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Saufnix
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Dieses Thema hat 7 Antworten
und wurde 671 mal aufgerufen
 Deine eigene Alkoholkarriere
Dorothea Offline



Beiträge: 3

20.11.2018 11:22
Zurück in der Trockenheit, zurück auf Saufnix antworten

Hallo in die Runde,

...da warte ich wochenlang drauf, dass ich einen Code für die Freischaltung krieg und nix passiert. Klar, ich bin längst freigeschaltet:)

Das Gute daran: ich kann heute schon berichten, dass ich seit 34 Tagen trocken bin.

Vor 14 Jahren habe ich dieses Forum für mich entdeckt und ein paar Monate regelmäßig gelesen und auch geschrieben nämlich zu der Zeit, als ich trocken wurde.

Davor habe über Jahre meinen Konsum gesteigert und habe am Schluss so 6 Bier pro Abend getrunken und habe es kaum mehr geschafft ein oder 2 Tage Trinkpause zu machen.
Ich habe jetzt nicht vor euch die ewig gleiche Geschichte zu erzählen, wie alles begann, aber ein wichtiges Detail aus meinen „Ursprüngen“ wenn es darum geht zu erzählen warum ich wieder hier bin, muss ich noch erwähnen.
Ich hatte (habe?) eine Angsterkrankung und die war zu Beginn so heftig, dass ich 6kg in drei Wochen abnahm, weil ich weder Essen noch schlafen konnte. Leider habe ich nach ein paar Jahren Panikerkrankung (mit Therapien und Medikamenten behandelt) erkannt, dass Alkohol der perfekte Angstlöser ist. Damals war mir die Gefahr dieser Erkenntnis bewusst, aber da hatte ich leider schon vom Baum der Erkenntnis genascht

Jedenfalls wurde ich vor 14 Jahren trocken und bin es dann 6 Jahre geblieben. Ich habe trocken meine Panikattacken ertragen, sie waren allerdings schon deutlich milder und seltener und oft monatelang gar nicht vorhanden.
Nach einer emotional sehr belasteten Zeit hat mich dann eine heftige Panikattacke geschüttelt. So eine, die dich nicht nach 10 Minuten oder auch nach 20 Minuten auslässt, sondern so eine, die dich stundenlang durch die Straßen treibt und wo dich die Todesangst fest im Griff hat.
1/8 Liter Weißwein hat meine Angst gestoppt. Das erste Glas und kein schneller Rückfall, sondern ein schleichender. Über Jahre. Ich habe die letzten 8 Jahre nass verbracht aber nicht durchgehend. Ich habe sozusagen kontrolliertes Trinken probiert. Habe versucht jeweils ca. die Hälfte des Jahres keinen Alkohol zu trinken. Habe von Januar bis Mitte April meistens geschafft gar nichts zu trinken und dann halt nur wochenweise.

Das ging ganz gut, bis 2018. Dosis und nasse Tage sind leider gestiegen und wenn ich in den Spiegel blicke, sehe ich die Auswirkungen des Alkohols.
Nach einem Abendevent vor 5 Wochen wo wir Freunde zu Besuch hatten, war die Erkenntnis am nächsten Morgen wieder da (...wie fast jeden Morgen), dass ich mich wieder komplett trocken legen muss. Ohne wenn und aber und ohne Selbstbetrug.

Soweit so gut. Oder doch nicht? Am Sonntag habe ich das erste Mal richtig gekämpft. Bislang konnte ich mit Suchtdruck gut umgehen. Habe ihn wahrgenommen und mir gesagt, dass ich nur für heute die Entscheidung treffe trocken zu bleiben. Und dann wars das auch wieder.
Aber am Sonntag war es echt hart und seither verlässt mich dich Angst nicht, dass ich rückfällig werde.

Darum gleich eine Frage an euch: mir hilft es Bücher von Leuten zu lesen die es geschafft haben. Ich habe darum schon etliche intus. Welche Bücher habt ihr denn als hilfreich erlebt?

Ich freue mich auf den Austausch mit euch, zu Büchern, zum Trockenbleiben, zum Leben...
Liebe Grüße, Dorothea


Randolf Offline




Beiträge: 1.050

20.11.2018 12:30
#2 RE: Zurück in der Trockenheit, zurück auf Saufnix antworten

hi,

"Nachtfrost - Tagebuch eines Alkoholrückfalles" von H. Wallburg.

Mehr war literarisch zu dem Thema für mich nicht nötig.

Weiterhin gutes Gelingen

LG

"Don't you carry stones,
don't you carry stones
- in your bowl of light."

Trevor Hall


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Dorothea Offline



Beiträge: 3

20.11.2018 13:34
#3 RE: Zurück in der Trockenheit, zurück auf Saufnix antworten

Hallo Randolf,

danke. Wird gleich besorgt.
LG


sole Online




Beiträge: 2.324

21.11.2018 18:51
#4 RE: Zurück in der Trockenheit, zurück auf Saufnix antworten

Garnicht so einfach zu bekommen, das Buch

WB @Dorothea. Ich bin auch schon seit 13 Jahren auf Saufnix. Schreib ruhig bisschen mehr, das Forum kann es vertragen.

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Quando sento che mi prende la depressione, torno a Firenze a guardare la cupola del Brunelleschi: se il genio dell'uomo è arrivato a tanto, allora anche io posso e devo provare a creare, agire, vivere. (Franco Zeffirelli)


Susanne Offline



Beiträge: 201

21.11.2018 21:11
#5 RE: Zurück in der Trockenheit, zurück auf Saufnix antworten

Hallo Dorothea,

mit einer Buchempfehlung kann ich leider nicht dienen. Die zwei Bücher, die ich zu Beginn der Frage an mich: "Willste weitertrinken oder besser doch nicht?" las, sind zum einen das allseits bekannte ALK / Borowiak (prima) und zum anderen NÜCHTER / Daniel Schreiber (Untertitel: über das Trinken und das Glück) - nicht mein Fall, mag den Stil nicht, mir zu maniriert, zu lifestylish..

Eine Schwierigkeit habe ich auch damit, wenn Alkoholabhängigkeit aus männlicher Sicht geschildert wird, weil mir das - für mich subjektiv- nicht genügend Identifizierungsmöglichkeiten bietet.

Während meines zweimonatigen Aufenthalts in einer Frauen-Suchtklinik haben wir den hier im Forum auch schon mehrmals erwähnten Film
"Rückfälle" D, 1977, Regie: Peter Beauvais, Hauptdarsteller: Günter Lamprecht (geniale Darstellung, wie ich finde) geschaut.
Aber der Film lässt mich, vor allem auch wegen der von mir als furchtbar erlebten Gewaltszenen, als er seine Frau zusammenschlägt, eher hilflos und verstört zurück, und hat speziell wegen der Gewalt wenig bis nichts mit mir zu tun. - Exkurs Ende ;-)

Dass Alkohol bei Angststörung und Panikattacken hilft, verstehe ich sofort. Und da hast Du doch schon einmal gut mitbekommen, dass der Preis dafür zu hoch wurde.

Bis einschließlich 2017 sei es bei Dir "ganz gur" gegangen. 2018 nun nicht mehr. Also: Los! Auf in ein alkfreies 2019!
Mit dem Vorschuss von heute bereits 35 Tagen. Prima - weiter so.
Angst vor einem Rückfall ist vielleicht auch ein gutes Zeichen? Das Du alert, aufmerksam bleibst?
Stabile Trockenheit nach 35 Tagen wäre ein Wunder; schreib dann ein Buch darüber - damit könntest Du reich werden ;-)

Hast Du Dir denn Selbstbelohnungen ausgedacht, die Dir gut tun, so quasi als Belohnung für `s entschlossen bleiben und handeln? Etwas, was Dir Spaß macht und Dich freut?

Fein, dass Du Dich hier (wieder) angemeldet hast,
viele Grüße,
Susanne


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Romy Offline



Beiträge: 101

23.11.2018 13:22
#6 RE: Zurück in der Trockenheit, zurück auf Saufnix antworten

Zitat von Susanne im Beitrag #5
Eine Schwierigkeit habe ich auch damit, wenn Alkoholabhängigkeit aus männlicher Sicht geschildert wird, weil mir das - für mich subjektiv- nicht genügend Identifizierungsmöglichkeiten bietet.


Geht mir genauso!


Das Buch "Denn sie wissen nicht, was sie tun" v. Belinda Stern kann ich empfehlen.

Momentan lese ich "Vom unerwarteten Vergnügen, nüchtern zu sein" v. Catherine Gray. Auch sehr gut!

Aber mein "Lieblingsbuch" ist das von Lexa Wolf: "Ich sehe dich sterben...
Von einer Frau geschrieben - es geht in dem Buch aber um ihren Mann.

Dorothea, wünsche dir ein schönes, trockenes WE!

LG Romy

Beklage nicht, was nicht zu ändern ist, aber ändere, was zu beklagen ist.
(William Shakespeare)


1 Mitglied findet das Top!
ame Offline




Beiträge: 101

23.11.2018 22:06
#7 RE: Zurück in der Trockenheit, zurück auf Saufnix antworten

moin Dorothea


Ungefähr 10 Jahre lang habe ich eine Selbsthilfegruppe für alkoholkranke Frauen geleitet.
Dort hatten wir auch eine kleine Bibliothek zum Thema 'Frauen und Sucht'

Besonders berührend fand ich die Bücher von Caroline Knapp
"Alkohol: Meine gefährliche Liebe" - sie beschreibt sich darin als funktionierende Trinkerin (Journalistin). Es hat mir in meiner Anfangszeit viele gute Impulse gegeben.

Auch ihr Buch "Hunger" über Essstörungen gehört zum Themenkreis süchtiger Frauen.

Knapp war Jahrgang 1959, leider hat sie den Planeten schon vor vielen Jahren wieder verlassen.

Alles Gute!




ame (aka amethysmena)
„Die beste Droge ist ein klarer Kopf.“


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Dorothea Offline



Beiträge: 3

27.11.2018 12:48
#8 RE: Zurück in der Trockenheit, zurück auf Saufnix antworten

Danke für die Buchempfehlungen, damit geht mir in den nächsten Wochen der Lesestoff nicht aus

Ich habe nämlich bemerkt, dass es mir hilft, wenn der Suchtdruck kommt, zu lesen wie es anderen geht. Damit habe ich vorletzten Sonntag trocken überlebt und auch die Tage danach war Lesen angesagt.

Ich weiß, dass man nach 35 (oder aktuell 41) Tagen noch nicht stabil trocken ist und manchmal hilft mir gerade die Kürze. Ich will nämlich nicht schon wieder nach nur 5/6/7 Wochen umfallen. Und aus Erfahrung weiß ich, dass man dann, nach vielen Monaten viel viel leichter trocken bleibt. Dann hat man neue Gewohnheiten und das Gehirn ist auch wieder im Stande Glücksgefühle ohne Alk zu produzieren. Es halt nur der Weg dorthin schwierig.

Das Forum hier ist offenbar momentan ziemlich eingeschlafen. Vor 10 Jahren war es sehr belebt. Als ich vor ein paar Jahren dann reingeschaut habe, war es auch gut belebt, aber der Ton der meisten Antworten war oberlehrerhaft und unterschwellig aggresiv, da habe ich gleich das Weite gesucht.
Hoffentlich sind jetzt nur mehr Leute wie ihr (nicht urteilend aber unterstützend) da.

Liebe Grüße an euch alle
Dorothea


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