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Saufnix
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Dieses Thema hat 6 Antworten
und wurde 765 mal aufgerufen
 Ganz, ganz viele Fragen
waldkatze Offline



Beiträge: 207

10.04.2016 09:38
Psychopharmaka (und Alkoholiker) antworten

Hallo,

nach langer Zeit, in der ich dem Alkohol weiterhin untreu blieb, wende ich mich nun mit einer Frage bezüglich Psychopharmaka im weiteren Sinne an euch.

Mein Neurologe, bei dem ich ca. zweimal im Jahr noch immer bin, verschrieb mir in den letzen Jahren genau 3 Medikamente.
Zwei Antidpressiva - Mirtazapin und aktuell Citalopram. Sowie ein Neuroleptikum - Promethazin in Tablettenform.

Ersteres (AD) erzielt bei mir nicht die beabsichtigte Wirkung sondern haut mich schlicht sedierenderweise um.
Zweiteres (AD) wirkt überhaupt nicht. Es hat weder eine Wirkung, noch Nebenwirkung noch Nachwirkung (beim Entzug/Absetzen).

Beides dehsalb schnell wieder abgesetzt. Ohne Absetzkomplikationen.

Nun bekam ich kürzlich als Bedarfsmedikament Promethazin. Das scheint mir eh sinnvoller, da ich derzeit nicht depressiv bin, aber gelegentlich an Unruhezuständen leide. Keine Angst- und Panikattacken, sondern mehr so eine allgemeine Unruhe. Die mich allerdings schon mehr oder minder stark in meinem Alltag behindert. Ich habe manchmal auch regelrechte Blockaden (in Bezug auf Dinge, die ich dringend erledigen sollte).

Ich nahm also Promethazin über zwei Wochen im Bedarfsfall. Der war so etwa jeden zweiten Tag in dieser Zeit.
Erstmal alles ok, Medikament tat was es sollte. Wirkt dämpfend, ohne mich dabei allzu sehr in meinem Alltagsgeschehen zu beeinträchtigen. Solane ich aktiv bin, kann ich sogar meinem Sport nachgehen (es scheint da eine gewisse Enthemmung auszulösen, ich bin teilweise beim Kraftsport über meine Grenzen gegangen). Legte man sich in die Horizontale, wenn auch nur kurz als Nickerchen gedacht, kam ich schlecht wieder hoch. Auch mitten am Tag. Aber gut, das konnte ich ja beeinflussen und eh war für mich keine Langzeiteinnahme geplant.

Und genau dann, beim Absetzen, kam das böse Erwachen.
Ich setzte es einfach ab, immerhin ist es ja ein Bedarfsmedikament, das laut meinem Neuro weder psychisch noch physisch abhängig macht. Zwei Wochen fallen auch unter Kurzzeiteinnahme und bedürfen bei solch niederpotenten NL auch keines Ausschleichens.

Und ich hatte die heftigesten Enzugssymptome, die fatalerweise bei mir ganz stark den Alkoholentzugssymptomen ähneln. Zuerst dachte ich, bin einfach nur schlapp und werde krank. (weil auch leichtes Fieber und Schüttelfrost).

Als es nach zwei Tagen eher schlimmer als besser wurde, sich aber keine Erkältung einstellte, fiel mir beim Checken der möglichen Auslöser dann auch endlich das Promethazin ein. Es war die einzige Veränderung und Medikation, die es bei mir in den letzten Wochen gegeben hatte.

Nach vier Tagen schien der Entzug vorbei. So etwa dauerte es auch immer beim Alkohol zuletzt bei mir. Auch nach Kurzzeitsuff (ebenso wie Kurzzeiteinnahme Promethazin) - also einmal Saufen, etwa eine Flasche Wein, führte zu einem beschissen lange und intensiv empfundenem Entzug und das war auch dann der Hauptgrund für mich, Alkohol als Selbstbehandlung meiner Probleme aufzugeben. Der Nutzen war kaum noch vorhanden, der Schaden immer größer.

Nun scheint aufgrund meiner Alkohol und generell Suchtkarriere mein ZNS total überempfindlich geworden zu sein und Psychopharmaka gehen einfach alle irgenwie nach hinten los. bzw wirken überhaupt nicht.

Promethazin blockiert die Dopaminrezeptoren, ich vermute daher kommen auch die Parallelen beim Entzug. Alkohol hat über die Jahre scheinbar bei mir den Dopamin- und Serotoninstoffwechsel (und wer weiß noch was alles) so zerschossen, dass ich nun übersensibel auf jegliche chemischen Eingriffe in diesem Bereich reagiere.

Damit fallen für mich Medikamente aus dem Psychopharmakabereich als (auch kurzzeitige) Krücke und Unterstützung im Prinzip weg. Zumal auch AD schlichtweg abhängig machen können und sanft ausgeschlichen statt einfach nur kalt abgesetzt gehören (was einem auch kein Mediziner sagt).

Wolllte mal fragen, ob es hier noch Menschen mit dieser Erfahrung gibt und ob ihr das auch mal mit euren Docs diskutiert. Auch Allgemeinärzte verschreiben ja sehr gerne und leichtfüßig Neuroleptika (meine HA macht das nicht, sie ist da aber eine Ausnahme, wie ich vom Bekanntenkreis weiß), ihnen scheint die Absetzproblematik und auch das Abhängigkeitspotential absolut nicht bewusst oder auch nicht bekannt zu sein. Für trockene Alkoholiker ist das nochmal ein gesondertes Thema.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich da eine Ausnahme bin und falls doch, wärs auch egal, da ich ja für mich und nicht für andere verantwortlich bin.

Dennoch interessieren mich eure Erfahrungen zu Antidepressiva, Neuroleptika, Antipsychotika und was es sonst noch so in diesem Bereich gibt, das mal auf einen zukommen könnte.
Ich meine, es ist für uns ja ganz selbstverständlich, beim Zahnarzt und so weiter auf unsere Situation aufmerksam zu machen und stets gut aufzupassen. Mir scheint das nach meinen Erfahrungen auch absolut notwendig, dass trockene Alkoholiker (und am besten auch Ärzte!!!) auf die Problematik bei der Einahme solcher Substanzen und mögliche Komplikationen achten und sich darüber im klaren sind, dass sie eben einfach quasi "vorbelastet" sind und evtl auch anders zu behandeln als Patienten ohne Suchthirn (sag ich mal salopp). Obwohl auch die nicht blind ihrem Pillenverschreiber vertrauen sollten und sich immer ausführlich selbst über Nebenwirkungen und Langzeitfolgen informieren sollten.

waldkatze


newlife Offline




Beiträge: 3.488

10.04.2016 18:36
#2 RE: Psychopharmaka (und Alkoholiker) antworten

kenne alle 3 Medikamente.

Promethazin ist unter dem Namen Atosil bekannter und ein niederpotentes Neuroleptikum. Es beruhigt und es ist besser bei ner Panikattacke das mal gelegentlich zu nehmen, als stark abhängig machende Benzos zu futtern. Süchtig macht das Präperat nicht und wenn du es nur gelegentlich mal nimmst, gibt es auch keine Absetzsymptome.

Es ist aber lediglich so, dass es keinen Suchtdruck auslöst. Also kein Verlangen nach mehr, somit erschließt sich mir nicht, warum du das regelmäßig genommen hast. Als Bedarf ist es völlig o.k.

Es gibt durchaus Medikamente, die nicht süchtig machen, aber dennoch ordentliche Absetzsymptome oder auch Entzugssymptome aufweisen. Nicht nur bei Neuroleptika, ist auch bei manchen ADs, wie zum Beispiel Trevilor oft so.

Enjoy the freedom...


sole Offline




Beiträge: 2.256

10.04.2016 20:49
#3 RE: Psychopharmaka (und Alkoholiker) antworten

Hallo Waldkatze,

hier gibt es einen ziemlich neuen Thread zu dem Thema.
Meine Erfahrungen kannst du darin gesammelt nachlesen.
Über das Absetzen von Antidepressiva

Gruß sole

"Der Rasse meines Vaters ist die dubiose Wirkung von Alkohol erspart geblieben." (Mr. Spock)


Tanja Offline



Beiträge: 291

10.04.2016 21:04
#4 RE: Psychopharmaka (und Alkoholiker) antworten

Hallo Waldkatze,

wenn ich Dich richtig verstanden habe, geht es Dir doch hauptsächlich darum, die Blockaden abzubauen. Dabei kann Dir ein Psychologe helfen. Dir helfen herauszufinden, wie man damit umgehen kann ohne auf Medikamente zuzugreifen. Auf diese Weise erhälst Du auch die Chance, die Blockaden irgendwann ganz ablegen zu können. Außerdem wissen die meißt auch um die Wirkung, Nebenwirkungen und die Absetzsymptome der meisten Psychopharmaka. Wobei immer wieder gesagt wird, dass viele davon unterschiedlich bei verschiedenen Personen wirken.

LG, Tanja


Boe Offline



Beiträge: 1.809

11.04.2016 08:33
#5 RE: Psychopharmaka (und Alkoholiker) antworten

...Antidepressiva machen genauso wenig abhängig, wie Alkohol eine Droge ist. Die Wirkung und das Absetzen gestaltet sich bei jedem indivdiuell anders. Ersteres, das Mirtazapin hat bei mir großartig gewirkt, ganz gegensätzlich zu Deinen Erfahrungen Waldkatze - es hat mich mächtig aufgeputscht andere AD´s widerum zeigten keine Wirkung oder wirkten sedierend. Allerdings war die Liste der Nebenwirkungen beim Mirtazapin lang....

Bein ersten Ausschleichen bzw. Versuch vom Mirta wieder wegzukommen hatte ich Probleme. Der Wechsel zu anderen Medikamenten funktionierte nicht, sodass ich trotz Nebenwirkungen am Mirtazapin noch lange Zeit festhielt. Nach dieser Zeit - es ging mir gut - die äußeren Umstände waren gut - hatte ich kein Problem mehr es abzusetzen. Ich könnt also sagen, in einer Zeit wo es mir schlecht ging hatte ich Probleme von dem AD zu lassen, in einer Zeit wo es mir gut ging und der eigen Körper Sedoternin und Dopermin im Griff hatte, fiel es mir leicht auf das AD zu verzichten.
Unter Nebenwirkungen leide ich noch heute. In gewisser Weise fand ich es auch erschreckend, wieviel Einfluss ein bisschen Chemie auf den eigen Geisteszustand, das Empfinden und Handeln hat.

...vor kurzem hat mich die wissenschaftliche Aussage verwundert "Antidepressiva wirken alle gleich und der Unterschied liegt eigentlich nur im Preis" .... immer öfter habe ich das Gefühl, dass die Wissenschaft den Bezug zur Realität verloren hat und man unter all den Erkenntnissen und Meinungen seine eigene Wahrheit immer nur bei sich selbst findet.

...................................
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Eule Offline




Beiträge: 343

11.04.2016 12:39
#6 RE: Psychopharmaka (und Alkoholiker) antworten

Auch ich habe lange AD`s genommen ohne zu wissen was die mit einen machen, ich habe so auf Hilfe gehofft. Ich leide schon seit meiner frühen Kindheit an sogenannten Depressionen und sogar nach meinen ersten Selbstmordversuch (14 Jahre) und ich gehöre zu einer frühen Generation (Jahrgang 54), hat die Ärzteschaft nicht reagiert( in Form von Therapie, vieleicht? Ich und mein Umfeld Mutter, Bruder, Tanten, Onkel`s (einer davon Täter mir gegenüber) Oma, Opa und und und, dazu Vater örtlich weit entfernt und sowieso ignorant( dieser war nur daran interessiert, dass er nicht zuviel Alimente zahlen muss, an eine alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern, sind vieleicht alle Opfer der Umstände und hätten Hilfe gebraucht.

So kammen dann unweigerlich Psychopharmaka und Therapien, doch nichts hat geholfen, auch der Alkohol nicht. Ende 2014 habe ich dann selbst viel zu schnell( wie ich aus dem schon hier genannten Forum erfuhr) mein letztes AD (wirkstoff Sertralin) abgestetzt. Nicht gut und ich bin immer noch im protrahierten Entzug. Da es ja bei der überwiegenden Ärzteschaft nicht bekannt ist das es zu gravierenden Absetzschwierigkeiten kommen kann, ist man auf "gedeih und verderb" den Wissen und Erfahrungen der Bedroffenen in den Foren, und der Ärzteschaft ausgeliefert. Laut der Erfahrung und Meinung in den Foren, sind auch verstärkte und wiederholte Depressionen Absetzschwierigkeiten und es kommt erneut zur Wiedereinnahme von AD´s.

Mir geht es z.Z. nicht gut und ich bin hin und her gerissen, zwischen Durchhalten, oder mich doch den Segnungen der Pharmaindustrie und Ärzten erneut auszuliefern. Ich weiss es ist meine Entscheidung und letztendlich geht es um mein Leben, doch die Zerrissenheit ist schwer auszuhalten.

Wie gesagt, dass sind meine Erfahrungen und somit subjetiv, jeder macht und erfährt das anders, doch mir hat bisher noch nichts wirklich geholfen und ich hoffe immer noch auf das" Licht am ende des Tunnels".



Liebe Grüße
Eule

Viva la Vida
Es lebe das Leben


newlife Offline




Beiträge: 3.488

11.04.2016 13:12
#7 RE: Psychopharmaka (und Alkoholiker) antworten

Viele Menschen nehmen auch Doxepin oder auch Venlafaxin (Trevilor) und beide sind in meinen Augen Gift. Letzteres verursacht tatsächlich Brainzaps beim absetzen.
Doxepin fand ich zu Beginn ganz gut, es hat auch meinen schweren Benzoentzug etwas unterstützt und mich etwas sediert. Konnte ich damals auch gut gebrauchen und irgendwann wirkten von denen auch 150mg nicht mehr. Von einer antidepressiven Wirkung hingegen habe ich da nie was gespürt.
Mirtazapin war auch sowas, von denen viele in den Entgiftungen tatsächlich müde wurden und schon im Gruppenraum schliefen. Bei mir hat das Präperat auch nicht wirklich gewirkt.
Ich nehme zur Zeit eine Low Dose Citalopram. Da ich lange Jahre mit Ängsten zu tun hatte, empfiehlt mir mein Arzt das zu nehmen. Ich fühle mich ja seit geraumer Zeit wirklich sehr wohl, vergesse das Medikament auch oft einzunehmen, aber hier kann ich jetzt nicht über Nebenwirkungen klagen und glaube tatsächlich, dass es vielleicht ein wenig unterstützend wirkt.

Enjoy the freedom...


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