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Saufnix
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Dieses Thema hat 24 Antworten
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 Medien und Alkohol
Seiten 1 | 2
tommie Offline




Beiträge: 10.571

15.09.2002 17:48
RE: Aki Kaurismäki , Alkoholiker - Filmemacher antworten

Ein Interview von Thorsten Stecher. Mit Aki Kaurismäki.

«Ich glaube an Bäume, nicht an Gott»


Aki Kaurismäki ist der witzigste Melancholiker unter den europäischen Filmemachern. Der Finne über sein Bedürfnis, die Menschen glücklich zu machen, seinen Alkoholismus und eine Einladung aus Hollywood.

Herr Kaurismäki, Sie waren schon immer Ihr härtester Kritiker. Journalisten pflegen Sie zu sagen: «Ich bin ein lausiger Amateur. Ich bin nichts. Am liebsten würde ich mir ins Gesicht treten.» Gilt das auch für Ihren neuen Film?
Nein. Natürlich sind da noch einige abscheuliche Mängel in der Regie. Ansonsten ist der Film okay.

Warum?
Er hat schöne Farben und gute Musik.

Zum ersten Mal haben Sie auch in Finnland positive Kritiken.
Ich habe in Finnland immer gute Kritiken. Der finnische Filmkritiker ist ein Bekannter von mir. Wer zum ersten Mal anders reagiert, das ist die Boulevardpresse. Die haben mir bis heute immer ihre langen Messer in den Rücken gehauen. Aber mein Rücken ist schon lange eine matschige Sosse voller Narben. Es tat nicht mehr weh.

Was hat die Boulevardpresse gegen Sie?
Sie weiss, dass ich sie verachte. Meine Filme haben ihr nie gegeben, was sie verlangte: keine Rentiere, keine modernen Autos, keine Computer. Auch das finnische Tourismusbüro hat schon Prozesse gegen mich erwogen. Jeder meiner Filme hätte ihre Bemühungen um zehn Jahre zurückgeworfen.

Zeigen Ihre Filme die Realität Finnlands?
Zu hundert Prozent.

In Ihrem neuen Film «The Man Without a Past» verliert die Hauptfigur gleich zu Beginn ihr Gedächtnis. Sie wird von einer Rotte Halbstarker brutal verprügelt. Woher kam die Idee?
Ich hatte keine Idee, das war ja das Problem. Im Grunde habe ich nur einen alten Trick aus den meisten meiner Filme nochmals angewendet: Ein Mann aus dem Norden kommt in die Hauptstadt, Helsinki. Der von mir so bewunderte Autor Raymond Chandler hatte einen ähnlichen Kniff. Er sagte einmal: Wenn du mit deiner Story nicht weiterkommst, nimm einen Mann und lasse ihn mit einem Revolver in der Hand in ein Zimmer laufen. Dann passiert garantiert etwas.

Sie selbst sind ein berüchtigter Trinker. Ist das Delirium nicht auch eine Form von Gedächtnisverlust, von temporärer Bewusstlosigkeit?
Ich habe schon lange kein Bewusstsein mehr. Es verliess mich bei meiner Geburt. Das ist nicht gelogen. Hier oben stimmt etwas nicht (Kaurismäki tippt sich mit dem Zeigefinger auf den Hinterkopf). Da war schon lange niemand mehr zu Hause, nicht als ich zehn war, und auch nicht mit zwanzig. Doch nur keine Angst, ich komme über die Runden.

Was genau stimmt denn nicht?
Ich weiss es nicht. Auch meine Ärzte stehen vor einem Rätsel. Bitte lachen Sie nicht. Ich meine es ernst. Ich war nie normal im normalen Sinn von normal. Ich bin ein grosses wildes Kind. Nicht dass ich mir die Haare anzünden würde oder mit Drogen experimentierte. Ich bin nur Alkoholiker. Trotzdem fühle ich anders als die meisten Menschen. Wobei ich mir nicht ganz sicher bin, ob ich im Recht bin oder die anderen.

Bringt Ihnen der Alkohol Erlösung, oder suchen Sie Spass?
Spass? Habe ich richtig gehört? Das ist seit Jahren kein Spass mehr. Niemand, der ernsthaft trinkt, hat daran Spass.

Es ist Finnland?
Nein. Denn wäre ich ein Eskimo, würde ich noch mehr saufen.

Die Finnen sind fürs Trinken bekannt.
Die Finnen trinken gar nicht so viel. Aber wenn sie es tun, dann freizügig. Wobei sie perfekte Gentlemen bleiben. Im Gegensatz zu den Schweden.

Was drängt Sie zur Flasche?
Es ist hier im Winter ziemlich dunkel. Das ist die gängige Begründung für den Alkoholismus in diesem Land. Sie ist zum Teil sicher richtig. Hinzu kommt: Ich bin ein tiefmelancholischer Mensch. Wer melancholisch ist, der säuft. Wer säuft, wird melancholisch. Am Ende säuft man, oder man hört irgendwann auf zu sprechen.

Das wäre nicht schlimm. Finnen reden eh nicht.
Stimmt. Aber das hat gute Gründe. Lassen Sie es mich linguistisch erklären: Auf Finnisch heisst Sprache «puhe». Das leitet sich von «puhaltaa» ab, dem Wort für blasen. Für die Finnen ist Sprechen nichts anderes, als mit jedem Wort weitere Luft in die Atmosphäre zu blasen, eine ziemlich unnütze Tätigkeit. Mit Smalltalk, so wie wir ihn hier gerade betreiben, können Finnen wenig anfangen. Wir kennen uns nicht. Was also haben wir uns zu sagen?

Fördert das Trinken Ihre Kreativität?
Oh ja, das tut es. Alle meine Filme entstanden an der Bar.

Ihr guter Freund, der Schauspieler Matti Pellonpää, hat sich zu Tode gesoffen.
Das war sein Schicksal.

Wären andere Drogen nicht gesünder?
Nein. Alkohol ist die ehrlichste Droge. Er nimmt immer wieder Rache. Jeden Morgen aufs Neue.

Sie werden oft mit Rainer Werner Fassbinder verglichen. Kennen Sie seine Filme?
Fast alle.

Sehen Sie Parallelen?
Nicht in den Filmen. Aber in der Person. Er war ein Maniac. Das Filmen trieb ihn in den Selbstmord. Er war verrückt. Aber das ist kein Verbrechen.

Dafür bewundern Sie ihn?
Wenn ich einen Hut hätte, würde ich ihn ziehen. Er war sehr schnell und dabei unglaublich präzise. Jim Jarmusch ist ebenfalls sehr präzise. Aber eine fürchterliche Schnecke, noch langsamer als ich.

Sind Sie Filmemacher aus Überzeugung?
Nein, aus Konzentrationsschwäche. Eigentlich wollte ich Schriftsteller werden. Aber jedes Mal, wenn ich bei mir zu Hause allein vor einem leeren Blatt sass, wurde ich ganz schläfrig und ging ins Bett. Beim Film ist das einfacher: Man bestellt die Crew zu einem bestimmten Zeitpunkt an einen bestimmten Ort. Als der Regisseur ist man dann gezwungen, irgendwann auch zu erscheinen – egal, ob mit Text oder ohne. Der Kameramann, das Scriptgirl, der Beleuchter, alle warten und gucken einen erwartungsvoll an. Es bleibt dir gar nichts anderes übrig, als zu arbeiten.

Sie waren einst Filmkritiker. Wieso haben Sie aufgehört?
Weil ich ein schlechter Filmkritiker war. Für mich gab es nur Meisterwerke oder Schrott. Solche Leute sind meiner Meinung nach schlechte Filmkritiker.

Lieben Sie das Kino?
In seiner besten Form sehr. Ich hasse den Zynismus Hollywoods.

Sie würden also nie einen Film zur Oscar-Verleihung schicken?
Eine gute Frage. Sie trifft ein grosses Problem. Ich habe geschworen, dass diese Füsse (zeigt unter den Tisch) den Boden Kaliforniens nie berühren werden. Nun sieht es aber so aus, als wolle Hollywood «The Man Without a Past» für die Oscars haben. Was soll ich tun? Ich weiss es nicht.

Wo haben Sie gelernt, Filme zu machen?
Im Filmarchiv. Ich habe meine Jugend dort verbracht, mit einem Pensum von mindestens sechs Filmen täglich. Wie man eine Geschichte erzählt, weiss ich, weil ich viel gelesen habe.

Ihr letzter Film, «Juha», ein Stummfilm, wurde als Ihr konsequentestes Werk bezeichnet. Es hiess: Der Minimalist Kaurismäki ist bei sich selbst angekommen. In Ihrem neuen Film wird wieder gesprochen. Was ist geschehen?
Was hätte ich machen sollen? Nach dem Ton auch noch das Bild wegnehmen? Ein blosser Schatten ist kein Kino mehr. Wäre ich den Weg, auf dem ich mich mit «Juha» befand, weitergegangen, «The Man Without a Past» wäre kein Film geworden, sondern eine Radiosendung ohne Worte. «Juha» war das Ende der Schlichtheit.

Dennoch bleiben Sie ein hoffnungsloser Nostalgiker. Waren die alten Zeiten wirklich so viel besser?
Das ist eine rein ästhetische Frage. Alte Autos, alte Fotoapparate, alte Radios, alte Gläser, alte Aschenbecher sind einfach schöner als neue.

Sie haben einmal gesagt: «Die Welt braucht mehr Cadillacs und weniger BMWs.»
Ich bewundere gute Handarbeit. Cadillacs haben eine Seele, Sie weinen, wenn man sich mit Ihnen in die Kurve legt. BMWs tun das nicht.

Also wird nie ein Computer oder ein Handy in Ihren Filmen zu sehen sein?
Nein. Die sind ästhetisch langweilig. Sex und Gewalt werden Sie bei mir übrigens auch nie sehen. Ich bin ein Freund der Aufgabenteilung. Für die meisten meiner Filmerkollegen stehen Sex und Gewalt im Vordergrund. Ich kümmere mich um die anderen Formen des menschlichen Verhaltens.

Warum lachen oder weinen Ihre Figuren nie?
Sie rennen auch nicht.

Ist weniger denn immer mehr?
Ja, immer.

Müssen demnach die Schauspieler unter Ihrer Regie alles vergessen, was sie je gelernt haben?
Das meiste. Es gibt ein ehernes Gesetz. Ich habe es, für alle verständlich, in Englisch formuliert: «I don’t want acting in my movies.» Dabei sollen die Darsteller durchaus spielen, doch so, dass man es nicht sieht. Sie sollen nicht mit den Händen wedeln und nicht schreien. Sonst schläft das Publikum ein, noch bevor der Film begonnen hat.

Das haben bis heute alle befolgt?
Alle ausser einem. Dem habe ich die Arme abgesägt. Es macht für einen Regisseur keinen Sinn, auf dem Set zu stehen, wenn ihm die Leute nicht gehorchen.

Sie besitzen ein Hotel, eine Bar, ein Restaurant, einen Billardsaal. Sie organisieren Konzerte, Tanzanlässe und Filmfestivals. Fühlen Sie sich verantwortlich für das Sozialleben anderer?
Nein. Aber ich liebe es, wenn sich die Menschen amüsieren, solange ich nicht dabei sein muss. Manchmal gucke ich aus der Ferne zu, manchmal verstecke ich mich im Wald. Das ist auch der einzige Zweck, den meine Filme haben: Die Leute sollen sie sehen und dann glücklicher sein als vorher. Wenn mir das gelingt, könnte ich platzen vor Freude.

In «Drifting Clouds», Ihrem vorletzten Film, findet ein Ehepaar ebenfalls sein Glück, indem es ein Restaurant für arme Leute eröffnet. Sie taufen es auf den Namen «Arbeit».
Ich wollte schon immer, dass es irgendwo eine Kneipe gibt, die sich «Arbeit» nennt, als Schlupfwinkel für mich und meine Freunde. Kommt man Nachts spät nach Hause, wo die Frau mit Prügel droht, kann man mit gutem Gewissen behaupten: «Ich war noch an der ‹Arbeit›.» Man kann auch ganz früh hin, mit der Begründung: «Tut mir Leid, ich muss zur ‹Arbeit›.»

Womit wir bei der Liebe wären. In beinahe all Ihren Filmen verlieben sich die Menschen, ohne je ein Wort miteinander gewechselt zu haben. Sie schauen sich nur an, und, «bumm», ist es passiert.
Das soll nicht realistisch sein? Bei mir war das aber so. Ich habe meine Frau gesehen, und augenblicklich wurde mir klar: Mit der möchte ich bis ans Lebensende zusammen sein. Vielleicht muss man in der Schweiz solche Sachen erst mal ausdiskutieren. In Finnland reicht ein Blick.

Wie kommt Ihre Frau mit Ihnen zurecht?
Letzte Nacht haben wir unseren einundzwanzigsten Hochzeitstag gefeiert. Es war sehr schön. Wir sind ein nettes Pärchen. Das sagen zumindest die Nachbarn.

Ist es hart, erwachsen zu werden?
Nein. Man hört auf, sich vorzumachen, dass man etwas von der Welt versteht. Im Grunde bin ich immer noch der dreizehnjährige Junge, der ich einmal war. Nur der Spiegel behauptet, dass ich mich verändert habe.

Wollten Sie nie ein Kind?
Nein, nie.

Wieso sind arme Menschen schöner als reiche?
Sie sind gar nicht schön. Sie gehen so selten zum Coiffeur.

In Ihren Filmen sind sie von seltener Schönheit.
Das stimmt, weil arme Menschen echter sind als reiche.

Warum das?
Weil sie kein Geld haben, um falsch zu sein.

Das ist Sozialkitsch.
Sie haben Recht. Das ist es wohl.

Warum also interessiert sie die Armut?
Weil die Reichen so langweilig sind. Und weil ich keine Dialoge für Reiche schreiben kann. Ich selber war ja nie reich.

Sollen Ihre Filme die Welt verbessern?
Sie meinen wie John Lennon und sein Song «Imagine»? Nein. Was den Zustand der Menschheit betrifft, so habe ich jede Hoffnung fahren lassen. Wir hatten die Chance, die Welt zu retten, aber wir haben sie nicht genutzt. Ohne uns wird sie besser sein.

Was ist denn so schlecht an der Welt?
Die Gier.

Sie bezeichnen sich als Kommunisten. Gibt es denn noch ein Proletariat? In Finnland?
Nicht im alten Sinn des Klassenkampfes. Die Proletarier von heute haben keine Macht mehr. Sie sind nicht mehr organisiert, sie haben keine Gewerkschaft. Sie sind das neue Lumpenproletariat. In Finnland werden sie offiziell «B-Bürger» genannt, im Gegensatz zu den «A-Bürgern». Das heisst: Sie haben genug Geld zum Überleben. Doch nicht genug, um Barrikaden zu bauen. Sie leben in einem permanenten Teufelskreis und müssen sich ständig entscheiden: Trinke ich ein Bier, habe ich nichts mehr für Zigaretten. Kauf ich mir Schuhe, kann ich die Miete nicht zahlen.

Glauben Sie an Gott?
Nein. Mit diesem Gauner sähe unsere Welt noch schlechter aus. Ich glaube an Bäume.

Trotzdem spielt in Ihrem neuen Film die Heilsarmee eine zentrale Rolle. Sie gibt den Leuten Essen und schicke Kleider. Sie verfügt sogar über einen schnell sprechenden Rechtsanwalt für die Armen.
Ich war immer ein grosser Fan der Heilsarmee. Ihr Job ist zu helfen, anstatt in die Bibel zu starren. Es sind nette Leute, ziemlich wild.

Wild?
Sie können gut singen und haben ein enormes Rhythmusgefühl. Sie waren mit meinem Film übrigens auch sehr zufrieden. Ihr Boss hat mir geschrieben, dass niemand zuvor die Realität seiner Truppe derart präzise abgebildet hätte.

Sie haben Ihren Hauptwohnsitz 1989 nach Portugal verlegt. Wieso?
Weil in Portugal die Sonne scheint. Und weil ich dort ein Ausländer bin. Als Ausländer trägt man nicht am Gewicht der Gesellschaft, so wie die Einheimischen. Das ist angenehm.

Warum Portugal?
Es liegt am anderen Rand Europas. Wir Finnen lieben die Ränder. Dort, wo man runterfällt.

Ihre Frau ist ohne weiteres mitgegangen?
Das hatte sie während der Heiratszeremonie ja versprochen.

Sie sind Feminist?
Aber natürlich. Wer ist es nicht? Dennoch würde ich nie einen Cadillac zertrümmern, nur weil es ein sehr männliches Auto ist.

Haben Sie eine feministische Taktik?
In all meinen Filmen spielen die Männer die Trottel. Es gab eine Zeit, da verbrachten die Frauen in Finnland ihr Leben zwischen der Faust ihres Mannes und dem Herd. Sie hatte nur dann etwas zu melden, wenn er mit einem Kater im Bett lag. Das ist dank mir und anderen Feministen nun nicht mehr so. Heute mache ich mir keine Sorgen mehr um die finnischen Frauen. Im Gegenteil, wenn ich sie kommen sehe, trete ich immer einen Schritt zur Seite.

Finnland ist der neue Musterschüler der Europäischen Union. Freut Sie das?
Ganz und gar nicht. Ich tue alles, was in meiner Kraft steht, um Finnland aus der Europäischen Union wieder rauszubekommen. Das Problem ist, dass dieses kleine Land immer von aussen regiert wurde. Mal von den Schweden, mal von den Russen. Wir haben nie die Chance gehabt, Selbstvertrauen aufzubauen. Die Finnen haben immer vor jemand anderem gebuckelt. Jetzt buckeln sie in der EU. Wenn Brüssel sagt, die europäischen Gurken dürfen nur noch zwanzig Zentimeter lang sein, lachen sich die Leute in allen anderen Ländern der Gemeinschaft tot. Nur die Finnen nicht. Die züchten solche Gurken sofort und gerne.

Die Pisa-Studie gibt Finnlands Schülern die besten Noten. Finnland weist innerhalb der EU die niedrigste Korruptionsrate aus.
Was beweist das schon? Doch nicht viel mehr, als dass wir ein Volk von Strebern sind, und auch noch zu dumm, um korrupt zu sein, so wie alle anderen.

Was machen Sie, wenn Sie nicht filmen?
Fischen, Pilze sammeln und lesen.

Werden Sie jemals Ihren Stil ändern?
Nein. Das wäre die grösste Dummheit. Wenn man endlich einen Stil gefunden hat, sollte man ihn unbedingt behalten. Einen zweiten findet man nie.

Sie scheinen ein sehr treuer Mensch zu sein. Mit Ihren Schauspielern, Ihrem Kameramann, mit Ihrer ganzen Crew arbeiten Sie seit Jahrzehnten zusammen.
Ich suche mir einen neuen Mitarbeiter, wenn jemand stirbt. Wieso sollte ich schon vorher wechseln?

Weil Sie jemand Besseres gefunden haben.
Das ist Manager-Gefasel. Ich gebe den Leuten mein Vertrauen, und sie schenken mir dafür ihre Schaffenskraft. Wir sind ein über Jahrzehnte zusammengewachsenes Team. Auf dem Set verständigen wir uns mit leisen Pfiffen und Augenzwinkern.

Was sind Sie eher: ein Komödiant oder ein Moralist?
Die Mischung aus beiden. Man nennt es Clown.



© 2002 «Die Weltwoche», Zürich


Miezekatz Offline




Beiträge: 731

16.09.2002 11:33
#2 RE: Aki Kaurismäki , Alkoholiker - Filmemacher antworten

So ein Trottel!


richie Offline




Beiträge: 395

17.09.2002 08:42
#3 RE: Aki Kaurismäki , Alkoholiker - Filmemacher antworten

nö, kein Trottel, einfach nur arm...


urselst ( gelöscht )
Beiträge:

17.09.2002 10:55
#4 RE: Aki Kaurismäki , Alkoholiker - Filmemacher antworten

Wieso arm?
Für mich gibt es keinen Grund Kaurismäki zu bedauern. Er hat eine Entscheidung für sich getroffen, ich hab eine andere für mich getroffen. Daß er seinen Alkoholismus so offensichtlich lebt, ändert nichts dran, daß seine Filme zum Besten gehören was das europäische Kino meiner Meinung nach zu bieten hat.
Und er macht uns ja nichts vor, er verherrlicht nicht und nennt die Dinge beim Namen. Daß er so leben möchte (und Kann) ist einfach seine Sache.

In diesem Zusammenhang - Kunst und Alkohol - fände ich es nur sehr fatal, da so eine Kausalität zu konstruieren, wie z.B.: weil er sich so dem Rausch hingibt, macht er so gute Filme oder derlei Blödsinn mehr. Diese Idee, die ja in den verschiedensten Epochen immer wieder auftaucht, daß eine bestimmte Art von exzessivem Kunstschaffen nicht möglich sei ohne den Einfluß von Drogen oder Alkohol halte ich für dumm und gefährlich.

oder hab ich eure Anmerkungen falsch verstanden?

viele Grüße von der Ursel


Miezekatz Offline




Beiträge: 731

17.09.2002 11:11
#5 RE: Aki Kaurismäki , Alkoholiker - Filmemacher antworten

Hallo Ursel,

meine Anmerkung war so gemeint, wie hingeschrieben, da gibt es nichts falsch oder richtig zu verstehen. Ob der Typ jetzt "zum Besten gehört, was der europäische Film zu bieten hat", das ist wahrscheinlich Geschmacksache. Ich kenne keinen Film von ihm und bin eigentlich auch nicht neugierig, einen kennenzulernen. Das skandinavische Kino ist nicht so ganz mein Fall. Gerne würde ich mich davon überzeugen, dass der Kerl ein unheimlich netter, sympatischer Mensch ist...... Aber das glaube ich einfach nicht. Ach, weisst du? Eigentlich ist mir das auch ganz egal....


richie Offline




Beiträge: 395

17.09.2002 13:49
#6 RE: Aki Kaurismäki , Alkoholiker - Filmemacher antworten

ich find halt, dass jeder Alkoholiker, der noch trinken muss, arm dran ist.....


Miezekatz Offline




Beiträge: 731

17.09.2002 14:19
#7 RE: Aki Kaurismäki , Alkoholiker - Filmemacher antworten

ja, Richie, da hast du recht, sogar wenn es ein Trottel ist, ist er nur zu bedauern.


Gast ( gelöscht )
Beiträge:

11.11.2004 21:30
#8 RE: Aki Kaurismäki , Alkoholiker - Filmemacher antworten

lese diesen threat nun zum zweiten mal, und kann es einfach nicht ertragen , dass Aki Kaurismäki hier als trottel sein ende finden soll.(zumal nach diesem interview?)

ben, mit höchst unverständlichen gruss...


ben bremser Offline



Beiträge: 955

11.11.2004 21:31
#9 RE: Aki Kaurismäki , Alkoholiker - Filmemacher antworten

hoppla, dazu bekenne ich mich auch mit dem nachnamen.


Bernd48 Offline




Beiträge: 979

11.11.2004 22:17
#10 RE: Aki Kaurismäki , Alkoholiker - Filmemacher antworten

Also mir hat das Interview gefallen.


ein Neuer ( gelöscht )
Beiträge:

03.12.2004 19:24
#11 RE: Aki Kaurismäki , Alkoholiker - Filmemacher antworten

Ich kenne Karusmäki schon sehr lange und verehre Ihn sehr. Ihn als Trottel zu bezeichnen oder einen der nichts begriffen hat find ich schon mehr als arrogant !Ist Fallada auch ein Trottel oder Dostojewski und ich könnte die Nahmensliste alkoholkranker Künstler bis ins unermessliche ausweiten.Ich beglückwünsche jeden der es schafft von dieser Teufelsdroge loszukommen aber dann mit verächtlichen Fingern auf andere zu zeigen zeugt nicht von Verstand und Menschenliebe!


tommie Offline




Beiträge: 10.571

03.12.2004 19:52
#12 RE: Aki Kaurismäki , Alkoholiker - Filmemacher antworten

Hallo ,

ich hatte damals dieses Interview hier gepostet, u.a. weil ich persönlich der Meinung war daß jemand, der solche Sprüche bezüglich des Alkoholkonsums, und dazu noch seines eigenen, abläßt, genauso ein armes und schwaches Schwein ist wie ich es -nass und voll vom Alk abhängig- war.

Wenn der Alk aus mir spricht und ich den Alk als Mittel zum künstlerischen Zweck einsetze bin ich kein Künstler mehr - sondern nur noch die Puppe die angetörnt tanzt.
Und ich habe, allein schon berufsbedingt, viele Künstler mit der Flasche am Hals tanzen, sprechen und singen sehen - die meisten tanzten, sprachen und sangen nicht lange.

So sehe ich das eben.



tommie


Merryl Offline




Beiträge: 822

03.12.2004 21:36
#13 RE: Aki Kaurismäki , Alkoholiker - Filmemacher antworten

Diesmal schließe ich mich Tommie nicht an. Zum einen gibt es die Passage im Interview:

Bringt Ihnen der Alkohol Erlösung, oder suchen Sie Spass?
Spass? Habe ich richtig gehört? Das ist seit Jahren kein Spass mehr. Niemand, der ernsthaft trinkt, hat daran Spass.

Ich denke wir alle wissen, wovon Kaurismäki da spricht.

Kaum irgendwo finde ich die "melancholie" trinkender Menschen, die Hilflosigkeit der gescheiterten und das stoische Durchhalten -in aller Bitterkeit und aber auch mit tragischem Humor versehen- so deutlich aufgezeigt wie bei Kaurismäki. Ich sehe da auch keinen Apell, dass es so sein soll.

Ich denke wir alle sollten uns damit abfinden, dass einige Leute den Ausstieg eben nicht machen. Versteht mich richtig, bitte, ich halte das für falsch. Aber ich habe keine Probleme es zu tolerieren.

Probleme habe ich nur mit Leuten, die sagen, da ist doch gar kein Problem.

Merryl


xSKARx Offline




Beiträge: 32

03.12.2004 22:25
#14 RE: Aki Kaurismäki , Alkoholiker - Filmemacher antworten

Hm, ich mag ihn. Sehr sogar.
Ob er trinkt oder nicht sagt nichts über die "Qualität" seiner Kunst aus.
Kunst sollte man immer objektiv betrachten, auch in einem Alkoholikerforum. Für mich hat er in diesem Interview sehr wahrhaftig gesprochen, und das ist selten heutzutage.

Skar


Ralfi Offline



Beiträge: 3.522

03.12.2004 23:35
#15 RE: Aki Kaurismäki , Alkoholiker - Filmemacher antworten

Hi,

Zitat
Ob er trinkt oder nicht sagt nichts über die "Qualität" seiner Kunst aus.



Fast alle Musiker die ich gut finde halte ich für schwerst Alkohol bzw. Drogen gefährdet. Da muß ich den Künstler von der Kunst trennen.

Ein gutes Lied bzw ein guter Film ist gut egal ob der Künstler süchtig ist oder nicht.

Gruß Ralf


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