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Dieses Thema hat 107 Antworten
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 Akute Hilfe
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tinchen01 Offline



Beiträge: 54

22.01.2007 14:10
RE: Fast am Ende oder Kraft für einen Neuanfang? antworten

Hallo,

ich bin Tina, 39 Jahre alt und habe ein ziemliches Alkoholproblem.

Getrunken habe ich schon immer ganz gern, eigentlich seit ich 18 bin, aber nur in Gesellschaft. Während meiner Ehe bis 1996 verlief es aber in normalen Bahnen. Dann habe ich mich unglücklich verliebt und meinen Mann verlassen. Mit dem anderen hat es nicht geklappt, der wollte mich nicht richtig. Da fing ich an, auch tagsüber zu trinken, am Wochenende oder meldete mich krank, weil ich lieber daheim sitzen wollte und trinken.
2001 schaffte ich den Absprung von dem Mann und auch mein Alkoholkonsum verlief wieder normaler. Ich machte einige Psychotherapien, die auch zu helfen schienen.

2003 und 2004 war ich wieder in einer festen Beziehung. Da lief es ab Mitte 2004 alles andere als gut. Wir stritten nur noch, es gab andere Frauen. Eines Abends bin ich alleine auf ein Strassenfest, wieder nach einem Streit. Angetrunken. Dort haben mich zwei Männer angesprochen und ich habe mit denen getrunken. Ohne jetzt in die Details gehen zu wollen: Ich wurde vergewaltigt. Nach 2 Tagen schämen und Dauersuff habe ich das angezeigt. Die Polizeivernehmung war der Horror. Mein Ex-Freund wandte sich kurze Zeit später von mir ab, er fand es "eklig".
Ich meldete mich abwechselnd krank oder nahm spontan Urlaub, damit ich saufen konnte. Ich bin dann auch betrunken Autogefahren, weil ich zu ihm wollte, ihn umstimmen. Das absolute Ende kam Ende 2004, er hatte ne andere. Aus.

Ich rappelte mich wieder auf, besuchte AA-Treffen, war in psychologischer Behandlung. Bin nie wieder betrunken autogefahren, hab mich nicht mehr krankgemeldet. Das ging 2005 ganz gut, 2006 wurde es wieder schlimmer mit dem Alkohol und ich habe mich streckenweise total gehen lassen.
Im Juli hatte ich 3 Wochen Jahresurlaub und den habe ich fast komplett trinkend im Bett verbracht. Immer Rotwein, bis zu 3 Flaschen am Tag, rund um die Uhr. In den 3 Wochen hab ich mich nicht gewaschen oder sonstwas.
Am letzten Urlaubstag habe ich abends gebadet, Haare gewaschen, Nägel gemacht, damit es im Büro nicht auffällt. Dort habe ich was von "schönem Urlaub" mit ganz vielen Unternehmungen geflunkert.

Meine Sozialkontakte gehen gegen Null. Ich sitze abends lieber daheim und trinke meine Flasche Wein, am Wochenende fast rund um die Uhr.
Mein Körper zeigt deutliche Spuren, ich bin ungepflegt, wasche mich nur noch wenn ich arbeiten gehe, meine Haut ist supertrocken, die Muskulatur schlaff....

Ich will endlich aus diesem Teufelskreis raus und weiss nicht wie. Mein Konto ist ziemlich überzogen, da ich nicht immer in der Lage bin, mir Alkohol im Supermarkt zu kaufen und dann Pizza und Wein bestelle, manchmal von 3 Pizzadiensten am Abend, damit es nicht so auffällt.

Wie würdet ihr anfangen? Eine stationäre Therapie kommt nicht in Frage, sonst riskier ich meinen Job. Meine Hausärztin ist nicht so beunruhigt, denn meine Blutwerte sind okay.

Viele Grüsse
Tina


Bea60 Offline




Beiträge: 2.400

22.01.2007 14:21
#2 RE: Fast am Ende oder Kraft für einen Neuanfang? antworten

Zitat

Wie würdet ihr anfangen? Eine stationäre Therapie kommt nicht in Frage, sonst riskier ich meinen Job. Meine Hausärztin ist nicht so beunruhigt, denn meine Blutwerte sind okay.

Viele Grüsse
Tina



Liebe Tina,

erst mal Willkommen am board, es ist der erste Schritt in die richtige Richtung.

Lies mal den ersten Thread von Tommie hier im board "erste Hilfe", denn damit ist auch Deine Frage klar beantwortet, wie man am besten anfängt:

Mit einer stationären Entgiftung!!, anschließen Therapie - das geht auch ambulant. Und ausserdem - Deinen Job riskierst Du täglich und dass es bisher noch niemand auf der Arbeit gemerkt hat, das möchte ich stark bezweifeln.

Schön, dass sich Deine Hausärztin über Deine Blutwerte freut - die leider so gar nichts aussagen, meine waren auch immer bestens. Hast Du ihr den gesagt, wie viel Du trinkst??

Ich wünsche Dir viel Kraft für den Weg der vor Dir liegt. Der Anfang ist gemacht.

Lieber Gruß
Beate


tinchen01 Offline



Beiträge: 54

22.01.2007 14:38
#3 RE: Fast am Ende oder Kraft für einen Neuanfang? antworten

Hallo Bea,

danke für die schnelle Antwort. Ist eine stationäre Entgiftung wirklich notwendig? Ich habe seit gestern mittag nichts mehr getrunken und habe keine körperlichen Symptome. Wie lange braucht denn der Körper zum Entgiften?

Viele Grüsse
Tina


pulsatille Offline




Beiträge: 635

22.01.2007 14:54
#4 RE: Fast am Ende oder Kraft für einen Neuanfang? antworten

Hallo Tina und herzlich willkommen,

Hier bist Du richtig.
den Körper zu entgiften, das dauert ca. fünf bis sechs Tage. Ich weiss ja nicht, ob Du jeden Tag getrunken hast, aber so ein Entzug zu Hause kann sehr gefährlich sein (Krampfanfälle etc.). Die könne auch noch einige Tage auftreten, nachdem Du den letzten Alkohol getrunken hast.

Tommie hat dazu was geschrieben. Guck mal hier:
http://www.nexusboard.de/showthread.php?...threadid=296796

Ansonsten würde ich Dir raten, auf jeden Fall so schnell wie möglich deinen Hausarzt aufzusuchen.

Liebe Grüsse von Birgit


genaro Offline




Beiträge: 5.488

22.01.2007 15:00
#5 RE: Fast am Ende oder Kraft für einen Neuanfang? antworten

Hi tinchen, herzlich willkommen!

Da spür ich schon Kraft bei Dir, wie Du so mutig über Dich sprichst! Klasse!
Dass niemand was merkt in der Arbeit, habe ich mir auch immer eingeredet. Klar merken die was!... Doch den Mut zu haben, das auch rechtzeitig, liebevoll und doch deutlich zu sagen, das gibt es leider seeehr selten.

Schließe den Damen vor mir voll an, und ganz wichtig ist, danach NICHT damit alleine zu sein! Neue FreundInnen. wünsch ich Dir.

Viel Kraft für Dich

genaro


Friesenvolker Offline




Beiträge: 2.907

22.01.2007 15:32
#6 RE: Fast am Ende oder Kraft für einen Neuanfang? antworten

Hallo Tina,

Dich hier erst einmal zu outen und Deine Lage so zu beschreiben, wie Du es jetzt hier gemacht hast, dafür kannst Du Dir erst einmal ein ganz großes Lob aussprechen.

Der erste Schritt ist gemacht, nun soll doch sicher der zweite folgen. Und hier hast Du schon ein paar sinnvolle Anworten bekommen:

Zitat
Mit einer stationären Entgiftung!!, anschließen Therapie - das geht auch ambulant. Und ausserdem - Deinen Job riskierst Du täglich und dass es bisher noch niemand auf der Arbeit gemerkt hat, das möchte ich stark bezweifeln.



Das klinkt hart, aber ist fair. Mir brauchte damals auch keiner mit Entgiftung, Therapie und so zu kommen, ich hatte da auch immer "abgeschmettert", für MICH kam das alles nicht infrage. Meine Lehren hieraus waren bitter (Rückfälle usw.) Heute denke ich darüber anders!

MACH WAS!

Ein langer Weg liegt vor Dir - er lohnt sich, zu gehen. Du wirst schon nach einigen Wochen ohne Alk ein Veränderung in Dir und mit Dir bemerken.

Es gibt aber keinen viertel oder halben Weg! Arzt - Überweisung - Entgiftung (bitte nicht allein zu Hause, das ist lebensgefährlich) und dann weitere geeignete Angebote wie stationäre oder ambulante Therapie, Selbsthilfegruppe usw., aber das kommt dann, erst mal den Anfang wagen. Es lohnt sich, laß' endlich die ganze Schei.. hinter Dir, tu' was - für Dich! Was andere (Nachbarn, Arbeitskollegen usw.) da denken, soll Dir erst mal egal sein.

Wir lesen uns.

VG
Volker


tinchen01 Offline



Beiträge: 54

22.01.2007 15:35
#7 RE: Fast am Ende oder Kraft für einen Neuanfang? antworten

Hallo,

danke. Ich habe nicht immer jeden Tag getrunken. In der letzten Zeit aber wieder häufiger. Jetzt am Wochenende war es Samstag und Sonntag insgesamt eine Flasche Wodka. Normalerweise trinke ich nicht hochprozentiges, nur Wein.

Ich weiss nicht so recht, wo ich anfangen soll. Wie gesagt, meine Hausärztin nimmt das ganze nicht so richtig ernst, sie hat mir Beruhigungstabletten gegen den "Saufdruck" verschrieben und mir nahegelegt, in eine Beratungsstelle zu gehen. Stationär hält sie nicht für notwendig.

Wo finde ich denn wieder Sozialkontakte?

Viele Grüsse
Tina


genaro Offline




Beiträge: 5.488

22.01.2007 15:39
#8 RE: Fast am Ende oder Kraft für einen Neuanfang? antworten

Hi Tina!

"das Gelingen ist ins TUN verliebt", sagt meine Therapeutin zu mir, wenn ich wieder mal den Arsch nicht hochkriege.
Aber meine Entscheidung: es geht ja nur um mein Leben...

Wo bist Du denn daheim?

lG
genaro


Friesenvolker Offline




Beiträge: 2.907

22.01.2007 15:49
#9 RE: Fast am Ende oder Kraft für einen Neuanfang? antworten

nochmal ich:

Stationäre Entgiftung ist immer so eine schwerwiegende Entscheidung, viele Menschen tun sich sich da ganz schwer. Das verstehe ich. Ist aber halb so schlimm, Entgiftung bedeutet nicht mehr als das "Ausschleichen" des Alkohols aus dem Körper unter ärztlicher Aufsicht. Es kann - muß aber nicht - während der Entgiftung, die ca. 5 bis 6 Tage dauert, zu Krampfanfällen kommen, die lebensbedrohend sind, wenn dann kein Arzt zur Stelle ist, dann gute Nacht. Auch wird der Patient während der Entgiftung mit Medikamenten versorgt, die die Unruhe nehmen, so daß man dann besser schlafen kann. Zu hause ist das alles nicht bzw. nur kaum gegeben. Selbst in seinen vier Wänden allein Entgiften, also den Alk ausschleichen, ist nervig, total Schei.., traurig und zieht Dich ganz gewaltig runter, so meine Erfahrung, und ist - ich bleibe dabei - lebensgefährlich! Aber, es ist Deine Entscheidung, die Dir keiner abnehmen kann.

Wir lesen uns.

VG
Volker


Bea60 Offline




Beiträge: 2.400

22.01.2007 16:01
#10 RE: Fast am Ende oder Kraft für einen Neuanfang? antworten

Zitat
Wie gesagt, meine Hausärztin nimmt das ganze nicht so richtig ernst, sie hat mir Beruhigungstabletten gegen den "Saufdruck" verschrieben und mir nahegelegt, in eine Beratungsstelle zu gehen. Stationär hält sie nicht für notwendig.



Liebe Tina,

leider sind viele Ärzte in Bezug auf Sucht richtige Laien. Dir jetzt auch noch Tabletten zu verordnen, halt ich für ziemlich fahrlässig.

Friesenvolker hat schon ausführlich geschrieben. Dem kann ich mich nur anschließen.

Lieber Gruß
Beate


Friesenvolker Offline




Beiträge: 2.907

22.01.2007 16:09
#11 RE: Fast am Ende oder Kraft für einen Neuanfang? antworten

und nochmal ich:

Beratungsstelle, na, das ist ja schon mal was. Wie siehste das denn, gehste da auch hin? Schwellenangst? Hat bestimmt jeder gehabt, der schon mal da war. Versuchs - geh' hin, ruf aber vorab eben dort gleich an, damit dann auch ein geeigneter Ansprechpartner vor Ort ist! Kann auch sein, daß Du da nicht gleich einen Termin kriegst, sondern erst in ein paar Tagen, laß Dich deswegen von Deinen Vorhaben aber nicht abbringen. Wenn Du das willst, mach' es jetzt - und nicht später ...

VG
Volker


tinchen01 Offline



Beiträge: 54

22.01.2007 16:14
#12 RE: Fast am Ende oder Kraft für einen Neuanfang? antworten

Hallo,
ich komme aus der Nähe von Frankfurt am Main. Bei den AAs haben auch alle stationär entgiftet. Da habe ich manchmal so den Eindruck gehabt, dass die mich auch nicht so ernst nehmen. Ich gehe noch arbeiten, habe weder Haus noch Hof versoffen, noch irgendwen verprügelt etc. Irgendwie finde ich da nicht so richtig den Draht zu den Leuten.

Wisst ihr, ob es bei der privaten KV Probleme geben kann? Nicht, dass die mich noch rausschmeissen, wenn ich die Rechnung einreiche????

Ich versuch mich nochmal ein bisschen mehr zu informieren.

Kommt meine Lethargie auch vom Alkohol? Dieses "Alles-schleifen-lassen"? Sei es Freundschaften, Körperhygiene usw.? Was kann man dagegen tun?

Viele Grüsse
Tina


Yonka Offline




Beiträge: 2.822

22.01.2007 16:28
#13 RE: Fast am Ende oder Kraft für einen Neuanfang? antworten

Hallo Tina !

Du fragst, ob Deine Lethargie, die mangelnde Körperpflege etc. vom Alkohol kommen .

Diese Fragen versuch doch mal selbst zu beantworten. Setz Dich mit ihnen ehrlich und ungeschönt auseinander . Was kommt dabei heraus? Ist es der Alk oder sind es andere Gründe ?



Liebe Grüße und herzlich willkommen hier
Yonka


karlbernd Offline




Beiträge: 4.397

22.01.2007 16:47
#14 RE: Fast am Ende oder Kraft für einen Neuanfang? antworten

Zitat " Ich gehe noch arbeiten",die frage ist wie lange noch?
und außerdem musst du dich schon entscheiden,zu wem du gehörst..ich glaube du passt hier ganz gut dazu.
herzlich willkommen
lg kb


Friesenvolker Offline




Beiträge: 2.907

22.01.2007 16:52
#15 RE: Fast am Ende oder Kraft für einen Neuanfang? antworten

Hallo Tina,

Zitat
Bei den AA's haben auch alle stationär entgiftet. Da habe ich manchmal so den Eindruck gehabt, dass die mich auch nicht so ernst nehmen. Ich gehe noch arbeiten, habe weder Haus noch Hof versoffen, noch irgendwen verprügelt etc. Irgendwie finde ich da nicht so richtig den Draht zu den Leuten.



... geht mir auch so, aber trotzdem finde ich die AA's sehr gut, genauso, wie ich auch andere Selbsthilfegruppen positiv betrachte, es kommt immer darauf an, für welchen Menschen diese dann auch paßt; der eine sucht eben die feste Struktur der AA's, der andere die der Guttempler, eben der andere wieder die Blaukreuzler und ein anderer wieder eine freie Gruppe oder die vom Freundeskreis usw. Eine Selbsthilfegruppe ist soetwas wie ein Partnerin, die ich sorgfältig aussuchen sollte, da ich mit ihr eine längere Zeit auskommen möchte.

Zitat
Wisst ihr, ob es bei der privaten KV Probleme geben kann? Nicht, dass die mich noch rausschmeissen, wenn ich die Rechnung einreiche????



... da muß ich passen, keine Ahnung.

Zitat
Kommt meine Lethargie auch vom Alkohol? Dieses "Alles-schleifen-lassen"? Sei es Freundschaften, Körperhygiene usw.? Was kann man dagegen tun?



Hier hat Yonka bereits die Antwort gegeben. Das Gefühl, wieder etwas für sich selbst zu tun, sich selbst wieder zu mögen und auch das Bedürfnis, den eigenen Körper wieder zu pflegen, das kommt mit dem Weglassen des Alks von allein wieder, mach Dir da man keine Sorgen. Es dreht sich, auf einen Nenner gebracht, einzig und allein erstmal um den schei... Suff. Das andere kann warten und kommt später!

Wir lesen uns

VG
Volker


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