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Saufnix
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Dieses Thema hat 11 Antworten
und wurde 703 mal aufgerufen
 Akute Hilfe
Leona M ( gelöscht )
Beiträge:

22.05.2004 15:13
RE: Outing - aber wie? antworten

Hallo ihr lieben,

Huuui, soviele groschen, die im moment bei mir am fallen sind – wie der jackpot beim daddelautomaten....
Ich habe schon ganz rote augen vom vielen lesen hier, hoffentlich entwickelt sich stattdessen keine internet-sucht.

Es gibt da aber ein blödes problem: die peinlichkeit es allen freunden, verwandten ect. mitzuteilen, dass ich nun endlich auf den trichter gekommen bin. Es wurde mir schon so oft auf den kopf zugesagt, immer habe ich es empört zurückgewiesen, war beleidigt – naja, den meißten hier muss ich ja nichts erzählen darüber.

Bräuchte ein wenig unterstützung und aufmunterung von hier, oder auch ein paar praktische tipps – ehlich gesagt zittern mir die knie bei der vorstellung von allen seiten dieses ENDLICH, schulterklopfen ect. zu kriegen vor allen dingen der spruch „ich habs ja gleich gesagt“....

Mit kloß im hals

Leona M.


Ralfi Offline



Beiträge: 3.519

22.05.2004 15:49
#2 RE: Outing - aber wie? antworten

Hi,

du mußt nicht alles innerhalb kürzester Zeit verstehen. Das Ganze ist ein Lernprozeß und braucht seine Zeit. Also immer schön ein Schritt nach dem Anderen. Man sollte sich auch nicht den ganzen Tag mit Alkohol beschäftigen. Lies mal ein schönes Buch, mach eine Wanderung oder sonstwas was dir Spaß macht.

Natürlich hat dein engerer Bekanntenkreis dein Alkoholproblem längst bemerkt und auch jetzt eine positive Änderung an dir festgestellt. Dem engerer Bekanntenkreis würde ich mich outen, daß ist auch eine weitere Hürde vor dem Rückfall.

Meine Erfahrungen wenn ich mich geoutet habe waren durchweg positiv. Ich bekam nie blöde Bemerkungen oder Ratschläge sondern nur Lob (z.B.: "Super, das freut mich"). Es war mir aber auch wichtig, daß ich dabei ehrlich war, d.h. kein Beschönigen meines Problems.

Diese Woche habe ich mich bei einer guten Bekannten geoutet. Wir sehen uns zwar nur vier bis fünfmal im Jahr kennen uns aber schon seid der Kindheit und kommen super miteinander aus. Bis jetzt hatte ich nicht die Gelegenheit mich zu outen da meist ihr Kind mit dabei war oder die Stimmung nicht paßte. Diese Woche war es dann soweit und ich habe ihre Freude darüber bemerkt, daß ich mich ihr anvertraut habe. Gewußt hat sie es längst, da wir viele gemeinsame Bekannte haben.

Ralf


Bobby ( gelöscht )
Beiträge:

22.05.2004 18:19
#3 RE: Outing - aber wie? antworten

Hi Leona,
´gemerkt hat es keiner, denke ich´, doch alle haben es gemerkt. So ähnlich war eines der Themen die ich heute aus einem Vortrag über Alkoholismus erfahren habe. Es merken halt doch alle, man selbst macht sich total was vor. Ab morgen hör ich auf, alles im Griff!

Ich mache meist die Erfahrung das ich wenn ich mich oute eine positive Resonanz kriege. Oft fragen mich die Leute wieviel ich getrunken hätte usw. und kennen auch oft eine andere betroffene Person. Manchmal denke ich schon ich würde mich hauptsächlich als Alkoholiker definieren, das mache mich interessant.
Ich denke in der Gesellschaft gibt es so viel Negativbeispiele für Sucht, das die meisten sich freuen wenn es einer wagt auszusteigen. Bis auf selbstbetroffene halt.
Allerdings würde ich es auch nicht jedem gleich erzählen, sondern nur wenn das Bedürfnis da ist und etwas Vertrauen zur anderen Person aufgebaut ist. Man weiß ja nun doch nicht unbedingt wie die andere Person mit dem Thema umgeht.
Also, steh dazu!!! Bind es aber nicht jedem auf die Nase, nur wenn es dir gerechtfertig erscheint. So handhabe ich das. Trockenlegen kann man dann übrigens auch keinen.

Bobby


Hannah Offline




Beiträge: 125

22.05.2004 19:33
#4 RE: Outing - aber wie? antworten

Hallo Leona

Auch, wenn Du nicht viel geschrieben hast, wirken Deine Zeilen sehr positiv auf mich wie: „ICH habe MICH entdeckt“. Sie geben mir irgendwie ein prickeliges Gefühl und lassen mich an meine Erfahrungen denken; lassen mich an dieses "Augenöffnen" denken.
Ich bin/war kein Alkoholiker; wohl eine Co-Alkoholikerin. Es war und ist auch immernoch eine fürchterliche Erfahrung für mich, zusehen zu müssen, wie der Mensch, den ich liebe sich selbst zerstört und daß ich völlig machtlos bin.

Auch ich habe mich erst vor MIR hingestellt und mir eingestanden: ICH bin Co; ICH habe ein Problem. Ich habe mich also ersteinmal vor mir selbst geoutet. - ein emens wichtiger Schritt, denn alle vorherigen Gespräche mit guten Freunden hatten mehr mit meinem Leid zu tun als mit dem Willen, daran etwas für MICH ändern zu wollen.

Seid meinem Selbsteingeständnis fällt es mir immer leichter, mich auch vor meinen Mitmenschen zu outen. JA, auch der Co. outet sich! Und outen heißt für mich nicht, meinen Mann als größten Säufer aller Zeiten hinzustellen und herunterzuputzen; NEIN! Es heißt für mich: Über MEIN Problem zu reden und darüber, daß mein Mann ein kranker Mensch ist, der sich nur selber helfen kann, OHNE mich über ihn zu stellen. - Die Angelegenheit ist allerdings nicht so einfach, da die allermeisten Menschen das garnicht verstehen (nicht wollen bzw. nicht können, weil sie dieses emotionale Jammertal nicht nachempfinden können). Ich mußte jedoch feststellen, daß es mir danach jedesmal besser ging - wenn ich verstanden wurde/werde (bzw. wenn ich das Gefühl habe, verstanden werden zu wollen) stellt sich für mich der "richtige" Gesprächspartner heraus; wenn nicht, so salopp das klingen mag: kann mir derjenige mal den Puckel herunterrutschen. Auch so konnte ich "meine" Menschen herausselektieren.
"Ich habs ja immer gesagt" ist hier völlig fehl am Platze ; Menschen die sich so wichtig machen, haben wohl selber Probleme (bewußt oder unbewußt) und möchten bitteschön erstmal vor der eigenen Türe kehren. Die können Dich dann mal kreuzweise ....

Ich befinde mich immer noch in diesem Lernprozeß. HIER auf diesem Board habe ich IMMER "meine" Menschen und Gesprächsparter gefunden ( Dicken Knuddel und Wink an alle! :hallo1. Will sagen: Du bist hier gut aufgehoben; was nicht heißt, daß Du Dir Gedanken machen kannst, Dir noch viel, viel mehr Hilfe zu holen - alle, die Du bekommen kannst.

Du wirst feststellen, wie vielen Menschen es genauso geht wie Dir; wie viele Menschen genauso leiden wie Du und sehr wichtig: daß Du nicht alleine bist!

Ich wünsche Dir viel Klarsicht und Mut.
Hannah

Der Weg ist das Ziel


[f1][ Editiert von Hannah am: 22.05.2004 19:43 ][/f]


Marieluu ( gelöscht )
Beiträge:

22.05.2004 23:35
#5 RE: Outing - aber wie? antworten

Hallo Leona,

wie soll ich mich outen ?
Deine Umwelt weiss es mit Sicherheit schon und Fremden brauchst Du es nicht auf die Nase zu binden.
Wenn ich gefragt wurde, ob ich nichts trinke, dann habe ich geantwortet "nein,ich habe in meinem Leben genug getrunken".
Übrigens hat mein Bekanntenkreis das ganz locker aufgenommen und wenn heute eine Runde bestellt wird, dann kommt für mich automatisch eine Cok.
Du wirst sehen, es geht besser als Du denkst.Jedenfalls ist es mir heute lieber wenn einer sagt die trinkt nicht mehr-als das man sagt die ist schon wieder besoffen
Ich wünsche Dir gute 24 Stunden
Marieluu


Adobe Offline




Beiträge: 2.561

23.05.2004 09:49
#6 RE: Outing - aber wie? antworten

Hallo Leona,

geoutet habe ich mich nur meinen ängsten Freunden. Die anderen geht es überhaupt nichts an, warum ich nicht trinke. Du wirst sehen, daß Du Dir da unnötige Gedanken machst. In der Regel interessiert es niemanden, was Du jetzt trinkst.

Es ist mir in vielen Jahren nur einmal passiet, daß einer darauf herumgehackt hat. Darauf habe ich dann nur geantwortet, Du säufst und fährst Auto, findest Du das gut? Ruhe war.

Viele Grüße
Adobe


Leona M Offline




Beiträge: 307

25.05.2004 00:24
#7 RE: Outing - aber wie? antworten

Hallo,
danke für die guten tipps. Ich singe seit jahren in einem chor und habe mich entschlossen, da am donnerstag ganz offiziell reinen wein -bzw. wasser einzuschenken. habe keine lust auf tuscheleien - wenn eine was fragen will, kann sie es tun bei mir.

...haare aus der stirn schwenk

Leona
keine lust mehr auf mein blödes versteckspiel - so.


Lisl Offline




Beiträge: 1.980

25.05.2004 10:31
#8 RE: Outing - aber wie? antworten

hallo Leona

.....haare aus der stirn schwenk supi


ich wollte mich auch in meinem Turnverein outen, doch nun finde ich es gar nicht mehr soooo wichtig.
Wenn wir am Stammtisch sind, dann trinke ich ne Apfelschorle und die ein Bier.......macht mir nichts aus

Ich glaube nicht, dass die mit meinem Alkoholproblem etwas anfangen könnten, eher im Gegenteil, sie würden eventuell anfangen mich zu Kontrollieren !






[f1][ Editiert von Lisl am: 25.05.2004 10:32 ][/f]


Adobe Offline




Beiträge: 2.561

25.05.2004 18:36
#9 RE: Outing - aber wie? antworten

Hallo Lisl,

ich sehe das mit dem outen genauso wie Du. Ich habe keine Lust, mich von irgendwelchen Leuten kontrollieren zu lassen. Wissen tut es mein Freund, mein Sohn und meine 2 engsten Freundinnen. Ich werde auch von anderen Leuten in der Regel nicht gefragt, warum ich nichts trinke. Bestelle mir einfach mit der größten Selbstverständlichkeit ein alkoholfreies Getränk und damit hat sich das. Ich glaube, daß wenn man rumdruckst oder unsicher ist, dann kommen die Fragen. So aber nicht. Außerdem habe ich vorige Woche festgestellt, daß unheimlich viele Leute (in dem Lokal waren es bestimmt 95 %) alkoholfrei tranken. Das scheint eh der neue Trend zu sein.

Viele Grüße
Adobe


Hannah Offline




Beiträge: 125

25.05.2004 20:33
#10 RE: Outing - aber wie? antworten

Hi Leona!

Ich find es prima, wie DU zu DIR stehst!! Ich finde auch, daß Du alles das machen kannst/solltest, womit es DIR dann besser geht. Auch, wenn Du beim Herausfinden dessen eventuell mal in die Nietenbox grapscht .... (übrigens: Menschen haben das Recht, Fehler zu machen!)

Bleib auf Deinem Weg und freu Dich auf Dich. Ich wünsche Dir viel Kraft dazu!

Liebe Grüße
Hannah


Ernst Toll Offline




Beiträge: 83

26.05.2004 21:15
#11 RE: Outing - aber wie? antworten

Hallo Leona,
ich hab in der letzten Zeit auch einige Outings durchgeführt und dabei festgestellt, dass gar keine große Resonanz oder Nachfragen kamen. Der sooo große Schritt für mich wurde von der anderen Seite, besonders den Nichttrinkern, kurz zur Kenntnis genommen und damit hatte es sich. Der trinkende Teil zweifelte eher an meinem Bekenntnis, da es aus deren Sicht wohl nichts zu bekennen gebe, ich übertreiben würde und der einzige Kommentar lautete dann auch: so eine Pause ist bestimmt nicht verkehrt.
Neulich war ich auf einer Freibierparty und die Frau hinter der Theke ist extra für mich in den Keller gegangen, um mir ein Wasser zu holen. Rundherum betranken sich alle und selbst im Rauch kam kein einziger Kommentar.
Ich glaube Trinken oder Nicht-Trinken ist in erster Linie eine Sache, die man mit sich selbst ausmacht und die Umwelt gar nicht allzusehr interessiert. Abgesehen natürlich von Leuten, die unter dem eigenen Konsum leiden müssen.
Sind zumindest meine Erfahrungen

Mach Dir also nicht allzu viele Gedanken über die Folge Deiner Bekanntgabe.

Das Wichtigste ist, dass Du nichts trinkst

Viele Grüsse
Martin


Adobe Offline




Beiträge: 2.561

26.05.2004 22:13
#12 RE: Outing - aber wie? antworten



Genau Martin, das sind auch meine Erfahrungen. Keinen interessiert es nämlich, was Du trinkst. Es kommt ja eh nur auf den Menschen an, was für ein Gesprächspartner er ist, ob man sich in seiner Gegenwart wohl fühlt, gerne mit ihm weg geht usw.

Viele Grüße
Adobe


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