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Saufnix
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Dieses Thema hat 35 Antworten
und wurde 1.937 mal aufgerufen
 Ganz, ganz viele Fragen
Seiten 1 | 2 | 3
Gast ( gelöscht )
Beiträge:

15.11.2004 17:17
#16 RE: selbstwertgefühl?! antworten

Hallo zusammen!

Brauche dringend ein paar Ratschläge zu Selbstachtung
und eigen Würde:
Versuche nun sehr lange kontrolliertes Trinken, was
auch grossteils gelingt mit aber nun leider sicher
sechs Rückfällen in exzessiven Trinkgelagen, wo mir
dann ein paar Stunden fehlen und ich nicht weiss was
ich in dieser Zeit bewusst gemacht habe.
Nun letzte Woche hat dann den Ausschlag gegeben, dass ich
ab sofort ohne Alkohol leben möchte. Ich habe auch schon
die notwendigen Schritte (Suchtberatung, Hausarzt) und
seit drei Tagen ohne einen Tropfen Alkohol.
Leider bin ich letzte Woche beruflich gestresst gewesen
und habe dann am Feierabend ein paar Gläser Wein auf die
Schnelle getrunken. Ich habe aber an diesem Abend für die
Damensauna abgemacht und natürlich haben es ein paar Damen
mitbekommen, dass ich betrunken bin.
Meine Fragen:
Werde ich je wieder mir selbst mit Achtung in die Augen
sehen können?
Wie soll ich mich in der Öffentlichkeit verhalten gegenüber diesen Damen?
Mir ist klar, das ich dazu stehen muss und mein Ruf nun
weg ist.
Wie soll ich mit diesen grossen Scham-und Schuldgefühlen
umgehen?
Im Moment traue ich mich nicht ein Mal mehr vor die Tür?
Wird meine Tochter mir je verzeihen und wieder vertrauen
können, nachdem ich schon mehrmals ihr versprochen habe,
es käme nie mehr vor?
Wie soll ich trocken bleiben wenn mein eigener Mann ein
stiller Trinker ist?Und die Schuld auf mich abwälzt.
Mein grösstes Problem im Moment ist nicht nicht zur Flasche zu greifen, sonder mein Schuldgefühl und mein
wiederholtes Versagen!!
Ich hoffe ihr könnt mir ein paar Ratschläge geben.

Danke im voraus


miezegelb Offline




Beiträge: 2.677

15.11.2004 17:21
#17 RE: selbstwertgefühl?! antworten

Zitat
Ich glaube, dass da viel von meinem Minderwertigkeitsgefühl herkommt. Und ich glaube, dass ich meine Eltern durch dieses Minderwertigkeitsgefühl (das natürlich für andere nicht sichtbar ist) zu ihrem Verhalten provoziere




Hallo gepard,

vieleicht kommt das Minderwertigkeitsgefühl auch daher, das du immer bissel abhängig warst von deinen Eltern.
Das führt oft dazu das man nie wirklich sagt was man denkt,
sich zurückhält und nicht Du selber bist.
Andererseits wollen deine Eltern dich auch nicht verlieren, nehm ich mal an und sehen leider das Geld als einziges Mittel, dich etwas an sie zu binden.

LG Ramona


anuschka Offline




Beiträge: 125

15.11.2004 18:28
#18 RE: selbstwertgefühl?! antworten

hallo an alle!

zum topic direkt habe ich gerade nichts zu sagen ... aber ich find's total klasse, dass sich so viele darüber gedanken gemacht haben und machen! scheint ja nicht mein thema allein zu sein :-)

ihr alle hier habt mir übrigens den einstieg ins forum sehr erleichtert! ich freue mich sehr, hier zu sein! und den ausstieg aus dem alk. schaffe ich mit euch auch besser als allein. danke euch dafür!

anuschka


clara1 Offline



Beiträge: 40

15.11.2004 18:51
#19 RE: selbstwertgefühl?! antworten

Hallo Gepard,

Dein Bericht hat mich sehr betroffen gemacht. Vor allem, weil Du das immer weiter mitmachst.
Mir kommt es so vor, als ob Deine Eltern Dich testen wollen, wie weit sie gehen können (unbewusst natürlich).
Sei sicher, sie werden sich niemals ändern, wenn Du
weiterhin signalisierst, dass Dir etwas an ihnen liegt, in jeder Hinsicht. Ihre Selbstgefälligkeit ist unerträglich, Deine Hilflosigkeit aber fast genauso.
Aus eigener Erfahrung sage ich Dir: Zieh einen Schlusstrich.
Beschränke die Begegnungen auf ein Minimum. Lass Dich auf keine Mitleidheischerei mehr ein.
Sie werden sich Dir gegenüber nur anders verhalten, wenn Du Dich änderst.
Wie soll ich es Dir nur klarmachen? Es geht hier um DICH.
DU musst für Dich sorgen, Deine Eltern haben ihre Chance längst verspielt.

Sorry, ist etwas lang geworden. Allerdings nur, weil ich mich wiedererkannt habe.

Liebe Grüsse von
Clara


gepard Offline




Beiträge: 851

15.11.2004 20:04
#20 RE: selbstwertgefühl?! antworten

Danke für eure Kommentare. Ihr helft mir sehr, alles aus verschiedenen Blickwinkeln zu sehen, und es ist überall viel Wahres dran und eh auch meine Meinung. Ich werde versuchen, mehr für mich selber zu denken und zu leben und im Krisenfalle zu mir selber halten und Grenzen ziehen. Hat mir sehr gut getan, mich hier auch mal auszulassen in dem Wissen, dass ihr da seid und Anteil nehmt.

Minderwertigkeitsgefühle haben eine große Rolle gespielt im Alkohol-Teufelskreis. Eine Art Sozialphobie kommt daher, dass ich mich ununterbrochen selbst (in nicht gutem Licht) gesehen habe und das der Sicht der Anderen gleichsetzte bzw. ständig ängstlich war, wie man von mir denkt. Bei allem, was ich sagte, tat, wie ich mich bewegte. Da half der Alkohol in Gesellschaft, dass ich etwas lockerer wurde oder diese Ängstlichkeit verdeckte. Die Hemmungen breiteten sich auf immer mehr Situationen aus und ich hatte sie vor Menschen, die ich kannte und nicht kannte, auf der Straße, in den Pausenräumen im Theater, und dann kam dazu dass ich Angst hatte lächerlich rüberzukommen, wenn man mir Hemmungen ansehen könnte (was ja gar nicht immer der Fall war, vor allem vor irgendwelchen Unbekannten auf der Straße, denen ich ja nun wirklich egal war). Ich fand es daheim dann allmählich immer gemütlicher. Daheimbleiben mit genug Bier, da fiel ja jegliches Risiko weg und ich fühlte mich jahrelang mit mir selbst sehr wohl auf der Couch vor dem Fernseher angesäuselt. Mein Job war eine "ruhige Kugel", wie man bei uns sagt, und ist es noch. Jahrelang ist das gleichmäßig weitergegangen, und jahrelang war ich mir gleichzeitig (im Geiste) bewusst, in was für einer Situation ich mich befinde. Es musste sich was ändern, und jahrelang hörte ich dann "übermorgen oder nächste Woche" zu trinken auf, während ich das nächste Bier aufmachte. Ich war längst entschlossen aufzuhören, trank aber immer weiter. Ich glaube der Ausschlag war, dass ich mir gründlich Gedanken machte, wie mein Leben verlaufen könnte. So, oder so? Oder auch so? Da habe ich beschlossen, dass es noch nicht zu spät ist, "ein neues Leben" anzufangen und schrieb mich für eine Ausbildung ein. Da hatte ich meinen triftigen Grund dass jetzt der Zeitpunkt da ist, vom Alk loszukommen, denn mit Alk wäre das für mich nicht zu schaffen.
Der Neubeginn, die Entschlossenheit, und das Trockenwerden und Trockensein haben mir totalen Auftrieb gegeben, auf einmal bin ich ich selbst, kann Sachen erledigen, muss viele Situationen nicht mehr scheuen, selbst wenn es wo unangenehm ist: ich überlebe es immer - mehr oder weniger.

Alkoholfrei ist gut für's Selbstwertgefühl, meine ich.


Saftnase Offline




Beiträge: 1.206

15.11.2004 22:19
#21 RE: selbstwertgefühl?! antworten

Hallo Gepard,

ich kann dir nur einen Rat geben: Frage dich ganz genau, was du dir künftig von deinen Eltern erhoffst und ob eine Debatte eine Änderung bringen könnte oder überhaupt sinnvoll wäre.

Diese Überlegungen hatte ich über das Verhältnis zu meiner Mutter auch. Ich brauchte gar nicht lange nachdenken, denn mir war klar, dass meine Mutter und ich total verschieden "gestrickt" sind und eine knallharte Aussprache, wie ich sie mir vorstellen könnte, bei meiner Mutter verlorene Liebesmüh wäre.
Sie würde meine Argumente als Unverschämtheit (ihre Lieblingsbezeichnung) sehen und mich kopfschüttelnd als undankbar titulieren.
Soll ich mir das antun? Nein!!!!!

Die ganze "Harmonie" die uns verband, war meine Unfähigkeit meine Meinung offen oder sogar mal lautstark kund zu tun. Ich war die liebe, anständige und ordentliche Tochter, die den verkappten und seltsamen Ansichten der Mutter folgte, weil ich den Rebell in mir, mit Alkohol ersoff. Außerdem klebte auf meiner Stirn: Nur meine Mutter weis, was für mich gut ist.
Diese "Stirnplakette" ist abgefallen, als ich mich vom Alkohol löste.
Die Gegensätzlichkeit, die dadurch zwischen meiner Mutter und mir "sichtbar" wurde, kann weder beredet, noch geändert, geschweige denn von meiner Mutter akzeptiert werden.
Ich habe mich nach und nach zurückgezogen und nun haben wir keinen Kontakt mehr.
Was soll ich dir sagen, Gepard, so gut wie jetzt ging es mir noch nie.

Dieses mich ständig beherrschende Gefühl: "was würde meine Mutter sagen, wenn ich........ - Ohje, ich mach`s lieber nicht..... oder hoffentlich gefällt ihr das..... ob sie das versteht?..... sie ist doch meine Mutter und ich muss dankbar und respektvoll sein.... das sagt man nicht.... das gehört sich nicht.... das ist eine Frechheit......usw.", habe ich alles hinter mir gelassen.

(Ich lasse bewusst meinen Vater aus dem Spiel, weil der ein ganz toller Mensch war und mir erst vor einiger Zeit klar wurde, dass er von meiner Mutter eingefangen wurde und diese Ehe nichts anderes als eine Versorgungsbeziehung war, in die sich mein Vater verkauft hatte. Eine gut getarnte Fassade. Diese Erkenntnis traf mich wie ein Hammerschlag und bisher weis nur mein Mann davon, der nach meiner Schilderung den gleichen Eindruck hat)

Meine Mutter hat mich zwar geboren, aber ich bin nicht ihr Geist und ihre Seele. Ich bin nicht ihr Klon. Ich bin Laila, eine eigenständige und nur einmal vorhandene Persönlichkeit, die sich nicht mehr verbiegen lässt, um scheinheiligen, gesellschaftlichen (Familien-)Normen zu entsprechen, deren Richtigkeit noch nie bewiesen wurde und die soviele Menschen widerspruchslos dulden.......weil man es halt so macht.
Damit das alles (und anderes) besser ertragen wird, habe ich und viele andere Menschen auch, ein Ventil gebraucht: Alkohol.
Am Anfang zwar nur gelegentlich aber dann ist er unbemerkt unersätzlich geworden.
Andere werden halt spielsüchtig, kaufsüchtig, fresssüchtig usw.

Ich denke, das kostbarste Gut im Leben ist das eigene Leben.
Natürlich darf und sollte man es mit anderen teilen oder andere daran teilhaben lassen. Aber wenn andere mein Leben direkt oder indirekt in die Hand nehmen wollen, dann ergreife ich die Flucht, weil mir der Zugriff die Luft abdrückt.
Diese Freiheit begann ich zu leben, als ich die Sucht beendete. Gleichzeitig lebte der Selbstwert und das Selbstbewusstsein auf.

Normalerweise ist es so, dass die Eltern immer das Beste für ihr Kind wollen und dann den besten Dank erwarten.
Das funktioniert in den seltensten Fällen problemlos, genauso wie die Gleichgüligkeit keine zufriedene Chance bietet.
Der oft gepriesene goldene Mittelweg, ist auch schwer zu finden. Das erfordert wieder Toleranz, die von anderen erwartet aber selbst oft nur mühsam eingebracht wird.

Deshalb finde ich es gut, in so verzwickten Situationen mal ein Selbstgespräch zu führen und die Antwort kommt meistens vom Bauchgefühl.

LG Laila


gepard Offline




Beiträge: 851

15.11.2004 23:22
#22 RE: selbstwertgefühl?! antworten

Danke, Laila, ich kann es total nachvollziehen, was du schreibst. So habe ich mir das auch gedacht, dass ich mir das auch mal gut überlegen werde, was genau ich eigentlich von den Eltern erwarte. Wobei ich mit dem Vater ja eigentlich schon fertig bin. Mit ihm ist es so extrem arg, dass ich mir in Bezug auf ihn schon im Klaren bin, und ich will mich gar nicht mehr auslassen hier.

Momentan halte ich sie eben auf Distanz. Mal sehen.


miezegelb Offline




Beiträge: 2.677

16.11.2004 09:30
#23 RE: selbstwertgefühl?! antworten

Zitat
Gepostet von Gast
Hallo zusammen!

Brauche dringend ein paar Ratschläge zu Selbstachtung
und eigen Würde:
Versuche nun sehr lange kontrolliertes Trinken, was
auch grossteils gelingt mit aber nun leider sicher
sechs Rückfällen in exzessiven Trinkgelagen, wo mir
dann ein paar Stunden fehlen und ich nicht weiss was
ich in dieser Zeit bewusst gemacht habe.
Nun letzte Woche hat dann den Ausschlag gegeben, dass ich
ab sofort ohne Alkohol leben möchte. Ich habe auch schon
die notwendigen Schritte (Suchtberatung, Hausarzt) und
seit drei Tagen ohne einen Tropfen Alkohol.
Leider bin ich letzte Woche beruflich gestresst gewesen
und habe dann am Feierabend ein paar Gläser Wein auf die
Schnelle getrunken. Ich habe aber an diesem Abend für die
Damensauna abgemacht und natürlich haben es ein paar Damen
mitbekommen, dass ich betrunken bin.
Meine Fragen:
Werde ich je wieder mir selbst mit Achtung in die Augen
sehen können?
Wie soll ich mich in der Öffentlichkeit verhalten gegenüber diesen Damen?
Mir ist klar, das ich dazu stehen muss und mein Ruf nun
weg ist.
Wie soll ich mit diesen grossen Scham-und Schuldgefühlen
umgehen?
Im Moment traue ich mich nicht ein Mal mehr vor die Tür?
Wird meine Tochter mir je verzeihen und wieder vertrauen
können, nachdem ich schon mehrmals ihr versprochen habe,
es käme nie mehr vor?
Wie soll ich trocken bleiben wenn mein eigener Mann ein
stiller Trinker ist?Und die Schuld auf mich abwälzt.
Mein grösstes Problem im Moment ist nicht nicht zur Flasche zu greifen, sonder mein Schuldgefühl und mein
wiederholtes Versagen!!
Ich hoffe ihr könnt mir ein paar Ratschläge geben.

Danke im voraus




Hallo Gast,

wie du selbst richtig erkannt hast wird das mit dem kontrollierten trinken nicht funktionieren.
es ist das ureigenste Grundproblem von Alkoholkranken, das sie halt nicht kontrolliert trinken können.
Es funktioniert vieleicht mal 14 tage, wenn ich zu Hause bleibe ,nichts dazwischen kommt etc.. Aber beim nächsten Kegelabend hat ganz sicher das "kontrollierte Trinken"
sein Ende gefunden.
Sicher gibt man sich erst einmal dem Glauben hin, hab ich auch mal gedacht. Funktioniert aber nicht.

Und nun zur Selbstachtung, der erste Schritt wäre dem Alkohol adieu zu sagen. Genau wie du es dir vorgenommen hast.
Dann kannst du auch all deine anderen Probleme regeln.
Wie du das mit deinen Saunafreundinnen wieder hin bekommst,
lässt sich hier schwierig beantworten. ich weiss ja nicht wie sehr du sie "verletzt" hast.
Aber es kommt auch vor, wenn man erstmal vom Alkohol weg ist,das man die eine oder den anderen gar nicht wiedersehen will.
Am besten eignet sich da noch ein klärendes Gespräch.

Aber mit dem Vertrauen, das ist so eine Sache (das betrifft auch das Verhältnis zu deiner Tochter.
Es wird kaum gehen das du jetzt hingest und ihr sagst ab morgen ist alles bestens und sie wird dir das dann auch noch glauben.
Verspieltes Vertrauen lässt sich nur langsam reparieren und das am Besten in dem man zu dem steht was man sagt und tut was man sagt. So das der andere langsam wieder vertrauen aufbauen kann und das Gefühl hat das er dich ernst nehmen kann.
Aber wie gesagt, das wird länger dauern.
Am besten du versetzt dich dabei mal in die lage deiner Tochter und wie deine reaktionen wären oder sind wenn dich jemand sehr enttäucht hat.
Dann wirst du sicher auch verständnis finden, das es etwas dauern wird bis sich euer verhältnis wieder normalisiert hat.

LG Ramona


anuschka Offline




Beiträge: 125

16.11.2004 10:06
#24 RE: selbstwertgefühl?! antworten

hallo!

aus fast all diesen beiträgen lese ich nun heraus, dass selbstwertgefühl letztlich doch von anderen bestimmt wird, bzw. wir es von anderen bestimmen lassen. nur wenn andere mich als wertvoll erachten, fühle ich mich auch so?! genau das würde ich so gern für mich durchbrechen! ich möchte sooo gern unabhängig von anderen mir selbst etwas wert sein ... eben ganz allein für mich meinen wert finden, erkennen! aber das scheint unmöglich zu sein.

das "ding" mit den eltern kenne ich auch. traurig finde ich das!

was aber natürlich ganz klar ist - daran gibt es rein gar nichts zu rütteln - ist, dass die alkoholsucht das selbstwertgefühl erst kurzfristig hebt ... um es dann in vorher ungeahnte tiefen absinken zu lassen! also heisst es: "trocken werden, abstinent leben = selbstwertgefühl steigern = mehr lebensqualität!"

@ gepard
die beschreibung deiner gedanken bezüglich sozialer phobie hätte von mir sein können! manchmal denk ich, ich hab ne paranoia ... kann mich "einliefern lassen" ... wenn ich so durch die strassen geh, und ich mein, alle glotzen mich an!
wenn ich trocken bin, kann ich zwar besser damit umgehen, aber weg ist das dann auch nicht. ich fühle mich immer wie auf einer bühne, immer beobachtet und irgendwie bewertet. die vermutete meinung anderer ist einfach zu wichtig! und das ist wiederum anerzogen ... womit ich wieder bei den eltern bin ... wie kann ich diesen für mich schädlichen kreislauf unterbrechen?

es ist wirklich ein unerschöpfliches thema ... aber ungeheuer interessant, finde ich, weil ich denke, dass da "der hund begraben ist", auch in bezug auf die "zufriedene trockenheit"!

mit liebem gruss und wünschen für einen guten tag!

anuschka


Saftnase Offline




Beiträge: 1.206

16.11.2004 13:16
#25 RE: selbstwertgefühl?! antworten

Hallo Anuschka,


...fühle mich immer wie auf einer bühne, immer beobachtet und irgendwie bewertet, die vermutete meinung anderer ist einfach zu wichtig! und das ist wiederum anerzogen....womit ich wieder bei den eltern bin...wie kann ich diesen für mich schädlichen kreislauf unterbrechen?

Was du hier geschrieben hast, Anuschka, das könnte auch ich geschrieben haben. Ganz genau so ging es mir.

Durch dieses anerzogene Verhalten oder auch Gefühl war ich nie ich selbst.
Im Grunde habe ich viele Entscheidungen davon abhängig gemacht, was denken oder sehen die anderen.
Dadurch ist das Selbstbewusstsein und auch Selbstwertgefühl absolut im Keller. Ich habe mir eine Fassade aufgebaut, die mit der Person dahinter überhaupt nichts gemeinsam hatte.
Wie kann man da glücklich und zufrieden sein, wenn man immer - sag ich mal salopp - als "Rose" auftreten muss und so gerne mal ein "Kaktus" wäre.
Das wurde mir von meiner Mutter immer vorgelebt und sie hat sich trotzdem verraten, weil sie nur dann zum Kaktus wurde, wenn es "Fremde" nicht bemerken konnten. Damit meine ich auch, dieses "ach, Frau X, das ist aber schön, dass sie mal kommen" und wenn Frau X weg war, dann hieß es "die kann einem auf die Nerven gehen, die hat sie sowieso nicht alle".
Aus diesem Verhalten habe ich für mich abgeleitet, dass mir jemand ins Gesicht lacht und sobald ich mich umdrehe, bekomme ich einen Tritt. Dadurch bin ich zu einer stillen, duldsamen Person geworden, die lieber nichts sagte oder machte, damit kein negativer Eindruck entsteht.
Auf Dauer macht diese Unterdrückung krank, in Form von grenzenloser Unzufriedenheit, mangelndem Selbstwertgefühl, Angst, Lustlosigkeit usw. Mit Alkohol habe ich das ausgehalten, aber sobald die Wirkung weg war, fiel ich in ein noch größeres Loch. Also musste immer öfter und immer mehr Alkohol herhalten, so dass ich gar nicht auf die Idee kam, nach den wirklichen Ursachen für mein unzufriedenes Dasein zu suchen. Das war ein Kreislauf ohne Ende.
Erst als ich den Weg in die Abstinenz (keine Trinkpause) wählte, setzte ein ganz anderer Denkprozess bei mir ein und ich erweckte den "Kaktus" in mir zum Leben.
Das besondere daran war, dass viele Menschen, diese Wandlung positiv aufgenommen haben - bis auf meine Mutter -
weil sie ehrlich ist, also nix mehr mit angepasst erwarteter Fassade. Alle Gefühle, kann ich jetzt sichtbar zulassen. Ich bin von dem Muster, es allen recht machen zu wollen abgerückt. Erst dadurch bin ich mir gerecht geworden und es geht mir gut.
Das Ganze war ein ziemlich langer Prozess, aber mit Alkohol hätte ich das nicht geschafft und würde mich immer noch kreisdrehend in meinem Jammertal aufhalten.

Ich denke, dass auch nicht jeder aus dem Stand raus und alleine so etwas durchziehen kann. Aber wenn die Erkenntnis oder der Wunsch für diese Änderung da ist, dann würde ich jedem empfehlen therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen und sich nicht bremsen lassen, wegen der Überlegung: Was könnten andere jetzt von mir denken......


LG Laila


gepard Offline




Beiträge: 851

16.11.2004 13:45
#26 RE: selbstwertgefühl?! antworten

Hi anuschka,

auch jetzt, wo ich trocken bin, steckt eine leichte soziale Ängstlichkeit in mir, ich kann es nicht abstellen, auch wenn ich noch so gut weiß, dass sie ja gar keinen Anlass oder Sinn hat. Ich kann damit leben. Ich sehe es als Teil meiner Persönlichkeit, und ich sehe es nicht mehr als Makel. Übrigens: Andere auch nicht! Seit ich trocken bin geht das, genauso wie mir vieles im Leben jetzt nicht mehr "unüberwindlich" erscheint. Manche Probleme sind nach wie vor da, aber ich habe nicht mehr das Bedürfnis, mich vor ihnen zu drücken.


Beachen Offline




Beiträge: 3.654

16.11.2004 13:58
#27 RE: selbstwertgefühl?! antworten

Hi anuschka !

Zitat
die vermutete meinung anderer ist einfach zu wichtig



... da steckt ja schon das Wort "vermutet" drin.
Also du vermutest nur, was andere denken. Warum diese gedankliche Selbstgeißelung ? Warum dieses von vorneherein zerpflücken jeglicher Situation ?
Nicht das ich das betrunken nicht auch zelebrierte.
Heute macht mir das nichts mehr aus ... irgendwie hab ich kapiert, das ich was andere denken sowieso nicht wissen kann, auch nicht vermuten.
Und ich weiß, das es anderen meist schnurz ist, was ich tue oder was ich nicht tue, die meisten Menschen sind mit sich selbst beschäftigt, haben vielleicht sogar ähnliche Probleme ?

Und was das "Mutter rechtmachen" betrifft, war das nicht auch nur ein "guter" Trinkgrund ? Quasi das im Kopf abspielen wie ungerecht behandelt man sich fühlt um dann darauf gleich mal einen zu trinken.
Anstatt eine eigene Meinung zu haben und dazu zu stehen, denn das konnte ich trinkend nicht.

Meint
Bea


Saftnase Offline




Beiträge: 1.206

16.11.2004 23:20
#28 RE: selbstwertgefühl?! antworten

Hallo Bea,

im Grunde hast du schon recht, mit deinem Post. Aber diese Erkenntnis bekam ich erst mit über 40 Jahren.
Wenn man, so wie ich, von klein auf bis ins Erwachsenwerden/sein , ständig mit Aussagen konfrontiert wurde, wie: "soooo angezogen kannst du nicht unter die Leute gehen, was sollen die denken, oder mit deinen langen Zottelhaaren siehst du aus wie ein Zigeuner, da muss man sich schämen".(Dabei musste ich mich gar nicht schämen, denn Verehrer hatte ich eine Menge). Als 16-jährige musste ich meine langen Haare, unter Strafandrohung abschneiden, weil ich sonst zu unordentlich für die Tanzschule ausgesehen hätte......und kurz darauf wurde mir ein Mann von meiner Mutter zwangsuntergejubelt, weil der genau die richtige Partie war......dafür musste ich meinen geliebten Freund sausen lassen, weil mir von meiner Mutter angedroht wurde, dass ich sonst von der Schule genommen werde und als Fließbandarbeiterin mein Geld verdienen kann.
Als ich meinen Mann kennenlernte, hat meine Mutter den Kontakt zu mir abgebrochen, weil er in Scheidung lebte und drei Kinder hatte. Mein Vater hat alles wieder eingerenkt.
Diese Erlebnisse und Eskapaden könnte ich noch endlos fortsetzen.
Jede Kritik oder Rebellion von meiner Seite wurde als Unverschämtheit und Undankbarkeit tituliert und größere Diskussionen wurden im Keim erstickt. Selbst der Hinweis, dass meine Freundinnen genauso rumliefen, weil es halt der Modetrend war, wurde als indiskutabel abgetan.
Mit 13 hatte ich es gewagt mein Zimmer mit gesammelten Postern aus der Bravo zu verschönern. Meine Mutter hat sie sofort abgerissen mit dem Hinweis, dass diese "Idioten" an ihren Wänden nichts zu suchen haben.
Als Ersatz hingen dann Landschaftsbilder und Albrecht Dürers "betende Hände" um und über meinem Bett.....
Selbstwert oder Selbstbewusstsein - was ist das? Eigene Wünsche durchsetzen?Das kannte ich nicht.
Mein Vater hat oft versucht vermittelnd einzugreifen, aber meine Mutter verlies den Raum und spielte die beleidigte Leberwurst.......

Als ich älter wurde, merkte ich, dass mich der Alkohol mutiger machte, obwohl er mir gar nicht schmeckte. Aber ein Gläschen bewirkte wahre Wunder. Ändern konnte ich trotzdem nichts, aber ich habe mein stilles Dasein, besser ertragen.......bis es ohne Alkohol gar nicht mehr anders ging.
Auf dieser Schiene bin ich in die Sucht reingerutscht.

Das ich mir später die Gründe fürs trinken zusammen gesucht habe, weil ich die Sucht nie offen zugegeben hätte bzw. mir jahrelang selbst nicht eingestanden habe, findet sich in jeder Trinkerkarriere. Mit geht es halt nur um den Beginn, der mit einem Glas so harmlos war und dessen Ende ich nie vermutet oder geahnt hätte.

Ich denke auch, dass eine Suchtgefahr für eine gefestigte oder starke Persönlichkeit (nicht nach aussen, sondern nach innen), die im Grunde mit der Erziehung geprägt wird, so gut wie gar nicht gegeben ist.
Von mir kann ich sagen: Einmal am Glas genippt und in die Flasche gekippt.
Mein ICH war einfach zu schwach, um mich gegen Negatives zu wehren oder es auszuhalten......und mit Alkohol sieht alles erst mal rosarot aus......bei mir vor allem: "was könnten die Leute denken".


LG Laila


Randolf Online




Beiträge: 1.071

17.11.2004 00:41
#29 RE: selbstwertgefühl?! antworten

Hallo,

dieses "was könnten die Leute denken" halte ich für eine der schlimmsten Formen von Sklaverei. Fehlen jeglicher Selbsterkenntnis; denn wer sich nach den Äußerungen (die vielleicht gar nicht mit den Gedanken übereinstimmen)der anderen richtet, ist doch bloß um sein Selbstbild besorgt.Und dieses ist im wesentlichen ein gesellschaftliches Produkt.

Ich glaube, es war Erich Fromm, der einmal schrieb, daß die größte Angst des Menschen darin besteht, ein Außenseiter zu sein.Bloß nicht auffallen, immer schön mit den Wölfen heulen...

Ich habe wenig Interesse, in dieser verlogenen Moral der Gesellsschaft ein 'angesehener Bürger' zu sein, was aber auch nicht heisst, diesbezüglich aus dem Rahmen zu fallen, denn auch das wäre eine Idendifikation.

Um sich selbst besser zu erkennen muss man auch andere Menschen beobachten.Versuchen, sich in die Lage eines anderen zu versetzen, so vollständig wie möglich.Dann sieht man nämlich, daß andere genau dieselben Schwierigkeiten und Makel haben - und dann so tun, als wäre dem nicht so.....Ein Selbstwertgefühl das auf gesellschaftlicher Anerkennung beruht, steht auf sehr wackeligen Beinen.

Für mich ist das Sklaverei, basierend auf Angst.

Meine Meinung

LG
Randolf


miezegelb Offline




Beiträge: 2.677

17.11.2004 08:37
#30 RE: selbstwertgefühl?! antworten

Hallo Randolf,

ich glaube auch nicht das das Selbstwertgefühl auf Anerkennung beruht.

Aber die Anerkennung oder der Tadel beeinflussen das Selbstwertgefühl maßgeblich.
und wenn du eben als Kind schon laufend gesagt bekommst das du zu blöd´ bist einen Eimer Wasser umzuschmeißen.
Dann kannst du davon ausgehen, das dein Selbstwertgefühl gleich null ist. (mal als Beispiel)


LG Ramona


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