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Saufnix
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Dieses Thema hat 20 Antworten
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 Akute Hilfe
Seiten 1 | 2
Seemaus Offline




Beiträge: 216

27.06.2004 17:51
RE: Ganz schön schwer trocken zu bleiben antworten

Hallo ihr Pappnasen!

Schon lange will ich hier mal wieder schreiben, aber ich schaffe es einfach nicht, mich zu erklären, wie es mir wirklich geht. Also habe ich es immer gelassen.

Jetzt habe ich den Rückfall von Sinn gelesen und denke mir, dass es mir wohl auch bald so gehen wird.
Ich habe ein unglaubliches Gespür für mich selbst(vielleicht hat das ja auch jeder), dass ich mir schon länger Sorgen um mich mache.
Lieber Sinn, wenn du das hier liest: Lass dich bloß nicht hängen, du warst jetzt 1 Jahr trocken. Das hat sich schon mal echt gelohnt, finde ich.

Ich bin jetzt fast 9 Monate trocken und ich glaube fast, dass gerade solche Alkoholiker wie vielleicht Sinn, aber auf jeden Fall wie ich uns ganz schön schwer tun. Meine gesamte Umwelt sagt mir, dass ich sowieso nie Alkoholikerin war, zumindest keine Richtige!
Ja, es war ja gar nicht so schwer aufzuhören, Entzugserscheinungen gab es eh keine und so genau sieht man mit der Zeit die Vorteile eh nicht mehr. Was mich persönlich aber am meisten stinkt ist, dass ich überhaupt nie mehr trinken darf!
Also, warum sollte ich es nicht wenigstens mal probieren
Ja, darüber muss ich lachen, weil ich selbst weiß, wie albern dies ist. Weil ich selbst weiß, dass dieser Mistgedanke wohl beweist, dass ich noch lange nicht trocken bin.
Ich habe das Kiffen (vor 15 Jahren) aufgehört, das Rauchen (vor 14 Jahren) aufgehört und nun das Trinken. Nichts war so schwer wie das Trinken aufzuhören, warum eigentlich?

Ich habe eine sehr schwere Zeit, bin immer noch mit meinem Ex-Wieder-Ex-Wieder-Freund zusammen, arbeite zur Zeit verdammt viel und habe eine Tochter, die gerade langsam aber sicher in die Pubertät kommt. Wisst ihr was? Langsam glaube ich sogar, dass sich meine Trinksucht in eine Sucht nach meinem Freund verlagert hat. Überhaupt glaube ich, dass sich Süchte einfach verlagern, wenn man von einer loskommt, fällt man in die Nächste!

Trotzdem, was ich eigentlich sagen wollte. Auch ich habe schon 3 x alkoholfreies Bier getrunken und sogar schon mal mit Wein kochen lassen. Ich würde so gerne mal wieder trinken, bin neidisch auf die Menschen, die trinken. Nicht auf die Menschen, die abhängig sind, sondern auf die, die halt mal ein Glas Wein zu einem leckeren Essen trinken können. Oder mal ein Gläschen Sekt zum Anstoßen oder zum Erheitern trinken. Das vermisse ich sehr und seit 9 Monaten denke ich jetzt darüber nach, ob ich es nicht mal probieren soll, was hätte ich zu verlieren? Wenn ich dann wieder täglich trinke, dann weiss ich es wenigstens und dann muss ich es halt echt lassen, für immer!

Aber andererseits bin ich so hart zu mir, dass ich mich ob diesen Gedanken echt doof finde. Ich habe einmal geschrieben, dass ich schon betrunken sein müsste, um wieder zu trinken. Das trifft im Moment immer noch zu, wäre ich nicht nüchtern, hätte ich schon längst wieder getrunken
Tja...aber wie lange trifft das noch zu?

So, ist jetzt doch länger geworden, als ich eigentlich wollte. Aber ich wollte auch einfach mal schreiben, dass es schwer ist trocken zu bleiben, da sollte sich wirklich Niemand was vormachen!

Liebe Grüße aus dem Allgäu
Sabine


minitiger2 ( gelöscht )
Beiträge:

27.06.2004 18:29
#2 RE: Ganz schön schwer trocken zu bleiben antworten

Hi Seemaus,

vielleicht solltest Du mal drüber nachdenken, daß Du ja nicht trocken bleiben musst, wenn Du das nicht willst(genausowenig wie das mit Deinem Freund...das geht soweit, wie Du es zulässt. Offensichtlich lässt Du es zu.) Du bist ein erwachsener Mensch und es ist Dein Leben.

Bloß wegen ein paar anderen, die mir definieren, was Trockenheit ist, mach ich das doch auch nicht. Ich muß doch niemandem was beweisen, und wenn mir die Trockenheit nicht gefällt, ja dann laß ichs halt. Wenn ich der Meinung wäre, ab und zu ein Glas, oder ein alkoholfreies Bier seien für mein Glück unabdingbar, dann würde ich das tun.
Bei mir sieht das anders aus. Ich hab schon mal 8 Monate lang nur einmal im Monat was getrunken, und da nicht viel. Das heißt, ich hab das schon ausprobiert, was Du Dir ausmalst. Allerdings war ich da noch gar nicht auf dem Trip, das Trinken ganz bleiben zu lassen. Mir war auch nicht richtig klar, daß ich abhängig bin, und wie. Und auch meine Umwelt tut sich schwer, das zu glauben.

Was mir dabei entgangen war, ich hab mir eine Hintertür offengelassen, und irgendwann wars mir zu unbequem, mich dauernd zu mäßigen. Meine Abstürze waren dann aber gleich so, da hätte Schlimmeres passieren können, was nicht einfach wieder aufhört. Ich hab mich selbst reingelegt, denn die Gier nach mehr, die hab ich auch durch die gelegentlichen Gläschen fleißig am Leben erhalten. Ich könnt auch jetzt sicher einige Monate kontrolliert trinken, aber ich mußte dann permanent auf mich aufpassen, und das wär mir zu viel Stress. Da laß ich es lieber gleich ganz.


denk mal drüber nach

der minitiger

[f1][ Editiert von minitiger2 am: 27.06.2004 18:36 ][/f]


Amtsschimmeli Offline



Beiträge: 12

27.06.2004 18:33
#3 RE: Ganz schön schwer trocken zu bleiben antworten

Hallo Seemaus,

"Sinn" hat ein Jahr gekämpft, um ein Jahr clean zu bleiben. Danach ist ja die Welt nicht besser, es fängt nur ein neues Jahr an. Ich bin über 14 Tage noch nicht hinaus gekommen
Du sagst, dass Du lebenslänglich nicht mehr trinken darfst. Wieso "darfst"? Denk mal zurück, wie lange es gedauert hat, bis Du nicht mehr trinken musstest. Verwechselst Du vielleicht "dürfen" und "müssen"?
Du bist mir 9 Monate voraus und ich beneide Dich. Sei' stolz darauf und stelle Dich nicht wieder hinten an! Du würdest es früher oder später ja doch bereuen. Ganz sicher.
Muttu aber nich!!!


Kati55 Offline



Beiträge: 119

27.06.2004 18:55
#4 RE: Ganz schön schwer trocken zu bleiben antworten

Hallo Sabine,

wir kennen uns noch nicht, ich habe mich erst kürzlich angemeldet. Dennoch habe ich deine Geschichte von Beginn an verfolgt.
Wenn ich dir jetzt schreiben würde, laß' es lieber bleiben, naja das Übliche halt, was man in solchen Momenten denkt, dann bringt das nichts, weil du es wahrscheinlich doch ausprobieren wirst.

Aber vielleicht hilft es dir ja bei der Entscheidung, wenn ich etwas von mir erzähle.

Im Jahr 2002 habe ich 11 Monate nicht getrunken, die längste Zeitspanne bis dato, innerhalb von insgesamt 15 Jahren, seit ich angefangen hatte unkontrolliert und übermäßig zu trinken.
Du bist doch nicht abhängig, habe ich mir gesagt, obwohl ich eigentlich wußte, dass ich mir was vormache. Jedenfalls habe ich es ausprobiert und es folgte das schlimmste halbe Jahr meines Lebens.
Andererseits habe ich dieses halbe Jahr gebraucht, um endlich zu begreifen, dass ich keine Chance habe.
In diesem Monat war es ein Jahr, dass ich aus Überzeugung trocken bin und nun vermisse ich auch nichts mehr.

Ich wünsche dir, dass du die für dich richtige Entscheidung treffen kannst.

LG Kati


Sinn ( gelöscht )
Beiträge:

27.06.2004 19:01
#5 RE: Ganz schön schwer trocken zu bleiben antworten

Liebe Sabine,

Du sprichst mir voll aus der Seele. Es geht mir fast genauso.
Du darfts nicht, Du willst nicht, Du kannst nicht usw. usw.

Es geht mir wirklich auf den Keks nicht mal ein Bier zum Essen, nicht ein viertel Wein, nicht mal ein Schlückchen Sekt zum Anstossen.
Ich komm mir da manchmal saublöd vor.

Ich weiß nur eins : Ich kann mit Alk nicht umgehen, sonst wäre es nicht zu diesem Gewaltbesäufnis gekommen.

Naja, dann halt auf ein neues, muss halt wieder von vorne anfangen.
......Bin aber immer noch ratlos.

Gruß
Sinn


Lisl Offline




Beiträge: 1.980

27.06.2004 19:42
#6 RE: Ganz schön schwer trocken zu bleiben antworten

Hallo Seemaus

gar nicht so einfach zu erklären wie es einem geht, doch nun hast du es ja geschrieben und das finde ich

Du schreibst dass du dir schon länger um dich Sorgen machst und das finde ich auch sehr gut, da ich bei meinem Rückfall gar kein Gespür dafür hatte, dass ich wieder total absacken werde.

Ich hatte es einfach vergessen
ich hatte vergessen dass ich Alkoholikerin bin und dass ich mit Alkohol nicht umgehen kann.

9 Monate ist doch schon ganz schön, wenn ich nun an meine knapp 21 Wochen denke...da hatt man doch Vergleiche
und vorher 13 Jahre trocken

Und wie du so schön schreibst hatte sich da meine Umwelt auch nicht darum gekümmert und sich schwer damit getan zu glauben dass ich Alkoholkrank bin.
Sogar mein Mann hatte da seine Probleme damit das zu glauben...bis es dann soweit war, dass er mitansehen musste dass sich die Persönlichkeit seiner Frau die er geheiratet hatte zum Nachteil veränderte.

Du schreibst was von keiner richtigen Alkoholikerin

Was ist eine richtige Alkoholikerin

gibt es auch eine unrichtige?????

Seemaus mir fiel es auch nicht schwer aufzuhören...Entzugserscheinungen hatte ich auch nicht
und über das gar nicht mehr trinken dürfe`?...da mache ich mir im Moment noch keine Gedanken...das ist alles zu weit weg und zu nah an meinem Rückfall !

Für mich zählen noch die Augenblicke...nicht mal die 24 Stunden...der Moment wenn die Lust kommt...der Moment wenn mein Gollum kommt und mir einflüstern will, dass alles doch gar nicht so schlimm ist und dass ein Glas Wein doch drin wäre.

Der kommt auch manchmal und meint: Probieren geht über studieren


Ich konnte ungefähr 5 Monate normal trinken, doch dann war der Alk wieder stärker und dann diesen Saufdruck danach....
Seemaus warum vergisst man soooo schnell?????
Warum vergisst man wie es vorher in den nassen Zeiten war?
Wie man am Morgen glitten hatt
Wie ich meine Flaschen versteckt hatte usw
Das schlechte Gewissen und das alles andere auch????

Warum will man das alles beiseite tun...nur um wieder normal trinken zu wollen, das man ja sowieso nicht schafft?????

Es kommt mir manchmal vor als ich meinen Sohn geboren habe...13 Stunden in Wehen...und dann als er da war...2 Tage später waren die ganzen Wehen vergessen.!!!
Doch der Alkohol ist doch nichts lebendiges...und trotzdem hatt er soviel Macht, dass man sogar das frühere Leiden vegisst


Das vermisse ich sehr und seit 9 Monaten denke ich jetzt darüber nach, ob ich es nicht mal probieren soll, was hätte ich zu verlieren?

Nur durchs Probieren kannst wieder viel verlieren!!!
9 Monate daran zu denken...das ist ja schon anstrengend.


Aber ich wollte auch einfach mal schreiben, dass es schwer ist trocken zu bleiben, da sollte sich wirklich Niemand was vormachen

Ne einfach ist es für mich auch nicht, doch ich schaue mich im Moment um...was so alles in und um meinem trockenem Leben so los ist
und das kann auch ganz schön abenteuerlich sein



Liebe Grüße ins Allgäu aus der Schweiz


[f1][ Editiert von Lisl am: 27.06.2004 19:50 ][/f]


Adobe Offline




Beiträge: 2.561

27.06.2004 20:42
#7 RE: Ganz schön schwer trocken zu bleiben antworten

Hallo Seemaus,
Hallo Sinn,

ich gebe zu, daß das Trockenbleiben oft sehr schwierig ist und eine ganz schöne Arbeit bedeutet. Ich höre auch ständig, daß ich ja keine RICHTIGE Alkoholikerin bin.
Na ja, was ist ein bißchen schwanger? Erst wenn man einen ganz dicken Bauch hat oder schon im 3. Monat?

Man muß aus seinem Kopf herausbringen, daß mit einem Glas Sekt irgendwo anstoßen, zum Essen einen Wein trinken ein Stück Lebensqualität sein soll. So wird es einem ja eingeimpft.

Nur wo bleibt die Lebensqualität, wenn man wieder abstürzt? Dann ist erstmal überhaupt keine mehr übrig und man fängt mit der ganzen Arbeit wieder von vorne an.

Ich hatte einen Rückfall nach 10 Jahren. Er war vollkommen bewußt, ich bin da nicht reingeschlittert, wollte es wissen. Seemaus, genau wie Du nach dem Motto was habe ich zu verlieren? Gut, verloren habe ich wohl nichts, weil ich nur Silvester getrunken hatte und sofort wieder aufgehört hatte. Es hat mir aber bewiesen, daß meine Lebensqualität an diesem Abend nicht einen Deut besser war als 10 Silvester vorher. Und mußte den ganzen nächsten Tag den lieben Gollum bekämpfen, der mir ständig einreden wollte na ist ja nichts passiert, willst du nicht ein Gläschen? Hätte ich da nachgegeben, hätte es nicht lange gedauert und ich wäre dort gewesen, wo ich schon mal war. Und das ist etwas, was ich auf KEINEN FALL jemals wieder will.

Ich sage mir nie, ich darf nie wieder was trinken. Ich sage einfach, nein danke, ich will nicht.

Viele Grüße
Adobe


Seemaus Offline




Beiträge: 216

27.06.2004 21:09
#8 RE: Ganz schön schwer trocken zu bleiben antworten

Hallo,

und erst mal vielen Dank für die Antworten. Tut irgendwie wirklich gut Resonanz zu bekommen, mit "Nichtalkoholikern" kann man da ja so schlecht drüber reden und ich geh ja in keine Gruppe (ist ein Fehler, weiss ich ja).

Die Antworten machen mich schon sehr nachdenklich.

Es ist so verdammt schwer auch. Ich bin ja nie irgendwie abgestürzt....habe nie unkontrolliert viel getrunken.
War selten morgens verkatert und deshalb kann ich mich auch schlecht an die Zeiten so erinnern, dass sie mich abschrecken.
Was mich so annervte war, dass ich jeden Abend trinke und dadurch eben nicht mehr fähig gewesen wäre Auto zu fahren, falls nötig. Das machte mir Kopfzerbrechen, immerhin bin ich Mutter.
Und achja..manchmal war mir vormittags schwindelig und ausserdem wog ich 10 kg mehr.

Auf die Frage was "richtige" Alkoholiker sind möchte ich auch noch eingehen. Dieser Begriff stammt ja nicht von mir, sondern von Bekannten, Freunden und Verwandten. Das sind solche, die eben auch tagsüber trinken, bzw. unkontrolliert. Das war bei mir ja die letzten Jahre allerhöchstens mal im Urlaub der Fall (dass ich tagsüber trank).
Aber ich habe täglich getrunken und hätte ich das nicht, wäre es abends immer eine Qual gewesen, denn der "Feierabendwein" gehörte zur Entspannung und ich war es auf alle Fälle so gewöhnt, dass ich ohne unausstehlich war. (Oder gewesen wäre!)

Tja, soweit möchte ich natürlich auf keinen Fall wieder kommen, aber das ist eben das Problem. Da ich jetzt völlig problemlos ohne Alk sein kann und nur ab und zu Lust drauf habe, würde es mir ja reichen, nur ab und zu was zu trinken. Da ich nie unkontrolliert viel getrunken habe, wär das doch super...und genau das sind meine Gedanken.
Andererseits glaube ich aber, dass ich bald wieder bei meinem täglichen Konsum wäre.
Ach menno...warum beschäftigt mich das jetzt schon seit Monaten?

Liebe Kati, tja, vielleicht muss man echt den Weg gehen, um sich selbst davon zu überzeugen, dass man nicht kontrolliert trinken kann. Aber ich glaube, ich möchte weise genug sein und bleiben, auch mit eurer Hilfe, und es gar nicht erst ausprobieren. Gerade durch dich Sinn, vielleicht durch Bernd oder durch Andi....und durch so manch anderen Rückfall seit ich hier mitlese müsste ich eigentich schlau genug sein. Warum sollte ich anders sein als all die anderen hier?

Ich bin hin- und hergerissen. Aber ich werde es mir noch ganz genau überlegen, in meinem Fall wird es keine spontane Handlung werden....nach wie vor habe ich hier Flaschen Wein und sonstigen Alkohol. Also wenn ich will, kann ich jederzeit.

So, jetzt hab ich euch wirklich genug mit meinem Problem zugetextet. Danke fürs Zuhören! (Hoffe, das habt ihr :zwinker1


Schönen Abend noch
Sabine

[f1][ Editiert von Seemaus am: 27.06.2004 21:11 ][/f]


Ameise Offline




Beiträge: 1.110

27.06.2004 22:12
#9 RE: Ganz schön schwer trocken zu bleiben antworten

Hi Seemaus,

ich finde Deine Gedanken gar nicht so sensationell und ungewöhnlich.
Zeitweise geht es mir ähnlich.
Das Urteil "lebenslang" habe ich mir nicht auferlegt. Rein kopfmäßig geht es mir besser, wenn ich mich jeden Tag neu entscheide.
Das macht es mir leichter, wenn ich mich eben diese Gedanken heimsuchen.
Dann sage ich mir, "ach - morgen kann ich mich immer noch fürs Trinken entscheiden."
Wenn ich dann morgens frisch aufwache, freue ich mich über diese doch recht weise Entscheidung, die ich am Vortag getroffen habe.
Ich halte mir rein theoretisch immer die Möglichkeit offen, doch wieder zu trinken, wenn ich eben möchte.
Niemand hat ein "Lebenslänglich" über mich ausgesprochen. Ich entscheide das Tag für Tag aufs Neue.
Dazwischen gibt es Phasen, in denen ich gar nicht darüber nachdenke, da mich das Leben an sich auch so schon genug beansprucht und mir Entscheidungen abverlangt, die mich genug beschäftigen, als über Alkohol nachzudenken.
Am Tag meines Umzuges habe ich selbstverständlich für meine fleißigen Helfer eine Kiste Bier gekauft.
Hat mir null ausgemacht. Es wurde auch nicht gesoffen - es hat jeder um die Mittagszeit eine Flasche getrunken, und das wars.
Aber gestunken hat das - man bekommt ja eine feine Nase. Bäh!
Du schreibst, daß Du Dich an keine schlimmen Abstürze erinnerst, die evtl. abschreckend mahnen könnten.
Es müssen ja nicht diese schlimmen Dinge sein -
vielleicht erinnerst Du Dich an bestimmte Verhaltensweisen, die Du mittlerweile abgelegt hast und auch nicht unbedingt wiederholen möchtest.
Also ich selbst hatte so eine Art drauf, - auch im Umgang mit mir selbst - so ein feeling - das möchte ich nicht unbedingt wiederhaben.
Ich möchte sagen, ich bin im Umgang mit anderen in den letzten Monaten doch klüger geworden.
Ich erzähle nicht mehr so viel - ich höre lieber zu. Und das aus echtem Interesse.
Früher habe ich mich sehr verletzlich gemacht, indem ich mich oftmal preisgegeben habe.
Das passiert mir heute nicht mehr. Ich bin da selbstsicherer geworden, - weil unbelastet.
Ich weiß nicht, ob ich das jetzt so rüberbringen kann, wie ich es meine.
Ich hätte Angst, in alte Verhaltesmuster abzurutschen - sogar mehr Angst als vor körperlichen Entzugserscheinungen.
Der Alkohol hat mir einen Teil - einen wertvollen Teil - meiner Persönlichkeit geraubt -
das weiß ich aber erst jetzt, wo dieser Teil ans Tageslicht getreten ist.
Und dieser Teil steht mir einfach zu gut, um ihn wieder aufs Spiel zu setzen.
Vielleicht fragst Du mal gute Freunde, oder Dich selbst, inwieweit Du Dich zum Positiven verändert hast in diesen neun Monaten.
Vergleiche Dich mit dem Menschen, der Du vorher warst. Vergleiche Deine Gefühle, Deine Stimmungen.
Bist Du ausgeglichener geworden?
Toleranter? Weniger aggressiv?
Aggressionen verstecken sich gern - in Neid, Schadenfreude usw.
Laß Dir Zeit mit Deiner Entscheidung, ob Du nun ein Glas trinkst oder nicht.
Es läuft Dir ja nicht weg. Morgen ist auch noch ein Tag.

Liebe Grüße


Lisl Offline




Beiträge: 1.980

28.06.2004 09:44
#10 RE: Ganz schön schwer trocken zu bleiben antworten

Hallo Seemaus Sabine

wir haben ja 2 Sabine hier im Forum

Du hast recht mit "Nichtalkoholiker" kann man nicht so gut reden...manchmal habe ich sogar das Gefühl ich müsste mich noch wehren oder agressiv werden um denen das begreiflich zu machen dass ich Alkoholkrank bin und nicht mir ihnen anstossen möchte

Nun habe ich mir heute morgen die Frage gestellt:
"Warum habe ich das Gefühl dass ich mich gegen das Glas wehren muss "...oder
"Warum fällt mir das manchmal noch schwer das ganze zu akzeptieren...das ich Alkoholkrank bin?"
"Warum lehne ich mich noch manchmal gegen das Wort Alkoholiker auf?

da kommt mir doch wieder Maxes "Kapitulation" in den Sinn.

Es ist so verdammt schwer auch. Ich bin ja nie irgendwie abgestürzt....habe nie unkontrolliert viel getrunken.
War selten morgens verkatert und deshalb kann ich mich auch schlecht an die Zeiten so erinnern, dass sie mich abschrecken.


Vielleicht warst du noch nicht genug unten?
Ich war im Gegensatz wie ich manchmal so lese auch nicht so weit unten...man hatt ja seine Vergleiche.
Wenn ich da an meine LZT denke, da hatten manche epileptische Anfälle oder zitterten usw.
Das alles hatte ich auch nicht

Du hast aufgehört damit du Auto fahren kannst und Mutter bist
Ich habe aufgehört weil ich bei mir bemerkte dass dieses Leben nicht das Leben ist was ich leben möchte


Aber ich habe täglich getrunken und hätte ich das nicht, wäre es abends immer eine Qual gewesen, denn der "Feierabendwein" gehörte zur Entspannung und ich war es auf alle Fälle so gewöhnt, dass ich ohne unausstehlich war. (Oder gewesen wäre!)


Ich habe nicht täglich getrunken, sondern Quartalsmässig und dann täglich!!


Sabine ich schreibe das nun um Vergleiche herzustellen und du siehst selbst, dass wir beide ob so oder so "Alkoholiker" sind.
Ich denke es geht gar nicht darum ob Richtig oder Wenig Alkoholiker...Nein es geht darum, dass wir unsere Krankheit akzeptieren lernen und uns nicht mehr gegen sie Auflehnen oder denken dass wir unser ganzes Leben lang verzichten müssen.


Ach menno...warum beschäftigt mich das jetzt schon seit Monaten?

wenn ich da ganz ehrlich bin, empfinde ich den Gollum schon als lästiges Anhängsel das sich oft mit mir anlegen will oder seine Lust zu trinken ausleben möchte.
Doch es gibt ja noch andere tolle Lüste die man dann als Belohnung nehmen kann.


In der Zwiesprache mit mir selbst oder auch mit meinem Schreiben hier...und auch in meiner Gruppe und Therapeuten ist Vorrangig über meine jetztigen Bedürfnisse und Ängste und meine Lebensqualität zu reden, dadurch verliert der Alkohol an seiner Bedeutung und seiner Macht!

Ich denke je mehr Zeit du für die Problematik Alkohol aufbringst, desto mehr gewinnt er an Kraft und dein Kontakt zu dir selbst oder neue Eindrücke die nichts mit Alkohol zu tun haben bleiben vernebelt im Untergrund liegen.


Du hast jetzt durch andere (Sinn, Bern u.a.)dein eigenes Denken und Ängste über Alkohol entdeckt und ich habe meines wieder durch dich entdeckt
Ist das nicht Herrlich

Also wenn ich will, kann ich jederzeit.

Es gibt viele Hindernisse auf dem Weg...egal ob als Alkoholiker, andere Krankheiten oder Gesund.
Ich versuche im Moment nicht mehr diese Hindernissen zu umgehen...auch nicht sie direkt anzugehen, da mir dazu noch die Kraft fehlt...Nein ich bleibe stehen und schaue sie mir nur an und akzeptiere sie vorläufig um später wenn ich die Geduld und Kraft dazu habe.. wieder angehen zu können.

Weisst du manchmal habe ich das Gefühl, dass ich mir diese Hindernisse auf meinem Weg aufgebaut habe, während ich innere Konflikte durchmachte und diese dann durch Alkohol überdeckt.
Wenn ich jetzt weitertrinken würde...dann hätte ich wieder die Chance verpasst mich als Lisl zu fühlen und mich kennenzulernen

Es ist ein ganz starker Wunsch in mir...mich selbst wahrzunehmen der ich bin und je mehr ich diesen Wunsch habe desto mehr Energie erzeuge ich, damit er wahr wird.

Da haben wir es wieder
Je stärker der Wunsch wieder normal trinken zu können, desto mehr wird Energie erzeugt, damit er wahr wird...doch bei uns als krankhafte Trinker wird sich leider dieser Wunsch als dies nicht erfüllen...
Denn da ist ja der Gollum der nicht genug bekommt


Sabine ich weis jetzt gar nicht ob diese Post von mir dir was bringt
Mir hatt es wieder was gebracht und ich wünsche mir dir auch


Seemaus Offline




Beiträge: 216

28.06.2004 12:19
#11 RE: Ganz schön schwer trocken zu bleiben antworten

Hallo Ihr Lieben,

also mir bringt hier wirklich jedes Post etwas und wenn es nur dieses schöne Gefühl ist, dass jemand mit mir über mein Problem redet. Vielleicht sollte ich wirklich in eine Gruppe, bin schon am Überlegen. Immerhin habe ich inzwischen ein Auto und in der nächstgrößeren Stadt (25 km entfernt) gibt es jeden Abend um 20 Uhr ein AA-Treffen. Mal sehen.

Ansonsten möchte ich noch sagen, dass ich eigentlich nie trinken möchte, wenn es mir schlecht geht. Im Gegenteil! Da will ich gerne meinen klaren Kopf bewahren. Nur in Zeiten, wenn es mir gut geht und ich mich wohl fühle würde ich gerne zusammen mit anderen Menschen (z.B. meinem Freund) ein oder zwei Gläschen trinken. Tja...

Wir Alkoholiker haben zwar irgendwo viele Gemeinsamkeiten, aber irgendwie geht es uns auch nicht besser oder schlechter als anderen Menschen! Wir beschäftigen uns vielleicht bedingt durch das Trockenwerden manchmal viel zu viel mit uns selber und wollen vor allem viel zu viel von uns selbst. Uns war es doch nie möglich Probleme mit Alkohol zu lösen, das hat doch auch nie wirklich jemand getan, oder? Und sich Probleme mit Alkohol vorübergehend wegtrinken, gelang das hier Irgendjemandem? Mir nie, es wurde unter Alkohol alles immer viel schlimmer. Aber vielleicht lag das daran, dass ich mich nie wirklich zugesoffen habe.
Also wir haben letztendlich nur ganz sicher ein Problem, das die Nichtalkoholiker nicht haben, nämlich die Alkoholsucht. Und die wird nie weggehen, darüber bin ich mir schon im Klaren, denn es ist eben eine Krankheit, die man nicht heilen kann.

Und jetzt weiß ich auch nicht, warum ich das schreibe.


Schönen Tag noch
Sabine

[f1][ Editiert von Seemaus am: 28.06.2004 12:21 ][/f]


Biene2 Offline




Beiträge: 4.231

28.06.2004 12:34
#12 RE: Ganz schön schwer trocken zu bleiben antworten

Hallo Seemaus,hallo Sinn,

überlegt euch doch mal,was ihr mit dem Trinken verbindet.

Was würde euch dieses/diese ein-zwei Gläser Wein o.ä. geben?

Wenn die alkoholische Wirkung gleich Null wäre,was wäre es denn dann?

Mir persönlich fällt es leicht auf dieses Ritual-Gläschen zu verzichten,denn unter einem Fass würde ich erst gar nicht anfangen...

Aber vor 5 Jahren noch,da wollte ich auch um alles in der Welt noch das "kontrollierte Trinken" lernen.
Geklappt hat es nie....

Naja,fand es chic,ein Gläschen beim Essen zu nippeln...ich fand es cool beim Kochen zu trinken...alles im allem könnte man es wohl mit "Lifestyle" übersetzen....

Naja,"Lifestyle" kann auch eine Tasse Tee in chinesischen Porzellan sein....wäre ich sportlich etwas aktiver,wäre auch meine Apfelschorle sowas wie "Lifestyle" und auch ein Obstsaftcocktail in einem schönen Glas ist Abstinenzler-Lifestyle.

Ist eigentlich nur eine Frage des Blickwinkels.

Und bei Dir,Seemaus,scheint dein Verantwortungsgefühl grösser zu sein,als der Druck zu trinken.Hut ab und mach was draus...


Adobe Offline




Beiträge: 2.561

28.06.2004 12:48
#13 RE: Ganz schön schwer trocken zu bleiben antworten

Hallo Seemaus,

Ansonsten möchte ich noch sagen, dass ich eigentlich nie trinken möchte, wenn es mir schlecht geht. Im Gegenteil! Da will ich gerne meinen klaren Kopf bewahren. Nur in Zeiten, wenn es mir gut geht und ich mich wohl fühle würde ich gerne zusammen mit anderen Menschen (z.B. meinem Freund) ein oder zwei Gläschen trinken. Tja...

Genauso geht es mir auch. Ich würde nie auf die Idee kommen zu trinken, wenn es mir schlecht geht. Aber so in Gesellschaft mal mit jemandem plaudern und dabei ein Gläschen....
Das kann ich Dir voll nachempfinden. Denke ich mir manchmal auch.

Wahrscheinlich hat aber Biene mit dem Lifestyle total recht. Mehr ist es doch nicht oder? Wir haben immer im Juni Theatrium. Das ist ein Straßenfest in der Rue aber total überzogen. So mit Champagner und Hummer und so. Und eingeladen werden Stars wie Tina Turner usw. Das fand ich auch immer coll da mit einem Glas Champagner zu sein. Ja bin ich denn bescheuert? Ein nettes Straßenkafee mit einem Espresso ist doch auch coll. Und wenn ich mir schon die Stars anhören will, kann ich auch Wasser trinken. Und es gibt auch richtig frisch gepresste Säfte.

Biene das ist richtig, es ist nur eine Frage des Blickwinkels.

Viele Grüße
Adobe


Seemaus Offline




Beiträge: 216

28.06.2004 13:58
#14 RE: Ganz schön schwer trocken zu bleiben antworten

Also nein, das ist bei mir schon anders...jetzt.
Wenn ich daran denke, ab und zu etwas zu trinken, dann hat das irgendwie nichts mit Lifestyle zu tun. Ich möchte schon die Wirkung des Alkohols spüren und auch den Geschmack! Nach wie vor, auch wenn ich nach 9 Monaten gar nicht mehr weiß, wie Rotwein schmeckt, erinnere ich mich daran, dass ich seinen Geschmack geliebt habe.
Nach wie vor rieche ich Rotwein sehr gerne. Der Duft eines guten Weines!

Mein Problem war doch einfach nur, dass ich allabendlich eine Flasche Rotwein getrunken habe und das ist nicht gut so. Mein Wunsch zu trinken, aber eben nicht jeden Abend hätte aber nicht erfüllt worden können, weil es nur eine Tortur gewesen wäre, ein ewiges Warten auf den Abend, wenn ich trinken "darf". Aber da ich jetzt 9 Monate nichts getrunken habe, schleicht sich dieser dumme Gedanke ein, dass ich es jetzt könnte, z. B. nur am WE mal ein Fläschen Wein oder eben in Gesellschaft ein paar Gläschen am Abend.....
Und das nicht, weil ich mir cool oder toll vorkomme, mit einem Gläschen Rotwein, sondern weil ich natürlich die Wirkung des Alkohols mag. Ich war immer gerne etwas berauscht und hätte dieses Gefühl auch in Zukunft ab und zu. Das geht wohl uns meisten Menschen so.
Doch irgendwie, seis weil meine Vorfahren auch fast ausschließlich Alkoholiker waren, irgendwie wurde das eben dann Gewohnheit oder Sucht bei mir.

Wird auch wahrscheinlich wieder so sein, davon geh ich aus. Aber da ist ein kleines bisschen Hoffnung, die mir flüstert, probiers halt mal aus. Dann weisst du es und dann musst du darüber nicht mehr nachdenken, dann musst du eben lebenslang auf Alkohol verzichten und du weisst warum!
Aber eine andere Stimme sagt: "Du weisst es auch ohne es auszuprobieren!"
Keine Sorge...ich bin nicht schizophren

Und ich ärgere mich auch, dass ich überhaupt so viel darüber nachdenke, als ob ich sonst keine Probleme hätte .

Sagt mal, wo ist eigentlich das gute Wetter, das sie uns heute vorausgesagt haben und warum ist meine Mikrowelle kaputtgegangen?

Herzlichste Grüße
Sabine


Saftnase Offline




Beiträge: 1.206

28.06.2004 15:07
#15 RE: Ganz schön schwer trocken zu bleiben antworten

Hallo Seemaus,

ich glaube dein größtes Problem ist, dass du weist, nie mehr trinken zu dürfen, es gerne möchtest, aber nicht kannst, obwohl du es willst und dich nicht traust, weil du weist......

Um diesem Wirrwarr oder hü und hot zu entkommen, müsste bei dir die Erkenntnis eintreten: Ich BRAUCHE keinen Alkohol.
Und das, was ich NICHT BRAUCHE, findet KEINEN PLATZ im Leben. Ist leicht gesagt, ich weis. Aber anders funktioniert es nicht.

Bis jetzt hälst du dich sehr tapfer und lässt das 1. Glas stehen. Aber ich habe das Gefühl, dass es ein ständiger Kampf für dich ist und ständiges Kämpfen macht müde und bietet dem übermächtigen Gegner eine große Angriffsfläche.

Der Wunsch, mal wieder "etwas" berauscht zu sein, die Sehnsucht dieses Gefühl zu erleben, ist Ausdruck einer bewußt? unbewußten? Unzufriedenheit - aus dem Moment oder auf Dauer. Vielleicht solltest du mal dort ansetzen, um herauszufinden, WELCHE Gründe tatsächlich deinen Trinkwunsch auslösen.
Ein Glas zum Essen oder zum Anstossen oder nur mal so, ist meiner Meinung nach nur eine Ausrede, denn ein Alkoholiker gibt sich doch mit einem oder zwei Gläsern nicht zufrieden.

Deshalb solltest mal überlegen, warum dir nach 9 Monaten die WIRKUNG des Alkohols so "unvergesslich" ist.
Das dürfte der Ansatz sein, um rauszufinden, warum du noch nicht sagen kannst: Ich BRAUCHE keinen Alkohol.


LG Laila


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