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Saufnix
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Dieses Thema hat 26 Antworten
und wurde 1.190 mal aufgerufen
 Akute Hilfe
Seiten 1 | 2
Gast ( gelöscht )
Beiträge:

23.02.2004 16:46
RE: Ich würde sooo gerne.... antworten

Hallo,

ich würde so gern mehr aus dem machen, was ich habe.
Ich habe ein wunderschönes, riesiges Haus, den Mann meiner Träume und einen super Job, der mir Spaß macht und sehr liebe Kollegen mit denen ich gut auskomme, die ich mag und die auch mich mögen.
Ich würde gern viel mehr aus dem schönen Garten machen, das Haus wohnlicher machen. Ich hätte gern viel mehr Energie um Dinge zu tun, die ich mir zu tun wünsche....
Ich würde gern laufen, versuchen zu malen, all die Bücher lesen, die ich schon lange gekauft habe und die nur in der Ecke herumliegen.
Ich würde mich gern öfter mit Leuten treffen und etwas unternehmen. Mich für die Umwelt, zb. bei der Nabu für gute Zwecke einsetzen.
Manchmal wünsche ich mir sogar lediglich, daß ich die Freiheit hätte, nach der Arbeit noch einmal in die Stadt zu fahren um mir etwas schönes zu kaufen.
Aber nichts von dem ist realisierbar.
Frei nach dem Motto eines Mitschreibers hier:
Sehnsüchtig grüßt der, der ich bin, den, der ich gern sein würde.
Realität ist, daß ich lediglich für morgen und heute lebe.
Morgens lebe ich für Heute.
Heute ändere ich mein Leben, ab heute trinke ich nicht mehr.
Nachmittags lebe ich für das: ab Morgen.
Es geht nach Hause, die Flasche Sekt wird geöffnet, ein paar Schlucke und eine herrliches Gefühl der Entspannung. Leicht, weich und warm. Das Leben wird entspannt und freundlich.
Alles andere ist egal. Ein wenig Haushalt, ein wenig PC, auf Sportseiten etc. um zu schauen, was schönes ich mal machen kann; ab morgen, wenn ich dann nichts mehr trinke.
Abends halbtot ins Bett, morgens kotzübel, ohne mich zu erinnern was ich gestern im Fernsehen gesehen habe. Mit Angst und absoluter Konzentration im Auto ab zur Arbeit. Dort angekommen, noch absolut müde der Schwur, heute nicht mehr......
Ich trinke seit ca. 12 Jahren. Angefangen hat alles mit einer Flasche Bier, dann zwei, dann drei. In einem anderem Leben. (ich bin w. 33 J alt)
Dann Sekt. Halbe Flasche, dann ganze Flasche.
Scheidung. Arme Socke gewesen. Mobbing am Arbeitsplatz, alles reichlich übel.
Dann neuer Freund. Super Arbeit bekommen.
Umzug in neue Stadt, noch besserer Job, Heirat, super Beziehung und Geld genug. Auch tolle Beziehung zu meinen Eltern.
Also wenn man nach Gründen sucht, warum zuviel Alkohol getrunken wird, dann kann man ausschließen, daß es einem schlecht geht. Übrig bleibt lediglich die Sucht. Sucht nach dem warmen, weichen Gefühl, das Glück und Gesundheit (habe Schmerzen unter dem rechten Rippenbogen) langsam tötet.
Im Jahr 2002 habe ich nicht einen einzigen Tag ohne Alkohol gelebt, 2003 waren es 4 Tage.
Letzte Woche habe ich Di. Mi. und Fr. ohne Alkohol verbracht.
Sie waren wunderbar. Energie ohne Ende. (Tagsüber, abends sehr früh müde, geschlafen wie eine Tote, sehr früh aufgewacht und topfit. Habe dann den gesamten Haushalt gemacht und hatte abends Zeit)
Entzugserscheinungen hatte ich, außer leichtem Zittern und Nervosität, keine.
(kann das sein nach 1 Fl. Sekt und mind. 1 bis 2 Fl. Bier täglich?)
Oder können die Entzugserscheinungen nach über 2 Tagen noch kommen?
Es war so schön ohne Alkohol.
Ich möchte gern noch einmal wenigstens einen Tag ohne, dann den zweiten, dann den dritten.
Dann habe ich einen Anfang und kann weitermachen, vielleicht sogar tun was ich tun möchte.
Entschuldigung für ein so langes Posting, aber ich würde mich sehr, sehr über virtuelle Anstöße zum Durchhalten von Leuten freuen, die verstehen wovon ich hier rede.
Dankeschön

Melli

PS: Das ich ein Problem mit Alkohol habe, ist an meinem Partner nicht spurlos vorübergegangen. Keine Eskapaden, nichts schlimmes, aber doch schon die Bitte, nicht so viel zu trinken und auch die Frage, ob ich ein Problem habe. Aber es wurde noch nicht realisiert, daß diese Frage berechtigt ist. Ich wünsche mir auch, das dies so bleibt.
Da ich anscheinend, glücklicherweise keine körperlichen Entzugserscheinungen habe, sondern „nur“ psychisch Abhängig bin, möchte ich dies alles ohne Hinzuziehung Angehöriger schaffen. Haltet Ihr das für realistisch?


Jarjar Offline




Beiträge: 117

23.02.2004 17:12
#2 RE: Ich würde sooo gerne.... antworten

Hallo Melli,

ertmal ein herzliches Willkommen hier. Da du meinen Spruch zitierst, fühl ich mich doch direkt angesprochen.
Natürlich wöäre ich gerne ein anderer, oder zumindest ein bisschen anders als ich eben bin. Also grüß ich...
Ich meine das aber als Aufforderung, auch an mich selbst, an mir weiterzuarbeiten, nicht stehnzubleiben auf meinem trockenen Weg.
Auf deine Frage am Ende des Beitrages möchte ich dich zurückfragen: Warum willst du es ohne Angehörige schaffen ?
Dein Partner hat doch den Braten schon längst gerochen, er weis dass du ein Problem haben könntest. Wenn er dich daraufhinweist, ist das nur ein Zeichen, dass er sich Sorgen macht.
Und wenn du im letzten Jahr vier Tage Saufpause hattest, dann hast du ein Problem. Bei der Trinkmenge wundere ich mich doch ein wenig, dass du keine Entzugserscheinungen hattest, aber jeder reagiert anders. Aber du klagst doch über Schmerzen im Bereich des rechten Rippenbogens, gibt dir das nicht selber genug zu denken ? Versuch doch wenigstens einmal 1 Woche am Stück (ohne Unterbrechung am Donnerstag zum nachladen) ohne Alkohol auszukommen.
Oder willst du es vor deinem Partner verheimlichen, weil du die Hoffnung hast, du hast vielleicht doch kein Problem ?


Rosa Krebs Offline




Beiträge: 436

23.02.2004 17:44
#3 RE: Ich würde sooo gerne.... antworten

Hallo Melli,

erst mal herzliches Willkommen hier auf dem Board.

Zitat:
PS: Das ich ein Problem mit Alkohol habe, ist an meinem Partner nicht spurlos vorübergegangen. Keine Eskapaden, nichts schlimmes, aber doch schon die Bitte, nicht so viel zu trinken und auch die Frage, ob ich ein Problem habe. Aber es wurde noch nicht realisiert, daß diese Frage berechtigt ist. Ich wünsche mir auch, das dies so bleibt.
Da ich anscheinend, glücklicherweise keine körperlichen Entzugserscheinungen habe, sondern „nur“ psychisch Abhängig bin, möchte ich dies alles ohne Hinzuziehung Angehöriger schaffen. Haltet Ihr das für realistisch?

Meine Güte, wie kommt mir das bekannt vor.
Mein Start war unter der gleichen Voraussetzung und ich habe es "geschafft" und Du wirst es auch schaffen.
Wenn es Dir ein so ungutes Gefühl macht, Deinen Partner oder Deine Familie von der ersten Stunde an mit einzubeziehen, dann mache es auch nicht!".

Liebe Melli,
bei mir war es so, dass ich erst selbst an mich glauben wollte, ohne Bevormundung der Familie und als ich da meine ersten Erfolgen hatte, d.h. 3 Wochen "trocken" war - alles gebeichtet.

Gespürt und nachgefragt hatte mein Mann auch während meiner Saufzeit, ob ich damit Probleme hätte. Habe ich aber damals immer schön verharmlost. Ganz aus allen Wolken gefallen nach dieser Beichte ist mein Mann damals nicht und wir haben es beide so akzeptiert. Ist auch besser so: Brauche nun nie wieder davor Angst haben, dass er mich zu einem gemütlichen Glas am Abend einlädt.

Also Melli, Kopf hoch, ein Schritt nach dem anderen. Lass heute das 1. Glas stehen und morgen dann wieder das 1. Glas stehen lassen.

Bleibe hier an Board und Frage, was Du Fragen willst.

Hast Du schon einmal nach einer Selbsthilfegruppe Ausschau gehalten?

Sei lieb gegrüßt
Rosa Krebs


Joosi Offline




Beiträge: 2.036

23.02.2004 17:57
#4 RE: Ich würde sooo gerne.... antworten

Hallo Melli

willkommen hier auf dem Board!

Vieles was du schreibst kommt mir wahnsinnig bekannt vor. Ich hatte auch viele Jahre, in denen ich eigentlich, von Außen betrachtet, keinen erkennbaren Grund zum Trinken gehabt hätte.

Dieses an der Realität vorbeileben und auf Morgen verschieben, war ganz typisch für mich - jahrelang.

Ich habe jeden Abend ca. 1 L Rotwein getrunken, manchmal auch noch etwas mehr. Ich habe alleine aufgehört, d.h. nicht in der Klinik entgiftet, habe aber meinen Mann informiert, dass er den Krankenwagen rufen soll, falls ich halluziniere, umfalle, krampfe oder ähnliches passiert. Es ist zum Glück nichts passiert - kann aber durchaus sein, nach jahrelangem Alkoholkonsum in dieser Menge.

Du musst nicht alle einweihen - meine ich auch. Gehe nach deinem Gefühl. Was ich dir gerne ans Herz legen würde. Suche einen Suchtberater beim Diakonischen Werk oder Caritas auf. Ist unverbindlich und anonym und hat mir zum Durchbruch verholfen - davor war es jahrelang so bei mir, wie du es beschreibst...verschiebens wir´s auf morgen.

Ich hatte auch mal Wochen dazwischen und sogar eine ganze Schwangerschaft in der ich nichts trank - ich konnte aber nicht dauerhalft aufhören, weil ich mir nicht ehrlich meine Sucht eingestanden habe. Hier möchte ich nochmal einen Satz zitieren, der hier vor ein paar Tagen stand:

Die Alkoholkrankheit ist eine Krankheit, die dir sagt, dass du sie nicht hast!

Da ist sehr viel wahres dran.

Bitte beziehe deinen Mann mit ein, wenn du mit dem Trinken aufhörst - ich halte einen Alleingang für zu gefährlich!

Liebe Grüße
Gaby


Gast ( gelöscht )
Beiträge:

23.02.2004 18:19
#5 RE: Ich würde sooo gerne.... antworten

Hallo JarJar und Rosa Krebs,

danke für Eure schnellen Antworten. Deinen Spruch, JarJar, habe ich schon richtig interpretiert, als Aufforderung meines jetzigen Ichs das neue Ich zu werden....
was nur ohne Alk. geht.
Ich will es ohne Angehörige schaffen aus mehreren Gründen:
1. Dies ist mein erster Versuch, es mit Hilfe Anderer zu schaffen, sprich mit Hilfe der Menschen dieses Forums. Es ist öffentlich!! Ich bin dankbar für jede Antwort und habe vielleicht so etwas wie ein schlechtes Gewissen, andere zu belasten und zu versagen. Wer weiß?
2. Ich bin mir dessen was ich ändern möchte (muß) bewusster denn je.
3. Ich möchte, ohne es allein versucht zu haben, auf keinen Fall meinen Partner mit einbinden, da sein Vater einst schwer Alkohol krank war. (ich weiß, man ist immer Alkoholiker, aber der Vater ist nun ein sehr alter Mann und schwer krebskrank).
Mein Partner hat mir vieles aus dem Leben seiner Jugend erzählt und er hat sehr unter dem Alkoholismus seines Vaters gelitten. Auf eine damals scherzhaft gestellte (ernstgemeine) Frage meinerseits, was denn währe wenn es deine Partnerin treffen würde, meinte er, er würde diese Beziehung beenden.
Ich kann dies verstehen, denn ich weiß, was manche alkoholkranke Menschen, unbewusst, anderen antun.
Du meinst, ich hoffe ich hätte kein Problem?
Nein. Ich weiß, daß ich dieses Alkohol Problem habe.
Ich bin mir sogar absolut bewusst, daß ich wirklich süchtig bin. Mein wirkliches Problem liegt einzig und allein darin, einen Absprung zu finden - und Du sagst ich soll versuchen eine Woche ohne auszukommen....
Das ist genau das, was ich anstrebe. Und genau da habe ich begriffen es ist schwer. Eine Woche!!!
Niemand, der dieses Problem nicht hat, weiß wie wertvoll eine Woche sein kann, wenn man sie wirklich durchhält.
Du meinst, Du wunderst Dich, daß ich keine Entzugserscheinungen habe. Können diese nach 2 Tage noch kommen?
Liebe Rosa Krebs,
wie haben Deine Leute reagiert, als Du ihnen letztendlich von Deinen Problemen erzählt hattest?
Du schreibst, daß Dir das alles bekannt vorkommt. Es ist gut, zu lesen (Sorry) das alles nicht nur mir passiert. Obwohl ich weiß, daß ich nicht schlecht bin, fühlte ich mich irgendwie mies und dieses Forum ist sogar noch anonym.
Ich will es versuchen, sogar mehr als alles andere, aber mein erster Öffentlicher Versuch soll ohne Verwandte und Selbsthilfegruppen sein.
Sollte das auf Dauer nicht klappen, würde ich darüber nachdenken.
Danke
Melli


Gast ( gelöscht )
Beiträge:

23.02.2004 18:42
#6 RE: Ich würde sooo gerne.... antworten

Liebe Gabi,

Die Alkoholkrankheit ist eine Krankheit, die dir sagt, dass du sie nicht hast!

Genau das ist der Punkt! Ich weiß, daß ein Problem vorhanden ist, aber krank bin ich nicht.

Alkoholkrank sind die Anderen.

Ich nicht, ich bin nur willensschwach. Es sein zu lassen ist doch wohl das einfachste was es gibt..!!

Frei nach meiner Mutti:
Kind, du kannst doch nicht eine Flsche Sekt trinken

Kind:
Nein Mutti, tu ich nicht.

Gedanken:
Ich bin stolz, wenn ich NUR eine Flasche getrunken habe.

Wie hat Dein Mann reagiert?

Wie hast Du die 9 Monate Schwangerschaft durchgehalten?

Hast Du schon vorher aufgehört?

Grüße
Melli


Seemaus Offline




Beiträge: 216

23.02.2004 18:59
#7 RE: Ich würde sooo gerne.... antworten

Hallo Melli,

ich war Ende September letztes Jahr in Gedanken soweit wie du und habe auch in dieses Board geschrieben.

Nun bin ich seit 4. Oktober trocken. Die Vorstellung nie wieder Alkohol zu trinken war für mich fast nicht zu ertragen. Nie wieder!
Ich habe auch seit mindestens 12 Jahren täglich einen Liter Rotwein oder ein bisschen mehr (früher noch etwas weniger) zu mir genommen. Mit Pausen (Schwangerschaft, schwere, lange Krankheit). Immer abends und immer mit Genuss.

Ich habe dann einfach aufgehört, habe es Niemandem erzählt. Dies ist nicht zu empfehlen, da es 1. riskant ist und 2. wohl auch ganz ohne Hilfe nicht oft funktioniert.
Die Vorstellung ganz ohne Alkohol ist inzwischen klar und deutlich und nicht mehr beängstigend. Der Alkohol ist nicht mehr mein Freund, es ist schön ohne Alkohol.
Meine Verwandten, meine Freunde, meine Bekannten habe alle seltsam reagiert, als ich davon erzählt hatte. Ich sei doch keine Alkoholikerin, meinten die meisten.
Meine Mama ist inzwischen sehr stolz auf mich, meine Schwester versteht nicht, warum ich nicht ihr Tiramisu esse, ich würde mich verhalten, als ob ich Alkoholikerin wäre. Sie will es nicht verstehen und das ist mir inzwischen auch egal.

Liebe Melli, es lohnt sich. Es ist nicht leicht, aber auch nicht wirklich schwer, man muss es einfach nur wollen.
Wenn du eine gute Partnerschaft hast, dann würde ich dir schon empfehlen mit deinem Mann darüber zu reden. Schaffen und vor allem wollen musst du es ganz alleine!

Ich drück dir die Daumen, fang einfach an. Lass einfach heute den Alkohol weg. Und schreibe hier, teile dich uns mit.

Grüße
Sabine


Rosa Krebs Offline




Beiträge: 436

23.02.2004 19:01
#8 RE: Ich würde sooo gerne.... antworten

Hallo Melli,

ich habe mich wirklich sehr für mein "Alkoholproblem" geschämt. War ich doch genau das geworden, vor dem mein Schwiegervater meinen Mann immer gewarnt hat.

Mein Vater war Alkoholiker und ich habe in eine Familie eingeheiratet in der "Alkohol" total verpönt war.
Mein Schwiegervater hatte immer den netten Spruch drauf: "Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm".
Jetzt im nachhinein hat er recht behalten – in meinem Fall. Aber er hat es nie erfahren.
Er ist vor kurzem verstorben.

Unter dieser Voraussetzung sollte ich das meinem Mann beichten, dass ich Alkoholiker bin. Nein ging nicht!

Ich spürte das mein Mann kurz davor war mein Lügengespinst einzureißen und deshalb wollte ich mit letzter Kraft doch noch versuchen "ohne Alk" zu leben. Ich weiß, es ging da wieder ums vertuschen. Zuerst habe ich vertuscht, dass ich trank und dann dass ich nicht mehr trank!

Melli, ich weiß nicht wie ich es genau ausdrücken kann. Meine Verzweiflung, meine riesengroße Angst war, dass mein Mann mich verachten könnte und sich von mir abwenden würde, sowie meine 2 Kinder.

Ich fand auch dieses Borad hier als ich diesen letzten verzweifelten Versuch gestartet habe. War gerade 2 Tage trocken ....... Und siehe da – das war vor 11 Monaten und ich bin immer noch "sehr gerne" trocken.

Mein Mann ist heute noch der Auffassung, dass ich übertrieben habe – also keine wirkliche Alkoholiker bin. Ich lasse ihn inzwischen in dem Glauben. Nach X-Versuchen, es ihm zu erklären habe ich nun aufgegeben.

Hauptsache ich weiß, dass ich Alkoholikerin bin.

Melli ich wünsche Dir die Kraft, die ich auch hatte
Rosa Krebs


NoAlktoday Offline




Beiträge: 654

23.02.2004 19:12
#9 RE: Ich würde sooo gerne.... antworten

Hallo Melli,

auch von mir ein Herzlich Willkommen hier am Board.

Du hast recht, es ist anonym, man kann hier schreiben, was man sich sonst nicht zu sagen traut.
Ich war noch nie so ehrlich (außer zu mir) wie in diesem Forum.

Wenn dein Mann dich aber schon angesprochen hat, gehe ich davon aus, dass er sich seinen Teil alleine denkt.
Du schreibst, er kennt Alkoholismus aus der eigenen Verwandtschaft.
Bekommt dein Mann denn nicht mit, was du täglich zu dir nimmst?

Ich bin übrigens auch erstaunt, dass du bei der Menge keine Entzugserscheinungen hast.
Bei mir waren es zuerst die Hände, die zitterten, wenn ich den Alk absetzte.
Dagegen half aber bei mir ein leichtes Baldrian-Produkt.

Ich würde dir aber trotzdem raten, jemanden einzuweihen, und wenn es eine gute Freundin ist, die nach dir sieht, wenn es dein Mann schon nicht sein soll.
Auch ich habe es ohne Gruppe geschafft, aber was ich hier lese, so sind die meisten dafür, sich dort Hilfe zu holen.

Wichtig ist aber auch, dass du dich ablenkst und in den Zeiten, wo du sonst getrunken hättest, etwas anderes machst, damit du gar nicht erst an den Alk denken musst.

Ich wünsche dir dafür alles Gute und denke daran:
Danach kannst du dich nur besser fühlen und dein Drumherum erst richtig genießen.

Versuch es einfach mal!

Gruß Jutta


Gast ( gelöscht )
Beiträge:

23.02.2004 19:52
#10 RE: Ich würde sooo gerne.... antworten

Zitat
Gepostet von Gast
Hallo,

ich würde so gern mehr aus dem machen, was ich habe.
Ich habe ein wunderschönes, riesiges Haus, den Mann meiner Träume und einen super Job, der mir Spaß macht und sehr liebe Kollegen mit denen ich gut auskomme, die ich mag und die auch mich mögen.
Ich würde gern viel mehr aus dem schönen Garten machen, das Haus wohnlicher machen. Ich hätte gern viel mehr Energie um Dinge zu tun, die ich mir zu tun wünsche....
Ich würde gern laufen, versuchen zu malen, all die Bücher lesen, die ich schon lange gekauft habe und die nur in der Ecke herumliegen.
Ich würde mich gern öfter mit Leuten treffen und etwas unternehmen. Mich für die Umwelt, zb. bei der Nabu für gute Zwecke einsetzen.
Manchmal wünsche ich mir sogar lediglich, daß ich die Freiheit hätte, nach der Arbeit noch einmal in die Stadt zu fahren um mir etwas schönes zu kaufen.
Aber nichts von dem ist realisierbar.
Frei nach dem Motto eines Mitschreibers hier:
Sehnsüchtig grüßt der, der ich bin, den, der ich gern sein würde.
Realität ist, daß ich lediglich für morgen und heute lebe.
Morgens lebe ich für Heute.
Heute ändere ich mein Leben, ab heute trinke ich nicht mehr.
Nachmittags lebe ich für das: ab Morgen.
Es geht nach Hause, die Flasche Sekt wird geöffnet, ein paar Schlucke und eine herrliches Gefühl der Entspannung. Leicht, weich und warm. Das Leben wird entspannt und freundlich.
Alles andere ist egal. Ein wenig Haushalt, ein wenig PC, auf Sportseiten etc. um zu schauen, was schönes ich mal machen kann; ab morgen, wenn ich dann nichts mehr trinke.
Abends halbtot ins Bett, morgens kotzübel, ohne mich zu erinnern was ich gestern im Fernsehen gesehen habe. Mit Angst und absoluter Konzentration im Auto ab zur Arbeit. Dort angekommen, noch absolut müde der Schwur, heute nicht mehr......
Ich trinke seit ca. 12 Jahren. Angefangen hat alles mit einer Flasche Bier, dann zwei, dann drei. In einem anderem Leben. (ich bin w. 33 J alt)
Dann Sekt. Halbe Flasche, dann ganze Flasche.
Scheidung. Arme Socke gewesen. Mobbing am Arbeitsplatz, alles reichlich übel.
Dann neuer Freund. Super Arbeit bekommen.
Umzug in neue Stadt, noch besserer Job, Heirat, super Beziehung und Geld genug. Auch tolle Beziehung zu meinen Eltern.
Also wenn man nach Gründen sucht, warum zuviel Alkohol getrunken wird, dann kann man ausschließen, daß es einem schlecht geht. Übrig bleibt lediglich die Sucht. Sucht nach dem warmen, weichen Gefühl, das Glück und Gesundheit (habe Schmerzen unter dem rechten Rippenbogen) langsam tötet.
Im Jahr 2002 habe ich nicht einen einzigen Tag ohne Alkohol gelebt, 2003 waren es 4 Tage.
Letzte Woche habe ich Di. Mi. und Fr. ohne Alkohol verbracht.
Sie waren wunderbar. Energie ohne Ende. (Tagsüber, abends sehr früh müde, geschlafen wie eine Tote, sehr früh aufgewacht und topfit. Habe dann den gesamten Haushalt gemacht und hatte abends Zeit)
Entzugserscheinungen hatte ich, außer leichtem Zittern und Nervosität, keine.
(kann das sein nach 1 Fl. Sekt und mind. 1 bis 2 Fl. Bier täglich?)
Oder können die Entzugserscheinungen nach über 2 Tagen noch kommen?
Es war so schön ohne Alkohol.
Ich möchte gern noch einmal wenigstens einen Tag ohne, dann den zweiten, dann den dritten.
Dann habe ich einen Anfang und kann weitermachen, vielleicht sogar tun was ich tun möchte.
Entschuldigung für ein so langes Posting, aber ich würde mich sehr, sehr über virtuelle Anstöße zum Durchhalten von Leuten freuen, die verstehen wovon ich hier rede.
Dankeschön

Melli

PS: Das ich ein Problem mit Alkohol habe, ist an meinem Partner nicht spurlos vorübergegangen. Keine Eskapaden, nichts schlimmes, aber doch schon die Bitte, nicht so viel zu trinken und auch die Frage, ob ich ein Problem habe. Aber es wurde noch nicht realisiert, daß diese Frage berechtigt ist. Ich wünsche mir auch, das dies so bleibt.
Da ich anscheinend, glücklicherweise keine körperlichen Entzugserscheinungen habe, sondern „nur“ psychisch Abhängig bin, möchte ich dies alles ohne Hinzuziehung Angehöriger schaffen. Haltet Ihr das für realistisch?


Gast31 ( gelöscht )
Beiträge:

23.02.2004 19:55
#11 RE: Ich würde sooo gerne.... antworten

Hallo! Wir könnten uns unterhalten, mir geht es genauso!gruß christine


Max mX Offline




Beiträge: 5.878

23.02.2004 22:12
#12 RE: Ich würde sooo gerne.... antworten

Hallo Melli,
du willst Meinungen sammeln? Gut so! Hier ist ein Stück meiner Meinung für dich:
(Liebe Rosa Krebs,) „wie haben Deine Leute reagiert, als Du ihnen letztendlich von Deinen Problemen erzählt hattest?“
Diese Frage finde ich sehr gut. Du wirst staunen was „die“ schon alles wussten. Aber den Kern vom Ganzen kannst nur du ergründen. Daher solltest du dich ganz in Ruhe parallel immer auch selber befragen d.h. in dich hinein lauschen, und all die Rumpeligkeiten feststellen (vorwurfsfrei, neutral betrachtet. wist sehen dass das gar nicht so einfach ist).

„erstaunt, dass du bei der Menge keine Entzugserscheinungen hast.“
Also ich kann mir das gut vorstellen. Mit der Menge liegst du im guten Mittelfeld. Aber!!!: es ist ja keineswegs die Trinkmenge, sondern die Art und Weise des Trinkens.

Frag mal ganz viel, und unerschrocken.
ich grüße dich, Max


Gast ( gelöscht )
Beiträge:

24.02.2004 11:04
#13 RE: Ich würde sooo gerne.... antworten

Liebe Melli,

du siehst, hier sind sehr viele die genau verstehen wovon du sprichst.

ICH bin doch keine Alkoholikerin! Habe ich auch gedacht, vor noch nicht allzulanger Zeit. Ich habe mich mal bei DEN ALKOHOLIKERN hier eingeloggt, vielleicht um zu sehen, dass es bei MIR doch gaaanz anders ist...irgendwie so...und was ich sah´war, dass hier sehr viele Menschen sind, die ehrlich in den Spiegel schauen, sich nichts vormachen, in der Realität leben - und das war besser, als alles was ich mit Alkohol gefunden hatte! Ich lebte nämlich NICHT in der Realität, sondern verschob immer alles auf morgen, plante wie ein Weltmeister, was ich noch alles tun werde, wenn ich dann ab morgen gesund lebe, Sport treibe, unter Leute gehe etc. etc. Darin war ich Spitze! Sieht ja auch alles so schön rosig aus, wenn man dann so leicht betüdelt drüber nachdenkt...

Jeder muss seinen eigenen Weg finden, wie er aus der Sucht (bzw. aus dem riskanten Trinkverhalten :grins2 herauskommt. Es gibt nicht DEN EINEN WEG.

Was sich aber bei allen sehr gleicht, ist die Scham über den Alkoholkonsum, das sich nicht eingestehen wollen, dass man eine Krankheit hat und das sich täglich Beweisen wollen, dass man nicht abhängig ist, weil man es ja 1,2,3 Tage, Wochen oder Monate zwischendurch mal lassen kann.

Ich bin jahrelang in diese Falle getappt.

Zitat
Ich bin stolz, wenn ich NUR eine Flasche getrunken habe.



Ja, man kann ja auch keinem Zumuten, wie schrecklich willensschwach man wirklich ist. Du hoffst dich noch rechtzeitig zu ändern, damit alles gut wird und niemand die wirklichen Ausmaße deiner Willensschwäche erkennt. Das war es jahrelang, was ich dachte und es war jahrelang DER Stein in meinem Weg, der verhinderte das ich aufhören konnte.

Zitat
Wie hat Dein Mann reagiert?



Ich war, wie so viele hier, keine "klischeemäßige'" Alkoholikerin (mit Klischee meine ich, z.B. das Bild der Alkoholikerin, die schon morgens mit fettigen Haaren, Kippe im Mundwinkel, versüffter Haushalt und die billige Weinflasche in der Hand die Talkshow in der Glotze anschaltet). Meiner Meinung nach entsprechen auch nur ganz wenige Menschen solch einem Klischee. Dieses Klischee ist die Spitze des Eisberges!
Ich trank ja jeden Abend den Rotwein (früher auch Sekt - 1 bis 2 Flaschen), mein Mann war dabei ja oft anwesend, wenn wir zusammen zu abend aßen, auf der Terasse saßen oder vor dem Fernseher. Er fand immer, dass ich etwas viel trinke (obwohl er die ersten Gläser, die ich schon beim kochen trank noch gar nicht mitbekommen hatte...)und sagte manchmal: "muss das denn soviel sein?" - er wußte aber auch, dass ich mir in dieser Hinsicht nichts sagen lassen wollte und lies mich machen.

Mein Mann ist heute sehr froh darüber, dass ich nicht mehr trinke, mein Leidensdruck weniger geworden ist, ich wieder zufriedener bin. Der Weg dahin ist ihm letztendlich gleich. Er hält mich auch noch nicht für eine "wirkliche" Alkoholikerin. Er braucht halt Zeit, um das zu begreifen. Vor allen Dingen, dass Alkoholikerin zu sein, nichts negatives ist, sondern eine Krankheit, die einer Therapie bedarf, die in erster Linie "ABSTINENZ" heißt.
Negativ ist es nur, Alkoholikerin zu sein und nichts dagegen zu tun!

Dein Mann hat eine sehr negative Erfahrung in Sachen Alkoholiker gemacht, aber nur weil er mal sagte, dass er sich von einer Alkoholikerin trennen würde, traust du dich gar nicht herauszufinden, ob du eine Alkoholikerin bist. So scheint es mir. Wenn ihr sonst auch miteinander reden könnt, würde ich das Thema schon mal ansprechen. Es ist doch nichts schlimmes oder schlechtes daran, wenn du z.B. mit deinem Mann mal darüber sprichst, dass dir aufgefallen ist, dass du regelmäßig so viel Alkohol trinkst und das du Probleme hast es zu lassen, es aber so gerne möchtest. Er sollte schon wissen, wie es dir geht, meine ich. Besprich mit ihm, was du gerne machen würdest z.B. erst mal nur den Alkohol weglassen und wenn das nicht klappt, vielleicht noch nach einer anderen Hilfsmöglichkeit suchen, weil es dir wichtig ist. Wieso sollte dein Mann das nicht verstehen oder dich unterstützen?

Zitat
Wie hast Du die 9 Monate Schwangerschaft durchgehalten?



Ich habe sie nicht "durchgehalten". Ich wollte nicht trinken, wegen dem Baby. Wir hatten eigentlich noch gar keinen Nachwuchs geplant. Ich merkte zufällig, dass ich schwanger war und lies Zigaretten und Alkohol von einer Sekunde auf die andere weg. Muss wohl so eine Art Mutterinstinkt sein - ich kann es nicht erklären. Das letzte was ich getan hätte, wäre ein unschuldiges Wesen in meinem Bauch zu schädigen. Ich dachte dann auch nach der Schwangerschaft, dass das Thema Alkohol und Nikotin für mich erledigt wäre. Niktotin war es auch - nur der liebe Rotwein, den musste ich mir dann, als mein Kleiner 3 Monate alt war wieder mal "gönnen", hatte ich mir ja auch "verdient". Innerhalb von Tagen war ich wieder bei meinem abendlichen Flaschenpensum und es dauerte nochmal 2 Jahre bis ich begriff. Es war ein Kampf und eine Quälerei, diese 2 Jahre, schlechtes Gewissen, jeden Tag wollte ich es lassen, jeden Nachmittag "musste" ich schon mal einkaufen gehen, um sicherheitshalber Rotwein zu kaufen und kaum war der Kleine abends im Bett wurde die Flasche aufgemacht.

Zitat
Ich nicht, ich bin nur willensschwach. Es sein zu lassen ist doch wohl das einfachste was es gibt..!!

Dieser Gedanke könnte original von mir sein!

So negativ das Wort Alkoholikerin in der Gesellschaft besetzt ist, so positiv war es für mich endlich zu erkennen, dass ich diese Krankheit habe. Es brachte mir die totale Erleichterung, befreite mich von Schuld und Selbstvorwürfen und schenkte mir dadurch die Kraft, mich um meine Krankheit zu kümmern. Seitdem ist es keine Qual mehr nicht zu trinken! Manchmal kommen noch die Erinnerungen an mein "Realitätsfluchtmittel" hoch, aber dann weiß ich, ich muss hier im realen Leben was tun, auf meine Wünsche hören, aktiv werden, mir Freunde suchen - eben all´dass wovon ich jahrelang nur träumte - und dann merke ich wieder, dass es mir soooo gut geht OHNE ALKOHOL.

Liebe Grüße
Gaby

P.S. am Anfang habe ich hier stunden- und tagelang gelesen, anstatt zu trinken - dass war meine Rettung!Meine geheimsten Gedanken und Schuldgefühle, von denen ich dachte, dass NUR ICH sie habe, fand´ich hier wieder und konnte dadurch aufhören, mir selbst ständig Vorwürfe zu machen und anfangen mich selbst ernst zu nehmen.


Joosi Offline




Beiträge: 2.036

24.02.2004 11:08
#14 RE: Ich würde sooo gerne.... antworten

Hi Melli,
ich war das eben...hab´wieder mal vergessen mich einzuloggen

Gruß
Gaby


Beachen Offline




Beiträge: 3.654

24.02.2004 11:13
#15 RE: Ich würde sooo gerne.... antworten

Hi Melli !

Erstmal willkommen hier auf dem board.

Zu deinen Gedanken " krank bin ich nicht ".
Das dachte ich auch über die vielen Jahre, war ich doch körperlich nicht abhängig, dabei hatte der Alkohol bereits mehr Macht über mich als ich über ihn.

Heute ist es mir eigendlich egal ob ich Problemtrinkerin, Alkoholmißbräuchlerin, chronisch alkoholabhängig oder was auch immer bin. Fest steht, ich kann nicht mit Alkohol umgehen, wenn ich nicht körperlich abhängig war, so war/bin ich es doch psychisch.
Und mir ging es nicht mehr gut damit.

Und noch eins habe ich festgestellt, trocken zu leben ist mehr als nur keinen Alkohol mehr zu trinken, es ist ein ändern der Lebenseinstellung.
Es ist ein erkennen, das all die Gründe, die man für sich selbst anführt weil man trinkt, letztendlich Entschuldigungen und Ausreden sind um trinken zu können.

Grüßle
Bea


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