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Saufnix
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Dieses Thema hat 4 Antworten
und wurde 814 mal aufgerufen
 Ganz, ganz viele Fragen
Minni Offline



Beiträge: 12

05.09.2008 19:06
RE: Wie geht man mit Absaugern um ??? antworten

Hallo alle zusammen,

bin hier schon länger Mitglied und lese auch ab und zu mit. Vor knapp einem Jahr (1.10.07) kam ich aus der Langzeittherapie heim (16 Wochen in Hutschdorf/Nordbayern - sehr zu empfehlen).

Seitdem bin ich trocken und freue mich über jeden neuen Tag aufs Neue darüber. Mir geht es soweit auch gut und was das Wichtigste ist - viel besser als je zuvor. Ich habe wirklich wieder angefangen zu leben, denn vorher war ich eine "lebende Laiche" (vielleicht schreibe ich noch in der "Alkoholkarriere" dazu.

Was mir jetzt zu schaffen macht. Meine Mutter. Zum Glück wohnt sie gut 300 km weit weg, macht mir also hauptsächlich telefonisch Probleme. Während meine Kindheit und Jugendzeit hat sie sich wenig um die Familie gekümmert und eher ihrem Selbstverwirklichungstrip gefröhnt. Ich fühlte mich deshalb oft alleine gelassen und vor allem ihr sowie meiner übrigen Familie lästig.

Was ich betonen möchte. Keiner ist natürlich schuld an meiner Alkoholikerkarriere. Die Flasche habe ich mir selber an den Hals gesetzt und keiner sonst. In der Langzeit haben wir gelernt, dass es keine Schuld gibt und als ich das erkannt habe, konnte ich endlich mit dem ewigen Selbstmitleid "ihr seid schuld, wenn ich friere warum kauft ihr mir keine Handschuhe" und badend im eigenen Selbstmitleid munter weitersaufen, aufhören.

Ihre Belastung hingegen für mich bleibt. Sie ist jetzt 72 Jahre alt und oft einsam. Kein Wunder denn alle Freunde und engen Kontakte haben sich irgendwann aus ihrem Leben verabschiedet. Schuld daran sind natürlich die anderen. So wie bei ihr immer die anderen schuld sind an allem was ihr negatives wiederfährt.

Jetzt hätte sie natürlich gerne den engen Mutter/Tochter Kontakt zu mir, der aber aus der Vergangenheit heraus nie wachsen konnte - so sehe ich es jedenfalls.

Außerdem versucht sie immer irgendwie zu integrieren bzw. zu sticheln. Mal ist es mein Vater, dann vor allem mein Mann, mit dem ich weitgehend glücklich verheiratet bin.

Vorletzte Woche rief sie mich am Geburtstag an. Herzlichen Glückwunsch wie geht es Dir und danach folgte die lange Litanei wie schlecht es ihr gerade geht. Natürlich die Gesundheit. Irgendetwas hat sie nämlich immer und das nicht erst seit sie älter wird. Schon früher hieß es immer bei meinem Vater, der ihr nicht gewachsen ist "du weißt doch die Mama ...." das mußt du verstehen.

Jetzt rief sie gestern an und beschwerte sich bitter, dass ich mich nicht genug um sie kümmern würde. Ich hatte ihr zu einigen Maßnahmen (Salben, Mitteln) wegen ihrer Beschwerden geraten. Nach knapp einer Stunde meinte mein Mann dann wir könnten doch ein anderes Mal telefonieren, da wir noch einen Geburtstagsausflug vor hatten.

Dann kam natürlich gleich, dass meine Schwester sie jeden 2. Tag aus London anruft und sie ja so froh sei, sie zu haben und so betrübt sei über meine Zurückweisung und zu 70 % würde sie sich ja nur bei mir melden und wenn sie meinen Mann am Telefon hätte richtet er es mir nie aus und der AB wäre oft nicht an ect. pp..

Das hat mich doch alles sehr runtergezogen und ich habe entsprechend schlecht geschlafen. Der heutige Tag war natürlich auch nicht sehr produktiv. Ich fühlte mich ausgelaugt und merkte. Ja da hast du dann früher getrunken, hast dich bemittleidet, wurdest danach aggressiv und hast ihr im Suff ordentlich die Meinung gegeigt. Danach ging es dir noch schlechter und dann hast du wieder gut Wetter bei ihr gemacht wohl wissen das es dann in der Familie wieder hieß "die Vera ist ja so schwierig, aber so war sie ja schon immer und man muss es eben so nehmen".

Mit meinem Vater verstehe ich mich gut. Meine Eltern leben nicht zusammen sehen sich aber oft und fahren auch gemeinsam in den Urlaub. Wenn mein Vater zu eng mit meiner Mutter verkehrt, ist unser Verhältnis gleich schlechter.

Das war schon als Kind so. Immer wenn es mit meiner Mutter Zoff gab, war ich die Verbündete und haben sie sich wieder vertragen wurde ich runtergeputzt. Das ewige Dreiecksspiel zu dem ich keine Lust mehr habe.

Mir geht es besser, wenn ich Abstand zu ihr halte. Besucht sie uns, haben mein Mann und ich hinterher Krach oder es herrscht sonstiger Unfrieden. Ruft sie an jammert sie nur. Gehe ich darauf ein und rate ihr sagt sie ja, ja, macht aber dann doch was sie will.

Mein Mann meint auch, ich soll mich darauf nicht mehr einlassen ich würde da nur unnötige Energien verschwenden. Recht hat er ja. Also sag ich auch nur noch ja, ja du wirst schon wissen was richtig ist ect..

Brechen kann ich mit ihr auch nicht, denn dabei geht es mir auch schlecht. Es ist ja immerhin meine Mutter.

Da paßt schon der Spruch "Freunde kann man sich aussuchen, Verwandte nicht". Ich fühle ja doch eine innere Bindung die ich nicht so kappen kann wie bei vermeintlichen Freunden. Nur wie kann ich damit umgehen, dass sie mich nicht immer so runterzieht.

Mein Mann meint sie könne es nicht ertragen wenn es mir gut ginge und Familienfrieden unter uns kann sie auch nicht haben.

Manchmal denke ich da ist was dran. Als sie mich mal während meiner übelsten Saufzeit besuchte um mir angeblich zu helfen hat sie mich verbal so runtergezogen, dass ich froh war, als sie weg war.

Sie sieht hinter allem Probleme, oft nur das Negative im Leben, ihr geht es grundsätzlich schlecht. Dabei ist sie gesundheitlich topfit, sieht längst nicht aus wie 72, hat nie arbeiten müssen und steht auch finanziell nicht schlecht da.

Ich glaube ihr Hauptproblem ist, das sie keine Probleme hat und einsam und gelangweilt welche sucht. Braucht man mal ihre Hilfe kommt gleich ein na da, aber ... und dann zieht sie einen noch mehr runter indem sie Horrorszenarien ausmalt.

So, das tat erst mal gut! Ich gehe jetzt zu den AA in die Gruppe und kann mir vorstellen, dass ihr alles solche emotionalen Absauger nur zu gut kennt.

Wichtig ist für mich vor allem ich will nicht mehr saufen und brauche vor allem deswegen nicht saufen.

Ich bin halt jetzt viel feinfühliger geworden, was "gefährliche Situationen und Umfelder" betrifft weil ich da und natürlich sonst auch immer gesoffen habe und diese Umfelder waren dann schuld daran, denn das "ärmste Hascherl" war ja nur ich.

Davon will ich mich entgültig verabschieden!

Das Leben wird nicht einfacher nach der Langzeit das ist mir klar, aber ich weiß, daß ich ohne Alk mit den Schwierigkeiten umgehen kann. Mit Alk geht bei mir gar nichts mehr.

Danke für`s mitlesen und Euch allen noch einen schönen trockenen Abend.

Liebe Grüße,

Minni


Panther78 ( gelöscht )
Beiträge:

11.09.2008 14:16
#2 RE: Wie geht man mit Absaugern um ??? antworten

Hallo Mini,

du musst deiner Mutter verzeihen. Meditiere darüber ein paar mal, bis du tatsächlich in der Lage bist ihr zu verzeihen.

Du wirst sehen, das wirkt Wunder

Gruß Panther


zai2feh ( gelöscht )
Beiträge:

11.09.2008 15:29
#3 RE: Wie geht man mit Absaugern um ??? antworten

Vorsicht:


HeinerHH Offline




Beiträge: 724

11.09.2008 15:43
#4 RE: Wie geht man mit Absaugern um ??? antworten

Zitat
Gepostet von Panther78
Hallo Mini,

du musst deiner Mutter verzeihen. Meditiere darüber ein paar mal, bis du tatsächlich in der Lage bist ihr zu verzeihen.

Du wirst sehen, das wirkt Wunder

Gruß Panther



Wer ist hier mit einem Zweitnick unterwegs??

Was für ein Idiot...

[ Editiert von HeinerHH am 11.09.08 15:57 ]

Seit dem 10.03.06 trocken...
Immer noch trocken


Sekt-weg Offline



Beiträge: 70

23.09.2008 14:19
#5 RE: Wie geht man mit Absaugern um ??? antworten

hm, immer diese nichts-sagenden Kommentare...

naja

Wie man da am besten reagiert, weiß ich auch nicht, aber ich wollte Dich mal eben wissen lassen, daß ich Deinen Beitrag gelesen habe und verstehe, in welcher mißlichen Lage Du Dich befindest... Du kannst nicht mit ihr, Du kannst auch nicht ohne sie. Vielleicht hilft Dir aber schon das Schreiben darüber.
Mir hilft es oft, etwas aufzuschreiben oder darüber zu reden, dann komme ich manchmal von ganz allein auf die Lösung.

Liebe Grüße,
Sekt-weg


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