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Saufnix
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Dieses Thema hat 15 Antworten
und wurde 2.038 mal aufgerufen
 Ganz, ganz viele Fragen
Seiten 1 | 2
Ratloser81 Offline



Beiträge: 46

17.07.2011 15:11
RE: Verständnisfragen körperliche Abhängigkeit/ Entzug antworten

Hallo zusammen,

ich habe einige Fragen zur körperlichen Abhängigkeit und zum
Entzug.. Ich habe diese Fragen bereits im Beratungsgespräch
gestellt und dachte auch das diese geklärt wären, aber nach
nun knapp 6 Monaten kommt alles wieder hoch und vieles ist
verschwommen.

Zu mir, immernoch 29, seit Februar kein Absturz mehr, zwar
2 mal was getrunken aber kein maßloses Überziehen und gut
gefühlt habe ich mich auch nicht. Das waren eigentlich Selbst-
versuche um zu sehen wie es meinem Körper geht. Aber wirklich
einschätzen kann ich die Erlebnisse nicht, da ich mir vieles
Einbilden kann.. leider.

Was ist nun mit unserem Körper?!
Mir wurde gesagt das sich unser Körper langsam an den Alk
gewöhnt und das dies schleichend passiert. Nach langem,
regelmässigem Konsum entwickelt sich erst eine Toleranz,
dann eine Abhängigkeit. Wielange sowas geht konnte mir
keiner sagen. Ist auch klar, jeder Mensch ist anders.
Steigern sich Entzugserscheinungen? Die sind doch nicht
plötzlich von heute auf morgen mit voller Intensität da?

Was heisst regelmässiger Konsum. Regelmässig heisst
täglich, richtig? Also täglich über mehrere Monate / Jahre?
Was passiert beim Absetzen? Der Körper verlangt sein Stoff,
der Entzug setzt ein, wenn sich die Blut/Alk-Konzentration
gegen Null nähert? Hab ich das so richtig verstanden?

Ich selbst hatte nie krasse Entzüge, das eine mal, weshalb
ich nun nichts mehr Trinke war aber ausschlaggebend. Ich
hatte 3 Tage durchgesoffen und am vierten Tag ging es mir
hundselend. Ich war allein daheim und ziemlich aufgedreht,
mein Fehler war dann, dass ich im Internet gegoogelt habe
und nachdem ich gelesen habe welche Symptome es geben kann,
fing ich an Panik zu bekommen. Von jetzt auf gleich wurde
mir heiss und kalt und meine Arme zuckten.. Ob das Entzug
oder Einbildung war weiss nur Gott. Da ich zu Panikattacken
neige und diese sehr ähnlich sind, kenn ich den Unterschied
nicht. Dieses Erlebniss hat mir allerdings solche Angst
gemacht das ich von dort an den Alk gehasst habe. Egal in
welcher Situation, egal wo ich Alk sah, egal in welcher Form
es hat mich null gereizt im Gegenteil, es hat mich abgeschreckt.
Ist das normal? Als "Süchtiger" hätte ich doch tierisch
Suchtdruck bekommen müssen? Mir wünschen müssen das ich
was zu trinken bekomme oder nicht? Zuhause steht die Bude
voll mit Wein und Zeugs, ich habe aber nicht im geringsten
daran gedacht den anzurühren.

So vergingen die Wochen, die Beratungsstelle meinte nur das
mein Problem psychisch ist und ich zuviel Angst vor dem
Leben habe. Damit konnte ich mich nicht abfinden..
Allerdings hat meine Lebensqualität seit dem extrem gelitten.
Nach einigen Wochen des Grübelns und der Unwissenheit kam
dann die Frage, wie reagiert mein Körper? Und auf einer
Feier habe ich dann etwas getrunken, paar Schnaps und Wein.
Ich habe den Alk deutlich gemerkt aber konnte ohne Probleme
aufhören. Kontrollverluste hatte ich ohnehin immer nur wenn
ich getrunken hatte, also an dem Tag. Am Tag danach hatte
ich selten das Bedürfniss weiter zu trinken. Ab und zu, wenn
das Kopfweh zu stark war, aber das war die Ausnahme.
Nach dem erneuten Trinken hatte ich extrem Angst vor dem
nächsten Tag, ich wusste nicht was mich erwartet.
Es passierte nichts... Doch seit dem kontrolliere ich wie
ein gestörter meine Hände. Ich zpreitze sie aus und schaue
ob sie zittern. Das geht schon soweit, das meine Verlobte
hier echt die Kriese bekommt. Ich esse z.B. ein Stück
Kuchen, erfahre danach das da ein Schuss Rum drin war und
sofort rede ich mir ein, irgendwas ist passiert... Die
Hände sind immer ruhig, doch umso mehr ich sie anschaue
umso mehr beginnen sie zu zittern.. Das ist doch KRANK!

Beim zweiten Besuch in der Beratungsstelle meinte man nur,
ich übertreibe. Ich soll mir nichts einreden, es gibt
Menschen die es viel schlimmer getroffen hat und die sich
nicht solche Sorgen machen. Mein Kopf fährt Karussell mit
mir. Heute so, morgen so.. letztens habe ich Mundwasser
benutzt und in dem Moment wo ich gurgelte wurde mir bewusst
das da Alk drin ist. Der ganze Tag war im Arsch, ich saß
da und wartete auf Entzugserscheinungen. Ausser meine wirren
Gedanken ist nichts passiert.

Mein ganzes Leben besteht nur noch aus Angst und Zweifel,
ich kenne mich so nicht. Es ist als ob ich einen Schleier
vor den Augen habe. Die ersten paar Wochen sagte ich mir,
dass ist normal aber nach 6 Monaten zweifle ich an mir
selbst. Mich stört es nicht wenn jemand in meiner Gegenwart
Alk trinkt, mich stört es nicht nüchtern zu sein. Ich bin
viel aktiver, ausgeglichener und eigentlich top fit, wenn
da diese Gedanken nicht wären.
Vergangene Woche war ich bei meinen Eltern, mein Dad trinkt
gerne mal einen. Dort gibt es eine gut gefüllte Bar. Unter
anderem Jägermeister, der mich plötzlich angelacht hat.
Ich konnte mich nicht mehr erinnern wie er schmeckt und
wollte es wissen. Die ersten Minuten habe ich versucht es
zu verdrängen, doch dann sagte ich mir: Probiere es!
So schenkte mir mein Dad ein gutes Glas ein, ich trank es
genüßlich und gut war. Ich hatte kein Verlangen nach mehr,
ich wollte den Geschmack und damit basta. Kurz danach
kam gleich wieder die Angst, was passiert in meinem Körper,
werde ich gleich zusammenbrechen? Nichts ist passiert, doch
die Gedanken und Paranoia waren schrecklich und der Abend
war im Arsch.

Wenn ihr bis hier durchgehalten habt und alles gelesen habt,
dann habt meinen Dank. Es ist sehr schwer für mich, dass
alles aufzuschreiben aber mein Kopf macht mich verrückt.

LG ein sehr verwirrter Ratloser, der bei diesem trostlosen
Wetter gedanklich im Kreis läuft.


Ratloser81 Offline



Beiträge: 46

17.07.2011 15:44
#2 RE: Verständnisfragen körperliche Abhängigkeit/ Entzug antworten

Muss noch schnell eine Frage nachschieben.

Wenn man nun nach 6 Monaten Abstinenz z.B. ein Schnaps trinkt,
dann ist die Blut/Alk Konzentration nach einer Stunde wieder
auf 0,0. Würden dann die Entzugerscheinungen beginnen?
Oder ist das Unwahrscheinlich? Laut Beratungsstelle stellt
sich die körperliche Abhängigleit nicht sofort wieder ein,
wenn man wirklich körperlich Abhängig war, ist man nicht nach
einem Suff wieder entzügig, aber es kann wohl Ausnahmen geben.
Schlimmer sei die psychische Schiene, dass man nach einmaligem
Konsum nicht mehr aufhören kann und dann kommt auch der Körper
wieder schnell auf den Geschmack.
Wie ist eure Erfahrung dazu?

Die Beratungsstelle hat mir z.B. empfohlen nicht mehr als
eine Flasche Wein zu trinken,.. echt krasse Aussage, nachdem
ich denen klar gemacht habe, das ich gar nichts trinken will.

Wenn man sich auf 3 Promille abschießt kann ich mir schon
eher vorstellen das man nach 12-15h ein komisches Gefühl bekommt.

[ Editiert von Ratloser81 am 17.07.11 15:46 ]


Callysta Offline




Beiträge: 8.240

17.07.2011 15:45
#3 RE: Verständnisfragen körperliche Abhängigkeit/ Entzug antworten

Kauf Dir mal "ALK" von Simon Borowiak - da wird der Zusammenhand perfekt beschrieben. Ich weiß, das war jetzt faul, aber das Buch ist IMMER angebracht

Wenn die Musik beginnt, dann dreht sich der Tanzbär...


Ratloser81 Offline



Beiträge: 46

17.07.2011 15:47
#4 RE: Verständnisfragen körperliche Abhängigkeit/ Entzug antworten

Und zusammenfassend steht das was drin?

Buch ist mal vorgemerkt.


Callysta Offline




Beiträge: 8.240

17.07.2011 15:50
#5 RE: Verständnisfragen körperliche Abhängigkeit/ Entzug antworten

Das Buch ist absolut empfehlenswert (leis mal bei amazon die Rezensionen).

Der Autor beherrscht auf geniale Weise zu erklären, was der Alkohol im Gehirn und Nervensystem anrichtet - bei Normaltrinkern bis zu den Abhängigen, wo ein riesiger Unterschied besteht. Auch der Weg dahin und warum Alkoholiker bspw. sofort wieder bei Ihrem alten Pegel sind.

Also sowohl die psychischen wie biochemischen Prozesse werden verständlich und sogar mit schrägem Humor amüsant beschrieben.

Geniales Buch und lohnende 7,95 €

Wenn die Musik beginnt, dann dreht sich der Tanzbär...


Ratloser81 Offline



Beiträge: 46

17.07.2011 16:02
#6 RE: Verständnisfragen körperliche Abhängigkeit/ Entzug antworten

Danke, Buch gerade bestellt.

Paar Antworten zu meinen Fragen von Betroffenen und erfahrenen Mitstreitern wären super.

Vielleicht bin ich noch zu unerfahren, unreif, oder sonst was
um die Problematik zu kapieren. Aber diese Angst ist scheisse.


ruebenkoenigin Offline




Beiträge: 663

17.07.2011 16:10
#7 RE: Verständnisfragen körperliche Abhängigkeit/ Entzug antworten

Hallo Ratloser,

was du schilderst, das sind Zwangsgedanken oder -ideen. deine alkoholproblematik ist der "gegenstand", an dem sich diese zwangsideen festmachen. im prinzip könnte das auch irgend ein x-beliebiges anderes thema sein, z.b. die angst, zu verarmen, panik vor bakterien oder die sorge, dass dir der himmel auf den kopf fällt.

ich an deiner stelle würde das ernst nehmen und einen mit dieser materie vertrauten psychotherapeuten oder psychiater aufsuchen.

so wie du schreibst, leidest zu sehr unter dieser situation. und ich denke, dass vertieftes wissen um die biochemie des alkohols nix schadet, dein problem aber nicht beseitigen wird.

lg
renate

Triffst du einen Buddha, so töte einen Buddha


Ratloser81 Offline



Beiträge: 46

17.07.2011 16:29
#8 RE: Verständnisfragen körperliche Abhängigkeit/ Entzug antworten

Hallo Renate,

leider habe ich in der Vergangenheit schon öfters Zwangsgedanken und Zwangshandlungen gehabt. Als Kind
mit 13 einen Waschzwang, mit 25 dann Hypochonder, mit dem
Zwang meinen Körper nach Knoten abzusuchen (Angst vor Krebs)
und seit nun 6 Monaten die Angst vor der Alkoholkrankheit.

Ich weiss da nicht mehr raus. Früher habe ich mich betrunken
wenn die Gedanken zu schlimm waren. Heute weiss ich das dass
keine Lösung war. Aber habe ich mir damit nun mein ganzes
restliches Leben verbaut?

Es gibt Momente, da sage ich mir: Scheiss drauf! Alles oder nichts. Man lebt nur einmal!
Kurz drauf holt mich mein Gewissen ein und der Sumpf beginnt
von vorne.


ruebenkoenigin Offline




Beiträge: 663

17.07.2011 16:45
#9 RE: Verständnisfragen körperliche Abhängigkeit/ Entzug antworten

Hallo Ratloser,

so wie du schreibst, hat dein leiden an deiner seele schon mit 13 begonnen und es liest sich so, als ob dieses gedankenkeisen schon lange krankheitswert hat. psychotherapeutische und psychiatrische hilfe, möglicherweise erstmal auch mit medikamentöser unterstützung, können dir mit hoher wahrscheinlichkeit weiterhelfen. dass alkohol als medikament hierfür untauglich ist, hast du bereits erfahren. und du hast ja alkohl als medizin eingesetzt, um die quälenden gedanken los zu werden.

ich glaube übrigens nicht, dass du dir dein restliches leben verbaut hast. allerings denke ich, dass du wirklich psychiatrische hilfe brauchst, damit du dein leben wieder als für dich lebenswert empfinden kannst.

lg
renate

[ Editiert von ruebenkoenigin am 17.07.11 16:46 ]

Triffst du einen Buddha, so töte einen Buddha


Ratloser81 Offline



Beiträge: 46

17.07.2011 17:07
#10 RE: Verständnisfragen körperliche Abhängigkeit/ Entzug antworten

Hallo Renate,

vermutlich hast du recht.
Meine Mutter ist mit 13 mit mir zum Arzt, danach
wurde der Waschzwang besser und war bald ganz verschwunden.
Alk war damals noch kein Thema, das kam wie bei Vielen erst
so mit 16-17. Wurde auch selten übertrieben, quasi nur am Wochenende. Von 19-25 gabs auch wenig Alk, ich gehörte eher
zu den gemütlichen kiffern. Aber als dann die Angst vor
Krankheiten, insbesondere Krebs kam, begannen die Abstürze.
Meist in kurzer Zeit sehr viel hochprozentiges.
Nach vielen Arztbesuchen um klörperliche Ursachen auszuschliessen hat sich auch das alles gebessert. Mein
Konsum hat sich wieder aufs Wochenende reduziert. Vor
knapp einem Jahr habe ich die kifferei komplett aufgehört,
dafür dann aber wieder mehr Alkohol getrunken. Zwar auch
nie täglich, aber doch viel mehr als früher. Besonders die
Mengen haben sich gesteigert. Von früher einer halben Flasche Wein auf plötzlich 2-3..
Mit 25 war ich nach einer Flasche Wein so fertig das ich
mich übergeben musste. Bis vor 6 Monaten habe ich dagegen
noch locker 3 Flaschen platt gemacht und es war noch Platz
für mehr.

Seit Februar bin ich nun also mehr oder weniger sauber und
oft auch glücklich. Wenn sich da nicht immer wieder die
oben stehenden Fragen und Gedanken aufdrücken würden.

Im Gegensatz zu vielen kollegen war ich nie ein Freund
von Drogen oder Besäufnissen. Meine 2 Tüten und ich war
zufrieden. Hätte ich das mal lieber beibehalten als auf
Alk umzusteigen.


ruebenkoenigin Offline




Beiträge: 663

17.07.2011 17:31
#11 RE: Verständnisfragen körperliche Abhängigkeit/ Entzug antworten

Hallo Ratloser,

da du nun schon geraume zeit ohne alk und thc lebst, der drogenbedingte nebel sich verzogen hat, kommt halt leider deine ursprüngliche erkrankung umso mächtiger wieder zum vorschein.

das gute an deiner jetzigen situation ist, dass du, da drogenfrei, die besten voraussetzungen für eine wirkunsvolle therapie mitbringst.

ich wünsch dir alles gute und vor allen dingen nen guten arzt/ therapeuten.

lg
renate

Triffst du einen Buddha, so töte einen Buddha


newlife Offline




Beiträge: 3.488

18.07.2011 07:52
#12 RE: Verständnisfragen körperliche Abhängigkeit/ Entzug antworten

ich schließe mich Callysta an und empfehle auch immer das "ALK"-Buch. Gibts auch in meiner SHG, ich mache da gelegentlich Sammelbestellungen.
Bei Borowiak habe ich mich selbst so wiedergefunden, wie noch nirgends wo anders. Super und alles wird hervorragend erklärt.

Enjoy the freedom...


Ratloser81 Offline



Beiträge: 46

18.07.2011 09:48
#13 RE: Verständnisfragen körperliche Abhängigkeit/ Entzug antworten

Moin Dirk,

Buch habe ich gestern bestellt.
Nach dem ich gestern das wirre Zeugs aus meine Birne
hier aufgeschrieben habe gings mir besser. Renate hat mit
Ihrem Rat zum psycho Doc zu gehen sicher absolut Recht.
Nur ob ich das schon hinbekomme..

Mal sehen wie der heutige Tag verläuft.


Jessicat Offline




Beiträge: 180

18.07.2011 09:55
#14 RE: Verständnisfragen körperliche Abhängigkeit/ Entzug antworten

Zitat

Nur ob ich das schon hinbekomme..



na klar schaffst du das! du willst es doch! schnapp dir zumindest das telefonbuch und ruf ein paar therapeuten an, es dauert ja sowieso ewig bis du mal einen termin bekommst aber so hast du den ersten schritt gemacht.

komm, na los!

danach gibts auch applaus ;-)

Damit sich etwas ändert, muss sich etwas ändern, sonst ändert sich nichts :D


Maja82 Offline




Beiträge: 5.091

05.11.2011 22:59
#15 RE: Verständnisfragen körperliche Abhängigkeit/ Entzug antworten

Hi du habe gerade deinen Beitrag gelesen,

leide auch schon sehr lange und Zwangshandlungen und auch Gedanken, wenn du dich austauschen willst dann schicke mir ne nmail.
Habe es dank langer Therapie in den Griff bekommen, ohne Alkohol!

Liebe Grüße Maja


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