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Saufnix
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Dieses Thema hat 100 Antworten
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 Ganz, ganz viele Fragen
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beed Offline




Beiträge: 882

28.10.2004 16:08
#31 RE: 7 tage antworten

Hallo Merryl,

"...Wille ist weit entfernt davon, etwas theoretisches zu sein. Nur kann man sich natürlich etwas vormachen...."

Dem möchte ich nun aber wirklich widersprechen. Du schreibst selbst, dass Du die Entscheidung triffst, nichts mehr zu trinken. Genau das meine ich. Es sind nicht nur Gedanken, es sind nicht nur Worte, es sind TATEN.

Jeder will erfolgreich sein, jeder will genügend Geld zum Leben haben, jeder will gesund sein. Aber allein das Wollen reicht eben noch nicht. Man muss auch etwas tun, damit es so ist.

Der nasse Alkoholiker trinkt, basta. Er tut es, Wille hin oder her. Falls der Tag kommt, an dem er kapituliert, dann ist das ein bewußter Vorgang. Und was ich eigentlich damit sagen wollte: Das Wissen darüber, dass man etwas getan hat, z.B. das erste Glas stehen gelassen zu haben, ist die eigentliche Motivation. Man kann stolz auf sich selbst sein, ein sichtbares Ergebnis erzielt zu haben. Und erst dann zeigt sich, dass Du es wirklich wolltest und Dein Wille stark genug war, nicht nur ein Lippenbekenntnis.

Ich verstehe schon, was Du meintest. Wenn man irgendetwas eigentlich garnicht will, dann tut man es auch nicht. Das ist aber eben nur die eine Seite. Der nasse Alkoholiker macht sich zum Sklaven seines eigenen Willens, des Trinkenwollens. Erst wenn er diesen Willen bricht und die Entscheidung trifft, nichts mehr zu trinken, dann kann er auch trocken werden.

LG
beed


Weggefaehrte Offline



Beiträge: 360

28.10.2004 21:58
#32 RE: 7 tage antworten

Hallo Merryl Hallo beed

Ich denke, dass wichtigste für jeden Alkoholiker ist, dass jeder für sich einen Weg findet abstinent zu Leben und es auch zu bleiben. Der eine sagt ich will nicht mehr, ein anderer sagt sich jeden Morgen Heute will keinen Alkohol trinken, noch einanderer sagt sich ich will immer das erste Glas stehen lassen usw. usw. Solange jeder mit seiner Art trocken bleiben kann ist das für mich ok.

Ein Schlüsselerlebnis bei meiner Entgiftung hat mir unheimlich viel Kraft gegeben. Bei der Einlieferung ins Krankenhaus hatte mein Körper schon eine Weile verückt gespielt und die Angst, dass ich jetzt Sterben müßte war riesengroß. Ich konnte mir nicht mehr Vorstellen wie der nächste Tag ohne Alkohol Aussehen könnte.

Als ich am nächsten Morgen aufgewacht bin gings mir zwar dreckig aber ich habe noch gelebt und von Tag zu Tag ging es mir besser und das alles ohne Alkohol. Nach 10 Tagen wurden dann alle Medikamente abgesetzt und der Körper war entgiftet.

Am 11 Tag hat mich ein trockener Alkoholiker der zu diesem Zeitpunkt schon 14 Jahre Abstinenz geschafft hatte besucht, und mir beim Gespräch gesagt jetzt hast Du wieder die Fähigkeit über Dich selbst zu Bestimmen. Dieser Satz hat sich in meinem Kopf festgesetzt. Ja es stimmte ich konnte wieder über mich selbst bestimmen und mein Leben wurde nicht mehr vom Alkohol bestimmt.

Ein großes Glücksgefühl hat sich in mir breit gemacht.
Ich brauchte keinen Alkohol mehr zu trinken um zu funktionieren und ich wollte, dass der Alkohol nie mehr mein Leben bestimmen sollte. Diese Erkenntnis hat mir bis Heute zu einer zufriedenen Abstinenz verholfen.

Liebe Grüße von Günther einem Weggefährten,


ben bremser Offline



Beiträge: 955

29.10.2004 03:53
#33 RE: 7 tage antworten

hallo leute ,
danke für die vielen beiträge und die "willensdebatte"
ich versuche mal ein paar abzuarbeiten.

randolf
habe mal in "karriere" gepostet und hoffe, da sind ein paar knackpunkte herauszulesen.schwierig seine ganze gefühlswelt in wenigen sätzen zu beschreiben, aber auch beängstigend wie wenig sätze man braucht, wenn das leben nur schnell genug dahinrauscht....
dein beitrag ist balsam .

Die allmähliche Befreiung wird dir auch viel Freude bringen, ein völlig neues Lebensgefühl - das macht echt Bock, das kann ich dir versichern !!!

das kann ich nur bestätigen.vor einigen tagen ist mein fernseher kaputt gegangen und ich war froh.


ben bremser Offline



Beiträge: 955

29.10.2004 04:18
#34 RE: 7 tage antworten

michael

da gibt es sicherlich parallelen zwischen alk und rauchen.
den entzug beim rauchen habe ich schlimmer empfunden als beim alk. dort drehte sich wirklich jede minute des tages um den einen gedanken: ich habe schmacht.ganz schlimm war das bei mir, ich habe es leider nicht geschafft.
dem namen allen carr begegnet man hier häufiger...ich habe es schon einmal irgendwo geschrieben: nach lektüre seines zweiten nichtraucher buches war ich "endlich" befreit ...von allen carr...
der alkoholentzug ging bei mir bis jetzt relativ problemlos über die bühne: schlafstörungen und schweißausbrüche in den ersten tagen. kein einziges mal der satz "ich will nicht"
ich wollte einfach nicht.(mehr)

übrigens hatte ich in meiner zeit als nichtraucher nie einen kater, was mich noch mehr trinken ließ. in meinen letzten saufjahren hatte ich leider auch nie einen kater, was zeigt wie schlimm es schon gekommen ist.
danke für deine aufmunterung


ben bremser Offline



Beiträge: 955

29.10.2004 04:51
#35 RE: 7 tage antworten

miezegelb

hallo ramona,
herzlich willkommen, ich bin auch neu.


Wenn du die Dinge einmal so betrachten kannst "Ich tue etwas gutes für mich" wenn ich auf Alkohol verzichte.
"es ist notwendig für mich", damit ich gut leben kann
,

dieses motto könnte für meine bisherigen versuche zum aufhören stehen.leider waren es nur versuche, und auch nie mehr als trinkpausen.
was mich an dem motto stört,ist dass es trotz der positiven gesamtabsicht negative begriffe , bzw. aufforderungen enthält.:
verzichten und notwendig
vielleicht bin ich etwas zu spitzfindig?
ich höre ja gerade auf, weil ich nicht verzichten möchte. also für mich ist besser :
ich tue etwas gutes für mich, wenn ich schwimmen gehe.es ist nicht notwendig für mich zu trinken.
danke dir für die anregung.


ben bremser Offline



Beiträge: 955

29.10.2004 05:00
#36 RE: 7 tage antworten

merryl

...es gibt schlicht keine Situation, in der Alkohol gut für Dich ist. Capice?

capice


miezegelb Offline




Beiträge: 2.677

01.11.2004 20:06
#37 RE: 7 tage antworten

Zitat
aufforderungen enthält.:
verzichten und notwendig
vielleicht bin ich etwas zu spitzfindig?



Hallo,

....wenn dir jemand etwas unangenehmes anträgt, sagst du dann nicht "Nein danke, ich verzichte"?


minitiger2 ( gelöscht )
Beiträge:

01.11.2004 21:54
#38 RE: 7 tage antworten

Hi,

ich hab mich jahrelang damit rumgeplagt, dass ich immer drüber nachgedacht hab...und wenn ich heut nix trink und morgen, dann kann ich übermorgen undsoweiter. Dann hab ich mir wieder die Kante gegeben, und ich kenn auch die Nächte zur Genüge die morgends um zwei praktisch vorbei sind.

Ich hab zwar vor meiner Partnerin argumentiert, dass ich dann nix mehr vom Leben habe, wenn ich gar nix mehr trinke, aber da steckte die Illusion dahinter, dass ich irgendwann vielleicht mal wieder so unbeschwert trinken könnte, wie es mal angefangen hatte.

Das was ich die letzten Jahre getrieben hatte, war jedenfalls kein Spaß mehr, und es hatte auch überhaupt nix mehr mit Lebensfreude zu tun. Es war eine reine Illusion, eine Selbstlüge. Die Angst vor dem Verzicht war unterm Strich höchstens die Panik vor meinem eigenen Kontrollverlust.

Ja ich hab mich natürlich auch mit dem Thema Alkohol in der Theorie beschäftigt. Mannomann, Alkoholiker..dazu hatte ich mich doch viel zu gut im Griff. Aber andererseits..wenn ich mal angefangen hatte, dann gelang es mir immer seltener, von selbst aufzuhören. Wenn ich ehrlich zu mir war, wollte ich sogar immer besoffener werden. Ich wollte die Quadratur des Kreises..Saufen bis zum Abwinken, und das möglichlichst unbeschwert. Irgendwann ging das halt nicht mehr.
Jedenfalls, ich hab auch hin und her überlegt. Und ich war mir dessen bewusst, dass es durch die Zeit nicht besser wurde, das konnte ich ja sehen.

Na und irgendwie, in einer dieser Nächte, in der ich wach geworden war, da hab ich mich plötzlich ganz ernsthaft mit dem Gedanken befasst: wie wäre das, wenn ich ganz aufhöre. Ich hab versucht, mir das vorzustellen. Und ich hatte aus meinen Trinkpausen heraus ne Menge Erfahrung, dass ich nüchtern einiges mit mir und meinem Leben anfangen kann.

Da hab ich dem nachgespürt, wie es mir gehen würde, wenn ich mich entschliessen würde, ganz aufzuhören, ja was würde denn dann passieren? Und irgendwie ist es mir wie Schuppen von den Augen gefallen: ich mach es. Ohne wenn und ohne aber. Ich machs einfach. Ich lass mich drauf ein, vollständig. Und mir war sofort spürbar klar, dass damit eine Riesenlast von mir abfiel..und ich wusste auch, es ist zu schaffen. Was andere können, kann ich auch. Wenn ich Trinkpausen einlegen kann, dann muss ich auch nicht wieder anfangen.
Und das ganze Geschiss, ob ich denn nun muss oder nicht muss - es war einfach Plage, und wenn man diese Plage nicht einfach ablegen kann, dann ist das Sucht, oder es ist Masochismus. Teufel oder Beelzebub..

Ich hab ein persönliches Verständnisproblem, wenn es um Rückfälle geht. Ich wusste immer, dass ich Trinkpausen mache, und mehr wollte ich gar nie. Und dann hab ich das Trinken aufgehört, und das hab ich nur eine einziges Mal aufgehört. Ich hatte zwar schon ne Menge Stress seitdem, und auch ne Menge gesellschaftlicher Anfechtungen, und blablabla.

Auf jeden Fall...je länger ich mich mit der Materie beschäftige, desto weniger glaube ich, das jemand, der rückfällig wird, nichts trinken wollte.

Ich könnte vielleicht wollen wenn..das ist für mich in den Wind gepisst. Ich kann mir auch sehr kunstvoll selbst ein Bein stellen, wenn ich mein eigenes Gelingen an selbstgewählte Bedingungen knüpfe. Das findet alles in mir selbst statt, diese Argumente hab ich in der Hand, also kann ich sie auch wegschmeissen. Oder einfach loslassen.

Entweder ich trinke, oder ich trinke nicht. Die Brühe springt mich doch nicht an.

der minitiger


ben bremser Offline



Beiträge: 955

01.11.2004 22:41
#39 RE: 7 tage antworten

hallo miezegelb,
also dass ist ein bischen wortklauberei.zwischen einem motto , bzw einer strategie,einstellung...
und einer höflichkeitsfloskel besteht schon ein kleiner unterschied, auch wenn dieselben worte verwendet werden.
ben


Lisl Offline




Beiträge: 1.980

02.11.2004 07:18
#40 RE: 7 tage antworten

guten morgen Minitiger

Zitat
Auf jeden Fall...je länger ich mich mit der Materie beschäftige, desto weniger glaube ich, das jemand, der rückfällig wird, nichts trinken wollte.

Trinken wollte ich schon
doch ich wollte bestimmt keinen Rückfall

doch wie du auch geschrieben hast, wusste ich nach einiger Zeit auch:
"E S I S T Z U S C H A F F E N "
wenn man das erste Glas stehen lässt!

Wie war das?
Was andere können kann ich schon lange


minitiger2 ( gelöscht )
Beiträge:

02.11.2004 07:47
#41 RE: 7 tage antworten

Morgen Liesl,

ich glaub die besondere Art von Blödheit bzw. Uneinsichtigkeit bei uns Alkoholikern liegt darin, dass wir jahrelang mit aller Kraft nix aus den Fehlern lernen wollen, die andere vor uns auch und wir selbst sowieso schon tausend mal gemacht haben.

Kein halbwegs vernünftiger Mensch käme auf die Idee, ohne Fallschirm aus dem Flugzeug zu springen, um auszuprobieren, ob er derjenige unter Millionen ist, dem nix passiert. Der freie Fall ist sicher auch geil..aber da glauben wir ganz einfach, dass das nicht gut für uns wäre, weil es anderen ja schon passiert ist, und weil wir es uns ganz einfach ausrechnen können.

Ich renn ja auch nicht hundertmal mit dem Kopf gegen die wand, in der Hoffnung dass es aus Übung zum Genuss wird. Nur beim Alk, da hab ich ewig geglaubt, dass es irgendwann -wieder- schön wird

Beim Alkohol und sonstigen Drogen...da will es jeder selbst wissen. Obwohl es da genauso harte Fakten gibt, wie beim freien Fall. Na gut, irgendwie braucht die Evolution wohl einen Angriffspunkt..

wünsch Dir was

der minitiger


barbaraa Offline




Beiträge: 538

02.11.2004 08:39
#42 RE: 7 tage antworten

hi ben,

stell dir vor, ich habe 1981 schon gewusst, das ich ein problem mit alkohol hatte. und habe sage und schreibe erst im jahre 2000 aufgehört zu trinken. natürlich mit vollem programm. anders ging es nicht mehr.
willst du dir das auch antun? das muss nicht sein. 20 jahre mal mehr mal weniger besoffen. da ist viel verlorene zeit dabei. rückgängig machen kann ich es nicht mehr, aber ich kann den rest meines lebens wenigstens geniessen.
nüchtern geht das viel besser.

lg
barbaraa


miezegelb Offline




Beiträge: 2.677

02.11.2004 09:22
#43 RE: 7 tage antworten

Zitat
Gepostet von ben bremser
hallo miezegelb,
also dass ist ein bischen wortklauberei.zwischen einem motto , bzw einer strategie,einstellung...
und einer höflichkeitsfloskel besteht schon ein kleiner unterschied, auch wenn dieselben worte verwendet werden.
ben



Hallo ben,

..ist aber nicht als Wortklauberei gemeint gewesen.
Wenn du es som aufgefasst hast, das wollt ich nicht damit erreichen.
ich wollt gerade damit auf die Einstellung auf die´s ankommt hinweisen.
Wer sagt "nein danke ich verzichte", empfindet den Alkohol
als Überzeugung als etwas negatives für sich.
Wer Verzicht als etwas sieht als Zwang und etwas negatives sieht, der hat den Wunsch doch ganz gern etwas trinken zu wollen warscheinlich noch nicht aufgegeben.

Hoffentlich hab´ich mich jetzt richtig ausgedrückt.

liebe Grüße

Ramona


ben bremser Offline



Beiträge: 955

02.11.2004 17:17
#44 RE: 7 tage antworten

hallo ramona,
also ich habe ganz schwer den verdacht, das wir beide irgendwie schon das gleiche meinen...

Wer Verzicht als etwas sieht als Zwang und etwas negatives sieht, der hat den Wunsch doch ganz gern etwas trinken zu wollen warscheinlich noch nicht aufgegeben.

darauf kam es mir eigentlich nur an.ich finde deinen satz sehr wichtig. und natürlich richtig.eine dieser kleinigkeiten mit großer wirkung, wie die wahl des schuhwerks für den fußballspieler...öh..naja...


ben bremser Offline



Beiträge: 955

02.11.2004 17:33
#45 RE: 7 tage antworten

hallo barbaraa,
dein posting klingt irgendwie ,als hätte ich hier irgend etwas nasses propagiert?!
also ich habe noch einmal geschaut und kann in meiner denke und schreibe da nichts finden.
die 20 jahre habe ich mir leider schon angetan, von dem vollen program (entzug im krankenhaus..etc)aber verschont.
das mag nicht richtig sein, es ist aber der weg den ich jetzt gehen will.
ich bin jetzt 16 tage trocken, verspüre keine einschränkungen und keinen saufdruck, obwohl ich mich in dieser zeit schon situationen ausgesetzt habe, wo der trinkautomatismus normalerweise angeschlagen hätte.(früher immer).
ich fühle immer nur eines: ich werde nie wieder alkohol trinken.
ben


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