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Saufnix
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Dieses Thema hat 64 Antworten
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 Ganz, ganz viele Fragen
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pulsatille Offline




Beiträge: 635

15.11.2007 23:10
RE: Druck antworten

Guten Abend Ihrs,

ich habe bei mir selbst festgestellt, dass sich so nach ein paar Wochen des Funktionierens, des Gutseins, des Arbeiten, so eine Art Druck einstellt: es doch mal einfach alles sein zu lassen und dann "gibs ihm". Mit "gibs ihm" ist gemeint: Besauf dich doch einfach, lass es doch sein, who cares? Ich will das nicht mehr und ich will auch nicht ununterbrochen funktionieren. Ein paar Wochen Fleiss und dann der totale Absturz, wieso? Wieso alles wieder in Frage stellen?

Wie habt ihr das so gemacht? Hattet Ihr auch solche Gefühlszustände? Ich bin erst sieben Wochen trocken - das mal dazugesagt.

Grüsse von Birgit

Wenn der Mensch voll ist, geht sein Blick ins Leere.


Greenery Offline




Beiträge: 5.854

15.11.2007 23:17
#2 RE: Druck antworten

Zitat
Gepostet von pulsatille
ich habe bei mir selbst festgestellt, dass sich so nach ein paar Wochen des Funktionierens, des Gutseins, des Arbeiten, so eine Art Druck einstellt: es doch mal einfach alles sein zu lassen und dann "gibs ihm".



Musst auch bissi Platz für das nüchterne 'Schlechtsein' schaffen. Gegen den Rest des Drucks haben bei mir Sport und - wenn's ganz schlimm kam - Aushalten geholfen. Bleib' einfach dran

It is no measure of health to be well adjusted to a profoundly sick society.
J. Krishnamurti


Adriana2 Offline



Beiträge: 2.441

15.11.2007 23:34
#3 RE: Druck antworten

Zitat
Gepostet von pulsatille

Wie habt ihr das so gemacht? Hattet Ihr auch solche Gefühlszustände? Ich bin erst sieben Wochen trocken - das mal dazugesagt.[/b]



Hi Pulsatille,

so sah auch mein Trinkmuster aus.
Wurde erst zum Problem, als die Erholungszeiten immer länger wurden und es begann, mich in meinem Leben zu beeinträchtigen.

Heute überkommt mich das auch noch ab und zu, scheinbar wie aus heiterm Himmel, auch, wenns mir sehr gut geht ("setz doch noch eins drauf!")

Ich setze mich dann meist gleich vor den PC, (wohl z.T. ne gewisse Suchtverlagerung), schaue in diverse Foren und Seiten).

Bei mir ist das meist so ein kurzer, heftiger Impuls. Wenn ich ihm keine Beachtung schenke, geht er von selbst vorbei. Manchmal ist er hartnäckiger. Dann halt ich es aus, je mehr ich es beachte, desto stärker wird es aber, so meine Erfahrung.
Schokolade hat mich auch schon abgelenkt. Und lesen.

Das funktioniert jetzt, von einer Ausnahme abgesehen, seit ca. Juli (ich zähle die Zeit nicht).

LG Adriana


suwe Offline




Beiträge: 956

16.11.2007 00:29
#4 RE: Druck antworten

Hi liebe Birgit,

erstmal "Glückwunsch" zu den 7 Wochen!!!!

ich habe genau das Thema letztens in der SHG angesprochen und es wurde mir bestätigt, das genau das, was ich selber auch schon öfter festgestellt habe, zutrifft, nämlich dass diese "Druckgefühle" immer nur kurz (ca. 20 min.) anhalten, wenn man die übersteht, ist man schon wieder einen großen Schritt weiter!

Was mir oft hilft, ist ein leckeres Essen, wenn der Bauch erstmal voll ist, verlangt er nicht nach was anderem!!!

Oder 1 Liter Saft oder Wasser schnell trinken!

Ich kenne aber auch dieses frustrierende Gefühl:

Jetzt hast Du "so lange" durch gehalten und was kommt als Quittung? SAUFDRUCK!!! SCHEISSE!!!

Ich glaube, da müssen wir uns mit abfinden, dass das immer mal wieder kommt, das ist ein Symptom der Krankheit, wir können halt nur versuchen es zu lindern!

Halt durch! Es lohnt sich bestimmt!!!

LG Su

Der Langsamste, der sein Ziel nicht aus den Augen verliert, geht noch immer geschwinder, als jener, der ohne Ziel umherirrt.


pulsatille Offline




Beiträge: 635

16.11.2007 00:36
#5 RE: Druck antworten

Frau suwe,

wo hast du denn gesteckt die letzten Monate? Hab ich mich öfters gefragt.

Grüsse von Birgit

Wenn der Mensch voll ist, geht sein Blick ins Leere.


zai-feh ( gelöscht )
Beiträge:

16.11.2007 07:20
#6 RE: Druck antworten

Hi Birgit,

das gehört zur Erkrankung dazu. Durchhalten ist hier wirklich die beste Medizin. Außerdem hat es mich am Anfang durchaus mit Stolz erfüllt, wenn ich dem Saufdruck standgehalten hatte.

LG
Suse


Faust Offline




Beiträge: 5.512

16.11.2007 07:20
#7 RE: Druck antworten

Zitat
Gepostet von pulsatille
... und ich will auch nicht ununterbrochen funktionieren. Ein paar Wochen Fleiss und dann der totale Absturz, wieso? ...



Moin, Birgit,

solche Zustände sind mir bekannt aus der Zeit,
als ich noch gegen meine Alkoholabhängigkeit gekämpft habe wie ein Löwe.

Nach der viel diskutierten 'Kapitulation'
ist das grundsätzlich anders geworden.

Hier lohnt es sich, genau hinzuschauen,
wie sich das 'Funktionieren' zusammen setzt.

Welche Aktivitäten sind für Deine 'gesunde Reproduktion' unabdingbar,
welche dienen der Verbesserung der eigenen Befindlichkeit
und welche belasten Dich,
weil Du das Gefühl hast,
dass sie Deinem Wesen gar nicht entsprechen,
Du sie 'anderen zuliebe' machst?

Das mal als Denkanstoß.

LG und gute 24 Stunden
Bernd

"Das Ärgerlichste in dieser Welt ist, daß die Dummen todsicher und die Intelligenten voller Zweifel sind. " (Bertrand Russell)

Für alle, die sich noch oder wieder eigene Gedanken machen:
==> KLICK (ganz frisch)


Elefantino Offline




Beiträge: 4.207

16.11.2007 07:47
#8 RE: Druck antworten

Zitat
Gepostet von Faust


Hier lohnt es sich, genau hinzuschauen,
wie sich das 'Funktionieren' zusammen setzt.

Welche Aktivitäten sind für Deine 'gesunde Reproduktion' unabdingbar,
welche dienen der Verbesserung der eigenen Befindlichkeit
und welche belasten Dich,
weil Du das Gefühl hast,
dass sie Deinem Wesen gar nicht entsprechen,
Du sie 'anderen zuliebe' machst?





Moin Bernd!

Wie schaffst Du es nur schon am frühen Morgen Sätze zu formulieren, die man glatt rahmen könnte.

Bei mir führte der von Dir beschriebene Prozeß dazu, dass ich Ballast abwerfen konnte, womit ich wiederum Freiraum für neue positive Aktivitäten gewann.


LG

Christoph

Die schärfsten Kritiker der Elche
waren früher selber welche


F.W. Bernstein


minitiger2 ( gelöscht )
Beiträge:

16.11.2007 07:58
#9 RE: Druck antworten

Hi Birgit,

wie suwe schreibt, geht dieser Druck meist ziemlich schnell vorbei, wenn Du dich drauf konzentriest, was du als Alternative machen kannst.

Bei mir war das meist der berühmte Eisbecher, naja, ist nicht die Jahreszeit dazu.

Aber es geht im wesentlichen tatsächlich darum: Entspann Dich mal für ne Weile (musste ich ohne Alkohol auch erst lernen), und bring was in den Magen. Press mal nen Liter Apfelsaft- oder Orangensaftschorle rein und dann guck mal, wieviel von dem akuten Saufdruck noch über ist.

Ansonsten, Sport, laute Musik, reden, irgendwas Schönes, alles, nur nicht in der Ecke sitzen und sich reinsteigern.

Noch was...ich hab meinen Saufdruck damals personalisiert und mit ihm verhandelt. So etwa in dem Stil, daß ich erkannt hatte, daß mein Saufdruck der Teil in mir war/ist, der im Grunde das Leben geniessen wollte.
( Anmerkung: heut seh ich auch meinen Selbstzerstörungstrieb teilweise als Frustreaktion, weil ich gar keinen Plan hatte, wie ich dieses schöne Leben denn erreichen könnte)
Der wollte eben nicht nur leisten und funktionieren, der wollte sich auch mal nen schönen Tag machen, Spiel, Spaß und Spannung.

Und mit diesem Teil hab ich dann eben verhandelt, daß es uns beide kaputt macht, wenn ich dem Druck jetzt nachgebe, und daß es dann mit dem schönen Leben erst recht nix wird.

Es gibt auch das Bild, das der Druck wie ne Welle ist, über die Du schwimmen kannst bis sie unter Dir durch ist.

Egal wie, wenn Du den Druck aushälst, machst Du die Erfahrung, daß er Dich nicht umbringt, und danach fängst Du eben nicht wieder von vorne an, sondern die Zeit arbeitet immer noch für Dich.



[ Editiert von minitiger2 am 16.11.07 8:07 ]


Adda Offline




Beiträge: 850

16.11.2007 08:13
#10 RE: Druck antworten

Zitat
Gepostet von Greenery

Zitat
Gepostet von pulsatille
ich habe bei mir selbst festgestellt, dass sich so nach ein paar Wochen des Funktionierens, des Gutseins, des Arbeiten, so eine Art Druck einstellt: es doch mal einfach alles sein zu lassen und dann "gibs ihm".



Musst auch bissi Platz für das nüchterne 'Schlechtsein' schaffen. Gegen den Rest des Drucks haben bei mir Sport und - wenn's ganz schlimm kam - Aushalten geholfen. Bleib' einfach dran




Echooooo....

Funktionieren, Gutsein, Arbeiten - liest sich für mich, als wärs "aufgesetzt". - Was ist mit der/den anderen Seiten, die vielleicht nicht ins Gut-Bild passen?

Die sind doch auch "da", auch wenn ich so täte, als hätte ich sie nicht. Und ich tu mir Schlechtes, wenn ich sie wegdrücke.

Anfangs hat mir da auch Ablenkung geholfen und daß diese unangenehmen Gefühle (im Zusammenhang mit dem Druck) zu mir gehören und insofern "gut" sind.

Mit der Zeit hab ich gelernt, darin zu lesen: was fehlt mir?/was brauche ich?/was kann ich mir jetzt Gutes tun?

Zitat
Gepostet von minitiger2
Noch was...ich hab meinen Saufdruck damals personalisiert und mit ihm verhandelt. So etwa in dem Stil, daß ich erkannt hatte, daß mein Saufdruck der Teil in mir war/ist, der im Grunde das Leben geniessen wollte.



Ja, so ähnlich war das bei mir auch. Für mich war das der Teil, der von mir völlig vernachlässigt war und den ich versucht hab, mit Alk ruhigzustellen.

Gruß von Adda

--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Lass Dich nicht gehen - geh selbst. (M. Bentrup)


Friedi Offline



Beiträge: 2.581

16.11.2007 09:10
#11 RE: Druck antworten

Hallo Birgit,

es gibt einige Gefühle, die den Wunsch zu trinken begünstigen, kurz zusammengefasst als

H hungry (hungrig)
A angry (ärgerlich, wütend)
L lonely (einsam)
T tired (müde)

Diese Gefühle nicht aufkommen zu lassen, kann beim Trockenbleiben helfen.

Gruß

Friedi

____________________________________________________________________________________________________
Wenn du am Morgen erwachst, denke daran, was für ein köstlicher Schatz es ist, zu leben, zu atmen und sich freuen zu können.
Marc Aurel


Max mX Offline




Beiträge: 5.878

16.11.2007 09:19
#12 RE: Druck antworten

Ich habe den Saufdruck im Anfang ertragen. Nicht müssen oder wollen, sondern der war eben. Kam und ging, plötzlich, unerwünscht.
Aber über allem stand morgens: "heute trinke ich nicht". Und da konnte kommen was da wollte. gehört habe ich sowieso auf niemand anderen, außer Leute aus der Gruppe, und auch da habe ich fleißig sortiert.
Solch Anfall war allerdings selten, deshalb relativ mühelos verkraftbar.
Und dass ich nun nicht mehr trinken musste, das war immer viel kräftiger als der gelegentliche Verdruss, Max


pulsatille Offline




Beiträge: 635

16.11.2007 09:34
#13 RE: Druck antworten

Morgen Ihr!

Danke für die aufschlussreichen Antworten. Den Thread hab ich bewußt als Druck und nicht als Saufdruck bezeichnet. Ich weiss schon (so ungefähr) wie ich den Saufdruck umschiffen kann: Essen, viel trinken, nicht zu bestimmten Zeiten einkaufen gehen etc.

Was ich meinte ist wohl eher das Gefühl, mal nicht zu funktionieren, eben alle fünfe gerade sein zu lassen. Der Alkohol war für mich immer sowas wie "Urlaub von mir selbst", oder besser gesagt, die einzigste Möglichkeit der "Opposition", hauptsächlich gegen mich selbst natürlich und meine Ansprüche an mich selbst. Der Teil eben, der wie minitiger sagte Spiel, Spass und Vergnügen will und raus will aus dieser Schiene des Funktionierens und "Gutseins". Nach dem Motto: "Ihr könnt mich doch alle mal und Du, Birgit, erst recht."

Ehrlich gesagt hab ich nicht die blasseste Ahnun wie ich damit umgehen soll. Ich werde mich wohl mal öfters mit ihm an einen Tisch sitzen und das verhandeln müssen. Weiter unterdrücken geht nicht.

Schönen Tag noch von Birgit

Wenn der Mensch voll ist, geht sein Blick ins Leere.


Petra59 Offline




Beiträge: 629

16.11.2007 09:58
#14 RE: Druck antworten

Hallo Birgit
meine Erfahrung dazu war, dass ich mir den Druck immer selbst aufgebaut hatte. Zuviel auf einmal machen wollen, genauso funktionieren wollen, wie früher mit Alk. Denn ich hab ihn nicht nur als Stimmungsaufheller benutzt, sondern auch als Puscher, wenn die Aufgaben mal wieder unendlich waren.
War anfangs für mich extrem schwierig zurückzuschalten und mir Aufmerksamkeit zu gönnen. War eh ein Fremdwort.
Wurde dann einfach in der Therapie besser, vielleicht auch, weil ich einfach akzeptiert habe, dass ich mir wichtiger bin, als das was andere von mir erwarten.
LG Petra
PS. 7 Wochen

Wende dein Gesicht der Sonne zu,
dann fallen die Schatten hinter dich


Inessi Offline



Beiträge: 4.790

16.11.2007 11:48
#15 RE: Druck antworten

Zitat
Gepostet von pulsatille

Was ich meinte ist wohl eher das Gefühl, mal nicht zu funktionieren, eben alle fünfe gerade sein zu lassen.


hallo birgit,

ich musste für mich erkennen, dass ich früher mit alk sogar "besser funktioniert" habe, wie heute (und grad anfangs) ohne alkohol. ich hab eben früher ohne ende getan und gemacht, weil ich nichts fühlte, ich daher nicht drüber nachdenken brauchte, was dieses oder jenes mit mir und aus mir machte; ich hab nicht auf mich geachtet.

druck bzw. suchtdruck spürte ich anfangs auch grad wenn in meiner therapie, auf job, zu hause mit tochter usw. alles super lief. eine längere positive hochstimmung kann auch druck auslösen, ein erfolgserlebnis nach dem anderen liessen sich gedanken einschleichen "war doch alles nicht so schlimm" usw.

und "alle fünfe" von sich strecken und ein ganzes WE lang mal nix tun, kann ich heute richtig geniessen.

Glückwunsch zu den 7 Wochen

liebe grüße.


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