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Saufnix
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Dieses Thema hat 7 Antworten
und wurde 1.913 mal aufgerufen
 Arbeitsplatz und Alkoholmißbrauch
Frodo Offline



Beiträge: 226

25.05.2005 00:53
RE: Hilflosigkeit und Wut antworten

Hallo,

ich habe einen Arbeitskollegen, der Alkoholiker ist.
Vor einigen Wochen hat ihn seine Frau rausgeworfen, weil er ne Affaire hatte (sie hatte aber schon dutzende mehr). Vielleicht hat sie nur einen Grund gesucht, ich weiß es nicht.

Er kommt kaum noch zur Arbeit und wenn er da ist trinkt er. Ich befürchte, er wird total abstürzen. Tun kann ich nichts, dass weiß ich. Alle machen sich Gedanken um ihn, denn er ist ein echt lieber Kerl.

Er sagt immer, dass er es geregelt bekommt, weniger trinkt und auf der Arbeit nicht mehr. Heute kam er leider schon wieder mit Alkohol ins Büro...und mit dem Auto...mit dem fährt er auch wieder weg.

Habe ihm schon diverse Links und Infos gegeben. Er findet das toll und bedankt sich, nur glaube ich, er nimmt das alles nicht ernst und sein Problem sowieso nicht.

Seine Arbeit, Ehe, Kinder, Haus, alles wird er verlieren. Es wird nur noch Wochen dauern, schätze ich.

Und ich kann absolut nichts tun.

Er wird abstürzen, auch wenn viele Kollegen glauben, er schafft es schon wieder. Ich glaube es nicht und werde zusehen, wie er abstürzt. Tun kann ich nichts, das habe ich hier gelernt.

Aber ich kann es nicht gelassen sehen. Ich bin wütend. Wütend auf den Alk und seine Ignoranz dem gegenüber. Er hat total den Bezug zur Realität verloren.

Eigentlich , so habe ich mal gelesen, müßte ich ihn beim Chef "anschwärzen", damit ich seinen Absturz beschleunige. Das werde ich nicht tun, denn er wird es ohnehin bald merken und die Konsequenzen ziehen. Innerlich habe ich mich, auch wenn es schwer fällt, von ihm schon verabschiedet.

Gruß
Frodo, heute sehr nachdenklich

[ Editiert von Frodo am 25.05.05 0:54 ]


Lissy01 Offline




Beiträge: 2.780

25.05.2005 08:22
#2 RE: Hilflosigkeit und Wut antworten

Hallo Frodo,

ja, das ist eine schwierige Situation.

Warum genau bist Du wütend?
Einfach weil es so schwer ist, tatenlos zuzuschauen, wie ein Mensch sich das Leben versaut oder konkret, weil die Arbeit drunter leidet?

Ich würde eine solche Unterscheidung treffen.
Im ersteren Fall, wenn ich nicht direkt davon betroffen bin, würde ich nichts unternehmen und mir sagen, es ist meine eigene Co-Empfindlichkeit.
Also wenn Du nicht wirklich direkt mit ihm im gleichen Projekt arbeitest.

Im zweiten Fall, wenn mein direktes Arbeitsumfeld betroffen wäre, hätte ich heute keine Hemmungen mehr, mit dem Chef drüber zu reden.
Früher hätte ich das auch als Anschwärzen betrachtet.
Heute sehe ich das einfach nur als Konsequenz, daß ich nicht mehr "stillhalten" möchte, wenn mir was stinkt.
Und Du hast ja schon genug am Wickel und mußt nicht noch seine Arbeit zusätzlich übernehmen, nur um ihn zu decken.

Wenn Du sowieso schon mit ihm drüber geredet hast, dann kannst Du ja auch noch mal ankündigen, daß Du ihn nicht mehr decken möchtest und weiter Schritte gehst, wenn er von sich aus nichts unternimmt.

Hast Du Dich mal durch die alten Posts in dieser Rubrik gelesen?
Vielleicht steht ja was zu drinnen, wie Du am Besten vorgehst.
Habt ihr nicht einen offiziellen Suchtbeauftragten, an den Du Dich wenden kannst statt direkt an den Chef?
Oder den Betriebsrat, falls vorhanden?
Oder ist Dein Betrieb auch so eine Klein-Klitsche wie unserer, wo es nichts dergleichen gibt.

Es wäre natürlich besser, wenn das Gespräch jemand führen könnte, der für diesen Job ausgebildet ist, als ausgerechnet Du, dem man unterstellen kann, daß du persönlich vorbelastet bist.

In einem Punkt würde ich aber keinerlei Gnade mehr kennen:
Wenn er angetrunken Auto fährt.
Ich glaube, heute würde ich umgehend und ohne Vorwarnung die Polizei verständigen, damit sie ihn abfangen, wenn er nach Hause fährt.

Es könnte auch Dein Kind sein, daß im falschen Moment über die Straße läuft.

Gruß, Lissy


malo Offline




Beiträge: 1.684

25.05.2005 09:00
#3 RE: Hilflosigkeit und Wut antworten

hallo frodo,

im allgemeinen ist konstrucktiver druck das beste.

das heisst offen mit dem kollegen zu reden.bring ihm klar
rüber,dass du sein verhalten seinen kollegen gegenüber nicht
mehr deckeln wirst....er muss merken,dass seine sauferei
auswirkung auf das betriebsklima hat...die verantwortung
muss zu der person wo sie hin gehört,denn nur sie hat auch
die möglichkeit diese zu übernehmen...

zum fahren lassen unter alkoholeinfluss möchte ich lieber
nichts schreiben...stell dir nur mal vor eine deiner töchter
würde ihm unter die räder kommen...

lg malo


Frodo Offline



Beiträge: 226

25.05.2005 09:39
#4 RE: Hilflosigkeit und Wut antworten

Hallo,

also, wir arbeiten im gleichen Team. Wir haben natürlich einen Betriebsrat, Sozialbetreuung etc. , aber er ist freier Mitarbeiter und kann dieses Netzwerk daher wohl nicht nutzen. Er könnte von Heute auf Morgen aus dem Team "entlassen" werden, da es keine Kündigungsfristen gibt. Das er wahrscheinlich kurz davor steht und es nicht mal begreifen will, wenn man es ihm sagt, macht mich besonders wütend.

"Decken" gab es sowieso nicht bisher. Seine Arbeit bleibt halt liegen und das kommt direkt beim Chef an. Wir haben einen neuen Chef, was ich ja schon in einem anderen Thread erwähnte. Mein alter Chef wußte das auch und hat meinen neuen Chef schon "vorgewarnt", was auf ihn zukommt.

Nun, nach fast mehr als 1/2 Jahr passiert nichts, was mich sehr wundert. Bisher habe ich mit meinem Chef nicht geredet, denn diese "Vorwarnungen", die es gegeben haben soll, kenne ich nur aus dem "Flurfunk".

Wütend bin ich, weil er so arrogant ist, sich selbst als den Tollsten und Besten sieht und das ihn alleine schon daran hindert, sich Hilflosigkeit einzugestehen.

Er hatte betrunken schon einen Unfall gebaut ohne Fremdbeteiligung.

Wichtig ist noch zu erwähnen, dass ich ihm zutraue, unter Alkoholeinfluss sehr aggressiv zu sein. Wenn ich mir vorstelle, ich würde ihn anschwärzen beim Chef oder Polizei, könnte das durchaus gewaltsame Konsequenzen nach sich ziehen.
Im Moment frißt er alles in sich rein und er wäre für mich so der typische Amok-Kandidat, wie er oft in der Zeitung steht.

Gruß
Frodo


Lissy01 Offline




Beiträge: 2.780

25.05.2005 09:55
#5 RE: Hilflosigkeit und Wut antworten

Hallo Frodo,

wenn das Problem so bekannt ist und nichts passiert, dann besteht natürlich schon die Möglichkeit, daß er besondern Schutz genießt weiter oben.

Dann mußt Du Dich ja diesbezüglich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen.

Andererseits kannst Du Betriebsrat, Sozialbetreuung für DICH in Anspruch nehmen, wenn Du offensichtlich unter dem Zustand leitst.
Du bist ja kein freier Mitarbeiter.

Aber was die Sache mit dem alkoholisiert fahren angeht, solltest Du noch mal drüber nachdenken, ob du damit leben willst, daß er vielleicht das nächste Mal jemanden tot fährt und Du hast davon gewußt, daß er betrunken ans Steuer geht.

So wie Du es beschreibst, WÄRE er nicht ein Amok-Kandidat, sondern er IST einer, wenn er in diesem Zustand fährt.
Er ist eine potentielle Waffe auf Rädern, die jeden Tag abgeschossen wird und bislang zum Glück noch keinen getroffen hat.

Ich finde, das ist eine Frage der Ziviel-Courage, daß Du etwas unternimmst.
Ich denke, das kannst Du auch anonym machen.
Die Polizei kann das ja so aussehen lassen, als wäre es eine Routine-Kontrolle.
Ruf einfach mal an bei der Polizei und frag, wie Du Dich verhalten sollst.

Möglicherweise tust Du ihm noch einen Gefallen damit, weil er dann tatsächlich etwas unternehmen muß, wenn er seinen Führerschein wieder haben möchte.

Gruß, Lissy


Frodo Offline



Beiträge: 226

25.05.2005 13:56
#6 RE: Hilflosigkeit und Wut antworten

@Lissy

am besten wäre wohl, dass ich dann an dem Tag zu Hause bleibe und so keine Verdachtsmomente aufkommen.

Muss dann mal mit der Polizei klären, wie sie das anstellen wollen, denn es muss ja dann bekannt sein wann und wo er zu finden ist. Er hat nämlich schon ein gewisses Geschick entwickelt, die Kontrollen zu umgehen und die "Dorfpolizei" kümmert sich schon gar nicht.

gruß
Frodo


Lissy01 Offline




Beiträge: 2.780

25.05.2005 13:57
#7 RE: Hilflosigkeit und Wut antworten

Hi Frodo,
ja, leite irgendwas in die Wege.
Dann kannst Du Dir wenigstens sagen, daß Du nicht untätig warst, wenn was passiert.
Gruß, Lissy


Frodo Offline



Beiträge: 226

10.06.2005 12:58
#8 RE: Hilflosigkeit und Wut antworten

Hallo,

der Kollege ist nicht mehr da. Er wurde versetzt. Ich vermute, es war Absicht und hat mit seinem Alkoholkonsum zu tun.

Er trinkt, so wie er sagt, seitdem kaum noch was und sein Zittern hätte ja ganz andere Ursachen.

Er und Alkoholiker ? Nie und nimmer...

Schade, ich dachte, er hat es verstanden.

Zumindest tangiert es mich nicht mehr.

Klar fährt er auch noch betrunken Auto, aber ich weiß nicht mehr wann und wo und kann es auch nicht ändern.

Gruß
Frodo


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