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Saufnix
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Dieses Thema hat 33 Antworten
und wurde 1.243 mal aufgerufen
 Ganz, ganz viele Fragen
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tommie Offline




Beiträge: 10.571

27.05.2002 13:26
RE: Ist es schwierig über ‚Alkoholismus’ zu sprechen ? antworten

Wenn über den Alkohol gesprochen wird, geschieht das meist in einer positiven Weise: ein gutes Bier, ein leckerer Wein, ein guter Jahrgangssekt oder ein ausgezeichneter Tropfen. Im Gegensatz dazu wird das Thema Alkoholismus - wenn überhaupt - eher distanziert und abwehrend behandelt.

Dabei interessiert fast immer die Frage: wer ist eigentlich Alkoholiker und wieviel darf man trinken, um nicht als Alkoholiker zu gelten.
Oft wird noch ironisch hinzugefügt, man sei wohl einer, weil irgend jemand kürzlich behauptet habe, jeder sei Alkoholiker, der täglich zwei Bierchen trinke. Erwartet wird dann, daß der Zuhörer entrüstet abwehrt, dabei jedoch eingesteht, selbst diese Menge täglich zu sich zu nehmen und so letztlich bestätigt, daß jemand kein Alkoholiker sein könne, der lediglich zwei Bierchen pro Tag konsumiere.

Was ist daran wahr und was nicht ?

Bei all diesen Mythen, die sich um die Begriffe Alkoholismus und Alkoholiker ranken, spielt sicherlich ein psychologisches Moment eine große Rolle, nämlich, daß in unserer Gesellschaft das Alkoholtrinken einerseits von großer sozialer Bedeutung ist und sozusagen zum täglichen Leben dazugehört, der Alkoholiker andererseits hingegen (oft fälschlicherweise) als willensschwacher, charakterloser und unkontrollierter Mensch gilt.
Wer aber möchte schon als Schwächling eingestuft werden in einer Gesellschaft, die Begriffe wie Persönlichkeit, Charakterstärke, Leistung und Erfolg als Tugenden auf ihr Banner schreibt ?

Dieses psychologische Moment macht es grundsätzlich schwierig, mit Menschen, die Alkohol konsumieren, Begriffe wie Alkoholismus oder Alkoholiker objektiv zu diskutieren, ohne schon im vorhinein auf Abwehr oder Voreingenommenheit zu stoßen.

Noch viel schwieriger ist dieses Gespräch mit Betroffenen, die vielleicht ahnen oder gar schon wissen, daß Alkohol für sie ein Problem darstellt. Wenn sie sich überhaupt auf das Thema einlassen, versuchen sie oft mit allen Mitteln, ihr Problem zu verstecken, Fakten abzustreiten oder als Hirngespinste zu bezeichnen . Um so wichtiger ist es, in objektiver Weise die Thematik Alkoholismus bzw. Alkoholiker zu betrachten und Fakten aufzuzeigen.

tommie


richie Offline




Beiträge: 395

27.05.2002 13:47
#2 RE: Ist es schwierig über ‚Alkoholismus’ zu sprechen ? antworten

du sprichst da gleich mehrere punkte an:
1) die Uninformiertheit ueber Alkoholismus:
a) Alkoholiker sei nur "der Penner von der Parkbank"
b) Alkoholismus liesse sich ueber die Trinkmenge oder -haeufigkeit definieren.
2) die Abwehrhaltung derjenigen, die wirklich ein Problem damit haben - aber Verleugnung und Wegrationalisieren ist ja ein Symptom der Krankheit, das haben wir ja auch lange gepflegt.


tommie Offline




Beiträge: 10.571

27.05.2002 13:56
#3 RE: Ist es schwierig über ‚Alkoholismus’ zu sprechen ? antworten

Zitat
Gepostet von richie
du sprichst da gleich mehrere punkte an:...



Richie, das war volle Absicht. Nicht umsonst habe ich die Boardkategorie "Ganz, ganz viele Fragen" genannt.
Und da werden noch sehr, sehr viele Fragen hinzukommen.
Versprochen.
Hoffentlich wird dann auch darüber diskutiert, das ist ja der Sinn des Ganzen.

Meinen "Fertigstelltermin" (30.06.) für die Homepage werde ich übrigens locker einhalten können, und dann werde ich noch einmal in Foren, Boards, Homepages und Gästebücher schreiben, auf Teufel komm' 'raus. Damit sich noch mehr Interesssierte hier einfinden.

tommie


Nachtigallxxx ( gelöscht )
Beiträge:

27.05.2002 20:47
#4 RE: Ist es schwierig über ‚Alkoholismus’ zu sprechen ? antworten

WIE schwierig es sein kann, über Alkoholismus zu sprechen, habe ich an anderer Stelle ja schon ausführlich beschrieben... Wichtig scheint mir daran zu sein, dass der Versuch, ein Suchtthema "partnerschaftlich" zu bereinigen, offensichtlich von vornherein scheitern muss, es ist kein Verlass auf "Liebe", "Vernunft" oder "Fairness".

Außer der Scham, die Ihr schon angesprochen hattet, die auf dem krassen und verächtlichen Bild "des Alkoholikers" beruht, scheint mir dabei auch so etwas wie Verlustangst eine Rolle zu spielen, oder sehe ich das falsch? Mein Freund vermittelte mir mit seiner (völlig atypischen) aggressiven Reaktion auf das Thema den Eindruck, ich würde ihm böswillig eine lebenswichtige Basis entziehen - und das, obwohl ich nicht ein einziges Mal verlangt habe, er solle nicht mehr trinken, sondern "nur", dass er mit mir darüber sprechen und sich die Informationen ansehen solle, die ich inzwischen gesammelt hatte.

Das fand ich sehr krass und sehr entmutigend. Tommie und Richie, wie fühlte es sich denn an, wenn jemand Euch darauf ansprach - als Ihr noch nicht "trocken" wart?

Gruß
Anja


tommie Offline




Beiträge: 10.571

27.05.2002 21:09
#5 RE: Ist es schwierig über ‚Alkoholismus’ zu sprechen ? antworten

Zitat
Gepostet von Nachtigallxxx
..............Tommie und Richie, wie fühlte es sich denn an, wenn jemand Euch darauf ansprach - als Ihr noch nicht "trocken" wart?



Hallo Anja,

ich nehme jetzt einfach an, du meinst mit "darauf ansprach", daß jemand versucht hat Einfluß auf meinen Alkoholkonsum zu nehmen.
Wie sich das angefühlt hat ? Da gab es viele Gefühle:
Ich habe mich geschämt, denn schließlich bin ich jemandem aufgefallen.
Ich habe mir überlegt, was ich tun könnte um nicht aufzufallen.
Ich habe NATÜRLICH gedacht, da will mir jemand etwas wegnehmen; nämlich den Stoff, den ich brauchte.
Ich habe immer versucht einer Diskussion, egal welcher Art, über das Thema Alkohol aus dem Weg zu gehen.
In einer gewissen Art tat es mir weh, auf meinen übermäßigen Alkoholkonsum angesprochen zu werden.
Das alles wiederum war natürlich ein "guter" Grund weiterzusaufen. Denn - Schuld an all dem Elend hatten schließlich die anderen - nicht ich.
So habe ich damals gedacht und gefühlt.

tommie


richie Offline




Beiträge: 395

28.05.2002 08:51
#6 RE: Ist es schwierig über ‚Alkoholismus’ zu sprechen ? antworten

Hi Anja,

da muss ich mich (leider) anschliessen.
Scham, dass ich meinen Alkoholkonsum nicht unter Kontrolle hatte...
---> geringes Selbstwertgefuehl, durch aggressives Verhalten ueberspielt....
---> Angst, die wollen mir was wegnehmen, ohne dem es ja gar nicht geht...

...und natuerlich waren alle an meinem Zustand schuld, nur nicht ich. (Wenn dies und jenes nicht waere, wuerde ich ja nicht saufen....)

ja, es ist sicher Verlustangst, denn im Denken des nassen Alkoholikers sieht er ja noch kein Problem mit seinem Alkoholkonsum, nur seine Umwelt moechte ihm eines einreden. (Daher auch der Rat, eventuelle Folgen selbst ausbaden zu lassen, nur so kann dieser vielzitierte "persoenliche Tiefpunkt" eintreten, ohne den es wohl kaum ein Umdenken gibt.


tommie Offline




Beiträge: 10.571

28.05.2002 11:56
#7 RE: Ist es schwierig über ‚Alkoholismus’ zu sprechen ? antworten

Hallo

etwas sehr wichtiges habe ich oben vergessen zu erwähnen:

Je mehr ich damals den Eindruck hatte, durch meinen übermäßigen/regelmäßigen Alkoholkonsum aufzufallen, desto "großspuriger" und "über dem allen stehend" trat ich auf.

In ein paar wenigen Situationen bin ich auch aggressiv geworden, was nun überhaupt nicht meine Art ist. Im Nachhinein denke ich, das war eine Reaktion des "in die Enge getrieben worden seins".

tommie


Ehendunamandu ( gelöscht )
Beiträge:

23.07.2002 07:51
#8 RE: Ist es schwierig über ‚Alkoholismus’ zu sprechen ? antworten

Ich finde es auch mehr als schwierig über Alkohol zu reden.

Es fängt damit an, das die Gesellschaft es einfach nicht wahrhaben will, das Alkoholismus eine Krankeheit ist.

Und wenn das Thema auf den Tisch kommt, dann habe ich tausend Gedanken in meinem Kopf und kann sie nicht sortieren und somit auch garnicht richtig darüber reden.

Es macht mich wütend wenn mir die Worte fehlen und die Leute nicht gleich verstehen wovon ich rede.

So gesehen, macht es mir probleme darüber zu reden. Und wenn ich mir dann auch noch die Meinung der anderen anhören soll, von wegen, na es ist ja jedem selbst überlassen ob er trinkt oder nicht, könnte ich auch aus der Haut fahren.
Als wäre es so einfach.

Ich hatte damals irgendwie Glück.
Bei mir hat es sich von selbst erledigt.
Komme auch aus einer Alkifamilie.
Hatte dann nur Beziehungen zu Alkis, weil ich es ja nicht anders kannte und mich in deren Reihen wohlgefühlt habe.
Heiratete dann auch einen Alki und habe die ersten sechs Jahre kräftig mitgesoffen. An Drogen haben wir auch alles eingefahren, ausser Heroin.

Eines Tages ekelte mich das alles an.
Ich sagte zu meinem damaligen Mann das ich das so nicht mehr will und er auch damit aufhören soll.
Hat er aber nicht gemacht, er sagte "Du hast einen Alkoholiker geheiratet und ich werde auch Alkoholiker bleiben".
Daraufhin bin ich zur Lebenberatungsstelle und zu Alanon gegangen.
Dort habe ich begriffen das ich mein Leben nicht mit einem Alkoholker verbringen will.
Bei der Lebensberatungsstelle habe ich gelernt mich mehr um mich zu kümmern, was ja auch unheimlich wichtig ist.

Bin noch ab und an in Psychologischer Beratung, aber die bringt mir auch nicht mehr all zu viel. Bin bestimmt überinformiert oder so.


Das alles liegt jetzt 12 Jahre hinter mir.
Habe seit ersten Mai aufgehört zu rauchen und trinke seitdem wieder mehr und regelmässig.
Ich hoffe, das es nicht überhand nimmt und es sich wieder von selbst erledigt, in Form von, das ich keine Lust mehr habe Alkohol zu trinken.
Mit Zwang, erreiche ich nämlich garnichts bei mir.

Ihr dürft mir jetzt alle mal die Daumen drücken

Liebe grüsse
Ehendunamandu


richie Offline




Beiträge: 395

23.07.2002 09:28
#9 RE: Ist es schwierig über ‚Alkoholismus’ zu sprechen ? antworten

Die Daumen druecken wir dir sowieso.
Aber ein Punkt ist mir aus deinem Post jetzt nicht klar: bist Du nun Alkoholikerin oder "nur" Angehoerige ?
und pass bitte auf, in der Scheisse ist man schneller als man denkt...
mlG,
Richie


Softeis Offline




Beiträge: 624

23.07.2002 11:03
#10 RE: Ist es schwierig über ‚Alkoholismus’ zu sprechen ? antworten

>Habe seit ersten Mai aufgehört zu rauchen und trinke >seitdem wieder mehr und regelmässig.

na, mach doch! daran hintert dich niemand! Bleib aber dran
nüchtern zu werden und die Dinge positiv zu betrachten.

Wie Richie schon sagte, rein kommst schneller als Du denkst.
Jetzt liegts an Dir.
Mach was _DU_ willst!

viele Grüsse

Andi

p.s.: Daumendrücken... meinst des hilft Dir was wenn ich Dir die Daumen drücke? Ist Dir doch scheißegal wenn _DU_ saufen willst.[f1][ Editiert am: 23-07-2002 11:11 ][/f]


Ehendunamandu ( gelöscht )
Beiträge:

23.07.2002 11:10
#11 RE: Ist es schwierig über ‚Alkoholismus’ zu sprechen ? antworten

Gute Frage Ritchi. Ich würde im ersten Moment sagen, Angehörige.

Und die frage ob ich Alkoholokerin bin oder nicht, kann ich nicht beantworten. Es sieht doch jeder anders wann wer ein Alkoholoker ist, oder gibt es da eine Norm?
Dann schieb mal die Schablone rüber, ich schau mal.

Ich würde sagen, ich bin Suchtgefährdet und habe bis jetzt einen sehr guten Schutzengel gehabt. Hoffentlich bleibt er noch ein bischen

Liebe grüsse
Ehendunamandu


Softeis Offline




Beiträge: 624

23.07.2002 11:14
#12 RE: Ist es schwierig über ‚Alkoholismus’ zu sprechen ? antworten

/me spendet "E" einen gaaanz ganz lieben Schutzengel der auf sie aufpasst.

"E", es gibt da keine Norm.Man kann sich sehr gut pflegen und trotzdem in dem Suff drinsein. Man kanns verstecken.
Penner, die Du auf der Strasse siehst sehen zwar wie das allgemein übliche Bild "Alki" aus, aber nicht jeder trinkt Alkohol.

Sorry wegen meinen agressiven post vorhin, aber ist doch war...

viele grüße

Andi


Ehendunamandu ( gelöscht )
Beiträge:

23.07.2002 11:35
#13 RE: Ist es schwierig über ‚Alkoholismus’ zu sprechen ? antworten

@ Andi
Vielen Dank erstmal für den Engel. Kann ich gut brauchen und nehme ihn gerne an.

Habe garnicht mitbekommen das dein Post vorhin agressiv war.
Naja, es heisst ja nicht umsonst; Die Botschaft ensteht beim Empfänger
Somit musst du dich auch für nichts entschuldigen.
Wobei es mich schon interessieren würde, was dich so aufgeregt hat.

Liebe grüsse
Ehendunamandu


richie Offline




Beiträge: 395

23.07.2002 14:22
#14 RE: Ist es schwierig über ‚Alkoholismus’ zu sprechen ? antworten

Schablone hab ich keine, aber du schreibst, dass du wieder mehr und regelmaessig trinkst.
Wozu ? (Wenn du nicht abhaengig bist).
Ich denke, bei jeder Sucht (nicht nur beim Alk) ist es so, dass zu dem Zeitpunkt, wo es noch ziemlich leicht waere, aufzuhoeren, man ja noch nicht das Beduerfnis aufzuhoeren verspuert, da ja noch kein Leidensdruck besteht. Und wenn's einem dann erst mal schlecht geht, ist es verdammt schwer.
Leider spreche ich aus eigener Erfahrung....

mlG,
Richie


Softeis Offline




Beiträge: 624

23.07.2002 15:24
#15 RE: Ist es schwierig über ‚Alkoholismus’ zu sprechen ? antworten

an "E":

es regt mich auf das du bei der beratung warst und trotzdem säufst.
das ist kein spass, maderl.

naja, nix für ungut, ich kenn dich ja ned.

viele grüsse

andi


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