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Saufnix
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Dieses Thema hat 84 Antworten
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 Akute Hilfe
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Saftnase Offline




Beiträge: 1.206

17.01.2004 21:30
#31 RE: schaff ich es allein? antworten

Hallo Wolfram und Max mX,

also, ich bin vom Typ her kein "Herdentier". Ich treffe meine Entscheidungen, die meine Person betreffen, ganz alleine. Die Entscheidung keinen Alk mehr zu trinken, konnte mir niemand abnehmen und auch keine Beratung hätte bei mir fruchtbaren Boden gefunden. ICH!! habe zum Glas gegriffen, niemand hat es mir gereicht. ICH!!! habe das Glas stehengelassen, niemand hat es mir weggenommen. ICH!!! mußte erkennen, dass ich Selbstmord auf Raten betreibe, niemand konnte es merken. Darauf baut sich für mich die dauerhafte Abstinenz auf. Es ist nur MEIN Maßstab. Jeder hat einen anderen. Trotzdem bin ich gerne auf diesem Board, habe aber keine Sehnsucht nach einem von Angesicht-zu-Angesicht-Austausch. Ob sich das mal ändert, kann ich heute nicht sagen. Gelandet bin ich hier, weil ich vor einigen Jahren sehr schwer krebskrank war (hat mich auch nicht vom Alk befreit) und immer wieder nach Informationen über das Krankheitsbild und die Ursache als auch die Folgeschäden suche. Und Alk und Krebs stehen unumstößlich im Zusammenhang.

Prost (mit Saft) auf eine weitere trockene Zukunft.

Liebe Grüße
Laila


Jutta ( gelöscht )
Beiträge:

18.01.2004 02:09
#32 RE: schaff ich es allein? antworten

Ich gehöre zu den Leuten, die hier am Board regelmäßig lesen und gerade zu diesem Thema „Schaffe ich es alleine“ möchte ich auch etwas schreiben.
Ich bin Mitte 50, weiblich, habe mein Leben lang mehr oder weniger getrunken, in den letzten Jahren häuften sich die Quartale, wo ich nur noch den Pegel auffüllte, um das Zittern der Hände abzustellen. Ich konnte nachts nicht mehr schlafen und meine einzigen Sorgen waren, wie ich möglichst schnell wieder Alkohol besorge. Meine Familie versteckte bald sämtliche Vorräte im Haus und auch mein Büro, in dem ich am PC arbeite, wurde regelmäßig inspiziert. Bald fand ich selber meine eigenen Verstecke nicht mehr. Meine Familie griff mich soweit an, dass sie mich mit allen möglichen Bezeichnungen verwöhnte, an die ich jetzt nicht mehr erinnert werden möchte.
Am 26. Oktober des Jahres 2002 war ich, nachdem wieder eine „Kontrolle“ statt gefunden hatte, so verzweifelt, dass ich meinem Mann versprach, das Trinken einzustellen. Ich kämpfte zwei Tage lang mit Schweißausbrüchen, Zittern etc. Danach ging es bergauf. Ich zählte jeden Tag, der dazu kam und den ich nüchtern verbrachte.
Anmerken möchte ich, dass ich nie harte Sachen getrunken habe, zum Schluss waren es Tetrapacks billiger Wein mit Selter, was aber genauso schnell wieder vom Magen rausgebracht wurde, wie ich es hineingeschüttet hatte. Heute ekelt mich schon allein der Gedanke daran.
Ich habe seit diesem Tage keinen Alkohol mehr getrunken und mir das Buch von Alan Carr „Endlich ohne Alkohol“ gekauft und gelesen.
Heute trinkt meine Familie zu jeder Gelegenheit und ich sage nur: „Nein danke, ich trinke nicht mehr“. Auch der inzwischen wieder überall deponierte Alkohol lacht mich nicht mehr an.
Ich habe kein Verlangen mehr nach dem Stoff, der mich fast mein ganzes Leben lang begleitet hat. Auf Feiern, Veranstaltungen etc. ist man daran gewöhnt, mir Kaffee, Wasser oder Saft anzubieten und ich kann sogar nachts mit ruhigem Gewissen meinen Mann mit meinem Auto nach Hause bringen, wenn er etwas getrunken hat.
Es ist ein anderes Lebensgefühl und ich möchte sagen, ich bin am 27. Oktober 2002 noch einmal geboren worden, weil ich seit diesem Tag das erste Glas stehen gelassen habe. Ich bin ein neuer Mensch geworden!
Und ich habe es alleine geschafft.


nochance Offline




Beiträge: 64

18.01.2004 08:48
#33 RE: schaff ich es allein? antworten

Hallo Jutta
erstmal welcome hier auf dem Board !
Ich muss sagen eine schöne Geschichte und super wie Du das geschafft hast aber ich muss Dir ehrlich sagen das Du wohl eher eine Ausnahme bist.
Die meisten Alkoholiker schaffen es nicht alleine und suchen sich Hilfe von aussen und selbst dann dauert es bei vielen lange bis Sie es schaffen und viele schaffen es nie !
Durch Frank (nochance) kenne ich viele trockene Alkoholiker einige waren schon bis zu 25 mal in Haar (ist hier das bekannteste Krankenhaus für Entgiftungen) und trinken trotzdem nach einiger Zeit wieder weiter.
Viele bilden sich ein Sie könnten dann kontrolliert trinken , ich persönlich kenne keinen Alkoholiker der kontrolliert trinken kann

Ich finde das toll wie Du es geschafft hast und hoffe das diese Abneigung gegen Alkohol noch lange anhält aber (ohne dir nun angst machen zu wollen ) man sollte sich nie zu sicher sein !

Alles Gute

Monica
you never walk alone


Max mX Offline




Beiträge: 5.878

18.01.2004 09:38
#34 RE: schaff ich es allein? antworten

hallo Jutta,
Dank für deinen Beitrag. Es ist auch völlig wurscht letztlich wie jemand trocken /frei wurde, die Hauptsache ist, dass er mit seiner Abstinenz zufrieden ist. Und du schreibst kurz, abgeklärt, einleuchtend und einfach.
Wohltuend das so zu lesen, danke, Max


Gast ( gelöscht )
Beiträge:

29.01.2004 01:54
#35 RE: schaff ich es allein? antworten

hallo, da bin ich wieder...
12 (fast) trockene tage, d.h. 1 flasche bier und sonst nichts an einer geburtstagsfete. ich konnte dem alk widerstehen und hatte trotzdem spass.
das nur so als zwischenstand.

liebe gruesse
slina


Janeway2002 ( gelöscht )
Beiträge:

29.01.2004 12:01
#36 RE: schaff ich es allein? antworten

Hallo SLINA!
Auch, wenn ich Dir jetzt Deine Illusionen nehme, 12 Tage ist schon in Ordnung, aber trocken warst Du nicht, die 1 Flasche Bier zählt nunmal auch, darfst noch einmal neu zählen, nach der Flasche Bier!

Konntest Du darauf nicht verzichten,und wenn nicht, warum nicht???
LG
janeway


Merryl Offline




Beiträge: 822

29.01.2004 13:21
#37 RE: schaff ich es allein? antworten

Hallo Slina,

ich finde nicht dass Du neu zählen mußt, ich finde das zählen aber sowieso blöde. Entweder ich entscheide mich, nichts mehr zu trinken, oder eben nicht. wenn ich mich entschieden habe, dann reicht es, wenn ich heute nichts trinke. Das gestern und morgen können mit herzlich egal sein. Und genau das ist das schöne daran. ich muß nicht mehr meinen Kopf matern, ob ich nun gerade mal 12 oder 13 Tage trocken bin oder ob die anderen 2 oder 20 Bier getrunken habe, es ist mir egal, weil ich weiß: ich trinke heute nichts. Es ist ungeheuer befreiend, so zu leben, glaub mir das.

Ich kenne Dich nicht, weiß also gar nicht, wie es bei dir aussieht, ob es bei dir so klappen kann, oder nicht (zunächst spricht gar nichts dagegen, also versteh mich bitte nicht falsch) dennoch ist es mir ein Bedürfnis, Dir einfach eine Erfahrung aus meinem Leben zu erzählen.

Vor jetzt über drei jahren kam bei mir die Erkenntnis durch, das ich ein ernstes Alkoholproblem hatte. Damit verbunden war Ekel dem Alk gegenüber und gleichzeitig eine ungeheure Angst, nie wieder etwas trinken zu dürfen. Ich lies also die erste Flasche stehen. Es war kein Problem, dachte ich, ich habe 13 Tage lang nichts getrunken, hatte keinen Entzug und es war prima, ich habe weitergelebt, war auf Partys und alles war knorke. Ich fühlte eine große Euphorie, die mich trug, ich dachte mir: glück gehabt, ich bin kein alkoholiker, ab nun werde ich einfach höllisch aufpassen.

Und Hurra, es kam die nächste Party und ich hielt bis 2 Uhr nachts durch und dann kam eine nette Freundin und fragte mich: na trinkst du einen Vodka mit? Und ich tat es. Darauf folgte, nahezu unmittelbar und für mich nicht steuerbar die dramatischte Eskalationsstufe meiner Sucht. Innerhalb einer Woche war ich richtig am saufen, nun auch harte sachen in der Jackentasche, nach zwei wochen hatte ich eine Flasche am Bett fürs nächtliche Nachtanken und 6 Wochen später bin ich in die Entgiftung mehr oder weniger geflohen. Ich habe sowas noch nicht erlebt (und will es auch nie wieder erleben) es war ein einziges wochenlanges besaufen ohne jede Distanz zum alk (stell dir das nicht falsch vor: ich war fast jeden tag zur arbeit).

Warum erzähle ich Dir das? Weil ich es mit der kalten angst bekomme, wenn ich dich so locker darüber schreiben sehe. Ich will das was ich erlebt habe, einfach jedem anderen Menschen ersparen. Es kann ein sehr schmaler Grat sein, auf dem du da wandelst, pass auf Dich auf!

Liebe Grüße
Merryl


Bernd48 Offline




Beiträge: 979

29.01.2004 14:27
#38 RE: schaff ich es allein? antworten

Zitat Merryl:

"Wenn ich mich entschieden habe, dann reicht es, wenn ich heute nichts trinke. Das gestern und morgen können mir herzlich egal sein. Und genau das ist das schöne daran."


Genau so versuche ich zur Zeit zu denken. Und es ist ein verdammt großer Druck von mir gewichen, mir und wem sonst auch immer die psychoanalytische Begründung für das letzte Dutzend Rückfälle geben zu müssen.

Das kommt dann dran, wenn ein einigermaßen sicherer, trockener Abstand entstanden ist.

So lautete auch die Richtung, die ich aus der AA-Gruppe (auch gestern wieder) mitgenommen habe.


WolframK Offline



Beiträge: 383

29.01.2004 17:28
#39 RE: schaff ich es allein? antworten

Hallo ,

es ist natürlich jedem selbst überlassen, ob er die Anzahl der trockenen Tage zählt oder nicht. Bei vielen wird aber ganz automatisch ein interner Zähler mitlaufen (bei mir war es jedenfalls so), weil die ersten Tage und Wochen so schwer sein können. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man dann in der Zeit eh nicht mehr so intensiv mitzählt, in der man es "geschafft" hat und nicht mehr an den Alkohol denkt.

Aber in der ersten Zeit ist es doch ab und an sehr schön, wenn man sich für das "Geschaffte" an einem runden Jubiläum auch belohnt (natürlich nicht in Form von Alkohol).

Viele liebe Grüsse

Wolfram


StellaLuna Offline




Beiträge: 3.544

29.01.2004 17:50
#40 RE: schaff ich es allein? antworten

Hallo Slina,

meine ganz persönliche Erfahrung :

bei meinen vielen Versuchen habe ich auch ganz stolz mitgezählt.
Beim letzten mal war es für mich von vorneherein kein Versuch mehr und das Zählen hatte aufgehört.
Das Datum ist mir komischerweise schon wichtig, möchte ich doch meinen Geburtstag 2x im Jahr feiern, aber ich denke mir, zu den Tagen gesellen sich ganz automatisch die Wochen, die Monate und irgendwann die Jahre.

Deshalb beschleicht mich so ein seltsames Gefühl, wenn ich dein Post lese...
Aber auf die alkfreien Tage wäre ich erstmal auch stolz, nur, ab der Fete mit dem Bier, müsstest du korrekterweise wirklich wieder von 0 anfangen.

LG

Patricia


Max mX Offline




Beiträge: 5.878

29.01.2004 18:11
#41 RE: schaff ich es allein? antworten

hallo Slina,
also ich habe gezählt. Aber nicht ängstlich, sondern aus lauter Freude dass es jetzt tatsächlich ohne den verfluchten Sprit geht. 2-stellig war noch bange, 3-stellig war Grund zum Prüfen dass ich nicht abhebe, und 4-stellig also 1000 Tage gab es bei mir ein Fest. Mit Kuchen, kaffe, Tee und Brause und Saft. Wir waren 15 Leute, es war sehr fidel. Und dann verlief sich die Zählerei. jetzt sind es irgendwas oberhalb 7000 Tage.
Grüße von Max


Gast ( gelöscht )
Beiträge:

29.01.2004 19:16
#42 RE: schaff ich es allein? antworten

danke fuer eure ehrlichkeit!

wenn ich also nach der fete wieder bei 0 anfangen muss sind es heute erst 6 tage. das zaehlen hat fuer mich vor- und nachteile. vorteil ist: ich bin auf jeden tag stolz an dem ich das glas stehen lasse, nachteil ist: ich denk halt jeden tag an alk.
ich fuer mich werde erst ganz ruhig sein, wenn ich nicht mehr zaehlen "muss" d.h. nicht mehr an alkohol denke.
im moment geht es mir gut und ich hab auch kein beduerfnis zu trinken. ich hab auch nicht das gefuehr entzugserscheinungen zu haben (bin eher psychisch "abhaengig"). ich fuehl mich stark und hab auch wieder boden unter den fuessen. das haengt sicherlich auch damit zusammen, dass ich nun endlich weiss, wie's nun endlich weitergeht in meinem leben. ich hab ein ziel!!!

wuenscht mir, dass es so bleibt! ich weiss, man darf nie zu sicher sein doch ich weiss auch, dass alkohol keine probleme loest. ich hoffe, ich hab daraus gelernt und werde beim naechsten problem stark genug sein.

liebe gruesse @ all
slina


Max mX Offline




Beiträge: 5.878

29.01.2004 19:46
#43 RE: schaff ich es allein? antworten

hallo Slina,
dein Zitat: "nachteil ist: ich denk halt jeden tag an alk."
Das kann der Unterschied aber nicht sein!! Ich ar es jahrelang gewöhnt, mit Selbstverständlichkeit an Alk zu denken, nämlich wo ich ihn herkriege.
Und nun muss sich das erst allmählich abbauen, das fand ich positiv. Ganz stetig wird sich das Leben auch bei dir wieder normalisieren. Und dann denkst du nicht mehr dauernd an den Alk. Geduld, Slina, Geduld. (Ich weiß doch ganz genau wie schwer das ist. Nützt aber nichts!)
Grüße von Max


WolframK Offline



Beiträge: 383

29.01.2004 21:05
#44 RE: schaff ich es allein? antworten

Hallo Slina hallo Max ,

@Slina
Auch, wenn Du jetzt wieder bei 0 (oder besser bei 6) Tagen mit dem Zählen anfangen willst, so klingt doch aus Deinen Worten eine sehr feste Entschlossenheit heraus, die Sache durch zu stehen. Allerdings wird erfahrungsgemäss (so war es jedenfalls bei mir) der kopfinterne Zähler noch eine ganze Weile weiter laufen. Aber die Zeiten, in denen Du nicht dauernd an den Scheiss Alkohol denken musst, werden sich schon bald einstellen.

Ich drücke Dir beide Daumen und bin überzeugt, dass Du es schaffst.

@Max
Für mich war es früher immer eine (noch) schlimmere Zeit, wenn ich merkte, dass mir allmählich der Stoff ausging. Zwar hatte ich eine so gute Logistik aufgebaut, dass ich locker zwei Tage Vorrat im Haus hatte, aber ich dachte natürlich schon an den dritten Tag. Es war eine regelrechte Wissenschaft für sich, den Kalender genau zu durchforsten, nach Feiertagen (da hatten ja die Geschäfte zu) Ausschau zu halten und alles so zu planen, dass nur ja nichts "schief" gehen kann. Allein der Gedanke, dass irgendwann abends nicht genug Bier im Haus sein könnte, hätte mich verrückt gemacht.

Nun, da ich mich um solche Sachen nicht mehr zu kümmern brauche, ist eine Riesenlast von mir gefallen. Und als Belohnung habe ich 150 bis 200 Euro pro Monat mehr zur Verfügung.

Viele liebe Grüsse

Wolfram


Max mX Offline




Beiträge: 5.878

29.01.2004 22:28
#45 RE: schaff ich es allein? antworten

hallo ihr,
also irgendwie meine ich das noch anders.
Ich sehe jeden Tag Alk, in den Regalen z.B. Na und ?!
* früher hatte ich Angst, dass der Vorrat nicht reicht, (Wolfram). Na und dass ich jetzt keine Angst mehr vor dem Alk haben muss, ist doch schön.
* Ich bekomme im Entzug keine Herzrhythmusstörungen, aber hallo vom Heftigsten. Meine Knochen zittern nie wieder, vielleicht sehr viel später in Form von Altersschwäche.
* Ich werde immer ruhiger, klarer, kann den wirklichen Dingen tatsächlich in die Augen sehen. Da erblicke ich doch tatsächlich noch das Licht der Welt!!
Ich lese bei euch immer noch solch ein auweia auweia heraus, weswegen?
* Die Neuordnung meines Lebens verlief allerdings an manchen Stellen dramatisch. Na und?! Besser doch als immer und immer wieder auf dem falschen Holzdampfer rumpaddeln, oder?
Und ich denke nicht, dass ich inzwischen "zu trocken" geworden bin. :grins2afür habe ich mir jetzt einen flüssigen Humor zugelegt.
Grüße von Max


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