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Saufnix
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Dieses Thema hat 36 Antworten
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 Akute Hilfe
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Seemaus Offline




Beiträge: 216

01.01.2004 11:28
#16 RE: Rückfall nach vielen trockenen Jahren antworten

Hallo,

erst einmal ein gutes Neues Jahr für alle und viel viel Gesundheit wünsch ich Euch, den Rest kriegen wir schon alle selbst hin!

Wolfram, alle Achtung und super, dass du Sylvester überstanden hast. Du wirst schon deinen Weg gehen, da bin ich mir sicher und auf die nächsten 8 Jahre Trockenheit!
Ich will das Ganze nicht verharmlosen, aber sie´s mal so, lieber mal alle 8 Jahre einen kurzen Rückfall und daraus lernen, als niemals aufzuhören und der größte Teil der Menschheit hört doch nicht auf, oder wie seht ihr das?

Nochance, viel Spaß im Urlaub und erholt euch gut!

Helena, bei dir habe ich so das Gefühl, dass du so deine Trockenheit liebst, dass du dich am liebsten 100%-ig absichern würdest. Du hättest gerne die ganzen Alarmzeichen gewußt, so dass wenn du sie erkennst, dich am besten von allem Alkohol wegsperren könntest!
Das funktioniert leider bei uns allen nicht. Ich glaube, wenn man sich darüber klar wird, wann das Trinken am schönsten war, dann weiss man auch etwas, wann man rückfallgefährdet ist.
Ich für meinen Teil habe bisher gemerkt, dass ich nicht trinken will, wenn es mir schlecht geht, dass ich aber in netter Runde ganz gerne etwas zu Trinken hätte. Auch weil ich den Alkohol wohl gegen meine Schüchternheit brauche und gebraucht habe. Wobei ich nur schüchtern bin, wenn ich jemanden nicht kenne, ansonsten bin ich ziemlich offen.

Wirklich mitreden kann ich nicht, denn ich bin jetzt grad mal schlappe 3 Monate trocken. Aber ich möchte mal Folgendes erzählen:
Vor 8 Jahren war ich schwer krank und lag ein paar Tage im Koma und am Beatmungsgerät. Kam alles von jetzt auf nachher, viele Lungenembolien bis ich zum Schluß erstickt bin, da meine ganze Lunge verstopft war!
Es war eine schlimme, harte, lange Zeit des Gesundwerdens und heute bin ich als "Wunder der Natur" (sagen die Ärzte) ein vollkommen gesunder Mensch, der alles machen kann. Auch saufen
Seit diesem Zeitpunkt nehme ich Marcumar, das ist ein blutgerinnungshemmendes Medikament. Es macht mich zum künstlichen Bluter, also Vorsicht ist geboten!
So, was ich eigentlich erzählen möchte:
Anfangs hatte ich sehr große Angst, dass mir irgendwas passieren könnte. Ich hängte mir eine Kette um den Hals, eine SOS-Kette, so dass jeder sofort sehen kann, dass ich ein blutungsgefährdeter Mensch bin, falls mir mal was passiert. Alles drehte sich darum, dass ich verbluten könnte und die Angst, dass ich wieder einen Lungenembolie haben könnte, war auch immer präsent, wenn auch fast nicht möglich unter Marcumar.
Die Jahre vergingen, inzwischen besitze ich diese doofe Kette nicht mehr, es ist mir egal, ob ich meinen Ausweis wegen Blutungsgefährdung bei mir habe oder nicht. Angst vor einer erneuten Embolie habe ich auch nicht mehr. Und diese scheinbar so schreckliche Zeit verblasst langsam und vielleicht würde ich sie sogar noch einmal überstehen, was ich lange Zeit für ausgeschlossen hielt.

Genauso ist es wohl mit der Trockenheit. So sehr man am Anfang auf jeden kleinen Saufdruck reagiert, so sehr wird es wohl mit den Jahren runtergespielt werden. Diese Sicherheit ist der Feind oder auch nicht!
Aber so sind wir Menschen eben und das ist wahrscheinlich auch gut so.

Ich nehme ja seit vorgestern Citalopram (Citalopramhydrobromid), da ich einfach nicht mehr aus meinem Loch rausklettern konnte. Dafür hasse ich gerade meinen Exfreund, dass ich das Zeugs nehmen muss. Es ist jetzt der 3. Tag und ich setze es glaube ich wieder ab. Ich bin mir nicht sicher, aber irgendwie mag ich es nicht. Es geht mir besser, ja, aber körperlich gesehen nicht. Ich habe einen trockenen Mund und fühle mich immer leicht verkatert und leicht angeheitert. Dieses Gefühl erinnert mich an den Alkohol und ich finde es ganz schrecklich!
Ausserdem habe ich Jemanden kennengelernt, der mir vielleicht auch da raushilft. Ein Mann .
Aber alles ganz langsam angehen.

Hat irgendjemand Erfahrung mit Citalopram? Kann mir Jemand bei meiner Entscheidung helfen?

Liebe Grüße
Sabine


Falballa Offline




Beiträge: 3.706

01.01.2004 12:44
#17 RE: Rückfall nach vielen trockenen Jahren antworten

Beachen(Sabine)
auch von mir erst mal ein gutes neues Jahr für dich.
Du hast geschrieben"wer kann mir bei meiner Entscheidung helfen"? Das kann ich leider nicht,aber vielleicht kann ich dir ein paar Denkanstöße geben?
Zuvor möchte ich noch sagen, mir geht es auch so wie Helena. Ich liebe meine Trockenheit, ich weiss das es keine 100 Prozentige Absicherung gibt.Ich hätte sie trotzdem gerne.Und wenn ich von Rückfällen nach langer Trockenheit höre macht mir das im ersten Momment Angst.

Das dir dein Arzt Antidepressiva verschrieben hat,hat schon seinen Grund.Damit und mit anderer Psychopharmaka habe ich leider genug Erfahrung gemacht.
Wie gut kennt dein Arzt dich und wieviel vertrauen hast du in seine Fähigkeiten?
Antidepressiva sind heute nicht so schlimm wie ihr Ruf.
Auch Citalopram ist kein Hammer.Diese Mittel sollen nur zur Unterstützung dienen.Sie machen dich weder glücklich,noch können sie deine Probleme lösen.
Sie hemmen unter anderem die Wiederaufnahme von Serotonin,sehr wichtig bei Depressiven zusätzlich hat dein Medikament eine alkoholaversive Wirkung(ablehnung).
Manchmal muss man länger ausprobieren,welches Medi das richtige ist,da wir alle anders ticken.
Ich habe das Gefühl unter Antidepressiva nie als Alkoholähnlich empfunden.
Mir ist noch etwas aufgefallen in deinem Post.Wieso hasst du deinen EX Freund ,das du das Zeugs nehmen musst,der hat nichts damit zu tun.:gruebelu nimmst dieses Mittel ,weil du nicht gut zurecht kommst.Ich hätte hundert Leuten die Schuld geben können,sie waren aber nur Auslöser und ich wusste nicht damit umzugehen.
Medis ,auch wenn ich sie gehasst habe und Gesprächstherapie haben mir da rausgeholfen.Und die Einsicht,das ich mir nicht leid tun muss.
Ich finde es schön für dich dass du jemanden kennengelernt hast.Langsam angehen finde ich gut.Heraushelfen kann er dir nicht, das kannst nur du.Erwarte nicht zu viel, sonst ist die Enttäuschung zu gross.Wenn langjährige Partner das machmal nicht können,wie soll er so neu das machen.
Ich möchte nicht Miss Oberschlau sein,habe diese Erfahrung nur selbst gemacht.
Ich wünsche dir das richtige für dich.
Glaub an dich.

Alles Gute und viel Glück
Liebe Grüsse Manuela

P.S.Kleiner Tipp, nimm die Tabletten erst mal weiter und bespreche das mit deinem Doc.
Sie bewahren dich vielleicht vor einem Rückfall.


Seemaus Offline




Beiträge: 216

01.01.2004 13:38
#18 RE: Rückfall nach vielen trockenen Jahren antworten

Hallo Manuela,

danke für deine Antwort.

Ich hasse meinen Exfreund nicht wirklich, das habe ich nur so geschrieben. Er ist natürlich auch nicht Schuld daran, dass ich bisher es einfach nicht geschafft habe, von ihm loszukommen, aber er ist halt die Ursache meiner depressiven Episode.
Hat jetzt wirklich nichts mit dem Alkoholentzug zu tun, das sind für mich 2 Paar Stiefel.
Ich war nur bisher nie alleine, wenn auch schon früh (bin mit 16 von zuhause ausgezogen), war ich ab 21 Jahren immer liiert.

Der Arzt, der mir die Tabletten gab, kennt mich sehr sehr gut, er ist mein Chef
Er schätzt meine Arbeitskraft und mich als Mensch, deshalb würde er mir nichts verschreiben, was süchtig macht. Er meint, es wäre eine Leiter, um wieder rauszuklettern. Ich bin überzeugt davon, dass ich es auch so schaffen würde, ich habe schon so viel in meinem Leben geschafft, aber nach 2 Monaten Heulerei will ich mir jetzt helfen lassen.

Dass eine neue Partnerschaft mir im Moment nicht helfen wird, ist mir schon auch klar. Ich will es auch sehr langsam angehen lassen, weil ich nicht meine ganzen Probleme mit in eine neue Partnerschaft reinbringen will. Aber es tut einfach gut zu wissen, dass da jemand ist, für den ich wieder wichtig bin.

Ich habe es einfach verdient, endlich mal wieder glücklich zu sein, also 2004, streng dich an!


Grüße und noch allen einen wunderschönen Tag!
Sabine


Ameise Offline




Beiträge: 1.110

01.01.2004 14:13
#19 RE: Rückfall nach vielen trockenen Jahren antworten

Liebe Sabine,

erstmal wünsche ich Dir und allen anderen ein schönes, neues Jahr.
ich hänge wirklich sehr an meinem trockenen Leben.
Mein Interesse hat aber weniger etwas mit 100prozentigem Absichern zu tun, als mit ganz normaler Neugier.
Es interessiert mich einfach.
Und zudem kann es nicht verkehrt sein, soviel wie möglich darüber zu wissen, was passieren kann.
Ich mache mich nicht verrückt -
aber ich möchte aufmerksam bleiben.
Es ist doch besser, wenn man rechtzeitig um Hilfe
rufen kann - und nicht erst, wenn es zu spät ist.

Mein Trinkverhalten war eigentlich nie von traurigen oder fröhlichen Anlässen bestimmt.
Am allerliebsten habe ich einfach das erste Glas getrunken - das zweite auch noch.
Der Beginn des langsamen Beduseltseins, wenn man den Geschmack des Weines noch genießen konnte -
das war eigentlich immer das Schönste.
Danach habe ich ja nur noch hinterhergekippt, und meinte, keine Steigerung mehr fühlen zu können.
Betrunken war ich aber trotzdem. Ich fühlte mich nur nicht so - selbst wenn ich mit Schlagseite ins Bett gewankt bin.
Der Kater war zum Schluß meiner Karriere schlimmer als der Rausch, den ich hatte oder haben wollte.
Und so hat mir das Trinken einfach keinen Spaß mehr gemacht. Der Kick, den man evtl. noch nach den ersten zwei Gläsern spürte, hielt trotz Weitertrinkens irgendwie nicht an.
Das war nur noch zwanghaftes Hinterherkippen. Schrecklich.

Meine persönliche Gefahr liegt also wenn dann in dem Wunsch nach dem ersten Glas.
Das weiß ich, - darüber und über den Trugschluß, man könnte nach dem ersten Glas aufhören, bin ich mir bewußt.
Ich wüßte halt nur gern, was da so urplötzlich im Kopf aussetzt, wenn trockene Alkoholiker trotzdem wieder zum Glas greifen. Gerade nach einer so langen Zeit.
Selbst nach meinen paar Monaten wäre mir diese "Strecke" zu schade, als daß ich sie mir durch einen Aussetzer kaputtmache.
Auch mein viel besseres Aussehen möchte ich mir durch den Alk nicht wieder kaputtmachen.
Aber wer weiß, was passiert, wenn man wirklich mal das große Vakuum im Kopf hat.

Von daher mein Interesse an einer Erfahrung, die ich nicht kenne, nicht gemacht habe und auch nicht machen möchte.
Ein Rückfall nach acht Jahren ist etwas, daß ich auch anders einstufe, als einen Rückfall nach sechs Wochen.
Und so ein Thema haben wir hier im board halt auch noch nicht so oft diskutiert.
Darum finde ich es total toll, daß Wolfram hier
bereitwillig Auskunft gibt.

jetzt wünsche ich Dir und auch den anderen
einen schönen, ruhigen Neujahrstag.
Ich werde mir jetzt meine Tochter schnappen und
einen kleinen Rundgang durch die frische Luft machen.

Liebe Grüße von Helena


WolframK Offline



Beiträge: 383

01.01.2004 17:06
#20 RE: Rückfall nach vielen trockenen Jahren antworten

Hallo ihr lieben Helferlein ,

ich freue mich sehr, dass ihr auch ohne Zwischenfall in das neue Jahr gekommen seid. Ehe ich aber ein wenig in die Tasten greife, habe ich alles diversen Postings des heutigen Tages durch gelesen.

So einfach, wie ich mir das vorgestellt hatte, war diese Nacht nun doch nicht. Ich bin zwar müde und zufrieden gegen 1 Uhr ins Bett gewandert, aber ich habe einfach keinen Schlaf gefunden.

Es ist leider eine Nacht des Grübelns geworden - bestimmt auch mit einem Anflug von Neujahrsdepression. Jedenfalls habe ich gegen 5 Uhr immer noch nicht geschlafen und so habe ich zu dieser ungewohnten Zeit den PC angeschmissen und mich durch diverse Foren gelesen.

Erst so gegen 7 Uhr bin ich dann ganz tief eingeschlafen und war bis Mittag kaum wach zu bekommen. So haben wir das für Mittag geplante Essen auf heute nachmittag 16:30 Uhr verschoben und ich habe mich tatsächlich bis dahin nochmal hingelegt und habe nochmals tief und fest geschlafen.

Jetzt scheint fast der Eindruck zu entstehen, dass ich gestern abend doch etwas getrunken habe, aber dem ist nicht so, denn dann wäre ich nach Mitternacht wie ein Stein ins Bett gefallen und auch sofort eingeschlafen.

Wahrscheinlich habe ich innerlich noch vieles der letzten Wochen aufzuarbeiten und auch mein Körper hat immer noch Nachholbedürfnisse.

Nun wird es auch schon wieder dunkel und ein Tag, an dem ich mir so viel mehr vorgenommen hatte, geht langsam auf den Abend zu. Aber was solls - ich habe letztendlich auch den ersten Tag des neuen Jahres "geschafft" und sehe den fest vorgezeichnenten Weg vor mir.

Ich wünsche Euch allen ein gutes , gesundes und trockenes neues Jahr 2004 und dass alle Eure Vorsätze auch in Erfüllung gehen. Gewiss wird es dann und wann Rückschritte irgendwelcher Art geben, aber so muss und soll das Leben wahrscheinlich sein.

Viele liebe Grüsse von

Eurem Wolfram


WolframK Offline



Beiträge: 383

03.01.2004 20:00
#21 RE: Rückfall nach vielen trockenen Jahren antworten

Nun bin ich in der zweiten Hälfte des achten trockenen Tages doch in eine unangenehme und vielleicht kritische Phase gekommen. Ich hatte eigentlich mit keinen Komplikationen mehr gerechnet.

Heute nachmittag habe ich mich nach dem Mittagessen hinlegen müssen und habe 6 Stunden tief und fest geschlafen. Es fehlte mir auch jegliche Motivation, wieder aufzustehen, aber ich habe es irgendwie doch geschafft.

Der Status Quo ist geprägt von Lustlosigkeit und Depressionen - das Ganze wird netterweise noch von zeitweiligen Schweissausbrüchen begleitet.

Vor acht Jahren wurde ich im Krankenhaus entgiftet und wurde durch die Gabe von Medikamenten (Distra,...) unterstützt.

Ich werde auch diesen Tag überstehen und nicht zum Bier greifen, aber vom Wohlgefühl der letzten Tage bin ich im Moment doch sehr weit entfernt.

Ist denn so eine Entwicklung normal und hat jemand von Euch ähnliche Erfahrungen machen müssen ?

Ich werde versuchen, mich abzulenken und etwas am PC zu spielen - aber sehr spät werde ich heute sicherlich nicht ins Bett gehen und hoffentlich auch etwas schlafen können, ohne die halbe Nacht senkrecht im Bett zu stehen. Ich bin unruhig und verunsichert und auch ein wenig ängstlich, denn damit hatte ich nie und nimmer gerechnet.

Viele liebe Grüsse

Wolfram


minitiger2 ( gelöscht )
Beiträge:

03.01.2004 20:20
#22 RE: Rückfall nach vielen trockenen Jahren antworten

Hi Wolfram,

ist Dir schon mal die Idee gekommen, daß Dir irgendwas in deinem Leben schief gelaufen war, daß Du anfällig für den Alkohol warst?

Ich hab so ein Bild im Kopf, wenn einer von uns nach längerer Trockenheit einen Rückfall baut, dann hat das in den allermeisten Fällen ja was damit zu tun, daß sein Leben irgendwo aus dem Gleichgewicht geraten ist oder dieses Gleichgewicht nie erreicht hat. Es kann schwierig sein, dieses Gleichgewicht zu erlangen, oder seine persönliche Welt zu verändern. Weil man das ja in der Regel selbst am besten weiß, neigt man ja auch dazu, das einfach zu verdrängen und zu glauben, man sei gut drauf...kann ich ein Lied davon singen.

Der Rückfall ist dann bei vielen der Lösungsweg, der versucht wird, weil andere Lösungen als zu schwierig erscheinen. Wenn die Lage sowieso aussichtslos ist, dann wagt man, dieses eigene Tabu zu brechen und versucht, obs nicht doch geht, das kontrollierte Trinken. Im Hinterstübchen erstarkt der innere Schweinehund und man fängt an, das zu glauben..und wenn dann die Gelegenheit günstig ist und wir uns selbst gegenüber über jeden Verdacht erhaben sind, daß wir wegen eines Problems trinken würden (würden wir doch nie, oder?)...dann schlägt er zu.

Wenn das so ist, dann bist Du jetzt in der Situation, daß Dein Versuch, Dein Problem oder Deine Lebensaufgabe durch Verdrängung zuzuschütten, gescheitert ist und Dein Unterbewußtsein langsam bei Dir anklopft, daß Du Dich jetzt wirklich um deine Angelegenheiten kümmern solltest. Und wer weiß, vielleicht graust Dir ja davor. Wen würde das schon wundern? Dann könnte das Unwohlsein ja auch aus dieser Ecke kommen.

wünsch Dir was

der minitiger


Max mX Offline




Beiträge: 5.878

03.01.2004 20:30
#23 RE: Rückfall nach vielen trockenen Jahren antworten

hallo Wolfram,

ja ich, Max, hatte ebensolche Erscheinungen wie du sie beschreibst. Nur haben sie mich nicht so doll gestört, weil ich der glücklichste Mensch von Berlin war, weil ich nicht mehr trinken musste.
Und meine Truppe damals hat gemeint, das sei alles in Ordnung so, weil es sich besser merkt. Und das stimmt, es hat sich diese Plagerei gleich damals als durchaus positiv im Sinne von "habe ich geschafft" eingeprägt.
Distra bekam man bei uns nur bei Delirgefahr oder -verdacht. Dahinter steckt die richtige Einschätzung 'ach der arme arme Alkoholiker' hat sich nun (nach Jahren Verwüstung bei sich selber und bei anderen) entschlossen seine Krankheit zu meistern, und nun müssen wir ihn auch nicht noch sofort belohnen.
Klingt jetzt etwas böse vielleicht, oder barbarisch, aber ist ja was dran.

Also sei tapfer und schreibe dir die Angst weg und den Verdruss.

liebe Grüße von Max

P.S.: das "glücklich" ist schon richtig formuliert, bloß war das ganz ganz innen und sehr unglaublich behutsam.


WolframK Offline



Beiträge: 383

03.01.2004 20:52
#24 RE: Rückfall nach vielen trockenen Jahren antworten

Hallo liebe Helferlein ,

@Minitiger

das momentane Unwohlsein kommt nicht aus der Ecke, die Du vermutet hast. Ich habe im Moment und auch sonst keine Probleme - ausser eben jetzt den Alkohol und den Entzug.

Beruflich (ich bin im Vorruhestand) und privat gibt es überhaupt keine Probleme, ich bin finanziell vollkommen abgesichert, wohne im eigenen und schuldenfreien Haus, habe Auto und Führerschein etc.......

Und so habe ich mich nach dem Entzugsstart (27.12.03) die letzten Tage auch sehr wohl gefühlt und keinerlei Probleme wälzen müssen.

Und nun kommt dieser Zwischenfall. Dass ich vorher acht lange Jahre trocken war, hast Du sicher gelesen.


@Max

Es beruhigt mich doch zu lesen, dass dieser Zwischenfall quasi "normal" ist. Mein beschriebenes Unwohlsein hat sich wahrscheinlich um so mehr verstärkt, weil ich mit einer solchen Entwicklung am achten trockenen Tag überhaupt nicht gerechnet habe und sie wie aus heiterem Himmel über mich hergefallen ist.

Ich danke Dir sehr für Deine Worte und ich denke, dass ich nun den Abend wesentlich gelassener verbringen werde.

Viele liebe Grüsse und vielen Dank für Eure Hilfen !

Wolfram


Max mX Offline




Beiträge: 5.878

03.01.2004 21:28
#25 RE: Rückfall nach vielen trockenen Jahren antworten

hallo Wolfram,

nun musst du nur noch den "Zwischenfall" vernormalisieren. Deine Dramatik sagt "mir muss es doch jetzt wieder gut gehen!", aber der Rückfall war doch der Zwischenfall, und nicht die "paar" krankheitsbedingten Abklingerscheinungen. Auch dir steht dein Glücklichsein nicht einfach so zu, da musst du für arbeiten, jawoll. Und dann fangen wir halt gaaaaaaannnzz gemütlich noch einmal an, das ist im Preis mit enthalten (für die erneute Abstinenz).
Aber ich will noch sagen, dass deine (im Kern) Panik mir doch schon langsam besser zu werden scheint. Dieses kann nämlich ein Außenstehender besser sehen als du selber.

Nun sei frohen Mutes, und gegrüßt von Max[f1][ Editiert von Max mX am: 03.01.2004 21:30 ][/f]


WolframK Offline



Beiträge: 383

03.01.2004 21:46
#26 RE: Rückfall nach vielen trockenen Jahren antworten

Hallo Max ,

Deine Worte haben mir wirklich weiter geholfen und ich danke Dir sehr dafür.

Mittlerweile bin ich in der Tat weg von der Panik und habe eingesehen, dass das Unwohlsein mehr psychischer als physischer Natur war.

Viele liebe Grüsse

Wolfram


Ameise Offline




Beiträge: 1.110

04.01.2004 07:49
#27 RE: Rückfall nach vielen trockenen Jahren antworten

Hallo Wolfram,

auch ich meine, daß Gefühlsschwankungen in der ersten Zeit völlig normal sind.
Als wir noch tranken, haben wir unsere Emotionen betäubt und verfälscht.
Nun wachen sie alle wieder auf.
Die guten Gefühle - aber auch die schlechten.
Aber nicht ordnungsgemäß, wie sich das gehört, sondern alle unvermutet gleichzeitig.
Durch diese Achterbahn der Gefühle muß man einfach durch - es hilft nichts.
Mir hat es in den ersten Tagen und Wochen geholfen, zu denken: "Helena - das bist nicht Du, daß ist Deine Chemie. Die muß sich erstmal wieder einpendeln."
Von anderen weiß ich, daß sie da genauso durchmußten.
Solange der feste Wille ganz oben über allem steht -
kann man da gut durchkommen und sich trotzdem als glücklichsten Menschen von Berlin, Hannover oder sonstwo fühlen.
Ich hoffe, heute bist Du schon etwas besser drauf.

Liebe Grüße von Helena


nochance Offline




Beiträge: 64

04.01.2004 08:28
#28 RE: Rückfall nach vielen trockenen Jahren antworten

Hallo Wolfram

mache Dir keine Sorgen saufen geht im Kopf los und hört auch im Kopf auf
Ich kenne das zwar nicht aus eigener Erfahrung aber aus Schilderungen von Frank (nochance) der dachte dann auch er wäre über den Berg (so am 3-4 Tag) und hatte dann auf einmal nen Hänger (Schweissausbrüche , Schwindelgefühle) . Er meinte dann danach auch das wäre ne reine Kopfsache gewesen man traut sich dann noch nicht so recht was zu aber einen Tag später war das weg und er war wieder der Alte und voll belastbar .
Also mache Dir keinen Stress das geht vorbei allerdings nur wenn Du nichts trinkst sonst geht alles wieder von vorne los .
Finde ich gut wie Du das meisterst und denke immer dran .....you never walk alone

Monica


WolframK Offline



Beiträge: 383

04.01.2004 11:09
#29 RE: Rückfall nach vielen trockenen Jahren antworten

Hallo Helena , hallo Monika ,

so früh wie ihr bin ich heute nicht aus dem Bett gekommen.

Gestern beim Zubettgehen hatte ich doch einigen Bammel vor der Nacht, denn es ging mir noch nicht gut und es kreisten Unmengen von Gedanken durch meinen Kopf.

Natürlich war es falsch, mit einer solchen Konstitution sich schlafen legen zu wollen, aber ich habe es dennoch getan und auch tun müssen, weil ich kaum noch die Augen offen halten konnte.

Gegen 3 Uhr bin ich dann irgendwann eingeschlafen und war um 6 Uhr wieder mal wach. Da ging es mir schon viel besser, denn ich fühlte mich richtig wohl - nicht zuletzt, weil ich wusste, dass ich tatsächlich tief und fest geschlafen hatte.

Und so habe ich den wohl noch fehlenden Schlaf nachgeholt und bin erst gegen 10 Uhr aufgestanden.

Heute habe ich keine Schweissausbrüche (bis jetzt nicht) und war auch schon ein bisschen aktiv, indem ich die Wäsche angeschmissen habe und auch ansonsten beschäftigt bin.

Ich glaube, dass es heute am neunten Tag viel besser als gestern zugehen wird und das habe ich in erster Linie Euch zu verdanken, und ich weiss nicht, wie das gestern abend ohne Eure Hilfen weiter gegangen wäre.

Inzwischen weiss ich auch, dass erst einmal meine Chemie wieder in Ordnung gebracht werden muss.

Ich danke Euch allen und bin unbeschreiblich froh darüber, dass es dieses Forum gibt.

Viele liebe Grüsse von

Eurem Wolfram


WolframK Offline



Beiträge: 383

04.01.2004 22:06
#30 RE: Rückfall nach vielen trockenen Jahren antworten

Das war heute ein richtig guter Tag !

Es gab heute keinerlei Unruhe (in welcher Form auch immer) und ich werde langsam aber sicher wieder aktiver und produktiver. Irgendwie habe ich auch das Gefühl, dass ich wieder zu "leben" beginne.

So war es heute nicht so wie in der Vergangenheit, dass mir kleinste Aufgaben zur Last gefallen sind oder diese sich mir sogar als unüberwindliches Hindernis in den Weg gestellt haben.

So habe ich auch heute den Gehweg vor meinem Haus alleine vom Schnee säubern können - eine Aufgabe, die ich vor einer Woche noch nicht geschafft und delegiert hätte (stattdessen hätte ich im Bett gelegen und es wäre mir sehr schlecht gegangen).

Kurzum, ich fühle mich am neunten trockenen Tag so richtig sauwohl und dazu habt ihr alle einen Riesenteil mit beigeholfen. Mir kommt es fast so vor, als ob mein Körper heute eine Extraportion Endorphine ausschüttet.

Viele liebe Grüsse an Alle von

Eurem Wolfram


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