsche dir alles Gute
Rosa Krebs


alea Offline



Beiträge: 115

03.09.2003 00:06
#18 RE: Angst- und Panik-Zustand antworten

Hallo Helena,

Ja, kenn ich auch - ist der Entzug, kommt auch in Träumen (einer z.b. es ist heiss, Du hast wahnwitzigen Durst, vor Dir eine Wasserleitung, aufdrehen, Zunge drunter - was plätschert wohl runter ?!, danach wachst Du schweißgebadet auf und kannst eine Viertel-Stunde nicht unterscheiden - war es so oder doch nur ein Traum).
Bei mir haben diese Zustände seinerzeit ca. 1 Jahr gedauert (die Angst wird aber mit zunehmender Distanz etwas "weicher").

Zur Zeit äußert es sich bei mir in Angstzuständen, "weiche Knie", gefühl umzukippen - unabhängig davon, wo ich bin, was ich tu.

Drück Dir die Daumen - e s g e h t v o r ü b e r

alea


ameise Offline




Beiträge: 1.110

03.09.2003 07:01
#19 RE: Angst- und Panik-Zustand antworten

Hi alea,

mein Schlaf und meine Träume sind ok.
Ich schlafe wie Dornröschen.
Manchmal nippe ich im Traum mal an einem Glas Wein oder Bier - bin dann furchtbar erschreckt und grenzenlos erleichtert, wenn ich wieder aufwache.

Ich schlafe schnell ein und in der Regel auch durch.
Mein Schlaf ist mir total heilig geworden, seitdem ich weiß, wie schön schlafen sein kann.

Das mit den weichen Knien ist mir da schon bekannter.
Bevorzugterweise passiert mir das beim Einkaufen an der Kasse, oder wenn ich jemanden treffe und mich länger im Stehen unterhalte.
Irgendwann kommt dann der Moment, wo ich denke: Hilfe - ich muß weg, sonst kippe ich um.
Wenn ich mich am Einkaufswagen festhalten kann, dann halte ich schon mal länger durch.

Aber wie gesagt - es ist seltener geworden.
Wenn es lange nicht passiert ist, denkt man ja auch nicht daran. Die Gedanken sind dann wirklich beim Bezahlen oder bei dem Gespräch, das man gerade führt.

Im übrigen hat mich ein Grippe-virus dahingerafft - ein Magen-Darm-Virus unterstützt ihn ganz fies dabei.
Vielleicht war die Angstattacke ein Vorbote -
vielleicht war ich schon etwas geschwächt - wer weiß.
Der Gedanke ist mir jedenfalls lieber als
unter irrationaler Angst zu leiden.
Trotzdem sind mir seit dem Vorfall schon alle Nase lang die Knie wieder weich geworden.
Ich neige aber auch dazu, mich innerlich verrückt zu machen. Da muß ich auch noch etwas cooler werden.

@Rosa Krebs:
Danke für Deine Worte. Ich werde es jetzt tatsächlich mal autogenem Training versuchen. Bea schwört ja auch darauf. Schaden kann es ja nichts.

In Verbundenheit Ihr Lieben


sakini Offline



Beiträge: 132

03.09.2003 07:12
#20 RE: Angst- und Panik-Zustand antworten

Ameise / Helena

Ich kenne "das" aus nassen und aus trockenen Zeiten.

Dieses Gefühl, "ich falle gleich um und sterbe", das kenne ich nur zu gut, leider...

Nicht nur einmal habe ich mich im Supermarkt am Einkaufswagen festgehalten, die Beine wurden weich und mein Kopf rotierte, ich habe mich dann einfach auf den Boden hingesetzt, versuchte die Atmung und den Puls wieder einzufangen, der Markt und die Leute waren mir damals scheissegal, irgendwann konnte ich wieder aufrecht stehen.

Danach bin ich oft nur mit einer lieben Freundin einkaufen gegangen, das war eine kleine Hilfe.

Heute meide ich grosse Massenveranstaltungen, Volksfeste und Konzerte, inmitten solcher Menschenmassen drehe ich total am Rad, Panik pur!

Ich laufe lieber barfuß an der Nordsee, alleine oder mit einer lieben Schulter an der Hand, viele Dinge tue ich mir einfach nicht mehr an, es ist viel besser so für mich.

Ameise, ich wünsche dir keine neue Panik, ich wünsche dir eine "Auszeit", eine Umarmung und ganz viel Loslassen, lauf mal am Strand, es wird dir sicher gefallen...

Fühle dich umarmt...

sakini


gepard Offline




Beiträge: 851

03.09.2003 08:04
#21 RE: Angst- und Panik-Zustand antworten

Wer mehr über Panikattacken wissen will, klickt auf:
Panikattacke

(jetzt hab ich's endlich geschnallt, wie das mit dem "Link einfügen" funktioniert :gruebel

Über Autogenes Training: Wenn es schon "zu spät" ist, kann auch ein AT-Erfahrener nicht mehr viel machen, aber es ist eine Tatsache, dass es viel seltener zu Panikattacken kommt (übrigens auch zu Migräne, Spannungskopfschmerz, Clusterkopfschmerz), wenn man Autogenes Training gelernt hat und es brav täglich zwei- dreimal in Ruhe übt.

Es gibt für Autogenes Training natürlich Selbstanleitungen, aber ich rate dringend, es in einem Kurs zu lernen. Man kann sich so einen Kurs übrigens vom Hausarzt verschreiben lassen. Viele Gesundheitsämter bieten das auf Kasse an. Das ist dann meist eine kleine Gruppe (ein Dutzend Teilnehmer) mit einem Psychologen, und man kommt ein Mal wöchentlich eine Stunde zusammen, um die nächste Übung zu lernen. Als Hausaufgabe übt man dann die bereits gelernten Übungen dreimal täglich. Beim nächsten Mal wird besprochen, wie es beim Üben gegangen ist, dann kommt die neue Übung dazu. Macht insgesamt sieben oder acht Treffen - jedes Treffen eine neue Übung dazu). Üben kann man überall dort, wo man ungestört sitzt (zu Hause, beim Bahnfahren, in der Firma auf der Toilette).


ameise Offline




Beiträge: 1.110

03.09.2003 08:19
#22 RE: Angst- und Panik-Zustand antworten

Hallo sakini,

auch ich meide in der Regel Massenveranstaltungen und große Supermärkte.
Wir haben hier einen kleineren Einkaufs-Markt, wo jeder jeden kennt - und da passiert mir sowas auch nicht.
Ich denke mir nur manchmal, daß es vielleicht eine gute Übung ist, sich der Angst zu stellen, statt sie zu meiden.
Denn irgendwann kommen dann halt doch Situationen, in denen man nicht einfach weglaufen kann.
Ich erinnere mich mit Grausen an die Betriebsversammlungen in meiner letzten Firma.
So viele Leute - keine Möglichkeit, aufzustehen und zu gehen. Die Themen rauschten nur an mir vorbei - ich hatte nur damit zu tun, das ganze durchzuhalten. Aber da habe ich ja auch noch getrunken - da war das ganze ja noch krasser als jetzt.

Wenn ich denn mal ins Kino gehe - wird man mich nur an einem Platz am Gang antreffen - immer fluchtbereit.

Ich war noch nie ein Mensch, der sich in Massen von Menschen wohl gefühlt hat.
Ein einsamer Strandspaziergang entspricht da auch schon eher meiner Natur.

Wie dem auch sei, es tut gut, auch von anderen zu hören, daß es ihnen auch so ergeht.
Früher dachte ich immer, ich hab sie nicht mehr alle.
Daß ich nicht allein damit bin, hilft total.

Ich danke Dir für Deine guten Wünsche und hoffe, daß auch Du mit diesen Situationen in Zukunft besser klarkommst.

Viele Grüße


ameise Offline




Beiträge: 1.110

03.09.2003 09:13
#23 RE: Angst- und Panik-Zustand antworten

Hallo gepard,

die von Dir empfohlenen Seiten sind gut.
Im Grunde weiß ich um die Theorie.
Wie so oft: Der Verstand weiß um die Theorie - aber die Praxis sieht anders aus.
In der Regel habe ich die Erfahrung gemacht, daß je weniger ich mich einer Sache widme - ich umso besser mit ihr klarkomme.
Nur kann sich der innere Abstand nicht erzwingen lassen.
Ich kann mich nicht zur Gelassenheit zwingen - dann ist sie ja keine Gelassenheit mehr.
Je mehr andere Dinge mir wieder um die Ohren schwirren, je weiter meine Ängste in den Hintergrund geschoben werden - einfach aus Zeitmangel, um mich mit ihnen beschäftigen zu können - desto besser
kriege ich alles geregelt.

Jetzt müßte man das Ganze nur noch bewußt steuern können - dann wäre ja alles bestens.
Leider ist es so, daß die Dinge, die nach hinten geschoben werden, auch mal wieder nach vorne wollen.
Und dann mit Gewalt.

Man weiß das alles, ist auf eine Art und Weise aber doch ausgeliefert.
Nun bin ich ein Mensch, der keine Lust dazu hat, jahrelang zum Therapeuten zu rennen, um in der Vergangenheit rumzugraben - in der Hoffnung, meine Zukunft dadurch besser gestalten zu können.
Ich möchte mein Leben - so wie es jetzt ist - einfach gewuppt kriegen. Nicht nach hinten schauen und nur ein ganz kleines Stück nach vorn.

Und meine Ängste sind mir da manchmal regelrecht lästig.
Es gibt Tage, da kann ich sie mit meiner Wut auf sie erfolgreich in die Flucht schlagen.
Ich sage mir dann: Haut ab - ich habe da jetzt keine Zeit und keine Lust drauf.
Und es funktioniert.
Aber wie gesagt, die Biester lassen sich das nicht immer gefallen.

Aber vielleicht ist das Leben einfach so.
Man muß wohl lernen, es gelassen hinzunehmen.



gepard Offline




Beiträge: 851

03.09.2003 09:39
#24 RE: Angst- und Panik-Zustand antworten

Ameise, mit dem Praktizieren von Autogenem Training (zwei- bis dreimal fünf Minuten täglich in Ruhe) stellt sich auf Dauer sehr viel Gelassenheit im Leben ein.
Noch mehr gilt das für Yoga. Natürlich muss man sich für Yoga mehr Zeit nehmen als für Autogenes Training.

Ich bin auch der Meinung, dass man nicht in der Vergangenheit wühlen muss, wenn man das nicht will. Verhaltenstherapie setzt sehr gezielt an der aktuellen "Störung" an, wie es auf der Panikattackenseite recht gut beschrieben ist. Da gibt es kein Herumwühlen und keine jahrelange Therapie.


Biene ( gelöscht )
Beiträge:

03.09.2003 11:18
#25 RE: Angst- und Panik-Zustand antworten

Zitat:
In der Regel habe ich die Erfahrung gemacht, daß je weniger ich mich einer Sache widme - ich umso besser mit ihr klarkomme.

Hallo Helena,
verstehst Du,was ich meine?
Wenn unangenehme Zustände geleugnet werden,speichern diese sich im Unterbewusstsein ab und kommen irgendwann umso mächtiger wieder hoch.
Also,ohne dass mich jetzt alle für bescheuert halten,möchte ich doch mal kurz aus meinem Nähkästchen plaudern:
Wenn es bei mir happig wird,und ich kurz vor dem durchknallen stehe,fange ich an Selbstgespräche zu führen,das hört sich dann etwa wie folgt an:


"Na,Mädchen,was fehlt uns denn heute?Falls Du jetzt auf die Idee kommst,dass die Flasche doch ganz nett wäre...
Neee,ist nicht....So,jetzt kochen wir uns einen Tee,und dann sieht die Welt schon wieder anders aus......"

Ein wenig Sarkasmus,Zynismus und eine gehörige Portion Selbstironie helfen mir immer weiter.
Du kannst auch versuchen,Deine eigene Situation durch die Brille eines Krebs,Aids,oder anderen Schwerkranken zu betrachten.Da relativiert sich das eigene Elend.
Das sind so meine Tricks,um mich auf dem Boden zu halten.
Ob es bei Dir funktionniert,weiss ich nicht.


Jalava ( gelöscht )
Beiträge:

03.09.2003 12:30
#26 RE: Angst- und Panik-Zustand antworten

Hallo zusammen,

also, vor ein einsamen Spaziergang hätte ich totale Panik, weil ich dann denke, wenn du da zusammenbrichst dann findet dich keiner und du stirbst da irgendwo im Wald ganz alleine. Mir ist es komischerweise dann doch lierber es sind Leute um mich herum. Massenveranstaltungen meide ich aber auch, weniger wegen der Panik umzufallen, sondern weil ich viele fremde Menschen auf einmal nicht vertragen kann, das hab ich immer nur besoffen ausgehalten.
Ich hatte gestern auch wieder so leichte "Anfälle", bei Einkaufen ging es los und am Abend war eine Freundin da und ich saß am Tisch und es kam auch wieder dass ich dachte ich kippe vom Stuhl.
Aber im Grunde bin ich schon dankbar dafür, dass es jetzt schon so viel besser ist und ich hab auch das Gefühl, es wird immer weniger. Und dann denke ich "solange ich nicht trinke, kann es nur aufwärts gehen". Eigentlich muss ich froh sein, dass ich "einfach" den Alkohol weglasse und es nach ein paar Monaten schon so weit ist. Vor einem halben Jahr dachte ich, ich kann nie wieder alleine auf die Straße, und da ist es schon ein Riesen-Fortschritt, ich kann einige Kilometer alleine Auto fahren oder zum Einkaufen gehen ohne dass das Geringste passiert.
Bei mir ging das vor ca. zwei Jahren los, da musste ich einige hundert Meter von meinem Auto zu meinem Arbeistplatz laufen, und auf dem Weg dahin fing ich zu zittern an und mir zog es die Beine weg, ich musste mich erst eine Weile hinsetzen damit ich den Rest (das war nur über die Straße) noch schaffe. Daraufhin bin ich fast alles nur noch mit dem Auto gefahren, zumal ich schon meine Beine teilweise nicht mehr gespürt habe, alles wie Watte - bis ich eines Tages so einen "Anfall" beim Autofahren bekam, an einer Kreuzung, und hab beinahe einen schweren Unfall gebaut. Dann hab ich das Fahren vermieden, zur Arbeit nur mit dem Zug, hab schon am Bahnhof beim Fahrkarte kaufen und beim Warten schon geglaubt ich drehe durch und beim Gehen zur Arbeit genauso. Aber ich dachte dann, lieber kippst du zu Fuß um als dass sowas nochmal im Auto passiert. Auch zu Hause hatte ich dann irgendwann ständig diese Zustände. Um das alles zu verdrängen, hab ich immer noch einen drauf gesoffen. Ich dachte, ich hätte einen Gehirntumor, einen Herzfehler, was weiß ich. Zum Arzt bin ich aber nicht gegangen, wahrscheinlich wusste ich schon, dass es am Suff liegt, wollte es aber nicht wahrhaben. Ich konnte am Ende nur noch ganz nah an den Häuserwänden entlang laufen, und wenn ich ein paar Stufen hochlaufen musste, musste ich mich erst ein paar Minuten erholen. Wenn ich gezwungen war, über die Straße auf einem Zebrastreifen zu gehen, wo dann auch noch die Autos warten, war das der reinste Horrortrip. Einkaufen war schrecklich, aber das musste ich ja, ich brauchte ja meinen Stoff. Also Wagen genommen, schnell zum Weinregal, eingeladen, an die Kasse bezahlen und schnell wieder raus, wenn ich nur zwei Minuten warten musste kam mir das vor wie eine Ewigkeit, ich dachte ich überlebe das nicht.
Also, das will ich echt nie mehr erleben....und es ist für mich einfach schon sowas von cool, dass ich im Supermarkt mal an einem Regal stehen bleiben kann und was anschauen, wenn jemand sagt "komm doch vorbei" kann ich einfach ins Auto sitzen und die paar Kilometer hinfahren und vor allem wieder zurück, ich kann spontan Leute in meine Wohnung lassen, das ist schon wirklich was Besonderes, und wenn mir doch mal schwindlig wird jetzt, dann denke ich daran, dass es doch jetzt schon so viel weiter ist als ich mir es seit zwei Jahren vorstellen konnte dass es mal so wird...

Liebe Grüße, J.


Vanillekipferl Offline




Beiträge: 179

04.09.2003 19:57
#27 RE: Angst- und Panik-Zustand antworten

Also, wenn ich das alles so lese, kann ich dazu eigentlich nix sagen, weil ich diese Art von Panik, die einen einfach so aus heiterem Himmel überfällt gar nicht kenne.
Ich kenne nur dieses tiefe verzweifelt sein in der nassen Zeit, dieses hintergründige dumpfe Wissen, das es ein böses Ende mit mir nehmen wird, diese bohrende Wahrheit, schon genau zu wissen, dass mit mir etwas ganz und gar nicht mehr stimmt. Aber wie gesagt, dass war in der Zeit, als ich noch getrunken hab und seit ich trocken bin ist das vorbei.
Ich hatte und hab da jetzt mehr mit Schuldgefühlen zu kämpfen, mit dem Bewusstsein zu leben, so viel verbockt zu haben. Aber das hat wohl eher was mit sich selbst annehmen können und Selbstbewusstsein zu tun. Na ja, ich denke mir eben, dass so viele Jahre des Trinkens nicht so schnell verarbeitet, aufgearbeitet sein können. Das braucht wohl seine Zeit. Also Geduld. Und nicht so streng mit sich selber sein.

Zitat
Ich möchte mein Leben -so wie es jetzt ist- einfach gewuppt kriegen


Das, liebe Ameise, wünsch ich dir und uns allen, von ganzem Herzen


riefra Offline



Beiträge: 27

04.09.2003 20:26
#28 RE: Angst- und Panik-Zustand antworten

Hallo, leider kenne ich diese Atacken auch - zwar nicht ganz so extrem aber mir reicht's schon.

Ich bin jetzt knapp 2 Jahre trocken und bekommeimmer noch Schweissausbrüche in bestimmten Situationen; z.B. wenn unerwartet ein Vorgesetzter bei mir auf der Matte steht.

Das passiert mir immer wieder in Situationen vor denen ich in meiner "Nassen Zeit" geflüchtet bin.

Ich vermute einfach dass ich mir dieses Verhalten über Jahre antrainiert habe und es jetzt nicht mehr ablegen kann.

Aber viel schlimmer finde ich folgende Eigenart: ich habe plötzlich das Gefühl zu torkeln, wie in meiner "Qbesten" Zeit. Aus Rückfragen weiss ich dass es nicht stimmt - aber ich fühle mich beobachet und verfolgt. Das Gefühl hette ich damals am stärksten wenn ich früh morgens Nachschub besorgen mußte.

Dann ist auch sofort wieder die alte Unsicherheit da ...


Sch..., ich habe keine Ahnung wie lange es dauert bis diese alten Geschichten abgelegt sind.

Vielleicht nie ... ???

Sollte manb das überhaupt ganz vergessen ... ???

Ist eigentlich auch nicht anders als "nasse Träume", helfen mir meine Vergangenheit nicht zu vergessen oder zu beschönigen - solange es in einem gewissen Rahmen bleibt.

Wenn ich mich mal so richtig Gedanklich in alte Geschichten verrenne hilft mir immer ein Anruf bei jemandem aus der Gruppe - den kann ich Tag und Nacht anrufen.

Ach ja, nach den Aussagen meiner "Mitleidenden in der Gruppe" flaut das alles ganz langsam ab ...

Ich wünsche Euch gute 24 Stunden


Frank


Beachen Offline




Beiträge: 3.654

04.09.2003 22:05
#29 RE: Angst- und Panik-Zustand antworten

Zitat
Ich hatte und hab da jetzt mehr mit Schuldgefühlen zu kämpfen, mit dem Bewusstsein zu leben, so viel verbockt zu haben



Hallo Vanillekipferl !

DAS kenne ich auch.
Was so das zwischenmenschliche betrifft. Wieviele Beziehungen ich verbockt habe, wie ich nicht fähig war Verantwortung zu übernehmen. Wie mir da immer sehr schnell alles zuviel war und ich lieber abtauchen ging ins Kneipen-Diskoleben. Mannomann, wieviel Sch... mußte ich machen in meinem Leben bis ich endlich mal ne Idee hatte das ich so nie zu mir selbst finden kann......
Und dann auch noch schön mit dem Hintergrund zu denken das ist halt meine Art zu leben .... ganz schön krass.
Viele eigendlich verschenkte Jahre .... obwohl ich zu meiner eigenen "Hochhaltung" dann auch wieder denke, wäre mir das alles so nicht passiert, wäre ich nicht alkoholabhängig, hätte ich heute nicht so eine tiefe Einsicht in mein Leben, oder ?

Und ich wünsche uns alle natürlich auch, das wir unser Leben gewuppt kriegen, aber ich denke, am Boden waren wir schon, unseren eigenen Tiefpunkt haben wir schon gesehen, da kann es doch nur aufwärts gehen ?????

Grüßle
Bea


Vanillekipferl Offline




Beiträge: 179

06.09.2003 14:49
#30 RE: Angst- und Panik-Zustand antworten

Hallo Beachen,

Zitat
Viele eigentlich verschenkte Jahre....obwohl ich zu meiner eigenen "Hochhaltung"dann auch wieder denke, wäre mir das alles nicht so passiert, wäre ich nicht alkoholabhängig, hätte ich heute nicht so eine tiefe Einsicht in mein Leben, oder?



An guten Tagen sag ich mir das auch und glaube es auch. An schlechten Tagen bin ich mir da nicht mehr so sicher.
Warum brauchte das eine das andere? Warum hab ich erst alles in Scherben schlagen müssen, kaputt machen müssen, um zu dieser tiefen Einsicht zu kommen? Warum mussten andere darunter so leiden?

Wenn ich in solchen Zeiten die Geschichten lese, die gerade im Angehörigenforum aktuell sind oder bei den erwachsenen Kindern, die heute immer noch leiden, dann läuft es mir eiskalt den Rücken hinunter.

Das sind Geschichten, die können nie mehr ungeschehen gemacht werden. Unabänderlich!
Das ist eine Schuld, die getragen werden muss. Ein Leben lang.
Ich habe ja auch eher dazu geneigt, diese üblen Zeiten zu verdrängen. Wenn du mich heute fragen würdest, was 1999 oder gar 1985 so war, dann komme ich ins Trudeln.

Ich bin auch deshalb so gern hier, weil mir das Lesen erlaubt, in meinem Tempo die Dinge an mich heranzulassen und zu verarbeiten.
Und weil hier nicht Gleichstand ist, sondern ich schon auch mal bei einem Post denken kann, puh, das liegt hinter dir, darüber bist du weg, oder, so weit möcht ich auch schon sein. Und, ganz wichtig, vollkommen verschiedene Sichtweisen zu lesen.

Dieser Austausch tut mir unheimlich gut und dann denk ich schon auch, es kann doch nur aufwärts gehen.


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