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Saufnix
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Dieses Thema hat 49 Antworten
und wurde 1.851 mal aufgerufen
 Akute Hilfe
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Gabi ( gelöscht )
Beiträge:

15.01.2004 14:40
RE: Meine Freundin ist endlich trocken, aber.... antworten

Liebe Forumsteilnehmer!

Meine beste Freundin (wir sind seit Jugend an befreundet) hatte jahrlang ein massives Alkoholproblem das auch mir erst zum Schluß bewußt wurde.
Gut ist dass sie es nun endlich geschafft hat davon loszukommen. Sie ist seit August 2002 trocken und war anschließend ein paar Monate fort zur Rehabilitation.

Doch nun stelle ich fest, dass sie sich nicht nur positiv verändert hat (durch die Trockenheit), sondern auch negativ. Es ist sehr schwer mit ihr auszukommen, sie ist zum Teil sehr schwierig wenn nicht sogar bitterböse. Normale Fragen oder Antworten bekommt sie sofort in den falschen Hals. Letztesmal war sie sehr erzürnt über ihre Mutter, mit der sie eine Auseinandersetzung gehabt hatte, und als ich ihr sagte "nimms nicht so tragisch, laß dich nicht ärgern" ging sie sofort auf die Barrikaden. Sie hätte die Ratschläge anderer satt und niemand würde sie ernst nehmen usw. Eine normale Diskussion ist nicht mehr möglich, sie münden meist in Anschuldigungen und Verletzungen. Verbal fährt sie mich dann so gegen die Wand, dass ich den Mund halte nur um des lieben Friedens willen.

Die Freundschaft war mir sehr wichtig und ich freue mich natürlich auch über ihre wiedergewonnene Gesundheit. Versteht mich bitte nicht falsch. Aber es ist wie gesagt mittlerweile zu schwierig geworden, so daß ich auf Distanz gehe (was prompt zu einem Vorwurf führte: "ich weiß, dir und einigen anderen wäre lieber ich würde wieder trinken, denn damals konnte man mit mir alles machen". Das ist natürlich Nonsens!)
Ich frage mich nun, ob das mit der Therapie zusammenhängt, die angestauten Frust entladen kann oder ob diese Wesensveränderung am Alkohol liegt. Wie sind da eure Erfahrungen? Gibt sich das wieder? Ich möchte die Freundschaft nicht kündigen, aber im Moment ist es einfach viel zu schwierig für mich, mit ihr umzugehen.

Viele Grüße, Gabi.


Ameise Offline




Beiträge: 1.110

15.01.2004 14:50
#2 RE: Meine Freundin ist endlich trocken, aber.... antworten

Das Verhalten Deiner Freundin klingt für mich
sehr gesund.
Leider ist es so, daß man - so lange man trinkt - für die anderen bequemer ist.
Mach Dir keine Sorgen - Deiner Freundin geht es gut.
Ich denke, es ist jetzt vielleicht an der Zeit,
daß ihre Mutter und vielleicht auch Du etwas über Euch selbst nachdenkt, statt das Verhalten der Freundin zu beobachten und zu kommentieren.
Sie ist gerade dabei, sich zu befreien und endlich sie selbst zu werden.
Das Problem hast Du - fürchte ich. Nicht sie!

Liebe Grüße


Merryl Offline




Beiträge: 822

15.01.2004 14:56
#3 RE: Meine Freundin ist endlich trocken, aber.... antworten

Hallo Gabi,

ich kenne Deine Freundin natürlich nicht, aber dass die Veränderung an der Trockenheit liegt, ist schon gar nicht so unwahrscheinlich. Menschen die trocken geworden sind, sind nicht mehr so pflegeleicht wie vorher, sie haben gelernt, nein zu sagen und müssen sich darin üben. Und beim Üben stellt man sich vielleicht manchmal etwas ungeschickt an, da kann auch mal was schiefgehen. Trockene müssen ja nicht nur ein Gespür für sich entwickeln, sondern auch für ihre Mitmenschen.

also: warum nimmst Du sie in Schutz? warum versteckst Du Dich hinter ihrer Trockenheit? So wie der Alkoholismus etwas ist, mit dem Du nicht viel anfangen kannst (kein Vorwurf deswegen) scheint es jetzt auch mit der trockenheit zu sein. Warum sagst Du es ihr nicht einfach, sonst kann sie ja nichts lernen. Behandele sie wie einen ganz normalen Menschen. Wenn du möglicherweise denkst, ich kann es ihr ja nicht sagen, vielleicht fängt sie ja wieder an zu trinken, dann nimmst du sie genauso in Schutz, wie du es wahrscheinlich auch in ihrer nassen Zeit gemacht hast. Damit hilfst Du ihr gar nicht und dir auch nicht.

Aber, wenn Du ihr Dinge sagst wie "Nimm das doch nicht so ernst, ist doch alles nicht so schlimm" in einer Situation, in der sie sich gerade ärgert, ist sie für mich verständlicherweise genervt und fühlt sich nicht für voll genommen. Mit dem Bagatellisieren von Problemen und dem Verdrängen hat man als Alkoholiker mehr Erfahrung, als einem lieb ist.

Lieber Gruß
Merryl


P.s. Wenn deine Freundin aber Unzufrieden ist, muss es nicht unmittelbat mit der Trockenheit zu tun haben. Sie hat es vielleicht jetzt erst richtig gemerkt.


Mannfredo Offline




Beiträge: 65

15.01.2004 15:26
#4 RE: Meine Freundin ist endlich trocken, aber.... antworten

Hallo Gabi,

ich muß Ameise und Merryl recht geben mit dem was sie schreiben.
Doch beschäftigt mich auch die Frage ab wann das ganze los ging, denn du schreibst:
Sie ist seit August 2002 trocken und war anschließend ein paar Monate fort zur Rehabilitation.
Doch nun stelle ich fest, dass sie sich nicht nur positiv verändert hat (durch die Trockenheit), sondern auch negativ.


Gruß
Manfred


Spieler Offline




Beiträge: 7.876

15.01.2004 15:27
#5 RE: Meine Freundin ist endlich trocken, aber.... antworten

Hallo Gabi,

den Ausführungen meiner Vorschreiber möchte ich noch einen Aspekt in Form einer Frage hinzufügen:

Ist sie trocken oder hat sie nur aufgehört zu trinken?

Gruß

Jörg


Mannfredo Offline




Beiträge: 65

15.01.2004 15:31
#6 RE: Meine Freundin ist endlich trocken, aber.... antworten

hallo spieler,

so deutlich wollte ich nicht fragen, trifft aber den punkt.

manfred


Gast ( gelöscht )
Beiträge:

15.01.2004 15:42
#7 RE: Meine Freundin ist endlich trocken, aber.... antworten

Zitat
Gepostet von Mannfredo
hallo spieler,

so deutlich wollte ich nicht fragen, trifft aber den punkt.

manfred



Hallo Manfred,

kannst Du einem noch anonymen Mitleser mal den Unterschied erklären?
Danke.

Jemand der gerade aufhört zu trinken


Ameise Offline




Beiträge: 1.110

15.01.2004 15:45
#8 RE: Meine Freundin ist endlich trocken, aber.... antworten

Hallo Gabi,

meine Antwort - dafür, daß es die erste war- klang
wahrscheinlich etwas hart.
Merryl hat das viel besser ausgedrückt.
Da kann ich mich Wort für Wort nur nochmal anschließen.

Gruß


nochance Offline




Beiträge: 64

15.01.2004 16:03
#9 RE: Meine Freundin ist endlich trocken, aber.... antworten

Hallo Gast

schön erstmal das Du Dir Gedanken um Deine Freundin machst die sich natürlich verändert hat. Alkohol verändert nunmal den Menschen (leider nicht zum positiven ) aber in den meisten Punkten gebe ich den Vorschreibern recht ... wenn man trinkt ist man einfach pflegeleichter da das Selbstwertgefühl und das Selbstvertrauen nicht mehr oder fast nicht mehr da ist. Man lässt so ziemlich alles mit sich machen Hauptsache es ist genug zu trinken da. Es fehlt dann auch der eigene Antrieb was zu ändern oder zu protestieren.
Nun stellt sich die Lage etwas anders da : Deine Freundin ist trocken Sie hat in der Therapie wieder Selbstbewusstsein getankt und zeigt das auch
Viele Menschen können mit Alkoholikern die Sie kannten als diese noch tranken gut umgehen ....wenn derjenige aber trocken und wieder Herr seiner Sinne ist und sich so gibt und verhält wie er eigentlich ist....haben da viele Probleme mit !
Du sagst Du kennst Sie schon sehr lange war Sie denn früher anders als Sie noch nicht getrunken hat ? oder kennst Du Sie nur als trinkende Person ?

Bis danni

Monica
you never walk alone


Biene ( gelöscht )
Beiträge:

15.01.2004 16:09
#10 RE: Meine Freundin ist endlich trocken, aber.... antworten

Hallo an Alle,Hallo Helena,

habe Deine Antwort gelesen und fand sie toll.Habe auch nicht weiter darüber nachgedacht,dass es für einen aussenstehenden hart klingen mag.
Es stimmt aber,wenn man trocken wird,erwartet die Umwelt automatisch,dass unsereins sich ändert und gefälligst zum positiven.
Nach dem Motto:Lass die Flasche stehen und alles wird gut.

Diese Erwartungshaltung,die mir den schwarzen Peter zuschieben wollte,habe ich auf meinem Weg in die Trockenheit am meisten gehasst.
Ich hab nur immer gedacht,macht Euren Kram,wie Ihr es für richtig haltet und lasst mich gefälligst in Ruhe zu mir selber kommen.
Ich war auch der Meinung,dass ich lange genug viel zu viel runter-geschluckt hatte und dachte mir,wenn Ihr schon wollt,dass ich trocken werde,dann haltet mich gefälligst auch so aus wie ich bin.


Max mX Offline




Beiträge: 5.878

15.01.2004 17:54
#11 RE: Meine Freundin ist endlich trocken, aber.... antworten

hallo Gabi,
wie ich es sehe:
* hat aufgehört zu trinken heißt: trinkt bloß nicht, würde aber gerne doch trinken. Plagt sich jeden Tag einzeln, bangt und barmt jeden Tag, und bricht mit hoher Wahrscheinlichkeit irgendwann zusammen, weil sowas auf Dauer kein Schwein aushät.
* ist trocken: trinkt nicht, aber nicht aus Einsicht in die zweifellos bösen Folgen der Trunksucht, sondern infolge eines Zusammenbruches (ganz innen, für sich selber). Er hat es sooo satt, die elende Quälerei, immer bloß gegen den Alkohol und er kann doch nicht gewinnen.
Wenn er hingegen nicht mehr zu trinken braucht, dann erkennen wir das einer einsetzenden "Entwicklung" d.h. die unbrauchbaren Teile werden tapfer herausgetrennt und entweder weggeworfen oder durch brauchbare ersetzt. Dieser Mensch fühlt sich dann wohler und wohler. Aber er kämpft nicht wieder "wogegen", sondern "wofür".

Ist sicher keine Definition hier, dafür aber spontan,
Grüße von Max


Biene ( gelöscht )
Beiträge:

15.01.2004 18:05
#12 RE: Meine Freundin ist endlich trocken, aber.... antworten

Hallo Max,


das ist eine prima Definition.
Deshalb schrieb ich auch:"Auf meinem Weg in die Trockenheit..."

Nicht mehr zu trinken,heisst nicht,damit auch zufrieden zu sein.

Auch Dein Ausspruch "nicht dagegen,sondern "dafür",traf den Nagel auf den Kopf.


Max mX Offline




Beiträge: 5.878

15.01.2004 18:21
#13 RE: Meine Freundin ist endlich trocken, aber.... antworten

mensch Biene,
du bist die Erleuchtung meines Abends!!
Ich hatte mich kaum getraut zu schreiben, doch wenn ein Fragender fragt, dann muss ich doch antworten, oder du.
Daher noch mein erreichtes Zeil: Zitat Max:"
Eines Tages überkam mich die folgende Einsicht: Es genügt vollauf, sich mit den eigenen Mängeln zu beschäftigen, daran hat jeder lebenslang und reichlich zu tun. Er vergeudet dann nicht sinnlos seine ohnehin zu schwachen Kräfte mit der Weissagung fremden Elends. Da ich bei dieser Erkenntnis lächeln konnte, wußte ich, daß ich nun im Groben über den Berg war."
(Ich habe nämlich die Geschichte meines "trockenen" Weges mal aufgeschrieben. Das sind aber 5-6 Seiten, und daher hier zu lang. Oder?
hallihallo und viele Grüße von Max


Randolf ( gelöscht )
Beiträge:

15.01.2004 19:23
#14 RE: Meine Freundin ist endlich trocken, aber.... antworten

hi Leutz,
wollte an dieser Stelle auch meine Ansicht äußern: also für mich liegt jede "Entwicklung", die nicht wirklich in die Tiefe geht, im Bereich der Phantasie. Es ist schlichtweg ein Irrglaube,zu meinen man könne Teile oder Inhalte seiner Psyche 'herausschälen', 'wegwerfen', bzw. ersetzen. So etwas ist bestenfalls an der Oberfläche möglich, nicht aber bei Grundstrukturen, die ja auch einen emotionalen Ursprung haben und in ihren Wurzeln tief im Unterbewußtsein angesiedelt sind. Der menschliche Geist ist wesentlich komplexer, als es einem 'einfachen Gemüt' lieb ist!

Wer ist denn die Instanz, die hier am Werke ist - beim Urteilen und Bewerten der 'zu entfernenden' Teile? Anders gefragt:ist der Kontrollierende etwas anderes als das Kontrollierte? Nur zu gern will die Persönlichkeit all jenes loswerden, das negativ erscheint und all das behalten, was als positiv bewertet wird. Nur, worauf beruht diese Auswahl? Welche Motive stehen hinter dem 'Ich' das hier eine Trennung vollziehen möchte? Dieses 'Ich' ist ein Teil dieses Prozesses und genauso unwirklich wie die eingebildete Entwicklung.
Nur auf einige Reaktionen zu verzichten, die sich sowieso totgelaufen haben, ist noch keine Veränderung.Der wesentliche Konflikt bleibt nach wie vor erhalten, da man immer noch glaubt, man müßte kämpfen, egal ob dagegen oder wofür - die Tatsache des(ungelösten)Konfliktes ist unübersehbar.
Ich hoffe,daß dies jetzt nicht zu negativ klingt,wollte auch niemanden zu nahe treten.
Wish You Well
Randolf


Beachen Offline




Beiträge: 3.654

15.01.2004 20:01
#15 RE: Meine Freundin ist endlich trocken, aber.... antworten

Hi Randolf !

Soll ich das so verstehen, das du glaubst, eine Entwicklung ist nicht möglich, weil man ja immer noch "ich" ist ?
Und nur versucht, "etwas" herauszuschälen ?

Dann glaube ich allerdings, das man nicht trocken leben kann.

Ich glaube, die einzigste Instanz die einem wirklich sagen kann ob man sich entwickelt hat oder nicht ist man selbst.
Das sind die Maßstäbe, man selbst.
Ich glaube auch nicht das man da eine Auswahl trifft zwischen postitiv und negativ, man ist wer man ist, ein Ganzes.
Und das positive (das ich eher fühle als mir gedanklich zurecht zu biegen) geht nicht ohne einen Blick in das negative gemacht zu haben, und genau das haben wir Alkoholiker getan, und ich für meinen Teil ausreichend.
Ich habe mich belogen, mir was vorgemacht, Versprechungen gemacht, mich der Verantwortung mir und meinem Leben gegenüber entzogen, war unzuverlässig und hatte permanenten Weltschmerz.
Woran natürlich andere mehr Schuld hatten als ich selbst.
Und ich glaube auch nicht, das das etwas mit Kontrolle zu tun hat, das ich genau das nicht mehr will.
Es ist Einsicht und war ein stetiger Prozeß. Für mich waren das keine Verhaltensweisen die sich totgelaufen haben, sondern schmerzhafte Erfahrung und Leidensgeschichte, auf die ich in meinem weiteren Leben gern verzichten kann.
Und dafür muß ich auch nicht kämpfen, ich habe vielmehr das Gefühl, als ich trank kämpfte ich, nämlich gegen mich selbst.

Meint
Bea


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