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Saufnix
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Dieses Thema hat 6 Antworten
und wurde 1.214 mal aufgerufen
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Jetzisabergut Offline




Beiträge: 2.533

12.03.2014 23:44
RE: Abstinenz, das neue Leben!? antworten

Abstinenz-Das zweite Leben

Lange Abstinenz...?
Sind 4 oder 5 Jahre lang,oder 2?

Es ist glaube ich, egal .Wirklich Abstinent ist abstinent,ob 1 Tag oder 5 Jahre.

Oft habe ich mich in den fast 40 Jahren, in denen ich trinkender,pausierender oder “scheingeläuterter” Alkoholiker war, gefragt ,warum kann ich nicht leben, wie alle Gesunden?

Warum kann ich nicht trinken und dann wieder aufhören, wie alle Gesunden?
Warum will ich eventuell gar nicht aufhören!?
Warum will ich wohl leben, wie die Gesunden..., aber ich will nicht so alles fühlen müssen,wie die Gesunden!

Fühlen müssen,wie die “Gesunden?”
Alles aushalten,ohne....?
Sorgen,Alltag ,Ärger , alles so aushalten können, ohne...?




Was wäre wohl aus mir geworden, wenn ich mit 13 Jahren nicht süchtig nach der grossen Freiheit des Alkoholrausches geworden wäre?
Freiheit, alles war egal ....-nichts war jemals egal, verschoben,vertagt ja,aber egal?

Träume, Sehnsüchte, Pläne-später,wenn es mir wieder besser geht,dann erfülle ich mir alles,was ich über 3 Jahrzehnte glaubte,auf die Zeit danach verschieben zu können.

Danach.
Mit 54 Jahren konnte ich endlich damit aufhören, nach etwas zu suchen,was ich selbst nicht benennen konnte. Aber es war auf einmal fort.

Die Angst vor der Einsamkeit eines ungeliebten Kindes.
Die Angst vor dem Alleinsein.
Die Angst, ,vor der Einsamkeit des nächtlichen Trinkers.
Die Angst ,jeglichen Realitäten nüchtern ins Auge sehen zu müssen.
Die Angst,aufzuwachen und zu erkennen, was alles kaputtgegangen ist...
Die Angst ,zu sterben und niemanden interessiert es noch...
Die Angst vor dem Leben...
Die Angst, ein ganzes Leben umsonst gelebt zu haben.

Davon ausgehend, dass meine Sucht -die meine, immer depressive ,oft suizidale Gemütsverfassung noch verstärkte- letztendlich das Ziel hatte, irgendwie und irgendwann nicht mehr aufwachen zu müssen ,um
DAS alles nicht mehr aushalten zu müssen.

Ich denke,Eingweihte wissen, wie viel Energie es kostet, so lange als möglich die Fassade des unbekümmerten ausgeglichenen Menschen aufrechtzuerhalten.
Nebenbei waren und sind Menschen mit Depressionen und Abhängigkeiten nicht gerade die Menschen,mit denen sich fröhliche Menschen umgeben.Um also überall mitzuspielen, braucht es eben diese oft zitierte Fassade,um nicht erkannt zu werden, als der bedauernswerte Jammerlappen, der ich hinter meiner Fassade war.

Heute -im 5. Jahr meines trockenen Lebens- weiss ich so ungefähr,warum und wieso ich mich nicht eher befreien konnte.

Mit dem Tod meiner Mutter,vor 4 Jahren , die mir nie wirklich etwas getan hat, sie hat mich nur nie geliebt , war meine Suche ,wonach auch immer ,wohl beendet ...
Nun ist sie tot und ich seitdem trocken.
Logik oder Zufall?
So ganz genau weiss ich es nicht.


Der kleine Junge,der grosse Junge und auch der Mann in mir,brauchten nicht mehr zu suchen nach der Hand,die mich mitnahm nach Hause, in ein Zuhause,die mir zumindest das mindeste Rüstzeug mitgeben hätte können...
Ich denke,wenn diese Hand -die Schutz und Geborgenheit,Zutrauen und Vertrauen, Kraft und Energie geben soll- nie da war-fehlt es immer an irgendetwas...

Viele Menschen,selbst die Nächsten, waren irgendwann davon genervt,weil...ich es doch nun endlich einmal überwunden haben müsste.
Aber,wie sollte ich etwas überwinden,was ich nicht kannte,also auch nicht dessen Verlust beklagen kann,was aber immer im Unterbewusstsein wieder auftauchte.?

Hätte ich ja auch gerne -alles vergessen und überwunden.
Nur ich wusste nicht ,wie.
Irgendwie tauchte immer wieder im Kopf auf, da war doch noch etwas...und immer wieder Zweifel,ob ´ich ihr nicht unrecht getan habe...

Obwohl ich alles tat, um wirklich irgendwann nicht mehr aufwachen zu können oder müssen, der Moment,wenn es tatsächlich lebensbedrohlich wurde, wenn Todesängste dazu kamen,wollte ich doch leben!
Nicht jetzt und nicht hier,bitte nicht, dachte ich oft.

Heute bin ich weitab von solchen Gedanken, habe mich damit abgefunden, dass mir ein “paar” Jahre meines Lebens fehlen,nicht nachvollziehbar sind und! ,das Bewusstsein darüber, dass ca.40 Jahre meines Lebens weggespült wurden.
(Gabs ja schon mal so was,sogar ein ganzes Volk irrte 40 Jahre lang sinnlos herum-neulich in Galiäa:grins2

Was hätte aus mir doch alles werden können!?

Nee,ich bin,was ich bin und das ist auch gut so.
Alle anderen Gedanken darüber sind nutzlos,da Vieles eben nicht mehr zu ändern ist.

Manches geht nicht mehr so wie vorher.

Hä?? Ich meine z.B.,den Geschirrspüler beim Umzug durchs Treppenhaus tragen!
Oder Ilo den ganzen Tag auf Händen tragen.
Wegen der Bandscheibe.Habe Rücken.

Aber sonst ist noch alles ziemlich heil geblieben...

Ich lebe nun seit 2 Jahren glücklich mit Ilo zusammen.
Jetzt in einer schönen gemeinsamen Wohnung
Und bald ....,und dann.....

Und ...trocken geht eben alles!

LG Peter

_______________________________________________
Ich bin,wie ich bin,die Einen kennen mich,die Anderen können mich....
C.Adenauer


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AVE Offline




Beiträge: 3.081

09.11.2014 19:05
#2 RE: Abstinenz, das neue Leben!? antworten

Lieber Peter,

dein Beitrag berührt mich sehr, denn ich war lange genug hier, um immer wieder schmerzliche Einzelheiten aus deiner Vergangenheit zu lesen, die mich sprachlos gemacht haben. Umso mehr freue ich mich über deine Lebensbilanz. Du hast es so sehr verdient, endlich die Kurve zu kriegen und auf "deine alten Tage" noch einmal so richtig durchzustarten. Stabile Abstinenz und eine verlässliche Partnerschaft sind (manchmal noch vor materieller Sicherheit) die Parameter, die uns Menschlein nicht verzweifeln, sondern immer wieder weitermachen lässt.
Beides gönne ich dir von Herzen!

Lieben Gruß
Ave
... seit 07.07.08 ebenfalls abstinent

PS: Liebe Grüße freilich auch an Ilo!


Jetzisabergut Offline




Beiträge: 2.533

09.11.2014 19:45
#3 RE: Abstinenz, das neue Leben!? antworten

Danke Dir, Ave

_______________________________________________
Ich bin,wie ich bin,die Einen kennen mich,die Anderen können mich....
C.Adenauer


newlife Offline




Beiträge: 3.490

09.11.2014 20:36
#4 RE: Abstinenz, das neue Leben!? antworten

danke auch von meiner Seite, sonst hätte ich wohl diesen tollen Beitrag von Peter nicht gelesen. Ich war zu der Zeit mal wieder inner Entgiftung und schreibe ja erst wieder seit Juli.
Ich bin froh und dankbar angekommen zu sein. Ich bin zufrieden mit dem was ich habe und das ist eine ganze Menge. Sicherlich gehören ein paar materielle Dinge dazu, so dass ich mir mein Leben angenehm gestalten kann. Viel wichtiger ist aber das Gefühl der Gelassenheit und die Schönheit das Leben nüchtern auch genießen zu können, fühlt sich alles ganz toll an.
Es ist vollkommen richtig Peter, dass es keine Rolle spielt, wie lange man clean und trocken ist. Ich darf mich nämlich auch nach nur kurzer Zeit wohlfühlen. Das ist nicht verboten.

Enjoy the freedom...


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Hüftl Offline




Beiträge: 3.519

09.11.2014 21:04
#5 RE: Abstinenz, das neue Leben!? antworten

Hallo Peter
ich wünsche dir auch das dein Rücken wieder besser wird

Nein im ernst jetzt, ich wünsche dir und Ilo alles Gute , und das ihr den Rest eures Lebens zu zweit genießen könnt, oder zu dritt
Jeder von euch hat einiges durchgemacht , und ihr habt nie resigniert " Hut ab " kämpft weiter es lohnt sich immer. 道こそが目的だ。

Gruß Frank

LG Frank

Die Kraft des Geistes ist grenzenlos,
die Kraft der Muskeln ist begrenzt.


Koichi Tohai


Ilo132 Offline




Beiträge: 1.442

09.11.2014 21:46
#6 RE: Abstinenz, das neue Leben!? antworten

Danke Frank,
wir genießen es zur Zeit zu viert.
Puschel und Mausi gehören mit zum Team.

LG Ilo

Der Tag strahlt
in den schönsten Farben,
es duftet nach Leben,
und die Luft
schmeckt nach Glück.

Lieblingsspruch von der kleinen Ilo


Gmoastier Offline




Beiträge: 2.175

10.11.2014 15:50
#7 RE: Abstinenz, das neue Leben!? antworten

Zitat von Ilo132 im Beitrag #6
Danke Frank,
wir genießen es zur Zeit zu viert.
Puschel und Mausi gehören mit zum Team.

LG Ilo


sozusagen:"Peter und sein Harem"!

Gruß

Alle glaubten es geht nicht,bis einer kam und es einfach tat!


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