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Saufnix
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Dieses Thema hat 8 Antworten
und wurde 557 mal aufgerufen
 Medien und Alkohol
Agua Offline



Beiträge: 543

07.09.2012 09:46
RE: Präfvention, rechnet sich das? antworten

So stellt sich das in der Presse dar.

Bitte schaut Euch das mal an:

http://www.rp-online.de/gesundheit/famil...frage-1.2979018

Ich bin ob dieser dilletantischen, oberflächlichen Berichterstattung sauer.

Habe das gleich mal gestern zu Thema in unserer Runde gamacht.

Was meint Ihr,

haben wir als Alkoholiker überhaupt eine Lobby, die stark genug ist?

Cheers, Agua


Mary61 Offline




Beiträge: 6.128

07.09.2012 10:31
#2 RE: Präfvention, rechnet sich das? antworten

hu hu agua

also ich finde diesen bericht garnicht mal sooo falsch

der alkohol, seine folgen und der konsum bei jugendlichen wird nicht verharmlost oder unrichtig dargestellt.
der autor zweifelt lediglich die präventionsmaßnahmen an
und das das geld was diese maßnahmen kosten, rausgeschmissen sei.

da bin ich der selben meinung.
zb diese werbespots sind zwar ein hinkucker,
halten die jugendlichen aber nicht wirklich vom komasaufen ab,
werden aber teuer produziert.

in meiner shg gehen einige mitglieder regelmäßig in die schulklassen wenn die sucht-projekt-woche haben, erzählen vor der klasse ihren werdegang
und gehen dann mit den kindern und jugendlichen in die diskusion.
das kostet garnichts und bringt viel mehr!

ich glaube wenn die kosten für diese fernsespots zb, in solche projekte investiert würden
wäre der erfolg größer.

dazu kommt noch eine wichtige sache.
kinder und jugendliche lernen durch nachahmung das richtige verhalten, auch im umgang mit alk.

solange alkohol in den familien normalität ist und dazu gehört,
weden die jugendlichen die gefahr nicht erkennen.

kürzlich hab ich beobachtet das selbst in einer grundschule beim schulfest bier ausgeschenkt wird, oder bei sant martin glühwein.
wie sollen die kinder da einen verandwortungsvollen umgang mit alk lernen
wenn ihnen von klein auf vermittelt wird das er immer zum erwachsenen leben normal ist und dazu gehört???

auch da wäre ein lohnender ansatz!

ich finde die zur zeit laufenden projekte mit werbespots und postern auch und dergleichen
zwar nett gemacht, teuer eingekauft
und wirkungslos.

nichts anderes sagt dieser artikel auch aus.

--------------------------------------------------------------------------------------------------- "Begehe nicht den Fehler, nicht zwischen Persönlichkeit und Verhalten zu unterscheiden.
Meine Persönlichkeit ist wer oder was ich bin.....
..... Mein Verhalten hängt davon ab wer du bist."


zai-feh ( gelöscht )
Beiträge:

07.09.2012 10:41
#3 RE: Präfvention, rechnet sich das? antworten

Also ich persönlich teile den Tenor dieses Artikels.
Der ganze "Aufklärungsmist" hat schon beim Rauchen nicht wirklich was bewirkt.
Alk sollte im Prinzip so teuer werden, dass die Kosten des Alkohols auch die Folgen decken. Sobald Alk entsprechend teuer wird, wird er auch nicht mehr sooo intensiv von Jugendlichen konsumiert werden.
Der gewisse Teil der Süchties und "Experimentierer" wird immer bleiben. Aber Kohle ist immer ein "gutes Argument".
Und ich denke, wenn das Geld in vernünftige Freizeitmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche umgewandelt würde, auch dann würde das Problem geringer werden. Saufen, Prügeln, Randale ist ja ein beliebtes Mittel gegen die Langeweile bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen.


Ingmarie Offline




Beiträge: 3.829

07.09.2012 12:44
#4 RE: Präfvention, rechnet sich das? antworten

Ich sehe das auch wie Mary und Suse.
Ich finde außerdem, "unsere" Lobby ist durchaus stark, zumindest stark genug. Sie setzt nur oft an der falschen Stelle mit ihrem Engagement an.

Alkoholismus ist imho eine Angelegenheit, deren Ursprung wie auch Bewältigung zu einem immens großen Teil im Inneren des Betroffenen stattfindet, und die Einflussmöglichkeiten darauf sind verhältnismässig gering. Im Fall von den im Artikel angesprochenen Präventionsmaßnahmen außerdem deutlich zu spät. Da hören viele ja schon gelangweilt weg, reißen maulheldig-hilflos-abfällige Witzchen oder legen stur die Scheuklappen an, weil sie sonst selber ihre bereits angewandten"Lebensbewältigungsstrategien" - die eben schon suchtbegünstigende Strukturen stragen -gefährdet sehen. Zumal es "bei mir ja immer was GANZ Anderes" ist....

Der (durchaus existierende) Teil derer, die dadurch tatsächlich zu einer Verhaltensänderung kommt, der hat meiner Ansicht nach schon deutlich VORHER das gelernt, das er dafür braucht, solche Informationen zu reflektieren und für sich sinnvoll umzusetzen.

Ich träum jetzt mal ein bissel:

Wenn überhaupt, fände ich es generell wünschenwert, allen Menschen von Anbeginn ihres Lebens an eine Art selbstverständliches "Lebenskompetenztraining" angedeihen zu lassen.

Das fängt zuallererst eben im Kleinen - vor allem eben auch in der Ursprungsfamilie - an. Da sehe ich die Hauptchancen einer erfogreichen Prävention und noch den größten Nährboden für vernünftige Prophylaxe - denn das Lebensgefühl von Kindern wie auch jungen Menschen ist im wahrsten Sinne des Wortes oft "hausgemacht".

Die Realität ist aber natürlich: Das Glück, da von Anfang an positiv "entwickelt" zu werden, hat leider nicht jeder.

Darum wäre ich - ich träumspinne mal weiter -dafür, dass solch ein "Lebenskompetenztraining" in deutlich größerem Umfang als es bisher der Fall ist auch ein selbstverständlicher Teil der Inhalte sein, die kleinen Kindern und Schulkindern ebenso wie später jungen Erwachsenen vermittelt werden soll.

So als ne Art kontinuierliche "achtsame Therapie light" (nicht falsch verstehen, ich will nicht alle Kinder von klein auf in Therapie schicken, aber ich fände es schön, wenn man ihnen einfach die "Freude am Leben und an sich selbst" und "wie komm ich angemessen klar mit allem was mir so geschieht" beizubringen. Das geht prophylaktisch noch viel besser als im nachhinein zu reparieren

Drücke mich vielleicht ein wenig umständlcih aus, aber mein Wunsch wäre es, mehr im Alltag für den Erwerb von Selbstachtung, Selbstbestimmtheit, Eigenverantwortung, geistige Tiefe, Selbst- und Fremdwahrnehmung und deren Mechanismen, Reflexionsfähigkeit, Erfolgserlebnissen, Freude an sich selbst und all dem andren zu sorgen, woran es späteren Suchties oft ja von Haus aus mangelt (zumindst waren das bei mir und vielen, die ich in den Gruppen treffe die Faktoren, die die Entwicklung der Sucht begünstigten).

"Selbsterfahrung" und "Persönlichkeitseintwicklung" als altersgerechte Inhalte bereits in den Kindergärten und Schulen zu vermitteln - das wär meiner Meinung nach mal ne gute Alternative zum herkömmlichen Ethik- oder Religionsunterricht o.ä.? Das kann mit so scheinbar einfachen Sachen wie "wie gehts mir heute", "wie fühlt sich mein Körper an" "was macht mich glücklich"und dem Lernen, das zu benennen, anfangen. Und es hört bei ethisch-philosophischen Themen noch lang nicht auf.

Denn eine reife, mündige, starke Persönlichkeit zu entwickeln, die nicht an sich selbst und ihrem Verhalten leiden muss, das ist glaub ich immer noch ist die beste Prävention.

Es ist nur leider ein zu hehres Ziel, das verwirklicht und gelebt wissen zu wollen.

Doch ich finde, es wird auch zu wenig bzw. das Falsche versucht, dieses Ziel zu erreichen.

IngMarie.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Einfach tun.
Der beste Zeitpunkt dafür: immer genau jetzt.


Spieler Offline




Beiträge: 7.879

07.09.2012 13:14
#5 RE: Präfvention, rechnet sich das? antworten

Solche Artikel können mithelfen zu bewirken, dass sich in den Krankenkassen und bei den Rentenanstalten das Bewußtsein dahingehend verändert, dass Suchtarbeit nicht ausschließlich von Diplomsozialarbeitern mit der Zusatzausbildung " Mistelschneiden bei Vollmond und taufeuchtem Gras" geleistet werden kann.
Denn das erleben wir in der täglichen Suchtarbeit bei CLIC immer wieder. Da gibt es ausschließlich im ehrenamtlichen Bereich die Möglichkeit, Wissen und Talent einzubringen.Bei der Weiterbildung ist nämlich beim ehrenamtlichen Suchtkrankenhelfer Schluß. Alle weiteren Maßnahmen setzen, um sich auch beruflich engagieren zu können und womöglich auch seinen Lebensunterhalt davon bestreiten zu können, ein abgeschlossenes Hochschulstudium voraus. Wenn du heute keinen Dipl. Soz. irgendwo rumschwirren hast, dann ist ganz schnell Schluß.


F10 2 Online




Beiträge: 4.239

07.09.2012 16:35
#6 RE: Präfvention, rechnet sich das? antworten

Es ändert sich aber....das mit den Rentenversicherungsträgern und den Kassen...

____________________________________________

Auf meiner letzten Suchtveranstaltung an der ich teilnahm - es ging um Konsum von jugendlichen und jungen Erwachsenen - kam genau dass heraus..(ich kann den Link nicht anklicken, mit steht nur begrenzt Rechnerkapazität zur verfügung:grins2

Prävention mit Maßnahmen und Aktionen (BzgA/KENN dein Limit) oder ähnlicher Schmarrn, Poster, Suchtwochen sind lt. Studien teuer und unnütz. Sie erreichen nur die Protagonisten untereinander:
"WIR machen jetzzt das unn das für DIE Zielgruppe"

"OOOHHHH geil, wir machen dies und das für andere"

"Was sind wir doch wichtig und aktiv in der Suchtarbeit!!!

Die nächsten Finanzmitel für unsere Gehälter, 4 Farbposter, websites, Flyer Videos und TV - Spots sind schon bereit gestellt und werden Millonen vor Abhängigkeit bewahren"

_____________________________________________________________________________________
Wer nach vorne kommen will, muss Regeln brechen. Wer innovativ sein will, muss Konventionen missachten. Wer Kreatives schaffen will, muss Bestehendes vergessen.


Pasternak Offline



Beiträge: 136

07.09.2012 20:03
#7 RE: Präfvention, rechnet sich das? antworten

"Ich weiß, die Hälfte meiner Werbung ist hinausgeworfenes Geld. Ich weiß nur nicht, welche Hälfte (Henry Ford)."

So ähnlich dürfte das auch mit Präventionsmaßnahmen jeglicher Art sein. Ich glaube, man kann bei solchen Dingen eine direkte Effektivität nicht wirklich messen. Ich sehe es eher in Richtung "steter Tropfen höhlt den Stein" und finde es ok. Die paar Mios im Vergleich zu den Einahmen aus Alkoholsteuer sind zu verschmerzen. Ich kenne mich aber nicht mit der Finanzierung freie Träger aus und nehme an, da wird geknausert und daher kommt der Unmut im letzten Beitrag.

Letztlich beißt sich die Katze selbst in den Schwanz und es ist alles ziemlich verlogen. Denn statt oder in Ergänzung zu Präventionsmaßnahmen könnte man einfach mal JEGLICHE Alkoholwerbung verbieten. Das würde nun wirklich niemandem außer den Produzenten (und den Medien natürlich) weh tun. Die Preise für Alk wären auch noch ein Hebel, wobei damit auch viele Leute noch mehr in die Armut getrieben werden. Außerdem erzeugt dies womöglich Unruhe...

Und trotz alledem wird man nicht verhindern, daß sich Jugendliche an Alk oder anderen Suchtmitteln ausprobieren. Das war z.B. auch in der DDR ein Problem, und da gab es wirklich reichlich Freizeitangebote für Jugendliche, großteils sogar kostenlos. Und Werbung für Alk soweit ich mich erinnere spätestens ab den 70ern auch nicht mehr (Werbung sowieso kaum).

Ich finde den hehren Ansatz von Ingmarie wirklich traumhaft in jeglicher Hinsicht. So ein Fach "1x1 der Lebenskunde" fehlt nach meinem Gusto tatsächlich. Aber ich denke, da ist in aller erster Linie die Familie selbst gefordert, den Kindern Lebenstüchtigkeit und Erfahrung im umfassenden Sinne weiterzugeben und vor allem VORZULEBEN. Ich weiß nicht, ob man das delegieren kann und soll. Ich will ja meinen eigenen Kindern auch ein bischen meine und die Familienwertvorstellungen vermitteln und nicht durchweg eine "Norm".

Ich denke, der Kern erfolgreicher Suchtprävention bei Jugendlichen liegt in der Förderung gesunder und intakter Familienverhältnisse.

Wer verzichtet, gewinnt.


karlbernd Offline




Beiträge: 4.397

08.09.2012 05:20
#8 RE: Präfvention, rechnet sich das? antworten

alkoholismus hat keine lobby. es ist eine krankheit die weitestgehend im verborgenen stattfindet.
wer sie nicht kennt, kann sie kaum nachvollziehn.
wer sie kennt ist meist damit beschäftigt, sein leben wieder in den griff zu bekommen. der staat schweigt. die einnahmen sprudeln ja. (7,5 milliarden pro jahr). da kann man sich den ausschuss an alkoholkranken leisten!

alkoholpreise erhöhen müsste abschrecken.
aber - jeder kann das zeug zur Not selbst herstellen.
schwarzmarkt ?

die konsumenten sollen ja trinken. möglichst früh. ganze wirtschaftszweige wie genussmittelindustrie oder gastronomie leben davon. lästig nur, dass der eine oder andere mit alkohol nicht umgehen kann. selber schuld!

wie das land so die leber..


Agua Offline



Beiträge: 543

10.09.2012 14:37
#9 RE: Präfvention, rechnet sich das? antworten

Solange wir selbst in Gruppen aktiv sind, meinen wir vielleicht, wir werden auch von aussen wahrgenommen.

Dem ist meines Erachtens nicht so, da die Lobby z.B. AA, Kreizbund, Guttempler zu weit verzweigt sind und zumindest in unserem KB die Alterstruktur eher abschreckt. Bis vor kurzem war ich mit 55 der jüngste unserer Gruppe, nun, da meine Partnerin mitgeht ist Sie diejenige.

Prävention, ob Sie nun ein oder zwei Prozent der potentiellen zukünftigen Süchtigen bewahrt halte ich für erfolgreich genug, die Anstrengungen so auszuarbeiten, das Mittel nicht in Verwaltungsarbeit verpuffen.

Da unsere EU so aktiv bei Regularien ist, erhoffe ich mir hier den nötigen Anschub.

Denn die Hoffnung stirbt zuletzt.

Cheers,

BO


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