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Saufnix
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Dieses Thema hat 38 Antworten
und wurde 2.063 mal aufgerufen
 Akute Hilfe
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laufchrissi ( gelöscht )
Beiträge:

01.03.2004 12:44
#31 RE: Au weia antworten

Hallo Bernd,

wir haben es hier mit einer tödlichen Krankheit zu tun. Und leider gibt es Freunde und Freundinnen, die den Punkt übersoffen haben um trocken sein zu können. Das ist die brutale Realität dieser Krankheit.
Ich für meinen Teil konnte erst aufhören zu trinken, als ich mit dem "Arsch" an der Wand stand und keine Bedingungen mehr gestellt habe. Ich wäre auf Händen und Knieen an den Nordpool gekrochen, wenn es einer verlangt hätte. Aber die einzige Aufgabe die ich täglich bekomme, ist für HEUTE trocken zu bleiben und meinen Schöpfer um diesen Tag zu bitten.

Vor ziemlich genau 5 Monaten ist ein alter Freund wieder zu uns an die Tische gekommen. Er hat mehr oder weniger 10 Jahre einen permanenten Rückfall gehabt, nach dem er 12 Jahre trocken war. Sein einziger Kommentar zu seiner Sauferei war

Ich habe 10 Jahre an dem Buch geschrieben : "Mein Fall liegt anders"

In diesem Sinn wünsche ich Dir viel Erfolg bei einem neuen Anlauf.


Max mX Offline




Beiträge: 5.878

01.03.2004 12:58
#32 RE: Au weia antworten

von Manuela, und auch Patricia, und auch feli?
„Was mich wohl lange daran gehindert hat trocken zu werden, war meine eigene Angst. Angst vor mir selbst, wer bin ich dann, was kann ich dann, wie wird es dann? Aus jeder Angst die ich überwunden habe, ist selbstvertrauen gewachsen“
Kann ich erst mal unterschreiben, in voller Schönheit. Aber etwas anders war es bei mir doch noch. Ich hatte nicht vor mir selber Angst, sondern vor meiner Unfertigkeit. Ich wurde ja in meiner Jugend kaputtgestritten und platt gemacht, anstatt ich was zum Leben lernen konnte.
Insofern habe ich zuerst vor dem Alk kapituliert,
dann in zig Jahren ganz allmählich, gemäß „meiner“ Zeit, vieles nachgeholt.
Jetzt ist die Welt so wie sie ist, und ich mache ganau das was ich tun will. Das heißt aber auch, dass ich nicht so wie früher immer alles (un)mögliche dann doch nicht zu leisten imstande war. Somit spare ich jetzt 95 % meiner Kraft, aus den restlichen 5 % ist längst 100 % geworden. Und jetzt reicht’s ja. Na also! Und ist auch noch ganz schön. Wenngleich niemals vollkommen, naja ihr wisst schon.
Grüße von Max


[f1][ Editiert von Max mX am: 01.03.2004 12:58 ][/f]


Max mX Offline




Beiträge: 5.878

01.03.2004 13:04
#33 RE: Au weia antworten

hi Helena,
du erinnerst mich mit deinem Satz: "Dann schiele ich auch noch manchmal nach anderen und denke, die haben es irgendwie immer leichter. Die nehmen das Leben einfach leichter." an ein kleines Gedicht, das mir vor langer Zeit ein Mensch nahebrachte.

Es ist leichter

Es ist leichter wenn man's leicht nimmt,
sagt man.
Nimm es nicht leicht, sag' ich!
Erleuchte die Nacht nicht weil dich Finsternis ängstet,
du wirst sonst den wirklichen Tag
einst
nicht mehr erkennen.
Es ist leichter wenn man's nicht leicht nimmt.

Kann ich seit 30 Jahren auswendig, komisch?!
ich grüße dich, Max

[f1][ Editiert von Max mX am: 01.03.2004 13:05 ][/f]


Max mX Offline




Beiträge: 5.878

01.03.2004 13:25
#34 RE: Au weia antworten

hi Berndt,

„Stellenweise habe ich darüber nachgedacht, ob die Antworten aus Intoleranz, Dummheit oder viel mehr aus der eigenen Angst resultieren. Manche möchten wohl einen Gesetzestext formulieren“
Und einer, der mit manchen Gesetzen nichts anfangen kann, ist noch lange keine Gesetzloser.

Eine Geschichte für dich, Berndt, von einem den ich sehr gut kenne: Der trank seit er 13 war, Vater gab es nicht, Mutter war entweder abwesend oder besoffen. Er wurde Heizer im Krankenhaus, nahe der Alkoholikerstation auch noch. Dort soffen alle. 2 mal 4 Monate Langzeit. Ohne Erfolg, Patient war „therapieresistent“ (das habe ich schriftlich gesehen!).
Dann kam er zu einer Gruppe, war schweigsam, nach 3 Monaten haben sie ihn nichts mehr gefragt, seine Äußerungen gingen gegen Null. Kam aber immer wieder, und weil er „nur“ ein Fähnchen hatte (aus Höflichkeit, die halbe Pulle Schnaps hatte er immer dabei für hinterher), und weil er deswegen immer schon am Fenster saß, ließen sie ihn dort sitzen. Er schaute geradeaus, wahrscheinlich hörte er sogar zu. Das ging gestrichene 4 !! Jahre so. Eines Donnerstags sah er anders aus, hatte keine Fahne mehr, man traute sich kaum zu fragen. Er hatte erst jetzt sowohl genug begriffen als auch sich getraut ein neues Leben zu beginnen. Nach weiteren 2 Monaten sprach er sogar, wenig, aber treffend. Das ist jetzt 28 Jahre her, er lebt alleine, ist Frührentner nach Kopfoperation, geht stets in seine Gruppe, und er hat durch seine Arschruhe schon unglaublich geholfen.
Ich kenne allerdings auch manche, die sind jetzt tot, Herzversagen (35, 38, 55 Jahre alt) bis Leberzirrhose (31 Jahre alt geworden).
Wir alle sind gleich wert. Lieber Berndt, es wäre so schön, wenn auch du noch vor deinem Tode trocken würdest.
lieben Gruß von Max


Joosi Offline




Beiträge: 2.036

01.03.2004 14:22
#35 RE: Au weia antworten

hallo felidaela und ihr anderen,

Zitat
Immer wenn ich aufhörte, wollten das Glück und die Freiheit nicht kommen

.

So ging es mir ungefähr 15 Jahre lang! Ich dachte immer, dass liegt an meinen Depressionen, Eßstörung, schwieriger Kindheit etc. etc.

Zitat
Ich habe dieses Trinkenwollen nicht für Suchtdruck gehalten, es einfach nicht ernst genommen



Das war genau auch mein Problem in den ganzen Jahren!

Zitat
die Frage nach dem: Und dann?, also wenn ich denn nicht trinke.



tja, auch bei mir kam dann immer viel Leere, tausend Gründe, warum ich in meiner besonderen, schwierigen Situation jetzt erst einmal weiterhin den Alkohol brauche und eine riesige Angst, wie ich den alle Probleme ohne mein Entspannungs- und (Realitäts-)Fluchtmittel meistern soll.

Erst die Erkenntnis meiner Alkoholsucht, machte es mir möglich, die ersten Schritte in Richtung Realität zu gehen.
Auf einmal war ich bereit zu versuchen, ob ich das Leben nicht ohne Alkohol "aushalten" kann. Ich war aber 15 Jahre lang nicht bereit!

Meine Erfahrung ist inzwischen, dass sehr viele Ängste weniger geworden sind, seit ich nicht mehr trinke. Ich habe bei mir erkannt, dass der Alkohol viele Ängste verstärkt oder gar verursacht hat. Das hätte ich vorher nie geglaubt, wenn es mir jemand gesagt hätte!Ich habe immer gedacht, dass es anders herum wäre ( dass ich trinke, weil ich so viele Ängste und so ein schlechtes Selbstwertgefühl habe).

Mir hat außerdem sehr geholfen (und tut es immer noch!)mit Menschen darüber zu sprechen (Suchtberater, Gruppe, Psychotherapeutin).Dank dieser "Stützen" habe ich mich getraut, auf wackeligen Beinen, aber ohne Alkohol endlich loszugehen. Ich habe vertraut, dass es Menschen gibt, die mir weiterhelfen, wenn ich es noch nicht schaffe und dadurch wuchs das Vertrauen zu mir selbst immer mehr.

Zitat
Ich habe Depressionen, Angst und bin oft unzufrieden, launisch.....Kritik tut richtig doll weh, fühle mich völlig schutzlos



ich glaube, dass ist den wenigsten hier fremd - auch ich habe damit zu kämpfen. Doch ich habe jetzt schon einige Tiefs ausgehalten, ohne sie mit Alkohol zu betäuben und ich merke, wie mein Selbstvertrauen mit jedem mal größer wird.

Es kommt mir so vor, als ob gerade bei noch trinkenden Alkoholikern der Irrglaube besonders vertreten ist, dass das Leben nur leicht und schön zu sein hat und Probleme und schlechte Stimmungen eigentlich nicht zum Leben dazu gehören. Ich habe für mich erkannt, dass alle Gefühle ihre Berechtigungen haben und auch gelebt werden wollen und müssen. So wie es Frühling, Sommer, Herbst und Winter gibt. Alle Stadien haben ihre Berechtigung und dienen der Weiterentwicklung.

Die Gesellschaft und die Werbung gaukelt oft vor, dass schlanke, attraktive, leistungsfähige Menschen ohne wirkliche Probleme, dass anzustrebende Ziel währen. Das trägt einiges dazu bei, dass man als Mensch gerne alle schlechten, unangenehmen Gefühle einfach ausradieren möchte. Bei mir hat es lange gedauert, bis ich gemerkt habe, dass es ein Trugbild ist und dass ich mich da ausklinken möchte!

Es lohnt sich, allen Gefühlen seine Berechtigung zu geben und sie auszuhalten - so komme ich mit mir ins Gleichgewicht.

Ich finde es sehr gut, dass du dich trotz deiner "Angst vor Antworten" hier wieder gemeldet hast - das zeigt, dass du zu dir stehen willst!

Mir hat übrigends auch die Erkenntnis, dass Alkohol den Lernprozess des Gehirns verhindert, sehr geholfen! Ich möchte meinem Gehirn eine echte Chance geben, dass es Glücklich sein lernt!

Ich drücke dir die Daumen, dass du die Klippen mit den angebotenen Drinks sicher umschiffst. Sei dir das wert! !

Liebe Grüße
Gaby


Willimaus Offline




Beiträge: 100

01.03.2004 17:13
#36 RE: Au weia antworten

Für Bernd !

Wenn ich,
mein Leben noch einmal leben könnte,
im nächsten Leben würde ich versuchen,
mehr Fehler zu machen.
Ich würde nicht perfekt sein wollen,
ich würde mich mehr entspannen,
ich wäre ein bischchen verrückter,als ich es gewesen bin,
ich würde viel weniger Dinge ernst mehmen.
Ich würde mehr riskieren,würde mehr reisen,
Sonnenuntergänge betrachten,mehr bergsteigen,
mehr in Flüssen schwimmen.
Ich war einer dieser Menschen,die jede freie Minute ihres Lebens fruchtbar
verbrachten;
freilich hatte ich auch Momente der Freude,
aber wenn ich noch einmal anfangen könnte,
würde ich von Frühlingsbeginn an bis in den Spätherbst hinein
barfuß gehen.
Und ich werde mehr mit Kindern spielen.


wir sind noch jung,sollten wir nicht jetzt so leben,dass wir niemals so einen Text schreiben müssen-
Sollte der Text nicht eher so lauten;
Klar es gab hoch und tiefs.
Aber ich bereue nichts,
Mein Leben ist toll...


Viele liebe Grüße von Bärbel


felidaela Offline




Beiträge: 796

02.03.2004 17:48
#37 RE: Au weia antworten

Liebe Gaby,

ich danke Dir sehr. Du machst mir Mut.

@ Bärbel.

Das Leichte, das so schwer zu machen ist. Loslassen, leben - einfach so.

Ich war heute fast den ganzne Tag mit meinem Sohn unterwegs. Wir waren beim Arzt, mussten da lange warten (er hat leichte Knieprobleme, Wachstum vermutlich, also nichts Ernstes). Dann habe ich ihn zur Schule gebracht, eine längere Autofahrt also durch Berlin.

Im Wartezimmer legte er plötzlich los. Erzählte mir dies und das, z.B. auch über die (blöden) Lehrer und es waren echt ein, zwei "Korken" dabei, wo ich laut loslachen musste (nicht über die Lehrer! ) .

Als ich nach dem Einkaufen zu Hause ein bissel entspannt hatte, fehlte er mir schonwieder. Ein völlig neues Gefühl! Einerseits traurig, denn er ist nun schon fast 13, andererseits besser spät....

Ein guten Gefühl, ein schönes, voller Liebe und Stolz. Mein Großer!


Joosi Offline




Beiträge: 2.036

03.03.2004 12:04
#38 RE: Au weia antworten

Liebe felidaela,

Zitat
Ich war heute fast den ganzne Tag mit meinem Sohn unterwegs



Das mache ich zur Zeit auch dauernd!

Ist ein gutes Mittel, um die erste Zeit zu überstehen und hat auch noch positive Nebeneffekte! Sohn merkt, dass Mama Zeit hat und es ihr besser geht und kann Vertrauen entwickeln und Mama auch: vor allen Dingen in sich selbst!

Jeder Tag zählt! Immer einen nach dem anderen! So mache ich das zur Zeit auch.

Liebe Grüße
Gaby


Bernd48 Offline




Beiträge: 979

10.03.2004 17:40
#39 RE: Au weia antworten

Hallo Ihr Lieben

Endlich ist der Stress mit dem Rückfall weitgehend ausgestanden. Das Arbeitsamt hat wieder grünes Licht gegeben für meine Fortbildung, was ich sehr zu schätzen weiss - habe ohnehin weitergemacht, damit der Zeitverlust nicht noch größer wird und das bißchen Geld fließt auch wieder. Inzwischen war ich ja voll Pleite.

Also - erst mal xxx (drei Kreuze) und ich denke, DAS war mir eine harte Lehre.


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