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Saufnix  
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Dieses Thema hat 7 Antworten
und wurde 1.015 mal aufgerufen
 Akute Hilfe
Anima1 Offline



Beiträge: 4

23.07.2005 16:39
RE: So kann und darf´s nicht weitergehen... Zitat · Antworten

Hallo an alle, die das lesen,

ich bin noch ganz neu hier.
Meine "Alkoholkarriere" dauert zwar erst ca. ein Jahr, aber ich muss mich wohl mittlerweile als völlig abhängig bezeichnen. Jeden Tag versuche ich es "ohne", aber es ist mir schon seit Wochen kein einziges Mal mehr gelungen. Die Mengen sind (noch) nicht sehr groß, aber sie steigern sich.

Mein Grundproblem ist eine Depression, die sich wohl schon chronisch durch mein Leben hindurchzieht, die aber vor ca. einem Jahr extrem stark geworden ist. Gleichzeitig fühle ich mich von meinem Alltag einfach nur noch überfordert (siehe Profil).

Ich bin so weit, dass es mir für mich allein "egal" wäre bzw. ich mit einer so eingeschränkten Lebensqualität schon leben könnte - ich kenne es ja kaum anders. Aber ich merke, wie sehr meine Familie darunter leidet, vor allem meine drei Kinder. Und umgekehrt spüre ich auch, welch großen (positiven) Einfluss es hat, wenn es mir einmal besser geht. Von daher fühle ich mich sehr verantwortlich für das "Wohl und Wehe" meiner Familie und bin es ja auch, wenn auch natürlich nicht allein.

Ich bin schon seit längerer Zeit auf einer, wie ich meine, auch sehr guten "Alkoholikerseite", bei der jedoch der Chat im Mittelpunkt steht, der auch sehr hilfreich und aufbauend ist. Ich merke jedoch zunehmend, dass sich daraus wiederum eine neue Sucht zu entwickeln beginnt, da er fast rund um die Uhr verfügbar ist. Bei Problemen tauche ich nun (zusätzlich zum Alkohol) auch in den Chat ab, was ich als zunehmend problematisch empfinde, denn es wird auch immer mehr zum Zeitproblem.

So starte ich hier also nochmal einen neuen Versuch, weitere Unterstützung bei der Lösung meines Problems zu bekommen und bin umgekehrt auch bereit, Hilfe zu geben, soweit mir das möglich ist.

In einer etablierten Selbsthilfegruppe vor Ort bin ich noch nicht, noch versuche ich es auf diesem Weg. Aber es wird wohl nicht "ohne" gehen???

Für eventuelle Antworten schon mal vielen Dank!

Anima


Beachen Offline




Beiträge: 3.654

23.07.2005 17:45
#2 RE: So kann und darf´s nicht weitergehen... Zitat · Antworten

Hallo Anima !

Willkommen hier auf dem board.

Eine Depression und Alkoholmißbrauch ist immer eine sehr ungute Kombination, wenn der Alkohol zur "Therapie" eingesetzt wird.
Aber das wirst du ja selbst wissen.

Ich denke, du mußt das auseinanderdröseln, zuerst aufhören mit trinken und dann wegen der Depression in Behandlung gehen.

Anders wird da nichts funktionieren.

Was mir noch auffällt in deinem post, du schreibst, wegen dir wäre es ja egal, deine ich nenne es mal "Stimmungstiefs". Warum ?

Ich glaube, aufhören zu trinken und der Wunsch nach einer zufriedener Abstinenz muß tief aus einem selbst kommen, wenn man es für jemand anderen tun will, findet man sich doch schnell in einer Opferrolle wieder " wegen dir darf ich nicht mehr trinken".

Grüßle
Bea


Biene2 Offline




Beiträge: 4.231

23.07.2005 19:21
#3 RE: So kann und darf´s nicht weitergehen... Zitat · Antworten

Hallo Anima,

auch von mir ein herzliches Willkommen hier.

Meiner Vor-Schreiberin brauch ich eigentlich Nichts hinzufügen.
Nur vielleicht anmerken,daß Deine Kinder tatsächlich,zumindest in der Anfangsphase,als Vehikel dienen können.
Ich war damals das Trinken zwar auch sehr,sehr leid...weiß aber nicht,daß ich die Kurve tatsächlich gekratzt hätte,wenn ich nicht auch die vielen positiven Veränderungen am Familienleben gehabt hätte.
Für eine Mutter sind die Kinder nun mal ein äusserst schwergewichtiger Grund zum Aufhören...es bleibt aber dann zu hoffen,daß Du dermassen Gefallen an der Trockenheit findest,sodaß dieses eventuelle Bedauern bzw. eine eventuelle Trotzreaktion nicht mehr in's Gewicht fällt bzw gar nicht erst auftaucht.

Denn...trocken werden ist noch ganz leicht....das Trocken bleiben,und das auf Dauer....das stellt erst die schwierige Übung dar.


Anima1 Offline



Beiträge: 4

23.07.2005 19:35
#4 RE: So kann und darf´s nicht weitergehen... Zitat · Antworten

Hallo Bea,

erst mal vielen Dank für deine schnelle Antwort.
Ja, das stimmt absolut, dass Alkohol und Depression eine brisante Mischung sind: Ich trinke eigentlich immer dann, wenn ich mich überlastet und / oder depressiv fühle und es macht mich dann zusätzlich depressiv, weil ich wieder getrunken habe - ein Teufelskreislauf.

Der Alkohol ist das, was ich am gezieltesten und vor allem SOFORT angehen kann (vorausgesetzt, ich schaffe es auch tatsächlich). Wegen meiner Depression bin ich schon länger in einer Gesprächstherapie, seit längerem allerdings nur noch sporadisch, da ich das Gefühl habe, "es ist alles gesagt". Im letzten Jahr bekam ich ein Antidepressivum, das auch nach längerer Zeit gut wirkte. Damals habe ich eine der besten Phasen seit vielen Jahren überhaupt erlebt, und ich konnte es gar nicht glauben, dass das Leben auch "SO" sein kann: Dass man morgens aufsteht mit dem Gefühl, dem Tag gewachsen zu sein; dass ich ein enorm großes Arbeitspensum gut bewältigen konnte etc. Wenn ich an diese Monate denke, ist das fast wie ein Blick zurück ins Paradies. Leider ließ die Wirkung nach, und von einem Tag auf den anderen entwickelte ich eine so starke Allergie auf das AD, dass ich es auf ärztlichen Rat sofort absetzen musste. Ich hatte dann nicht mehr den Mut und auch die Energie, nochmal was Neues auszuprobieren.

Es ist jedoch nicht so, dass ich absolut passiv wäre: Ich habe dann als Ersatz angefangen, regelmäßig zu laufen, und schon allein wenn ich das morgens schaffe, geht es mir zumindest für die nächsten paar Stunden besser. Das allein genügt aber nicht, das ist mir klar. Ich versuche auch immer wieder, einen eingermaßen geregelten Lebensstil anzustreben (inklusive vernünftiger Ernährung), was jedoch vor allem auch wegen der Versorgung meiner Schwiegermutter oft nicht klappt. Und als wichtigste Sofortmaßnahme sehe ich eben auch die Abstinenz - deshalb bin ich hier...

Dir ist aufgefallen, dass es mir "wegen mir allein egal" wäre; wichtig an dieser Aussage von mir war jedoch die vorangestellte Bemerkung "Ich bin so weit, dass....." - ich hab mittlerweile einfach oft nicht mehr die Energie, ständig gegen meine Depression ankämpfen zu müssen, zumal ich schon seit langem sehr bewusst damit umgehe und auch daran gearbeitet habe. Nein - aber ganz im Grunde möchte ich wohl für den Rest meines Daseins auch nicht für mich allein so leben...

Meiner Familie gegenüber sehe ich mich nicht in dieser von dir erwähnten Opferrolle - ich habe mir Familie und auch drei Kinder gewünscht. Wohl aber meiner Schwiegermutter gegenüber, zu der ich von Anfang an ein ausgesprochen belastetes Verhältnis hatte. Und "wegen ihr" bin ich jetzt, wo meine Kinder groß genug wären, dass ich wieder mehr meine eigenen Lebensziele verfolgen könnte, angebunden und habe Verpflichtungen, die ich nur ungern erfülle. Aber das wäre nun wieder ein ganz eigenes Thema, und mein Nahziel ist es jetzt erst einmal, wieder vom Alkohol loszukommen.

Danke und lieber Gruß!

Anima


Anima1 Offline



Beiträge: 4

23.07.2005 19:47
#5 RE: So kann und darf´s nicht weitergehen... Zitat · Antworten

Hallo Roswitha,

gerade als ich den Beitrag an Bea abgeschickt hatte, hab ich deinen gesehen. Vielen Dank dafür und (ebenso wie dir, Bea)auch für deinen freundlichen Willkommensgruß - tut gut als "Neue"...

Ja, (meine) Kinder sind wirklich eine sehr starke Motivation, mit Belastungen verschiedenster Art fertig zu werden. Aber es stimmt schon auch, was Bea geschrieben hat: "Eigentlich" müsste man es sich auch selber Wert sein, dass es einem wieder gut geht. Aber ehrlich - wenn ich sehe, wie ich meinen Aufgaben immer weniger gewachsen bin, dann empfinde ich oft nur noch Geringschätzung für mich und denke, dass ich für mein "Versagen" auch nichts Gutes mehr verdiene. Allerdings weiß mein Kopf, dass das eine sehr wenig hilfreiche Einstellung ist, aber oft ist alles andere stärker als mein Kopf.

Jedenfalls freue ich mich, heute schon mal zwei Frauen hier getroffen zu haben, die es geschafft haben. Und momentan wäre ich ehrlich schon über einen Tag Abstinenz froh, und dann noch einen zweiten und dritten...

Viele Grüße -

Anima


Friedi Offline



Beiträge: 2.617

23.07.2005 20:12
#6 RE: So kann und darf´s nicht weitergehen... Zitat · Antworten

Hallo Anima,

es ist wirklich so, dass der Wunsch mit dem Trinken aufzuhören, tief aus einem selbst kommen muss. Ich war nach meinem persönlichen Tiefpunkt (10 Tage Dauersaufen, in das ich einfach so reingerutscht war und das ich nicht beenden konnte) so aufgewühlt und verstört, dass ich sowas nie wieder erleben wollte, nur noch den Wunsch hatte, aufzuhören. Ich fand Hilfe in einer SHG, die ich zweimal wöchentlich besuche (auch wenn ich mal keine Lust habe)und habe genau heute vor drei Jahren das letzte Mal Alkohol getrunken.

Vorher waren viele meiner Versuche aufzuhören erfolglos geblieben, z. B. weil ich meine Trinkgewohnheiten mit denen anderer verglichen habe und meinte, bei mir sei es ja doch noch nicht so schlimm und vor Allem weil ich glaubte, ich hätte "Gründe", um zu trinken.


Dir wünsche ich, den für Dich richtigen (Aus)weg zu finden.

Gruß

Friedi


Anima1 Offline



Beiträge: 4

24.07.2005 08:50
#7 RE: So kann und darf´s nicht weitergehen... Zitat · Antworten

Hallo Friedi,

auch dir vielen Dank für deine Antwort!
Ja, das hört man oft (und ich denke, für viele oder sogar die meisten trifft das auch zu!), dass man erst "ganz unten" sein muss um wirklich aufhören zu können. Ich kann und will es jedoch nicht erst so weit kommen lassen. Bisher ist mein Trinken nahezu perfekt in meinen Alltag integriert: Niemand sieht mich je trinken, niemand erlebt mich auch betrunken, und es soll auch gar nicht so weit kommen.

Du schreibst:
"Vorher waren viele meiner Versuche aufzuhören erfolglos geblieben, z. B. weil ich meine Trinkgewohnheiten mit denen anderer verglichen habe und meinte, bei mir sei es ja doch noch nicht so schlimm und vor Allem weil ich glaubte, ich hätte "Gründe", um zu trinken".

Diese Worte könnten von mir stammen! Auch bei mir ist es ja "alles noch gar nicht so schlimm...." (siehe oben); und "Gründe" gibt es auch genug. Meiner Meinung nach gab es tatsächlich Gründe, damit anzufangen. Aber ich sehe überdeutlich, dass die kurzfristige Entspannung, die ich durch das Trinken in Problemsituationen verspüre, zu teuer bezahlt ist.

Heute ist wieder ein "Tag 1" für mich. Und ich hoffe, dass morgen "Tag 2" ist...

Viele Grüße!

Anima


Beachen Offline




Beiträge: 3.654

24.07.2005 12:47
#8 RE: So kann und darf´s nicht weitergehen... Zitat · Antworten

Zitat
Aber ich sehe überdeutlich, dass die kurzfristige Entspannung, die ich durch das Trinken in Problemsituationen verspüre, zu teuer bezahlt ist.



Hallo Anima und @ll !

Das mit den "vorgeschobenen" Gründen, das kann ich nur unterschreiben.
Ich dachte auch während meinen ganzen Trinkerjahren, ich hätte ein "Recht" zu trinken, "weil" ....
Heute weiß ich, das ist alles Quatsch.
Das ist die Sucht, die einem das sagt, und damit das Gewissen nicht ganz so schlecht ist, entschuldigt man sich quasi selbst mit den Gründen schon mal vorab.
Weil im Hinterkopf weiß man längst, das man zuviel säuft.

Und noch eine Einsicht von mir :
diese ganzen Problemsitutionen, aus denen heraus ich dachte ich muß trinken, waren hausgemacht und teilweise überhaupt erst da, WEIL ich trank.
Also ein Kreislauf.
Und mich hat die Trinkerei nur noch handlungsunfähiger gemacht, in Bezug zu irgendetwas einen klaren Standpunkt zu beziehen und entsprechend zu handeln.

Ich denke auch bei dir, Anima, werden sich einige Dinge von ganz alleine erledigen, wenn du erstmal einige Zeit nichts trinkst.
Und dann kommt auch der nötige Selbstrespekt, bei dich störenden Dingen aktiv zu werden. Ist jedenfalls meine Erfahrung.
Man wird "unbequemer".

Grüßle
Bea


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