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Saufnix
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 Deine eigene Alkoholkarriere
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Guidoof Offline



Beiträge: 108

04.01.2017 09:07
#196 RE: Story antworten

Guten Morgen Fleur und guten Morgen alle miteinander,

ein frohes, gesundes und erfolgreiches neues Jahr wünsche ich!!

Morgen! Um 17:00 habe ich ein kurzes Vorgespräch mit der Therapeutin, die ich bislang "nur" aus Telefongesprächen kenne. Um 17:30 dann der offizielle Startschuss.

Das ging gleich am Montag "holterdipolter" los und eine gewisse Nervosität kann ich nicht abstreiten. Finde ich aber auch ganz gut, denn würde ich da völlig abgeklärt reingehen liefe wohl auch irgendwas in die falsche Richtung!?

Wenn ich morgen Abend noch weiß wo mir der Kopf steht, sage ich noch mehr dazu! Ansonsten am Wochenende.

Viele Grüße bis dahin and keep fighting :-)
Guido

P.S. Ich weiß jetzt auch wie Sylvester ohne Alk geht und wie dermaßen Kinder sich freuen können, wenn einer der langweiligen Erwachsenen plötzlich cool wird und mit ihnen vor die Tür geht, um sie beim Frühfeuerwerk zu unterstützen :-)

Hat riesigen Spaß gemacht und mir auch neue Denkanstöße gegeben, ganz sicher!


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Guidoof Offline



Beiträge: 108

05.01.2017 22:48
#197 RE: Story antworten

Hallo zusammen,

also! Das Warten hat ein Ende und ich bin seit heute offiziell in Therapie. Unglaublich, aber so miserabel und finster wie das letzte Jahr angefangen hat, so wunderbar und klar hat dieses Jahr begonnen.

Ich gebe zu, dass ich mir heute in der Runde selbst die Frage gestellt habe, ob es denn wirklich not getan hat sich in solch eine Scheiße zu manövrieren. Aber genauso so schnell wie der Gedanke aufgepoppt ist, genauso schnell habe ich mir die Antwort geben können, nämlich dass genau diese in der Therapie zu finden ist. Und das es nichts mehr gibt, was ich jetzt noch rückgängig machen könnte, geschweige denn von vorn beginnen.

Insgesamt gab es heute nicht viel Neues aus dem ich etwas hätte lernen können, da es in erster Linie darum ging wie die Leute -ich natürlich inbegriffen- Weihnachten und Sylvester verbracht und erlebt haben. Aber ich hatte heute zum ersten mal Gelegenheit, in einer -glücklicherweise sehr sympathischen- Runde unter Gleichgesinnten, über mich und mein Problem mit dem Alkohol zu erzählen. Ich denke, dass es gut war und ist, dass ich seit August trocken geblieben bin und mich schon im Vorfeld mächtig mit mir und meiner Sucht auseinandergesetzt habe. Das hat mir den Einstieg erleichtert. Zumindest habe ich die freie Rede wieder einigermaßen drauf, was mir vor der Tür noch ein paar anerkennende Worte zugute kommen ließ. Ich gebe mir Mühe, nicht dadurch über mich hinauszuwachsen. :-) Aber gefreut habe ich mich dennoch, da es mir diese Worte leichter machen nächsten Donnerstag wieder dort hinzugehen.

Insgesamt bin ich aber ganz schön erledigt vom heutigen Tag. Komisch oder?

Dass das Saufnix Forum mein erster echter Anlaufpunkt war, das wisst ihr alle. Und auch, dass ich das niemals vergessen werde.

Ich habe mich noch nie so frei gefühlt.

Vielen Dank!

Guido


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F10 2 Offline




Beiträge: 4.196

06.01.2017 10:04
#198 RE: Story antworten

Zitat von Guidoof im Beitrag #197

Ich gebe mir Mühe, nicht dadurch über mich hinauszuwachsen. :-)
Guido





Warum dieses?

LG Uwe

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Wer nach vorne kommen will, muss Regeln brechen. Wer innovativ sein will, muss Konventionen missachten. Wer Kreatives schaffen will, muss Bestehendes vergessen.


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Fleur Offline




Beiträge: 108

06.01.2017 13:17
#199 RE: Story antworten

Zitat von F10 2 im Beitrag #198
Zitat von Guidoof im Beitrag #197

Ich gebe mir Mühe, nicht dadurch über mich hinauszuwachsen. :-)
Guido





Warum dieses?

LG Uwe


Falls Du überschnappen und überheblich werden meinst: glaube ich nicht.

Freut mich sehr das Du ein gutes erstes Gefühl bei der Therapie hattest!

LG
Fleur


Guidoof Offline



Beiträge: 108

06.01.2017 15:53
#200 RE: Story antworten

Zitat von Fleur im Beitrag #199
Zitat von F10 2 im Beitrag #198
Zitat von Guidoof im Beitrag #197

Ich gebe mir Mühe, nicht dadurch über mich hinauszuwachsen. :-)
Guido





Warum dieses?

LG Uwe


Falls Du überschnappen und überheblich werden meinst: glaube ich nicht.

Freut mich sehr das Du ein gutes erstes Gefühl bei der Therapie hattest!

LG
Fleur


Hallo Fleur, hallo Uwe und hallo an alle hier,

vielen Dank, es freut mich, dass ihr meine Beiträge so aufmerksam lest.

Ich habe das wahrlich etwas unglücklich formuliert und gebe auch gerne zu, dass ich jeden Abend für ein paar Minuten den Gedanken haben möchte heute besser gewesen zu sein als gestern und morgen besser sein will als heute.

Also schon ein Stück weit über mich hinauszuwachsen!

Entscheidend ist dabei aber, dass ich trotz dieses Wunsches geerdet bleiben und nicht wieder den Boden der Tatsachen verlieren möchte. Das führt am Ende doch nur wieder zu einem Bauchklatscher in einem Becken voll Vodka, wenn das Wissen um die Sinnlosigkeit des Höhenflugs die Oberhand gewinnt.

Ebenso wird mich nichts und niemand dazu bringen mit gefährlichen Halbwahrheiten oder vorgefertigten Meinungen hausieren zu gehen, nur weil sie mir -trendy genug- für 5 Minuten Aufmerksamkeit verschaffen.

Naja :-) Und das ich mich weigere an dem Gedanken zu wachsen, dass ich immer nur das bin was ich sehe wird sich übrigens auch niemals ändern. Die Vorstellung ein Telefonhörer oder im noch ungünstigeren Fall eine Tischtennisplatte zu sein, die finde ich dann doch etwas zu abschreckend. :-)

Gut, ok. Ich will mich jetzt wirklich nicht über die Lebensentscheidung und Lebensart anderer Menschen lustig machen. Jedem das Seine - wenn es denn hilft.

Es ist für mich aber doch ein gewaltiger Unterschied, ob ich kontrovers diskutiere und mich durch gute Argumentation zum Ziel bringe oder mich z.B. an einer 73 jährigen Dame profiliere, die gerade nicht die nötige Kraft und Ausdauer besitzt um sich wehren zu können, gar mit jeder Faser ihres Körpers um Hilfe und ein Wort der Anerkennung schreit.

Auf diese Weise möchte ich niemals über mich hinauswachsen! Und für den Fall, dass ich doch mal Ambitionen zeigen sollte, wünsche ich mir schon heute, dass ich dann noch einen guten Freund habe, der mir das sagt! Denn dann höre ich sofort damit auf.

Einem Menschen Hilfestellung geben und auch die Wunde zu zeigen, notfalls sogar mit dem Hinweis dass er krepiert wenn diese nicht bald genäht wird, da bin ich sofort dabei. Aber beim wieder und wieder reintreten in eine Wunde, sodass die letzte Chance auf einen klaren Gedanken im Schmerz untergeht, nicht mehr.

Ich wachse lieber etwas langsamer aber dafür fair an mir und meinen Aufgaben.

Umso besser, wenn es dabei rockt swingt und groovt

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende
Guido


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F10 2 Offline




Beiträge: 4.196

06.01.2017 20:09
#201 RE: Story antworten

Zitat von Guidoof im Beitrag #200






Ich wachse lieber etwas langsamer aber dafür fair an mir und meinen Aufgaben.

Umso besser, wenn es dabei rockt swingt und groovt

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende
Guido



Jo, mir ging es eigentlich darum, dass positive Veränderungen immer "Wachstum " beinhaltet und dass das über sich Hinauswachsen mehr an Selbstbewusstsein und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten beinhaltet.

Mit dem nötigen Ichbewusstsein klar seine eigenen Grenzen zu kennen, diese jedoch ständig auszuweiten, wenn man das möchte.

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Guidoof Offline



Beiträge: 108

05.03.2017 16:16
#202 RE: Story antworten

Die Freiheit ist der Feind der Not
wenn die Gewohnheit dich bedroht.

Das Selbst ist das Problem, wenn du mehr willst musst du gehen.....

Hallo zusammen,

okay, eine gewisse Phantasielosigkeit lasse ich mir jetzt ruhig mal unterstellen.

Aber ich dachte eine weitere Strophe aus dem gleichen Song aus dem ich schon einmal zitiert habe will ich Euch nicht vorenthalten. Und sicherlich habe ich diese auch bewusst gewählt, denn sie passt zu dem, was ich wieder und wieder erlebt habe und nie wieder erleben möchte. Ärgerlich nur, dass ich selbst derjenige bin, der sich seiner eigenen Freiheit beraubt HATTE. Durch die Gewohnheit eben, die Sucht die mich gelähmt hat.

Glücklicherweise habe ich mich dann doch im August letzten Jahres auf den Weg gemacht und bereue -da mich jeder einzelne auf den richtigen Weg gebracht hat- nicht einen einzigen Schritt. Will sagen, dass ich immer noch trocken bin und mich unendlich gut dabei fühle (Strike ;-)). Es ist ein geiles Gefühl nun endlich wieder sauber zu sein. Nicht dass ich zu besten Alkzeiten aufgehört habe mich zu waschen oder es versäumt hätte meine Fingernägel zu pflegen, das nicht. Aber mich auch von innen wieder sauber zu fühlen, stellt doch schon etwas Besonderes dar für mich.

Bodhi und Silke haben hier ja schon fleißig vorgelegt und ihre "Statements" zu ihrem heutigen Blick auf ein alkohol- und drogenfreies Leben abgegeben, denen ich mich gerne anschließe.

Ich bleibe dabei, dass die Zeit seit August alles Andere als leicht war und erhebe auch nicht den Anspruch derjenige zu sein, der, seit der Alkohol keine Rolle mehr spielt, fehlerfrei durchs Leben gezogen ist. Vielleicht ist es auch gescheiter zu sagen dass der Alkohol "nur" noch eine untergeordnete Rolle spielt, da ich ja mindestens zweimal in der Woche intensiv mit Gleichgesinnten darüber spreche. Gelegentlich habe ich mir auch die eine oder andere -gefühlte- Schelle abgeholt, wenn ich mich bei der Auseinandersetzung mit den Worten und Taten meiner Vergangenheit zu weit aus dem Fenster lehne. Glücklicherweise bin ich zu der Erkenntnis gelangt, dass ich ohnehin nichts mehr ändern kann, da es vorbei ist. Und ich weiß heute, dass ich mir viel zu oft das unnütze und unnötige Gefühl gegeben habe an etwas schuldig gewesen zu sein, weil ich nicht da war um es zu verhindern. Die Erlebnisse wurden ganz oft nicht durch meinen Umgang mit der Sucht hervorgerufen, jedoch haben die Erlebnisse die Sucht begünstigt.

Ich denke das gehört zu dem Prozess des Trockenbleibens dazu. Aber auch wenn es zum Teil sehr schmerzhaft war, diese ganzen Bilder noch einmal vor dem unsichtbaren Auge zu sehen, bereue ich auch hier nichts. Dass mir eine neue Freundschaft, die so seltsam schön ist, dass ich sie zwar fühlen aber niemals mit einfachen Worten beschreiben könnte, unendlich viel Halt gegeben hat, will ich bei all dem was ich erzähle nicht im Verborgenen lassen.

Trotz der Konfrontation mit den Schatten von früher und den von mir oft bildlich dargestellten Trümmerhaufen, geht es mir aber ausgesprochen gut und ich habe wieder angefangen das Leben zu suchen und dabei auch zu genießen. Ich weiß nicht wie es Euch ergangen ist oder gerade ergeht, aber ich muss mich manchmal ernsthaft daran erinnern, dass ich 48 und nicht mehr 30 bin :-) Aber die Dinge die ich hinter all dem Nebel nicht mehr gesehen oder nur noch sehr bedingt wahrgenommen habe, die tauchen alle auf einmal, in einer nie dagewesenen Schönheit, wieder auf. Ich glaube ich brauche dabei nicht zu erwähnen, dass das in keiner Weise in einer Flasche Voda zu finden ist.

Nun bin ich auch an einem Punkt angelangt, denjenigen die es interessiert zu erzählen, dass mir meine Therapie ausgesprochen gut tut.

Ich habe hier zunächst das große Glück, dass ich meinen Platz in einer ausgesprochen sympathischen Runde gefunden habe, in der es zwar manchmal sehr turbulent zugeht, der gegenseitige Respekt aber seinen Mittelpunkt hat.

Es ist ein "bunter" Mix aus Menschen, die sich auf unterschiedlichste Weise ihrer eigenen Existenz betrogen haben, am Ende aber alle das Gleiche wollen: raus aus diesem Teufelskreis. Und mir tut es gut zu lernen, dass keine Sucht besser ist als die andere, egal welches Suchtmittel dahinter steht.

Und ich bin dabei zu begreifen, dass ich mir die verbale Keule, die, dass ich mit meiner Sucht alles verdorben habe nicht mehr überziehen lassen muss.

Ich gebe gerne zu, dass die Menschen die diese hin und wieder auspacken auch Recht haben mit dem was sie sagen, aber ich habe mich bei all denen, denen ich geschadet habe aufrichtig entschuldigt. Mehr kann ich nicht tun. Auch dann nicht, wenn es bisweilen heißt dass das zuwenig ist und arrogant erscheint.

Ich kann die Zeit nicht zurückdrehen und will es auch nicht mehr, denn das wäre mit viel zu vielen unnütz vergossenen Tränen verbunden. Das was mir bleibt ist die Gewissheit es künftig besser zu machen.
Ich weiß nicht wie ich es am besten zum Ausdruck bringen soll, aber ich laufe nicht davon, jedoch auch niemanden mehr hinterher.

Und damit meine ich jetzt nicht, dass ich mich umdrehe, wenn es mal unbequem wird.

Was mich aber unbedingt mit wohliger Wärme durchzieht ist die Einsicht, dass keiner meiner Fehler ein wirklicher Fehler gewesen sein kann, denn jeder einzelne hat mich zu dem gemacht was ich heute bin: Ein Mensch der mit sich ins Reine kommt und mit neuem Blick auf die Zukunft schaut. Das Feuer auf dem ich Barfuß gelaufen bin ist erloschen und die entstandene Asche wird langsam kälter. Naja und einen handlichen Besen mit dem ich den Dreck vor meiner eigenen Tür wegfege, habe ich jetzt auch gefunden. Sogar einen der so feine Borsten hat, dass ich manchen -da bin ich mit sicher- Feinstaub zu Diamanten machen kann :-)

Mein Trümmerhaufen fordert mich zwar immer noch äußerst penetrant heraus, aber ich habe ihn im Griff. Ich glaube nicht, dass ich die Kontrolle darüber noch einmal verlieren werde. Und unter diesen Voraussetzungen wird er mich auch nicht mehr in die Verzweiflung treiben können. Manches brauch halt seine Zeit, die Verantwortung liegt bei mir.

Ansonsten, dass muss ich jetzt noch schnell loswerden, ist mein Motorrad seit gestern wieder aus dem Winterschlaf erwacht :-). Ich bin, von der ersten Minute an, ausgiebig damit unterwegs gewesen und den Kilometerstand werde ich dieses Jahr mindestens verdreifachen.
Letztes Jahr hatte ich hatte ich es, ungefähr zur gleichen Zeit, immer nur besoffen angeglotzt und mich selbst dabei bedauert. War doch die ganze Welt schuld an meinem Dilemma.....

You put your faith in preachers,
I put my faith in Me (aus Long Shot, Newton Faulkner) daran werde ich mich halten.

Mir geht es wirklich gut und ich erinnere mich heute gern an den Tag, an dem ich meine Zugangsdaten für das Forum erhalten habe. Diese haben mir den ersten Schritt ermöglicht, mit Euch allen hier in den Dialog zu treten.

Vielen lieben Dank dafür!

Bis bald, viele Grüße und einen schönen Nachmittag.

Ich halte Euch auf dem Laufenden
Guido


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Sadgirl Offline




Beiträge: 314

07.03.2017 14:08
#203 RE: Story antworten

Hi Guido.
Wie schön, was ind wie Du schreibst und wie reflektiert und ausgeglichen Du rüberkommst! Das freut mich für Dich und ich ich kannDir eigentlich in allen Punkten nachfühlen; speziell die Bereiche der Entschuldigungen und inneren Selbstborwürfen. Auch ich halte es nun so, dass ich quasi "geständig" und einsichtig war und mich auch tief empfunden entschuldigt habe, aber mehr ist nicht leistbar. Selbstzerfleischung hilft nämlich auch keinem. Meine Tochter beäugt mein trockenes Leben noch immer ab und an ungläubig, aber freut sich sehr, dass ich am 20.03. Ein halbes Jahr trocken sein werde.
Das Du offensichtlich nun jemanden gefunden hast, der Dein Leben mit Dir geht ist sehr, sehr schön und verhilft sicher auch zu Stabilität, wenn es mal stürmisch wird auf der Insel. Das wünsche ich mir auch.....
So wie ich Dich verstehe, befasst Du Dich sehr intensiv mit Deiner Sucht. Bei mir hat sich das sehr gewandelt; die ersten 4 Monate war es für mich irgendwie lebenswichtig mich damit in jedweder Form zu befassen und nun hat sich eine Art "Gewohnheit" eingeschlichen und ich denke nur noch 1-2 mal in der Woche an mein "altes Leben" und die furchtbaren Ereignisse. Vllt sollte ich mich wieder mehr damit befassen, denn mein Unterbewusstsein tut genau dies und zeigt es mir on meinen Träumen. Vorgestern träumte ich, ich hätte 2 Bier getrunken. Im Traum habe ich furchtbar geweint und Angst gehabt, dass es wieder losgeht und das ich es hier "beichten muss". Das hat mir gezeigt, wie verflochten ich noch bin, obwohl mein Tagesablauf keine Gedanken an meine Alkoholsucht zeigt. Ab und an fühle ich noch die Befreiung, aber dann mache ich mir schlicht keine Gedanken mehr.
Deine Zeilen zeigen mir, dass ich wieder was tun muss, bevor die Sicherheit zur Gefahrenzone wird-obwohl ich das nicht glaube....
Ich wünsche Dir einen weiterhin guten TherapieVerlauf und schöne Stunden und Tage mit Sonne und Wind im Haar auf Deinem Bike. :-)
Liebe Grüße
Silke


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Guidoof Offline



Beiträge: 108

08.03.2017 00:02
#204 RE: Story antworten

Hallo Silke,

vielen Dank für Deine nette Rückmeldung.

Schön dass es Dir auch weiterhin gut geht und Du der Vollendung des sechsten Monats Deiner Abstinenz immer näher kommst. Und dass sich das Verhältnis zwischen Dir und Deiner Tochter wieder festigt, freut mich für Dich. Ich hoffe, dass sie ihre OP's alle gut überstanden hat und es ihr auch körperlich wieder besser geht.

Das mit dem Traum sollte Dich nicht weiter ängstigen, sondern eher ermutigen.

Ich selbst hatte mal einen Traum in dem ich auf einer Dienstreise Alkohol getrunken habe. Im Traum hatte ich mir gesagt, dass es ja nur dieses eine Mal wäre und den Zweck meiner Reise und dem Unternehmen dienen würde. Ich war auch total enttäuscht von mir selbst und heilfroh als ich aufgewacht bin.

Ich habe dann mit der Suchtberaterin darüber gesprochen und sie sagte, dass solche Träume häufig von Menschen geträumt werden, die sich ernsthaft befreien wollen. Die Träume senden damit "nur" eine gute Botschaft aus dem Unbewussten an Dich, dass die ernsthaften Wünsche dort angekommen sind.

Die Erklärung von ihr hatte mich doch sehr beruhigt und der Traum hat mich eingeladen weiterhin auf Du mit mir zu bleiben :-)

Und mal abgesehen davon liegt zwischen Deiner ersten Nachricht und heute auch ein himmelweiter Unterschied!

Dir auch alles Gute und bleib am Ball.

Liebe Grüße
Guido


newlife Offline




Beiträge: 3.360

08.03.2017 11:25
#205 RE: Story antworten

Hi Silke und hallo zusammen,

wieder zurück ausm Urlaub. War hammergeil auf Teneriffa, viel gesehen und noch mehr erlebt.

Dein Beitrag hat mich wiedermal sehr angesprochen. Läuft bei mir nämlich ganz ähnlich. Du brauchst dich jetzt nicht zu hinterfragen, ob du alles richtig machst. Bleib bei dir, denn du bist du.
Ich reflektiere nach wie vor auch, aber nicht permanent. Lass uns unser Leben genießen und die Freiheit immer wieder spüren. Denn das ist der Lohn, den wir bekommen haben.

LG
Dirk

Enjoy the freedom...


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Bodhisattva Online




Beiträge: 941

10.03.2017 07:52
#206 RE: Story antworten

Guten Morgen Guidoof,

danke für den tollen reflektierten Beitrag, ich bin zutiefst überzeugt, dass Innehalten und sich vergegenwärtigen wie viel sich im eigenen Leben ohne die Sucht geändert hat, vor allem hinsichtlich besserer Gefühlszustände, sehr wichtig ist um auf der Spur zu bleiben.

Ich wünsche Dir weiterhin Alles Gute auf deinem Weg.

Grüße, Bodhi


Guidoof Offline



Beiträge: 108

17.05.2017 01:01
#207 RE: Story antworten

Hallo zusammen,

ich habe mich länger nicht mehr in diesem Thread gemeldet und möchte nun einmal wieder ein paar neue Worte aus der Liga der Kurzzeittrockenen senden.

Ich werde auch mal ohne Zitate aus meinen Lieblingsliedern anfangen :-) und gleich direkt stolz verkünden, dass ich mittlerweile über neun Monate trocken bin. Und das wiederum bedeutet, dass ich inzwischen über drei Quartale am Stück, mit wachsender Freude, auf den Alkohol keinen Wert lege. Und die Freude darüber ist nicht geringer als die, von der ich nach drei Monaten bereits berichtet habe.

In der Liga der Langzeittrockenen mag das -im Nachhinein betrachtet- nicht viel erscheinen und ich selbst weiß auch dass es noch so Einiges zu tun gibt. Aber ich bin dennoch begeistert von mir selbst. Nicht weil ich zu einem selbstverliebten eitlen Snob verkommen bin, sondern weil mir etwas gelungen ist, was eben über neun Monate früher noch unvorstellbar für mich war.

Wenn ich jetzt gefragt würde wie ich die zwei Monate seit meinem letzten Post hier verbracht habe, dann würde ich wohl antworten dass sich in der Routine nur wenig verändert hat.

Nur ist es tatsächlich so, dass sich die Routine ständig verändert.

Klingt erst einmal komisch; oder? Aber wenn ich mich Morgens (bevorzugt auf dem Bike :-)) auf den Weg zur Arbeit mache, dann fahre ich immer noch in die gleiche Richtung, setze mich jeden Tag auf den gleichen Stuhl und erledige meinen Job.

Aber auch das Losfahren aus der immer gleichen "Stadt" zum Ankommen in der immer gleichen Nachbarstadt ist jeden Tag ein bisschen anders, besser. Ich kriege mit wie sich die Dinge um mich herum verändern, freue mich über den Wandel der Jahreszeiten, sowie über die Schönheit der Farben und Geräusche des Frühlings und kann manchmal gar nicht glauben, dass ich diese Pracht zuvor genutzt habe um mich dahinter zu verstecken, ohne zu sehen wohinter. Ich brettere nicht mehr los wie ein wilder Stier mit Kopfschmerzen, tiefroten und aufgequollenen Augen mit dem Gedanken dass heute das Maß voll sein wird, ich "auffliege", meine Tarnung verliere um "endlich" meine Abmahnung zu kassieren.

Neuerdings fahre ich sogar wieder über die "Schleichwege" :-) und diesmal nicht weil ich Angst vor einer Kontrolle habe, sondern weil sie einfach viel entspannter sind und es, wie gesagt, etwas zu sehen gibt.

Und obwohl ich heute weiß dass ich meinen beruflichen Werdegang -mit der Weisheit von heute- nicht noch einmal so gestalten würde wie ich es getan habe, nehme ich die gegenwärtigen Herausforderungen an und gestalte fleißig mit. Und auch hier habe ich das erste Mal in meinem Leben etwas durchgesetzt, was ich unbedingt durchsetzen wollte. Nicht weil die Jobbeschreibung es so wollte und / oder weil es Teil der elenden Gewohnheit war. Nein, weil ich es wollte!

Meine Therapie läuft gut, ich komme in Schritten voran und wenn ich es nicht besser wüsste, dann würde ich behaupten dass heute ein anderer Mensch, ein anderer Guido schreibt, als der der sich hier vor neun Monaten gemeldet hat.

Nun wirft aber jeder Fortschritt im Hinblick auf meine "Genesung" auch neue Fragen auf und ich kann bis heute nicht erklären wie, wann und wo der alles entscheidende Tropfen geflossen ist, der mich zum Alkoholiker gemacht hat. Aber manchmal glaube ich, dass ich schon süchtig auf die Welt gekommen bin. Zumindest ist es so, dass man da wo ich herkomme, ziemlich früh dazu erzogen wird sich selbst zu erziehen. Und wenn ein so bunter und friedliebender Vogel wie ich in einen viel zu kleinen Käfig gesperrt wird, dann gibt es am Ende nur noch eine Gewissheit: Das kann nicht gutgehen!

Lange Zeit habe ich dann aber auch in einer anderen Gewissheit gelebt, der, dass alle Anderen schuld an meinem "Unglück" sind und ich immer schön aus der komfortablen zweiten Reihe schießen kann. Bis ich mich dann irgendwann selbst getroffen habe. Dicht an der Hintertür, die komischerweise und ausgerechnet an dem Tag verschlossen war, als es einen echten Notfall gab.

Ich weiß nicht ob es gerecht ist, wenn ich irgendjemanden vorwerfe dass er / sie die Verantwortung dafür tragen muss, dass ich den längsten Teil meines Lebens eine Alkohollogistik aufgebaut habe, die ihresgleichen sucht. Ich weiß nicht ob es fair ist, wenn ich sage ihr hättet besser auf mich aufpassen müssen!?

Ich weiß nur, dass ich vor vielen Jahren bereits erkannt habe, dass es ein gefährliches Spiel ist das ich spiele und es besser wäre damit aufzuhören. Ich habe es aber nicht und das ist ein Fakt! Ein Fakt zu dessen Gewissheit ich maßgeblich beigetragen habe und der mir ein halbes Leben lang ein Gefühl von Schuld mit auf den Weg gegeben hat. Ein beschissener, wiederkehrender Gedanke, der meine Sucht gestärkt und jedes schöne Gefühl, jede Idee von Selbstverwirklichung, Schicht für Schicht unter ihrem Schleier begraben hat.

Sei's drum, denn ich habe gelernt. Über Schuldgefühle und über die Überflüssigkeit von Schuldgefühlen. Und das ist ein erhabenes Gefühl. Und auch wenn ich erst kürzlich damit angefangen habe, habe ich für meine Begriffe mehr erreicht als jemals zuvor - Zufriedenheit und die Bereitschaft denen aus tiefstem Herzen dankbar zu sein, die mir dabei geholfen haben diese zu erlangen und mich dadurch besser zu verstehen.

Nebenbei sehe ich um Klassen besser aus (Eitelkeit lässt grüßen :-)), habe ordentlich Gewicht abgelegt und bewege mich.

Ich setze mir erreichbare Ziele, beseitige langsam aber stetig meine Trümmer, grabe mir den Weg frei und packe mir nur das in meine Taschen was ich für richtig halte und auch tragen kann.

Ich mach das schon! ;-)

Liebe Grüße,

Guido


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Biene Offline




Beiträge: 333

18.05.2017 08:49
#208 RE: Story antworten

Guten Morgen Guido,

Zitat
Lange Zeit habe ich dann aber auch in einer anderen Gewissheit gelebt, der, dass alle Anderen schuld an meinem "Unglück" sind und ich immer schön aus der komfortablen zweiten Reihe schießen kann. Bis ich mich dann irgendwann selbst getroffen habe. Dicht an der Hintertür, die komischerweise und ausgerechnet an dem Tag verschlossen war, als es einen echten Notfall gab.



ich freu mich sehr, dass es dir so gut geht.
Ich wollte dir sagen, dass mir dein Schreibstil ausserordentlich gut gefällt (siehe dein Zitat), so plastisch und mit einem Funken Selbstironie ,herrlich zu lesen.

Wenn du mal nicht ausgelastet bist kannst du ja Kolumnen für die Zeitung schreiben muss ja nicht über Alkohol sein. Das Zeugs dazu hättest du !

Ich wünsche dir einen schönen sonnigen Donnerstag.

Liebe Grüße

Biene


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Bodhisattva Online




Beiträge: 941

18.05.2017 08:56
#209 RE: Story antworten

Hallo Guido,

vielen Dank für deinen Beitrag, das liest sich rund und soviel Freude & Elan sind in deinen Zeilen zu erkennen.

In vielen vielen Dingen die Du beschreibst erkenne ich mich wieder, die Frage nach dem entscheidenden Tropfen der den point of no return eingeleitet hat, stelle ich mir nicht mehr, weil der Punkt für mich beantwortet ist, ich war mit dem ersten Schluck Alkohol süchtig, die Entwicklung hin zum Alkoholiker gab es nicht, sondern bevor ich Alkohol getrunken habe, war die Veranlagung schon in mir, es ging einzig und alleine darum, wie lange hält das Leben / der Lebensentwurf saufend durch um sozial nicht aufzufallen bzw. noch die Dinge saufend geregelt zu bekommen.

Ich wünsche Dir Alles Gute für deinen weiteren Weg.

Viele Grüße, Bodhi


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Sadgirl Offline




Beiträge: 314

18.05.2017 10:33
#210 RE: Story antworten

Hallo Guido.
Welch' wunderbare Zeilen der Verwandlung! Ein SongText hätte es nicht tippen können.
Es freut mich, dass Du so lebensfroh und zielgerichtet durch Dein Leben gehst!
Die Frage von Anfang und Ende und den Gründen (D)einer Sucht beschäftigen auch mich zeitweise-ich persönlich habe es aufgegeben, darüber zu sinnieren. Ich war immer süchtig, seit dem ich denken kann. Ich denke, dass es teils genetisch bedingt ist und teils Resultat der Erziehung ist. Beides für mich nicht mehr beeinflussbar und darum quäle ich mich nicht, sondern lebe im jetzt und hier.
Was Du an wunderbaren Gefühlen und Erkenntnissen erlebst, kann ich gut nachvollziehen und erlebe es ständig selbst und auf's Neue. Als wäre es ein neues, anderes Leben, dass es zu entdecken gilt. Nicht versteckt, sondern live und in Farbe, mittendrin :-)
Ich wünsche Dir, dass es weiterhin so schön für Dich läuft.
Liebe Grüße
Silke


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