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Saufnix
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Dieses Thema hat 109 Antworten
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 Akute Hilfe
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Annie Offline



Beiträge: 37

13.01.2018 15:24
#76 RE: Abstinent leben antworten

Diesen Mördergag verstehst wohl nur du


newlife Offline




Beiträge: 3.666

13.01.2018 15:24
#77 RE: Abstinent leben antworten

...man kann sie aber auch einfach loslassen, damit sie sich an den Erfahrungen die da kommen, bereichern können. Dann wissen sie auch, wie man mit BitCoins bezahlt.

@Annie
eine "Performerin".

xfce.org - Für ein Leben ohne Abhängigkeiten


Annie Offline



Beiträge: 37

13.01.2018 15:32
#78 RE: Abstinent leben antworten

Ja gut, weiß der Geier, was ihr für ein Ding am Laufen habt...


newlife Offline




Beiträge: 3.666

13.01.2018 15:36
#79 RE: Abstinent leben antworten

@Annie

je nachdem, in welcher Welt die Personen zu Hause sind, was für Erfahrungen die gemacht haben, werden gewisse Sachen sehr differenziert gesehen. Da dies aber ein offenes Forum ist, sind auch "Kinder" willkommen. Mehr gibts dazu nicht zu sagen. Solange wir hier Ansprechpartner finden, die unsere Ängste und Nöte verstehen ist alles gut.

xfce.org - Für ein Leben ohne Abhängigkeiten


F10 2 Offline




Beiträge: 4.278

13.01.2018 15:40
#80 RE: Abstinent leben antworten

Zitat von Biene im Beitrag #71
Hallo allerseits,



Zitat
Euphorie, Ekstase, Grenzen überschreiten und austesten, Abenteuer und Neugierde, Mut und (kalkuliertes ) Risiko, SelbstbewusstSEIN und Resilienz,Großen Veränderungen und kleinen Nivellierungen, Unabhängigkeit von Meinungen anderer und Konventionen, gedanklichen Hindernissen und KEIN zauderndes NICHT-Tun


das alles oben geschriebene hatte ich eher zu Saufzeiten und bin froh jetzt leisere Töne zu mögen.

Hab jahrelang auf der Überholspur gelebt und war immer auf der Suche nach mehr und höher und schneller und besser.

Das ist vorbei, da bin ich ganz froh drüber.

Bei Uwe hört sich das so an, das alle die nicht das obere praktierzieren vollkommen langweilig sind.



Eben nicht, je nach
Persönlickeitstruktur geht es um NEUES Erleben und Fühlen ohne jegliche Intoxikation.

Das bedeutet eben nicht unbedingt jedem Event hinterherhecheln zu müssen oder sich permanent Reizen aussetzten zu müssen, (Kann es aber und ist dann auch richtig)
Euphorie,d.h, tolles Fühlen ist ebenso individuell wie die dazugehörigen Trigger, wie lange Spaziergänge, "neue" Naturerlebnisse, die Beobachtung der eigenen Haustierere, das tiefe Eintauche in philosophischen Diskurs oder der nie gehabte Flow von Langsamkeit. Das Ekstase nicht immer mit boambstischen Events zu tun haben muss, muß ich dir Biene wohl auch nicht erklären. Das hast du bestimmt schon gelebt und gehabt.
Auch gerade das Aushalten von Langweiligkeit, bzw das Füllen dieser ist signifikant wichtig für - da ham wer sie wieder - die z. A.

Was ich generell meine, sind die Chancen die sich bieten, unerfüllte Träume mit Leben zu füllen, oder den bereits bestandenen Träumen eine Absage zu erteilen. Wer kennt nicht aus Gruppenkreisen die Aussage: "Ich hatte doch alles HausMannHundJOb und doch habe ich konsumiert!"

Weil man GEGEN seine Interesse gelebt hat und diese Ambivalenz letztlich zum Konsum führte...
Mit der Abstinez bieten sich zahlreiche Chancen - unabhängig vom Alter- nochmal durch zus starten und- zumindestens in Ansätzen - das zu Leben was einem vorschwebt. Und diese Veränderungen die erzeugen die notwendigen Kicks, die Unterstützung, die Motivation für neue Wege und andere Dinge.
Wir als Süchtler sind da privilegiert, da die Voraussetzung für so umfassende Veränderungen Mut und Bereitschaft erfordern. Viele die auch mit ihrem Leben unzufrieden sind , erreichen den Leidensdruck nie und leben 80 Jahre mit einer 3 - und sind am Ende gnatschig unzufrieden, mäkelnd und anklagend. Durch unseren "Vorteil" an unser selber gearbeitet zu haben, reflektiert mit nicht immer einfacher oder schmerzloser Nabelschau in eben 10-16 Wochen Entwöhnung, ist es etwas einfacher.
Viele in unseren Gruppen spiegeln genau das von mir Beschriebene wieder, dieses "Mir geht´s jetzt richtig gut und es fühlt sich total geil".
Unabhängig ob mit 300 km/h auf der Ducati oder per pedes im Wald.
Auffällig sind hier die nicht geplanten, aber eingetretenen Veränderungen in Lebensstil & Inhalten, Partnerschaft, Job, Wohnen und das Fühlen dieser.
("Hätte mir jemand vor X Jahren gesagt, dass ich jetzt XXXXXXX, hätte ich ihn für komplett verrückt erklärt!")

Gewiß eine Aussage die viele hier an Board unterschreiben!!!
Diese Umstände subsummieren sich dann unter:

Euphorie, Ekstase, Grenzen überschreiten und austesten, Abenteuer und Neugierde, Mut und (kalkuliertes ) Risiko, SelbstbewusstSEIN und Resilienz,Großen Veränderungen und kleinen Nivellierungen, Unabhängigkeit von Meinungen anderer und Konventionen, gedanklichen Hindernissen und KEIN zauderndes NICHT-Tun

Ich persönlich lebe nur einmal und möchte so viel wie möglich mitnehmen und das schließt ALLE Bereich ein.


Gerade als Hallo Ralfi ADHSler

Und die vielfach postulierte "Zufriedene Abstinenz" ist zwar als Ausdruck vollkommen ausgelutscht, aber wohl was erstrebenswertes nach einer Suchterkrankung. Genauso wie zufriedenere Abstinenz, zufriedenste Abstinenz oder total geile Abstinenz, wobei sich alle diese natürlicherweise nivellieren.

Zitat von Biene im Beitrag #71
So wie Ralf schreibt ist ein schönes Konzert mit Freunden bei einer ABBA Cover Band auch ein Highlight .

Liebe Grüße

Biene



Stimmt auch zu 100 %, ABER nur mit Lasse Wallander als Gitarrist zum Solo ==>

_____________________________________________________________________________________
Wer nach vorne kommen will, muss Regeln brechen. Wer innovativ sein will, muss Konventionen missachten. Wer Kreatives schaffen will, muss Bestehendes vergessen.


Illusion Offline



Beiträge: 87

13.01.2018 15:50
#81 RE: Abstinent leben antworten

hi Julia,

schön, wieder von dir zu lesen!

...für mich immer sehr konstruktiv, was du beschreibst und wie
das Leise und Tiefgang
ich glaube das könnte mir nach allem früher auch gefallen

irgendwann

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"wer noch atmet, ist mehr gesund als krank" (Hirschhausen)


Julia Offline



Beiträge: 83

15.01.2018 08:02
#82 RE: Abstinent leben antworten

Heute wollte ich mich mal wieder kurz melden und ein paar Gedanken teilen:

Weil ich oft das Gefühl hatte, dass mir die Zeit hinten und vorne nicht reicht, habe ich mal den Versuch gestartet, Muster zu brechen:


Seit Jahresbeginn stehe ich um 5.00 Uhr auf. Dann mache ich, was gut für mich ist. 5.00 ist eine gute Zeit, da bin ich wach, wenn der Wecker klingelt. Klingelt er um 6.00, dann bin ich eher wieder in einer Tiefschlafphase.
Es ist mir in den letzten 2 Wochen nicht leicht gefallen, jeden Tag so früh aufzustehen. Und doch bin ich sehr happy damit. Zwei Stunden erstmal für das zu Nutzen, was mir persönlich wichtig ist und Freude macht, gibt mir ein sehr gutes Gefühl. Ich gehe ganz anders in den Tag. Kraftvoller, ausgeglichener, ruhiger, sortierter. Das tut mir sehr gut. Abends schlafe ich in der Regel dann auch spätestens um 23.00 Uhr :-)

Gestern hatte ich ein wenig Sonntags-Blues: Wir sind dann rausgegangen, in eine andere Stadt, die ich noch nie wirklich besichtigt habe. Das war toll. Danach war ich dann auch wieder zufriedener. Sonntags-Blues stellt sich bei mir manchmal einfach ein. Meist, weil ich mich an diesem Tag noch nicht bewegt habe. Bewegung hilft mir dann.

Wünsche euch einen guten Wochenstart und eine inspirierte Woche.

LG, Julia

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ist es noch nicht das Ende. (Oscar Wilde)


Illusion Offline



Beiträge: 87

15.01.2018 09:17
#83 RE: Abstinent leben antworten

Zitat
Sonntags-Blues stellt sich bei mir manchmal einfach ein




toll dass du ihn überwinden konnetst!
Mir gehts ebenso, wenn die Pflichten, Termine alles von Wochentagen abfallen, andere entspannen, werde ich unruhig
daher auch der Respekt vor Wochenende
...gestern dafür Ausflug mit Fellnase genossen, genau: bewegt!

Guten Wochensrart!

+als Nachtmensch gruselt mich die Vorstellung um 5 aufzustehen - da bin ich meist noch auf...* ;-)

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Julia Offline



Beiträge: 83

16.01.2018 09:33
#84 RE: Abstinent leben antworten

Heute möchte ich gern wieder ein paar Gedanken teilen.

Draussen stürmt der Wind, so dass ich heute Nacht Schiss hatte, das Dach fliegt weg. Es hörte sich so bedrohlich an und ich war allein. Unser Schlafzimmer ist im Dachgeschoss. Irgendwann spürte ich, wie irrational diese Angst ist. Unser Haus ist zwar sehr alt, aber bestens restauriert, da fliegt nix weg :-) Es zeigte mir, dass die Angst im Kopf ist, wie so oft in meinem Leben.

Das Leben verlangt von uns oft, dass wir Dinge wegstecken, für die wir eigentlich gar keine Taschen haben. Wir müssen dann schauen, wie wir damit umgehen, ohne daran zu zerbrechen. Mit zerbrechen meine ich, dass wir Lösungen suchen, die keine sind. Die Betäubung oder Auflockerung durch Alkohol zum Beispiel.


Es gibt aber auch sehr viele Situationen, die uns Angst machen und erdrücken, die wir eigentlich gut lösen können. Mit einem "Nein" zum Beispiel. Seit Tagen quäle ich mich mit einem Text, das leere Blatt starrt mich an, die Buchstaben klopfen zwar von innen an die Stirn, finden ihren Weg aber nicht aus Blatt in Form von Worten, Sätzen, Sinnkonstrukten, die andere, das Zielpublikum verstehen. Seit Tagen kostest mich das Kraft und Lebensenergie. Immer wieder nehme ich es vor, dieses weisse Blatt und dann, weil es sich nicht füllt, lege ich es wieder weg und widme mich anderem. Im Hinterkopf ist es aber immer da, dieses weisse Blatt, dass doch eigentlich gefüllt werden muss, weil die Deadline vor der Tür steht. Es macht mir zuweilen "Angst". Angst, zu blöd zu sein, was zu formulieren. Angst, nicht bestehen zu können. Die Deadline zunächst aufgeschoben. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Wieder über diesem leeren Blatt gebrütet. Geschumpfen und gezerdert, getextet und verworfen.

Was macht mir Angst, warum bin ich so gelähmt? Dann die Erkenntnis: In Wahrheit versuche ich den Text so zu schreiben, wie es mein Kollege erwartet, also so, wie er ihn schreiben würde. Warum tu ich das? Weil wir eine gemeinsame Veranstaltung haben, die ich aber leite und verantworte, er eigentlich nur einen sehr kleinen Teil übernimmt, mir aber im Grunde sein Konzept überstülpt, das ich seit Tagen versuche in Worte zu fassen. Warum tu ich das eigentlich? Warum sage ich nicht, er soll den Textvorschlag machen? Warum mache ich ihn, im Wissen, dass er ihn dann eh umschreibt? Nein sagen! Zurückdelegieren. Da fliegt nix weg! Warum lasse ich es zu, dass ich das so viel Lebensenergie kostet? Schön blöd. ich kann doch gar nicht erfüllen, was für ihn/in seiner Welt, auf seiner Insel stimmig ist. Als ich gestern mit einer Kollegin nach einer Veranstaltung nach Hause gefahren bin, meinte sie, sie habe hin und wieder mühe mit xy zu arbeiten, weil der ihr immer ein Konzept überstülpen wolle und das sei gar nicht aus Augenhöhe. Bingo, dacht ich mir. Meinen Textvorschlag hatte ich am morgen bereits an ihn geschickt (den Anspruch an Perfektion nicht beachtet, weil er eh umgeschrieben wird). Mal schauen, was daraus wird.


Das Leben verlangt wirklich oft von uns, Dinge wegzustecken, für die wir keine Taschen haben. Aber es bietet uns auch ganz häufig die Möglichkeit "Nein" zu sagen, wenn wir an unserer Grenzen kommen. Und da fliegt nix weg. Im Gegenteil. verschaffen wir uns doch eigentlich Respekt, wenn wir Nein sagen.

Ich wünsche allen, die diesen Text lesen, einen schönen Tag und viel Kraft fürs Nein-Sagen, damit wir stark bleiben und nicht weichzeichnen, wegtrinken, hinunterspülen müssen.

Liebe Grüsse
Julia

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Illusion Offline



Beiträge: 87

16.01.2018 11:00
#85 RE: Abstinent leben antworten

hi Julia,
ein sehr selbstkritischer Beitrag

ich möchte spontan ergänzen

Zitat
Aber es bietet uns auch ganz häufig die Möglichkeit "Nein" zu sagen, wenn wir an unserer Grenzen kommen.



das würde implizieren, dass wir unsere Grenzen kennen und somit unsere Bedürfnisse
kennen & spüren
um dann zu agieren

ich glaube bei diesem Schritt vorher hapert es schon bei mir
- wann ist mir etwas zuviel? meist zeigt der Körper psychosomatisch, dass die Seele schreit
- was tut mir gut? selten fühlt sich etwas Getanes danach als "war gut so" an, begonnen wird es jedoch als Verpflichtung, ich muss/ich sollte
- wann ist mir etwas zu wenig? Mangel z.B. an Wertschätzung, Liebe, Aufmerksamkeit? oftmals bemerkt durch das trotzende innere Kind

das Innere Kind
ein großes Thema für sich

LG Cleo

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Julia Offline



Beiträge: 83

17.01.2018 17:45
#86 RE: Abstinent leben antworten

Heute möchte ich gern wieder ein paar Gedanken teilen

Vom Trocken/Abstinent sein


Als ich im Juni 2017 vor der Wahl stand, am Alkohol zu verrecken, oder mein Leben durch absoluten Verzicht in eine gute Zukunft zu führen, wusste ich, dass ich ab jetzt nichts mehr trinke. Und ich wusste, dass wenn ich das jemals wieder tu, daran zugrunde gehen werden. Ich wusste aber auch, dass ich mir bei einem Rückfall Hilfe holen kann, aber dass das schnell gehen muss. Dass ich dann aber durch die Mühlen der konventionellen Therapie gehen muss.

Obwohl ich noch meiner Arbeit nachging und auch irgendwie funktionierte, war das Elend für mich unterträglich geworden. Körperlich eh durch gynäkologische Beschwerden, unendliche Schmerzen und permante Anämie nur noch am Vegetieren, hat der Alkohol jeglichen Selbstwert und Stabilität genommen. Schmerzen im Oberbauch, Schmerzen in den Beinen, nächtliches Herzrasen, morgentliches Trockenwürgen, unendliches Schwitzen und das Gefühl, innerlich zu verbrennen, Gereiztheit, Unkonzentriertheit, Hoffnungslosigkeit, Depression, Scham und Schuldgefühle.

Saufen aufhören – ohne Hintertür, Netz und doppelten Boden
Nichts mehr tinken, dann wird es besser. Das habe ich mir gesagt, jeden Tag. Es wird besser. Es ist lang nicht besser geworden. Das Äussere wurde zunächst noch schlimmer. Mein Gesicht war ganz rot! Schwitzen, Unruhe, Druck, Stimmungsschwankungen. Das ging ewig. Mein Mantra: „Es wird besser“. Wenn ich früher mal aufgehört habe, habe ich mich oft schnell besser gefühlt. Diesmal nicht. Da ich nicht den konventionellen Weg mit Entgiftung im Krankenhaus, Suchtberatung und SHG gewählt habe, sondern mich für den Alleingang entschieden hatte, konnte ich auch mit niemanden darüber reden, wie es mir geht, wie ich mich fühle. Ab und zu bei saufnix reinschauend, oder auch bei anderen Plattformen, wusste ich, dass es für mich keinen Sinn macht, mich zu diesem Zeitpunkt dort an Diskussionen teilzunehmen. Die Aufforderungen, Mahnungen, Tipps, profesionell zu entziehen und in eine Therapie zu gehen, wollte ich nicht aufnehmen, nicht diskutieren, mich nicht rechtfertigen. Ich wollte auch nicht von der Erfahrung anderer profitieren, sondern einfach mein Ding machen. Tun, was ich tue. Ich wollte kein Streicheln, keine Provokation, keine Diskussion. Nur verstanden und akzeptiert werden. Also habe ich getan, was ich tun wollte. Ich habe mir auch keine Gedanken darüber gemacht, was das nun ist und wie das heisst. „Abstinent sein“, „Trocken sein“ usw. Mir war bewusst, dass ich süchtig bin, psychisch schon länger und mittlerweile wohl auch körperlich. Ich wollte nicht mehr süchtig, sondern clean sein. Nüchtern, einfach immer nüchter sein.

Manchmal war dies so schwer, der Druck so gross und ich am Ende. Es gab unendliche Streits mit meinem Partner. Ich hab ihn einfach gesucht, proviziert, zu unterschiedlichen Themen. Manchmal da habe ich mit dem Kopf gegen die Wand gehauen und gesagt, „es wird besser, es wird besser“. Auch gegenüber anderen Leuten war ich manchmal echt schräg drauf. Bisserl böse, oder sehr scharf in der Wortwahl.



Doch dann hat sich zumindest das Schlimme, also die anstrengenden Gefühle gelöst. Es ging zunehmen besser. Nicht gut, aber besser. Ich habe mir selbst gegenüber eine unglaubliche Härte auferlegt. Diese Härte hat mich durchhalten lassen. Erst nach einer Zeit konnte ich Gefühle wieder ausdrücken. Sagen, dass es mir heute nicht gut geht, dass ich mich überfordert fühle, Angst habe usw. Dann wurden auch die Gespräche in der Partnerschaft wieder besser. Ich bin meinem Partner unendlich dankbar, dass er mich so lange so ertragen hat. Da ich Gefühle vorher einfach zugechüttet habe, musste ich erst wieder lernen, damit umzugehen. Zu sagen, dass man sich überfordert fühlt, ist sehr befreiend.


Von der „sturen Weigerung“ in eine Therapie zu gehen
Wenn sich so mancher fragt, warum ich eine LZT nicht ins Auge gefasst habe. Meine Mutter ist gestorben, nein, sie hat Suizid begangen als ich 9 Jahre alt war, hat unendlich viele Therapien gemacht. Sie kam zuerst immer in den Entzug (nachdem sie z.B. Pflanzengift genommen hatte, der Rettungswagen ihr den Magen auspumpte, bei uns vor dem Haus) wurde sie zur Entgiftung gebracht. Wir durften sie nie sehen, nie besuchen. Es war sehr suspekt, was da eigntlich passiert. Danach gings für ein paar Wochen in Therapie. Spätestens sechs Wochen später hat sie wieder getrunken, genauso heftig wie vorher. Das Leid war gross, die Therapien nicht wirksam. Wie das Kinder in Alkoholfamilien immer tun, hab auch ich Aufgaben übernommen die ihre waren. Das verbrannte Essen wegschmeissen und neues kochen, wenn ich von der Schule kam. Mit 7 konnt ich das. Sobald ich lesen konnte, habe ich nach Rezepten aus dem „Grossen Grundkochbuch“ gekocht. Ich habe es heute noch. Mit Zetteln und Notizen von damals drin. Meine Mutter wollte/oder konnte es nicht, trocken bleiben. Vielleicht, ja sehr wahrscheinlich, kam sie einfach immer in die geichen Rahmenbedingungen zurück, daher der Rückfall/die Rückfälle.

Während ich im Juni 2017 zuhause im Alleingang aufhörte zu trinken, war mein Bruder in einer LZT. Es hat mich nie überzeugt, was er von dort erzählt hat. Ganz tief in mir, weiss ich, dass ich der Schlüssel bin - zum „Trockensein“, „Abstinent leben“ etc. Ich habe in meinem Leben schon etliche Therapien gemacht (die erste mit 9), ich hab so Vieles aufgearbeitet. Ich weiss, was gut für mich ist. Weich sein, die Ansprüche nicht zu hoch legen, an mich nicht und an andere nicht, achtsam sein, mit mir und mit anderen, eine gute Tagessstruktur haben, Pausen machen, drüber reden, was mich beschäftigt und schlicht und einfach, nicht geliebt werden wollen. Ich habe auch viele Methoden und Werkzeuge, die ich einsetzen kann. Ich muss es einfach nur tun. Mein Leben war mit Alkohol nicht besser, ich trauere nichts hinterher. Kein Rosewein oder Weisswein, kein Prosecco der verleitet. Die Wirkung wars, die ich brauchte. Erleichern, erheitern, wegschütten, runterspülen, vergessen usw. Im Grunde hats immer nur kurz geholfen. Ich konnte einfach nicht aufhören, die Leichtigkeit war kurz und ging sehr schnell in Melancholie, Redseligkeit, Streitsucht und Bewusslosigkeit über. Manchmal hat es mich beruhigt, aber das hielt auch nicht lange. Und dieses scheiss Schwitzen immer. Mich so dasitzen sehen, heulen und lamentierend wie meine Mutter früher, das hat am meisten geschmerzt.



Vom Umgang mit Gegenwind und Kritik
Heute denke ich darüber nach, eine Therapie zu machen. Ich schau, welche da in Frage kommen könnte. Heute kann ich die Meinungen der anderen anhören und davon auch was annehmen. Heute kann ich es auch ertragen (noch nicht immer ☺ ) dass Leute sich weiter zerstören wollen, in einer Therapie/im Nichtrinken keine Chance erkennen können und sich selbst als „Opfer“ inszenieren, indem sie meinen, der Staat tut nicht genug für sie oder der Chef. Oder die Famile, oder die Gesellschaft, die Politik uns wer weiss ich noch alles ☺ Irgendwo habe ich gelesen, dass eine LZT in Deutschland um die 30000 Euro kostet. Hallo, und das schmeisst man einfach so weg und geht dann auch noch öfters, ohne dieses Angebot zu schätzen. Nun ja, des Menschen Willen ist sein Himelreich, meins auch ☺
Es ist ihr leben, sie sind verantworltich. Und, ich kann es heute auch ertragen (noch nicht immer, ich übe noch ☺ wenn jemand mir versucht, sein „Konzept“ überstülpen zu wollen, oder sagt, dass ich ja noch ein „Windelscheisser“ sei und keine Ahnung hätte, nach gerade mal 7 Monaten Abstinenz. Oder dass ich mich für „Was Besseres“ halte und denken würde, dass ich scho alles wisse. Oder, dass es ein Trugschluss sei, zu denken, man sei kein Alkoholiker, sondern eine ehmalige Alkoholikerin, die jetzt abstinent ist, dass einen dieses Denkmuster früher oder später das Genick brechen würde, das würde man dann ja sehen. Das kann ich heute annehmen. Grosse Freude macht mir, dass meine Beziehungen zu Menschen wieder sehr schön sind. Ich habe mich lange von vielen zurückgezogen. Heute schätze ich die gemeinam verbrachte Zeit und die tollen, Gespräch, das Zusammen lachen, wieder sehr. Ich kann es heute wieder aus ganzem Herzen annehmen, dass die Menschen mich mögen, gern Zeit mit mir verbringen, mich schätzen. Früher dachte ich oft, „wenn die wüssten“. Ich arbeite auch viel mit jungen Frauen und Männern zusammen. Nun ja, nicht zusammenarbeiten, ich untestüzte sie, coache und begleite sie und unterrichte sie. Die positven Rückmeldungen von diesen jungen Menschen, die immer wieder das persönliche Gespräch mit mir suchen, mir na sein wollten, Projekt für mich und bei mir machen wollen, das ist ein ganz ganz wunderbares Gefühl. Dass ich diesen jungen und klugen Menschen etwas geben kann: Wissen vermitteln, Wissen gemeinsam erarbeiten, anwenden, erproben, Untestützung bei der Karriereplanung, Verständnis für ihre Nöte und Sorgen, Orientierung usw. Das macht mich sehr glücklich. Auch dass ich in der Partnerschaft wieder viele mehr ehte Nähe spüre, echte Nähe in anderen Sozialbeziehungen, dafür hat es sich gelohnt, diesen Weg seit Juni gegangen zu sein, allein, in aller Härte und unter sturster Weigerung, mich einem Forum, einer SHG, oder einer Therapie zu öffnen.

Der weitere Weg soll nun durch mehr Unerstüztung und Offenheit/Durchlässigkeit nach aussen geprägt sein. Weil ich glaube, dass mir das jetzt guttut und ich daran nochmals wachsen und stabil werden kann.

Ein sehr langer Text. Falls es jemand bis hierhin geschafft haben, danke ich fürs Durchhalten!
Es ist schön, sich hier ausdrücken zu können/dürfen.

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Julia Offline



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17.01.2018 18:22
#87 RE: Abstinent leben antworten

Noch ein kleiner Nachtrag zu meinem Post mit dem Text vom Montag:

Zitat von Julia im Beitrag #84
Meinen Textvorschlag hatte ich am morgen bereits an ihn geschickt (den Anspruch an Perfektion nicht beachtet, weil er eh umgeschrieben wird). Mal schauen, was daraus wird.




Der Text kam heute zurück. Nur Kleinigkeiten geändert :-) Geht doch. ich mach das jetzt immer so, unperfekt weg schicken und Nerven schonen :-)

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Julia Offline



Beiträge: 83

27.01.2018 14:27
#88 RE: Abstinent leben antworten

Vom nüchternen Mut

Manchmal da habe ich getrunken, um "Mut" zu haben. Das war mir lange gar nicht bewusst. Ich dachte, dass mir dieses eine, oder auch zweite Glas hilft, "etwas lockerer und unbeschwerter" in eine Sache zu gehen. Ein Drittes darf es nicht sein, weil dann die Konzentration weg ist. Aber so eins für die Lockerheit, das geht schon, das hilft sogar. Die Feedbacks waren häufig, ach du machst das so toll, so locker eben. Darin sah ich dann unbewusst eine Bestätitung, dass "locker" gut ist, also hab ich beim nächsten Mal wieder vor einer gewissen Sache, einem Abendauftritt z.B. ein Glas getrunken. Nach vielen Reden, Auftritten, ohne dieses Glas, fällt mir nun auf, dass es mir gar nicht um "Lockerheit" ging. Es ist doch logisch, dass man vor einem Auftritt angespannt ist, das braucht es doch zu einem gewissen Teil sogar. Und, auch ohne dieses Glas bin ich locker,nein, nicht im Vorfeld, da bin ich angespannt und manchmal ist mir auch übel vor Anspannung. Dann aber, in meinem Auftritt, in meiner Rede, da bin ich dann locker. Weil ich mich vorbereitet hab, das Publikum adressiere,die Leute da abhole, wo sie stehen. Und dann, dann hören sie mir zu. Das haben sie auch früher, mit dem Glas davor.

Eine Reflexion über falsche Annahmen

Vielleicht hat sich für mein Publikum gar nicht viel geändert. Für mich hat sich aber was geändert, was Entscheidendes sogar. Ich habe erkannt, dass es gar nicht um Lockerheit geht. Es geht um Mut. Den Mut, sich zu blamieren. Mich zu blamieren. Das kann mir im schlimmsten Falls passieren. Mehr nicht. Das Risiko, dass dies passiert, ist heute kalkulierbar. Ich bin vorbereitet,, ich bin präsent und, ich habe eine Botschaft. Ziel ist es, diese Botschaft zu vermitteln. Die Botschaft definiere ich selbst. Die Botschaft verbindet mich mit dem Publikum, sie macht mich authentisch, sie bietet den Mehrwert. Dafür muss ich nicht locker sein. Dafür muss ich authentisch sein. Dass ein Redner in den ersten paar Momenten allenfalls ein wenig aufgeregt ist, dass weiss das Publikum. Und wenn der Redner etwas bietet, wofür es sich lohnt, ihm zuzuhöen, wenn er merkt, da spricht jemand zu mir , dann versteht er es umso besser, dass der Redner allenfalls ein wenig nervös ist, am Anfang.

Es war nicht Lockerheit, die mir der Alkohol geben sollte. Es war Mut, den ich brauchte. Mut zu ertragen, dass ich nicht wirklich vorbereitet bin. Mut, zu ertragen, dass ich keine gescheite Botschaft habe. Mut, dass ich keinen Mut habe mich zu blamieren, weil ich alles gebe. Mut, mittelmässig zu sein. Mut, es so zu machen, wie es der eine oder die andere erwartet. Mut, meiner Funktion gerecht zu werden. Einen guten Job zu machen.

Heute habe ich den Mut, mich zu blamieren. Weil davon die Welt nicht untergeht und weil ich mich gar nicht mehr so wichtig nehme. Ich muss nicht locker sein, wenn ich nicht locker bin. Ich muss auch nicht von allen super gefunden werden. Doch eines muss ich sein: authentisch und zugewandt. Und dass kann ich am besten, wenn ich das zulasse, was kommt. Wenn ich den Mut habe, mich zu blamieren.

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Illusion Offline



Beiträge: 87

27.01.2018 15:53
#89 RE: Abstinent leben antworten

Liebe Julia,
das ist toll mit deinem Artikel UND man lerne: Aufregung vorher umsonst - weglassen ;-)
freu mich für dich!

Dann aber, in meinem Auftritt, in meiner Rede, da bin ich dann locker. Weil ich mich vorbereitet hab, das Publikum adressiere,die Leute da abhole, wo sie stehen. Und dann, dann hören sie mir zu. Das haben sie auch früher, mit dem Glas davor.

darin finde ich mich sehr wieder
kenne auch beides und es war so oder so immer gut, Teilnehmer hängen an Lippen, weil es mir Spaß macht, das Wissen weiterzugeben, auf eine lockere Art
aber: mein schlechtes Gewissen färbte den Spaß - das merke ich jetzt!

Mut hatte ich eigentlich immer, aber zum Zeitpunkt, wo dann mal Rest drin war, da musste ich schon trinken, um nicht negativ mit Entzug aufzufallen

:-)
Point auf Liste der positiven Dinge!

LG Cleo

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Julia Offline



Beiträge: 83

11.02.2018 20:54
#90 RE: Abstinent leben antworten

Acht Monate ohne Alkohol. Es geht gut, sehr gut. So soll es weitergehen.

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