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Saufnix
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Dieses Thema hat 20 Antworten
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 Meckern, Toben, Alltagsfrust
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Absti ( gelöscht )
Beiträge:

10.05.2005 12:11
RE: Diabetes / Alkoholismus antworten

Hallo!

Ich bin insulinpflichtige Diabetikerin und Alkoholikerin. Schon oft habe ich hier im Forum gelesen, dass Diabetes mit Alkoholismus verglichen wird. Das ärgert mich immer wieder sehr. Ich habe diese Wut nie gepostet, weil es nicht zum ursprünglichen Thema gepasst hätte. Eingestellt bin ich auf 6 - 4 - 6 - 4 - 6 - 2 BE, Normalgewicht halte ich. Bei dieser BE-Menge ist keinerlei Verzicht angesagt, keine Eisdiele ist vor mir sicher (doch, hier ist eine kleine Einschränkung; der 2-Stunden-Takt). Rundreisen und Ausflüge trete ich mit Bananen und Plätzchen an. Sollte ich mich mal verrechnen, so ist der Schaden innerhalb eines knappen Tages behoben. Ein Glas Alkohol und der Schaden wäre, wenn denn überhaupt nochmal, erst nach Monaten behoben.

Im richtigen Leben fällt es mir allerdings wesentlich leichter den Alkoholismus zuzugeben als die Zuckerkrankheit. Zum Thema Alkohol habe ich bisher nur positive Reaktionen oder Stillschweigen geerntet. Bei Diabetes kennt sich aber jede Nase aus. Das wurmt mich sehr. Ich habe doch die Schulungen besucht, jährlich ändern sich die medizinischen Erkenntnisse. Trotzdem fange ich mir die dümmsten Ratschläge ein oder bekomme "Diabetiker-Produkte" mit dem Hinweis geschenkt: Das darfst du ja! Über den Satz: Meine Oma ist auch an Zucker gestorben (auf Nachfrage dann stellt sich heraus, dass Oma 83 geworden ist), kann ich schon lange nicht mehr lachen. Bei der letzten Grillparty habe ich nur Fleisch und Bauernsalat gegessen, davon aber jede Menge. Prompt wurde ich gefragt, ob ich nicht spritzen müsse. Ich habe dann gesagt, der Zucker sei weg, seit ich nicht mehr trinke. Das hat überzeugt. Ich glaube, so werde ich das jetzt öfter machen. Mein Bruder und meine Freundin (beide sehr ehrlich und offen) erwähnen unter Fremden ihre Insulinpflicht auch nicht mehr. Sie haben ähnliche Gründe wie ich. Sie können diese Halbwissensbesserwisserei nicht mehr ab.



So, fertig.

- Marianne -


helena R ( gelöscht )
Beiträge:

10.05.2005 13:02
#2 RE: Diabetes / Alkoholismus antworten

Hallo Marianne,

ich kann Dich ja so gut verstehen, das geht mir auch oft so, die vielen Leute, die so viel Ahnung haben ( nicht nur über Diabetes, nein, eigentlich über alles und jedes) und informiert sind, sei es durch Bücher oder Internet.

Ätzend, und Recht haben sie auch immer noch dazu, glauben sie jedenfalls. Das ist aber kein Halbwissen, das ist höchstens Viertelwissen!

LG helena


Adobe Offline




Beiträge: 2.561

10.05.2005 13:40
#3 RE: Diabetes / Alkoholismus antworten

Hallo Marianne,

auch ich kann das gut verstehen. Mein Freund ist Diabetiker Typ 1. Also voll insulinpflichtig.

Ich weiß nicht, was manche Leute unter Diabetiker-Diät verstehen. Nach Auffassung von vielen darf er auch kein Fett essen

Er hängt es auch nicht an die große Glocke und wenn wir mit Bekannten Essen gehen, geht er auf die Toilette spritzen.

LG
Adobe


Absti ( gelöscht )
Beiträge:

10.05.2005 13:56
#4 RE: Diabetes / Alkoholismus antworten

Hallo Helena, hallo Adobe!

Ich halte den Alkoholismus für meine Krankheit. Dann kommt eine längere Pause, dann folgt Diabetes.
Anfangs habe ich auch außerhalb der Wohnung nur auf Toiletten oder in dunklen Eingängen gespritzt, wenn ich unbedingt Kohlenhydrate essen oder trinken wollte. Das war mir dann irgendwann zu doof. Inzwischen tue ich das aber doch wieder, sobald Leute, die wir nicht so gut kennen, mit am Tisch sind. Schade eigentlich.

Irgendwie läuft mein Alltagsärger im Leben doch sehr viel auf "Rechtfertigung" hinaus. In Sachen Alkohol habe ich mir das recht gut abgewöhnt. In vielen anderen Lebensbereichen auch. Nun ist es wohl an der Zeit dieses Lebensmotto (mein nein genügt und basta) auch auf "Erdbeertorte" zu übertragen.

Herzliche Grüße, - Marianne -


Biene2 Offline




Beiträge: 4.231

10.05.2005 14:02
#5 RE: Diabetes / Alkoholismus antworten

Hallo Marianne,

Mea Culpa,mea culpa....*ganz zerknirscht bin*

Ich benutze den Vergleich immer gerne um manchen Leuten klar zu machen,daß es sich auch bei Alkoholismus um eine Krankheit handelt...selbst wenn es durch Abusus hervorgerufen sein sollte...dabei denke ich auch an ein Kind,das ich aus der Schule meines Sohnes kenne,bei dem die Diabetes-Krankheit durch zuviel Zuckerzeug hervorgerufen wurde.
Da kommt ja auch keiner auf die Idee zu sagen: Selber schuld...Du bist ja gar nicht krank...

Dieser Theorie zufolge wäre dann Lungenkrebs auch keine Krankheit...

Und dann hatte ich noch mal den Vergleich mit der Lebensgefährlichkeit...ich weiß...hinkelt auch ein bisserl...sorry...
Nicht jeder Alkoholiker landet gleich auf der Intensiv...genauso wenig wie jeder Diabetiker bei Unterzuckerung dort landet...

Ist halt manchmal irgendwie schwierig zu erklären...das alles....

Und noch mal...Sorry...kommt nicht mehr vor...


Lissy01 Offline




Beiträge: 2.780

10.05.2005 14:23
#6 RE: Diabetes / Alkoholismus antworten

Hi Absti,

ich habe den Vergleich auch schon gebracht.

Ich wollte Dir oder anderen Diabetikern damit sicher nicht auf die Füße treten.

Wenn ich den Vergleich verwende, dann eigentlich, um aufzuzeigen, daß es keinerlei Grund gibt, sich als betroffener Alkoholiker zu schämen oder zu verstecken, weil das genauso eine Krankheit ist, wie z.B. Diabetes.

Aber so wie Du es beschreibst, wird mit Diabetes ja noch verkrampfter und blöder umgegangen seitens der Nichtbetroffenen als mit Alkoholkrankheit.

Ich habe einfach Parallelen gesehen, weil es bei beiden Krankheiten die Möglichkeit gibt, Verantwortungsbewußt damit umzugehen oder aber das Problem zu ignorieren.
Ich habe eine Freundin, die völlig offen damit umgeht.
Sie spritzt kein Insulin und muß deshalb bei der Ernährung aufpassen.
Ich habe aber auch schon Menschen getroffen, die regelmäßig wegen Unterzuckerung ins Krankenhaus mußten, weil sie einfach in bestimmten Situationen keinen Bock hatten, auf sich zu achten.

Ich verstehe gut, daß Dich manche Besserwissi- Kommentare zu Diabetes ärgern.

Ehrlich gesagt verstehe ich aber immer noch nicht genau, warum Dich der Vergleich mit der Alkoholkrankheit so wütend macht.
Gerade was Du erwähnst mit dem Rechtfertigungs-Zwang, ist in meinen Augen schon wieder eine Parallele.
Und sowohl der Alkoholiker als auch der Diabetiker entscheidet selbst, ob er sich rechtfertigen will oder nicht.

Gruß, Lissy


StellaLuna Offline




Beiträge: 3.573

10.05.2005 14:24
#7 RE: Diabetes / Alkoholismus antworten

Hallo Absti,

"Irgendwie läuft mein Alltagsärger im Leben doch sehr viel auf "Rechtfertigung" hinaus. In Sachen Alkohol habe ich mir das recht gut abgewöhnt."

Ich habe MS, sieht keiner, riecht keiner und SPÜRT keiner, ausser mir, d.h., ich habe mich jahrelang rechtfertigen müssen, bzw. habe es im Vorfeld gleich getan, ging es um Unternhemungen, die bis spät in die Nacht gingen, grosse Wander/Radtouren, all die Dinge, bei denen ich nicht so easy mithalten kann, sei es durch extreme Müdigkeit, oder eben Leistungsschwäche generell.

Die MS kann niemand ausser mir selbst nachvollziehen und deshalb sage ich heute, bin einfach zu müde, ist mir zu viel oder was auch immer, aber rechtfertigen dafür mach ich nimmer und PUNKT!

"mein nein genügt und basta) auch auf "Erdbeertorte" zu übertragen."

Genau so handle ich das auch, wobei ich zur Erdbeertorte zum Glück "Ja, gerne!" sagen kann

In Punkto Alk hatte ich übrigens noch nie Probleme, mein "Nein, danke, ich trinke keinen Alkohol." wird ohne Weiteres sogar "bewundernd" akzeptiert

Grüsse
Patricia


StellaLuna Offline




Beiträge: 3.573

10.05.2005 14:28
#8 RE: Diabetes / Alkoholismus antworten

Lissy,

"Und sowohl der Alkoholiker als auch der Diabetiker entscheidet selbst, ob er sich rechtfertigen will oder nicht"

Genau, das ist der Punkt

Ich muss mein Verhalten, egal um was es jetzt geht, einzig und alleine vor mir selbst rechtfertigen sonst niemandem!

Grüsse
Patricia


Absti ( gelöscht )
Beiträge:

10.05.2005 14:29
#9 RE: Diabetes / Alkoholismus antworten

Zitat
Du hast wahrscheinlich noch niemals das Feuerwerk an Endorphinen nach dem ersten Schluck während eines Entzuges gespürt...sonst wüsstest Du,daß Alkoholismus bzw. "Sucht" mehr ist,als nur "eine Entscheidung"



Biene, du hast diesen Satz geschrieben. Da war mir wieder klar, dass ich in diesem Forum doch richtig bin.

Und Lisl´s: Mir ging es so gut, da habe ich vergessen, dass ich krank bin. Diese Aussage trage ich auch immer bei mir.

So, jetzt gibt es eine Tasse Kaffee und 4 Duplo (das macht exakt 4 BE)!


Gruß, - Marianne -


Absti ( gelöscht )
Beiträge:

10.05.2005 14:51
#10 RE: Diabetes / Alkoholismus antworten

Hallo Lissy, hallo Patricia!

Wahrscheinlich haben wir jetzt zeitgleich getippt.

Genau dieses Gefühl eine Rechtfertigung abgeben zu müssen ist es. Für mich ist Alkohol lange das zentrale Thema gewesen (davon loskommen, wieder leistungsfähig werden, SHG, Abgrenzung, eigene Interessen wahrnehmen etc.).

Ich denke nun, bei der Zuckerkrankheit werde ich es genau umgekehrt handhaben. Klar, die monatliche SHG im KH weiterhin besuchen (will ja keine Neuerung zu meinen Gunsten verpassen). Aber sonst: keine Erklärungen.

Ach, zur "Erdbeertorte" noch: Ich meinte das so: Nein, nicht wegstellen! Ich darf doch noch zwei Stück nehmen!


Das Alkoholismus und Diabetes zwei Krankheiten sind, die ich selbst beeinflussen kann, da stimme ich vollkommen zu. Ich will aber unbedingt die Einschränkung festhalten, dass die Alkoholkrankheit einen langen, langen Weg ging, bevor
ich eingreifen konnte. Diabetes wurde diagnostiziert und dann reichte durchaus mein Kopf um sie halberlei unter Kontrolle zu halten.

Gruß, - Marianne -


Lissy01 Offline




Beiträge: 2.780

10.05.2005 14:57
#11 RE: Diabetes / Alkoholismus antworten

Hallo Absti,

Zitat
Diabetes wurde diagnostiziert und dann reichte durchaus mein Kopf um sie halberlei unter Kontrolle zu halten.



Aber ist es nicht auch letztendlich Dein Kopf, der Dich davon abhält, etwas zu trinken?

Gruß, Lissy


Joosi Offline




Beiträge: 2.036

10.05.2005 15:04
#12 RE: Diabetes / Alkoholismus antworten

Hallo Marianne,

ich kann dich sehr gut verstehen!

Ich hatte in der Schwangerschaft einen Schwangerschaftsdiabetes, der danach nicht mehr richtig zurückging. In der Schwangerschaft habe ich täglich über 100 Einheiten Insulin spritzen (kurz- und langzeit) müssen, danach nahm ich zunächst Tabletten und seit über 3 Jahren bin ich wieder im Normbereich ohne Tabletten (HbA1c 5,9). Dadurch weiß ich schon, was in ein paar Jahren auf mich zukommen wird, denn irgendwann wird er wieder ausbrechen und z.B. mit jedem Kilo das ich weniger wiege, habe ich die Chance, dass ich es noch eine Weile so, ohne Medikamente und Insulin, hinbekomme.

Als ich es damals in meiner Familie erzählte, fingen sämtliche Leute an für mich Kuchen nach Diabetiker-Rezepten zu backen. Es hat mich damals auch unglaublich genervt, denn
1. wollte ich keinen schlechtschmeckenden Diabetiker Kuchen essen
2. nützt mir ein Diabetiker Kuchen nichts, wenn mir keine Angaben dazu gemacht werden können, wieviel BE ein Stück nun hat (kann zwischen 1 + 4 schwanken!)
3.warum soll ich überhaupt dauernd Kuchen essen, jetzt wo ich Diabetiker war, habe ich vorher auch nicht gemacht.

Meine Schwiegermutter backte in der Weihnachtszeit extra einen ganzen (1,5 kg schweren!!!) Diabetiker-Stollen für mich! Ja meine Güte, denkt denn niemand mit?
Viele meinten, weil ich Diabetes habe, müsste ich nun unmengen von Diabetiker-Produkten in mich reinstopfen.

Boahh, wenn ich da noch dran denke, werde ich jetzt noch aggressiv!

Ich habe es auch total gehasst, dass völlig uninformierte Leute mir dauernd Tipps geben wollten und ich dann ständig in der Rechtfertigungsnummer war. Das so viele meinten, sie müssten aufpassen, was ich esse oder gar vorher fragten, ob sie jetzt ein normales Stückchen Kuchen essen könnten, oder ob das ein Problem für mich wäre.

Ich habe damals auch eine Diabetiker-Schulung besucht und mir angelesen was ich wissen muss, aber meine Schwiegermutter, meinte mich ständig anrufen zu müssen und mir Tipps geben zu müssen, was ich jetzt mal essen soll - dabei hat sie überhaupt keine Ahnung von Diabetes! Tja und dann die Horrormärchen, wer alles daran gestorben ist und ich mit meinen - damals erst - 34 Jahren, was soll das noch werden. Na prima!! Das hat mir unheimlich geholfen.

Ich kann natürlich verstehen, dass manche Leute eben nur versuchen wollen zu helfen. Aber allzuoft ist es schon auf diese "ich-meine-es ja nur-gut-Erpressung" hinausgelaufen und wenn ich keinen 1,5 Weihnacht-Diabetiker-Stollen essen will, dann ist Schwiegermutter beleidigt und ruft aber extra nochmal an, dass ich ihn aber dann wenigstens einfrieren soll.

Damals habe ich echt auch gemerkt, dass es viel mehr Leute gibt, die mir (rücksichtslos) Ratschläge aufdrücken wollen, als welche, die Anteil nehmen, nachfragen und mir auch mal zuhören und respektieren, dass ich keine Lust habe meine Krankheit als Dauerthema des Abends zu machen.

Wenn bei mir Diabetes wieder ausbricht, werde ich es NICHT mehr öffentlich sagen - dass letzte Mal hat mir vollkommen gereicht. Wahrscheinlich würde ich auch aufs Klo (oder ins Auto) gehen, um zu spritzen, aber nicht weil ich mich verstecken muss, sondern weil ich mir die ignoranten, penetranten "Ich-meins-ja-nur-gut-Ratschlaggeber" einfach vom Hals halten will. Sollen die doch gefälligst warten, bis sie selber Diabetes haben und dann ihren 1,5 kg Weihnachstollen verputzen

Inzwischen kann ich auch schon ganz gut unterscheiden, wem ich es erzählen kann. Meiner Freundin z.B., die würde mich niemals so bescheuert bevormunden. Die weiß das auch mit meiner Alkoholsucht und troztdem hat sie mich schon gefragt, ob ich auch ein Glas Wein möchte. Ich weiß nicht, ob es verständlich ist, aber ich war sehr glücklich darüber, dass sie mich ganz normal behandelt und ich ganz normal nein sagen kann und gut ist und sie sich nicht mit einem Halbwissen über Alkoholkrankheit zu meinem Aufpasser aufschwingt.

Die heutige Diabetiker-Ernährung ist übrigens eine ganz normal vollwertige Ernährung. Bei Kuchenrezepten kann man ruhig den normalen Zucker nehmen und z.B. die Hälfte oder ein Drittel weglassen, merkt man oft gar nicht (ist auch für Nicht-Diabetiker sehr zu empfehlen!!!:grins2. Es ist gar nicht gewollt, dass ein Diabetiker soviel "Extra-gesüßte-Diabetiker-Sachen isst. Da Fruchtzucker stärker süß ist, als normaler Zucker, polt er das Gehirn mehr auf süß - sprich, man bekommt mehr Verlangen auf Süßes. Das ist genauso, wenn man viel Süßstoff benutzt - deshalb nimmt man den ja auch zur Schweinemast.(jetzt bin ich ja schon fast bei meinem "Abnehm-Thema! )

Ein Diabetiker sollte z.B. nicht übermäßig fett essen, falls er zu Übergewicht neigt, da Fett sehr nährreich ist und man schneller davon zunimmt. Jedes Kilo mehr Gewicht, erhöht aber die Insulinresistenz und verschlechtert somit den Diabetes, da bei höherer Insulinresistenz wieder mehr Insulin gespritzt werden muss. Das Hormon Insulin hat aber die blöde Nebenwirkung, dass es mehr Hunger macht, tja...ein Teufelskreis...aber genug fachgesimpelt...ich hab´mir das jetzt mal rausgenommen, da ich, glaube ich, nicht nur "Halbwissen" habe auf diesem Gebiet... falls jemand eine spezielle Frage hätte, kann er mich gerne Fragen.

Ich finde aber auch, dass Nichtbetroffene das gar nicht wissen brauchen - wozu auch. Aber ich freu´mich immer, wenn jemand interessiert ist und über den Tellerrand der Klischees hinausgucken will.

Aber es gibt wirklich noch sehr, sehr viele Ammenmärchen über Diabetes...

Ach ja, mir fällt es bei Ärzten oder in der Öffentlichkeit trotzdem leichter zu sagen, dass ich Diabetikerin bin. Da werde ich weniger schräg angesehen, als wenn ich sage, dass ich Alkoholikerin bin - das ist mein Eindruck.

Zitat
Ich habe aber auch schon Menschen getroffen, die regelmäßig wegen Unterzuckerung ins Krankenhaus mußten, weil sie einfach in bestimmten Situationen keinen Bock hatten, auf sich zu achten.



Wusstest du, dass sie keinen Bock hatten? Ich habe mich z.B. akribischst! an BE, Insulineinheiten etc. gehalten und mein Hormonhaushalt entgleiste immer mehr, so dass ich jede Nacht schlimme Unterzucker hatte (BZ weit unter 40), so dass mein Kind dann 3 Wochen früher geholt werden musste. Und ich habe wirklich ALLES getan was ging, nie gesündigt etc...und durfte miterleben, dass selbst die Ärzte mir unterstellten, dass ich meine Gelüste als Schwangere nicht im Griff hätte...das war vielleicht ungerecht!

Liebe Grüße
Gaby

P.S. Ich finde den Vergleich Diabetes und Alkoholkrankheit nicht so schlecht. Es sind beides lebensbedrohliche Krankheiten, die der betroffene ernst nehmen muss.


gepard Offline




Beiträge: 851

10.05.2005 15:12
#13 RE: Diabetes / Alkoholismus antworten

Hi Joosi,

sehr plausibel, was du da schreibst. Auch das mit dem angebotenen Glas - so habe ich mir das noch gar nicht überlegt. Klasse!


Absti ( gelöscht )
Beiträge:

10.05.2005 15:15
#14 RE: Diabetes / Alkoholismus antworten

Hallo Lissy,

ich glaube nicht, dass es allein der Kopf ist. Eine recht umfangreiche Abhandlung über die negativen Seiten des Alkohols hätte ich sicher bereits vor Jahren verfassen können. Für die positiven Seiten hätte ein kleiner Notizzettel genügt. Sehr oft war mir klar: Ich darf nicht mehr.

Ich hatte oft das Gefühl, Kopf (Wissen) und der restliche Körper seien nicht eins. So hat der größere Teil von mir immer und immer wieder gewonnen. Dieses "ich brauche nicht mehr" beziehe ich für mich tatsächlich auch auf den körperlichen, geistigen, zwischenmenschlichen Niedergang.

Ich genieße es immer noch, z. B. ein vollgepacktes Tablett mit vielen Getränken und wackeligen Dingen quer durch ein Restaurant zu tragen ohne zu kleckern. Oder winzig kleine Handarbeiten (Gobelin) entspannen mich. Gerade auf der Leiter: Freihändig mit nasser Gardine und mit ohne Schwindel.

Nein, das ist nicht nur der Kopf. Das ist Gefühl. In manchen Situationen ein so schönes Gefühl, dass ich vor Glück heulen könnte.

Gruß, - Marianne -


Lissy01 Offline




Beiträge: 2.780

10.05.2005 15:18
#15 RE: Diabetes / Alkoholismus antworten

Hallo Joosi,

Zitat
Ich habe aber auch schon Menschen getroffen, die regelmäßig wegen Unterzuckerung ins Krankenhaus mußten, weil sie einfach in bestimmten Situationen keinen Bock hatten, auf sich zu achten.


ja, die Frau, von der ich rede, hat das genauso gesagt.
Die war komplett angenervt, daß sie ständig aufpassen soll, was sie ißt und wann sie spritzen muß wenn sie gerade im Streß ist.

Sie war damals meine Chefin und hat uns beiseite genommen und gesagt, es könnte sein, daß wir das bei ihr erleben und wie wir dann reagieren müßten, wenn sie Unterzucker hat.

Das ist für mich das gleiche Verhalten, wie wenn ein Alkoholiker sagt, er kann jetzt nicht aufhören mit trinken, weil er gerade so beruflichen Stress hat.

Gruß, Lissy


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