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Saufnix
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Dieses Thema hat 16 Antworten
und wurde 773 mal aufgerufen
 Akute Hilfe
Seiten 1 | 2
Tina ( gelöscht )
Beiträge:

14.05.2003 14:23
RE: Mir reicht es mal wieder gründlich mit mir selber antworten

Hallo alle zusammen,

ich lese schon fast ein Jahr in diesem Forum und in anderen und jetzt reicht es mir mal wieder so sehr, daß ich einfach mal alles loswerden muß.

Ich bin fast 38 Jahre alt und trinke seit gut 10 Jahren regelmäßig Alkohol. Dazwischen liegt eine Pause während meiner Schwangerschaft vor 6 Jahren und danach bin ich langsam aber sicher wieder reingerutscht. Vor der Schwangerschaft und der Beziehung zu meinem jetzigen Mann war ich 4 Jahre solo und so frustriert, daß ich die letzten 2 Jahre davon jeden Abend 4 bis 5 Bier und an den Wochenenden an die 20 Biere gekippt habe. Ich zog mich von allem zurück und die Wochenenden bestanden aus saufen, rauchen und schlafen. Dann kam mein Mann, die Schwangerschaft, Umzug, Heirat ja ein neues Leben und ich Naivling dachte neues Leben alte Probleme weg. Seit gut 4 Jahren trinke ich wieder regelmäßig, "nur" abends und liege im Schnitt bei 4 Bieren pro Abend, manchmal bei einer Flasche Wein und "nur" 2 Bieren je nachdem. Mein Mann trinkt ca. 1 Flasche Wein pro Abend. Wir reden darüber und ich habe ihn auch um Hilfe gebeten. Er betrachtet mich als süchtig sich als stark gefährdet. Nun ist es so, daß ich jeden Morgen müde und schlecht gelaunt aufwache und alles zum k... finde. Mich selber ganz besonders. Dann nehme ich mir den ganzen Tag vor aufzuhören bis spätnachmittags pünktlich die von mir so getaufte "Pawlowsche Glocke" läutet. Erst leise (so ab 16.00 Uhr) dann hörbar lauter (ab 17.00 Uhr) und spätestens ab 19.00 Uhr gebe ich auf und gestatte mir oft schon ab da spätestens ab 20.00 Uhr den ersten Schluck, bei dem es natürlich nicht bleibt. Oft wird es dann auch so richtig spät (0.00 Uhr und später). Oft sitzen wir zusammen und saufen uns zu. Oft tu ich es auch alleine vor allem wenn mein Mann Nachtdienst hat, dann tritt da ein richtiger Automatismus in Kraft so ungefähr Nachtdienst ohne geht nicht. Dann nehme ich mir scheinheilig vor nur noch heute aber dafür richtig. Dann werden es so 6 Bier die ich dann heimlich kaufe, damit mein Mann nichts merkt, da er ja während seines Nachtdienstes nichts trinkt und von mir das Gleiche erwartet, da ich ja dann mit unserer Tochter alleine bin. Die darf dann auch lange fernsehen, damit Mama in Ruhe in der Küche sich die Kante geben kann. Dafür schäme ich mich ganz besonders. Seit gut 4 Jahren gibt es die ab morgen nicht mehr. Ich habe auch in der Zeit für 2 1/2 Jahre Therapie gemacht. Auslöser war, daß ich meinem Mann betrunken angefallen und gekrazt sowie gebissen habe, als er spät heimkam. Das kam dann nie wieder vor, aber daraufhin habe ich mir zunächst eine Therapeutin gesucht. Der erzählte ich von meinem Alkoholproblem und die meinte nur. Dann muß ich sie bitten doch aufzuhören, machen sie sich doch abends eine Kanne Tee und joggen sie regelmäßig (daraufhin habe ich sogar mit dem joggen angefangen und betreibe es immer mal wieder dazwischen liegen dann auch so 6 Wochen Pause). Nach einigen Stunden meinte sie ich sei nie der Typ einer Alkoholikerin. Dann kamen so Vermutungen von Mißbrauch durch meinen Vater, der aber nicht stattgefunden hatte. Dann wieder und trotzdem trinken sie. Na ich fühlte mich da nicht aufgehoben und bin weg zu einem Therapeuten. Später habe ich erfahren, daß ausgerechnet diese Therapeuten bei der Suchtberatung hier arbeitet und sogar in der örtliche Suchtklinik beschäftigt ist. Der Therapeut hielt nichts von Selbsthilfegruppen hat mir aber in vielen Dingen sehr geholfen nur saufen tu ich auch nach 2 Jahren Therapie noch. Jetzt habe ich mir örtliche Termine von AA besorgt. Dort war ich schon mal vor 10 Jahren in einigen Meetings, fand es ganz gut und meinte nach 2 Wochen Trinkpause, ich bräuchte das nicht mehr. Jetzt fehlt mir der Mut hinzugehen. Vor allem weil wir in einer Kleinstadt wohnen und ich Angst habe dort jemand Bekannten zu treffen, was ja Quatsch ist schließlich ist der dann aus dem gleichen Grund da wie ich. Zum Arzt traue ich mich auch nicht, bzw. weiß auch nicht welcher da in Frage kommen könnte. Aber es reicht mir alles so. Abends kommen dann immer die Ängste vor dem Leben ohne Alk hoch. Nie mehr Spaß haben und locker sein. Wöchentlich lebenslang in eine Gruppe gehen müssen um nicht zurückzufallen. Morgens und tagsüber kommt mir das ganz plausibel vor und ich habe keine Ängste vor einem neuen Leben. Sich das dann vorzunehmen baut mich dann auf bis abends. Manchmal bin ich nach abendelangem Suff so frustriert, daß ich gar nicht mehr leben will, aber da ist dann ja meine kleine Tochter. Mein Mann ist oft wütend auf mich und beschimpft mich dann als Spritlippe, dabei kommt er mir hilflos vor und ich bräuchte gerade seine Hilfe. Ich hasse mein jetziges am Alk ausgerichtetes Leben, hadere damit warum gerade ich, und bin allabendlich gefrustet, daß es das jetzt mit dem schönen entspannenden Abendalk der mich so gelöst macht aus sein soll. Das ist die totale Sackgasse und auch dafür hasse ich mich. Perverserweise wünschen wir uns schon seit 2 Jahren ein 2. Kind, was aber nicht klappt (wohl wegen dem Alk) und ich Naivling meinte anfangs, daß es sich dann mit dem Alk wieder hätte und ich so davon loskäme. Natürlich Quatsch wie ich jetzt denke. Ich weiß schon, erst muß ich mal mein Leben ohne Alk lernen zu leben und ohne Gruppe wird es wohl nicht gehen. Vielleicht traue ich mich ja am Freitag endlich hin. Das war jetzt alles ellenlang, aber mir haben viele der Geschichten hier so geholfen, einfach weil ich mich wiedererkannt habe und vielleicht hilft ja meine story auch anderen. Ich hoffen nur, daß ich endlich den Dreh hinkrige mich, meine wahre Persönlichkeit und mein Leben so zu leben, wie es trocken sein kann und mir entspricht. Denn viele meiner Verhaltensweisen, das bin nicht ich das ist Alktina die sich damit verschleiert und so an sich vorbeilebt. Das ist dann wie eine Mauer davor. Dazu ist noch zu sagen, daß ich vor 3 Jahren das letzte Mal für 2 Wochen pausiert habe. Dazwischen lagen höchsten 3 Tage. Jetzt ist es so, daß ich nach einem trockene Tag schlechte Laune habe, auf alle sauer und agressiv bin, zwar schnell einschlafe, dafür aber total viel und verwirrt träume und davon morgens wie gerädert aufwache. Dann tut mir alles weh wie nach viel Sport mit Muskelkater. Am meisten fürchte ich dann die schlechte Laune verbunden mit den Aggressionen gegeenüber allen (allerdings nur in Gedanken, da geht mir dann alles und jeder auf den Nerv). Das steigert sich nämlich am 2. trockenen Tag und ist am 3. nicht mehr auszuhalten (die Laune), obwohl ich mich dann früh so frisch und ausgeschlafen fühle und richtig euphorisch froh bin nichts getrunken zu haben, bis nachmittags. Trinke ich "nur" 1 oder 2 Bier geht es mir genauso. Der Körper hat sich also schon gewöhnt. Bei 4 Bieren stehe ich normal auf und bei 6 gehts mir schlecht. So, das war's jetzt wohl erst mal und hat schon mal gut getan einfach drauflos zu schreiben. Beim durchlesen fällt mir doch noch etwas ein. Ich verlogene S... lebe unserem Bekanntenkreis die wenig bis gar nichts trinkende vor, während sich mein Mann bei jedem Fest (außer Familienfesten) gründlich die Kante gibt und von mir heimgebracht werden muß. Daheim schläft er dann gleich ein und ich hole dann alleine in der Küche kräftig auf, aber nach außen lehne ich brav ab. Allerdings kommt mein Mann auch oft müde heim legt sich ins Bett ließt und schläft dann nach einem vor dem lesen ein. So eine Pawlowsche Glocke schein er nicht zu kennen. Er ist auch Weinliebhaber und Hobbywinzer würde auch nie Billigfusel anrühren. So ein geschenkter Mummsekt stand dann 2 Jahre im Keller. Ich habe ihm auch schon vorgeschlagen das wir zumindest gemeinsam pausieren sollten und da meinte er, erst solle ich aufhören und mich um mich selber kümmern. Wenn ich es dann versuche, sitzt er abends da und trinkt. Er träumt ja auch von einem eigenen Weingut oder zumindest vom Weinanbau zusammen mit mir. Die Arbeit im Weinberg macht mir auch Spaß aber geht das ohne zu trinken ??? Mir selber schmeckt weder Bier noch Wein besonders und Weiswein geht bei mir an den Magen und vom Roten bekomme ich gleich ein rotes Gesicht bzw. Kopfschmerzen. Andere alkoholische Getränke konsumiere ich nicht, da ich Schnaps bzw. Grappa oder so kaum runterbekomme bzw. nach dem ersten Schluck schon Feuer schreien könnte. Früher habe ich beim Weggehen Drinks gemocht, aber jetzt gehe ich nicht mehr weg, saufe zuhause und habe kein Verlangen nach Drinks. Noch etwas ich weiß, daß ich krank bin und fühle mich keineswegs als der "bessere Alki" nur weil ich erst abends trinke und dann Wein und Bier. Das nur falls da manches falsch rüberkommen sollte. Ich fühle mich mieß minder und erhebe mich über keinen, denn mein Problem ist genauso da.

Viele Grüße an Euch alle und vielleicht hat ja einer, den mein langes Geständnis nicht gelangweilt hat Lust mir etwas dazu zu schreiben. Vielen Dank schon mal für's zuhören.


miezekatz Offline




Beiträge: 731

14.05.2003 14:54
#2 RE: Mir reicht es mal wieder gründlich mit mir selber antworten

Liebe Tina,


was du schilderst, sind die "normalen" Gedanken und Empfindungen, Befürchtungen und Wahrheiten einer alkoholkranken Frau. Was nun dein Mann ist - ob gefährdet oder auch krank - das spielt zunächst einmal garkeine Rolle. Es geht um dich.


Ich lege es dir ganz dringend ans Herz, eine Gruppe aufzusuchen. Auch die Vorstellung "dort ein Leben lang hingehen zu müssen".... ist zunächst einmal ganz natürlich. Und der Schrecken davor. Mir wurde einmal gesagt, in meinen Anfängen, "du MUSST solange kommen, bis du gern kommst"..... Und das hat sich bewahrheitet. Das ist kein Zwang mehr, das ist Freude, liebe Menschen wiederzusehen. Du wirst Freunde bekommen, zu der Hilfe, das ist ein zusätzliches Geschenk. Du darfst eine wunderbare Entdeckung machen, wenn du dazu bereit bist.


Trau dich einfach!


Du kannst zusätzlich hier in diesem Forum sein, dich mitteilen und auch hier "unter Menschen" sein, die dich verstehen, die krank sind, wie du. Man kann es schaffen, seine Krankheit zum Stillstand zu bringen. Und die lebenden Beispiele dienen dir nicht als Mahner mit erhobenem Zeigefinger, sondern zeigen dir, das es möglich ist, sie machen dir Mut, geben dir ihre Kraft, ihre Erfahrung und Hoffnung weiter..... Was du damit machst, das ist ganz allein dann deine Sache. Du bist ganz frei in deinen Entscheidungen.


Ich hoffe, du triffst eine Entscheidung für und nicht gegen dein Leben!


karotte Offline



Beiträge: 141

14.05.2003 15:13
#3 RE: Mir reicht es mal wieder gründlich mit mir selber antworten

Hallo Tina,

erst einmal herzlich willkommen auf diesem Board. Schön, dass du den mut gefunden hast nach langem Lesen auch selber etwas zu schreiben.

eine erschütternde Geschichte hast du da geschildert. Was mich sehr schockiert, ist das deine/eure Tochter dein/euren versoffenes Leben mitbekommt. Kinder mit in die Alkprobleme der eltern mit einzubeziehen finde ich schlimm, sorry ich selber habe keine Kinder, aber das ist meine Meinung. Die kleinen Geschöpfe bekommen schnell mit, wenn deren Eltern ein alkoholisches Problem haben.

Ich kenne das, so wie du das mit der Glocke beschrieben hast. In meiner nassen Zeit gab es auch solch eine Glocke, die mir den Feierabend eingeläutet hat und dann ab nach Hause zum Alk.
Bei mir kam es aber dann schnell zur Steigerung, so das ich mir meinen Stoff mit in die Firma nahm oder es wurde/wird ja eh im Kollegenkreis getrunken, also fiel es bei mir nicht sonderlich auf.

Jeder Alkoholiker lügt, doch am meisten lügt er sich selber an. Wie willst du es deiner Umwelt klarmachen, wenn du Hilfe brauchst, und die wirst du brauchen, und spielst denen die heile Welt vor?
Deine Ansätz mit SHG weisen dich auf den richtigen Weg, aber geh noch einen Schritt weiter und vertrau dich einem Arzt an und laß dir eine Einweisung ins Krankenhaus geben, zur Entgiftung und Entwöhnung.
Versuche dich abzulenken, mit schönen Dingen, die deine Gedanken zum Alkohol in die Knie zwingen. Beschäftige dich ausgiebig mit deiner Tochter.

Zwinge deinen Mann nicht, den gleichen Schritt wie du einzuschlagen, nämlich nichts mehr zu trinken. Jeder Mensch ist für sich selber verantwortlich. Alter Probleme verschwinden nicht so einfach, bevor man sie nicht geklärt hat. Nur einfach unter den Teppich verschwinden lassen bringt nichts, die Probleme werden dich immer wieder überschatten ... es sei denn, du stellst dich denen. Fehler macht jeder und das ist auch gut so, so lange sich diese Fehler nicht wiederholen.
Und wer wirklich aufhören will mit dem Trinken, der wird es auch schaffen.
Überlege dir daher, was für dich wichtig ist, der Alkohol oder ein nüchternes und angenehmes Leben?

Wirf nicht alles weg und denk an deine Tochter und laß dir professionel helfen.
Ich wünsche dir alles gute bei deiner Entscheidung.
Ich würde mich freuen, wenn du weiterhin hier in das Board schreiben würdest.

lieben Gruß
Karotte.[f1][ Editiert am: 14-05-2003 15:16 ][/f]


tommie Offline




Beiträge: 10.570

14.05.2003 17:26
#4 RE: Mir reicht es mal wieder gründlich mit mir selber antworten

Hallo tina ,

willkommen als 'aktive Schreiberin' und ... bitte schreibe auch weiterhin.

Dein Mann hat es doch schon auf den Punkt gebracht: du schriebst was er dir geraten hat ... und da meinte er, erst solle ich aufhören und mich um mich selber kümmern...

Na dann: auf geht's .

tommie


Zitrin Offline




Beiträge: 308

14.05.2003 18:01
#5 RE: Mir reicht es mal wieder gründlich mit mir selber antworten

Liebe Tina,
herzlich Willkommen!
Und danke!
Danke, dass du von dir erzählst, nicht nur Erfahrungen liest, sondern den 1. mutigen Schritt getan hast, und du dir über dich Gedanken machst. Und indem du sie hier niederschreibst erlaubst du dir selber etwas Grossartiges: dich selber zu sehen, wie du bist, im Moment bist, ehrlich, richtig, offen und bereit für das Leben! Dein Leben.
Du bist das Allerwichtigste!
Wenn du zu dir schaust, geschieht eine Veränderung!
Ich wünsche dir jeden Tag einen Schritt weiterzukommen in deinem bewussteren Leben.
Deinem neuen Leben?
Ich bin dir dankbar, dass du in unserer Mitte mitschreibst.
Zusammen sind wir stärker!
Und eine weitere Erfahrung , die mir hier erst bewusst geworden ist: Ehrlichkeit entlastet ungemein!
"Es Grüessli"
Zitrin


ameise Offline




Beiträge: 1.110

14.05.2003 18:18
#6 RE: Mir reicht es mal wieder gründlich mit mir selber antworten

Hallo Tina,

auch von mir erstmal willkommen im Club.
Eine Sache kam mir beim Lesen voll bekannt vor:
Ich habe mich auf Feiern und in der Öffentlichkeit auch immer sehr bedeckt gehalten und ganz wenig Alkohol getrunken, jedenfalls die letzten Jahre. Es wäre niemand im Traum darauf gekommen, daß ich heimlich allein zu Hause, wo mich keiner sieht, dem Rotwein fröne.
Was das alles für Kraft gekostet hat - stöhn!

Ich gratuliere Dir zu Deinem Mut und Deiner Offenheit.
Ehrlichkeit befreit und verschafft Dir klare Sicht - Du wirst sehen.


Viele Grüße


Tina ( gelöscht )
Beiträge:

14.05.2003 18:27
#7 RE: Mir reicht es mal wieder gründlich mit mir selber antworten

Liebe Mietzekatze,

vielen Dank für die aufmunternden Worte. Das mit gern hingehen um liebe Menschen zu treffen, habe ich mir so noch gar nicht überlegt. Ich sah es mehr als Lebenszwang um trocken leben zu können. Allerdings glaube ich inzwischen auch nicht mehr an "die Mär vom kontrollierten Trinken". Wie ich schon beschrieben habe, ich stecke in einem Zwiespalt der Gedanken und Gefühle. Am Freitag abend um 20.00 Uhr treffen sich im Nachbarort die AA. Ich bin sogar schon mal zu dem Treffpunkt hingefahren um es auch gleich zu finden. Mein Mann kommt immer erst nach 19.30 h nach Hause. Na, da hatte ich schon die gute Ausrede parat, daß ich das ja nicht schaffen, aber er meinte wenn wir "fliegenden Wechsel" machen, ginge es. So, wieder eine Ausrede weniger, dabei habe ich einfach nur verdammten Schiß dort aufzutauchen in eine festgefügte Gruppe zu treten. Alle schauen mich an und fragen ob ich AA kenne und ich muß dann ehrlicherweise auch noch sagen. Kenne ich das war vor gut 10 Jahren. Da habe ich dann 10 Jahre gebraucht und verbraucht um wieder am Anfang zu stehen und sagen zu dürfen ich bin Tina Alkoholikerin. Das lebe ich bereits in Gedanken durch und ich wette vorher zittern mir die Knie ich bekomme Schweißausbrüche und bekomme keinen Ton raus. So wie früher, wenn ich in der Schule referieren sollte und anfangs sogar peinlicherweise dabei umgekippt bin. Ich werde aber am Ball bleiben und Euch allen mitteilen, wie es mir im ersten Meeting ergangen ist. Hoffentlich packe ich es am Freitag.

Dir noch einen schönen, trockene Abend und viele Grüße,

Tina


Tina ( gelöscht )
Beiträge:

14.05.2003 18:47
#8 RE: Mir reicht es mal wieder gründlich mit mir selber antworten

Hallo Karotte,

danke für die ehrliche Antwort. Was Du über Kinder geschrieben hast stimmt. Gerade deshalb fühle ich mich noch schlechter. Denn der Verstand sagt mir das was Du schreibst und außerdem denke ich auch an erbliche Vorbelastung möglicherweise beiderseits bzw. an fallende Hemmschwellen bei Alkohol im späteren Leben meiner Tochter. Ich habe ja auch ab ca. 9 Jahren mitbekommen wie meine Mutter bis spätabends frustriert mit einer Flasche Wein im Wohnzimmer saß und so laut Musik hörte, daß an Schlaf nicht zu denken war. Das sie nach Alk anders drauf war merkten wir Kinder schnell und nannten es die doofe Laune. Ich will an dieser Stelle aber keinesfalls die Verantwortung für meinen Suff meiner Mutter oder irgendwelchen Genen anlasten. So weit bin ich schon, daß meine Eltern nicht für alles was bei mir schief lief verantwortlich sein können. Auch mein Mann ist es nicht, denn gesoffen habe ich schon vor der Ehe. Vielmehr ist es wohl so, daß ich mir intuitiv den "passenden" Partner gesucht habe. Aber auch egal. Jedenfalls bringe ich das theoretisch immer alles wunderbar auf die Reihe und praktisch fülle ich dann allabendlich das Glas und dieser Gegensatz macht mich fertig. Dann habe ich oft gedacht für meine Familie muß ich aufhören, aber hier im Forum hat mal jemand treffend geschrieben: Nicht für meine Frau oder meine Tochter höre ich auf, sondern für mich. Zu Deinen anderen Ratschlägen habe ich noch eine Frage. Weißt Du woher man erfahren kann, welcher Arzt in der näheren Umgebung Erfahrung mit Alkoholikern hat? Ich hatte ja schon hier bei der Suchtberatung angerufen und wurde an eine Psychologin verwiesen bei der sich namentlich herausstellte, daß es die Frau war, bei der ich weniger gute Therapieerfahrungen machte. Jetzt traue ich mich dort nicht so recht anrufen, weil ich ja den Psychologentermin nicht nehmen wollte und zu der Frau will ich keinesfalls, nachdem ich ihr vor 2,5 Jahren sagte, daß ich abbreche, weil sie mir nichts bringt. Zum Klinikaufenthalt noch etwas. Ob ich zuhause entziehen kann weiß ich nicht. Vielleicht bleibt mir nichts weiter übrig als es klinisch zu tun. Aber wie erkläre ich so einen Aufenthalt meiner Umgebung inkl. 80 Jahre alten herzkranken Schwiegereltern voller Besorgnis um ihr einziges Enkelkind. Wir d.h. mein Mann hat hier einen großen Bekannten und Freundekreis in dem viel geratscht wird. Mich da zu outen bringe ich "noch" nicht. Alk ablehnen ja, das mache ich ja meist und wenn sich wer was denkt ist es mir egal. Denken sollen sie was sie wollen, aber deutlich sagen. Ich habe ja bisher noch nicht mal den Mut gefunden in die SHG zu gehen und hoffe es am Freitag zu schaffen. Klar einfach so in die Klinik und rumlügen läuft auch nicht, aber da komme ich bisher noch nicht weiter. Es wäre vorerst wohl wichtig ein Blutbild erstellen zu lassen. Aber eben nicht von der Hausärztin, die ich dann am Kinderspielplatz oder Badesee sehe bzw. beim Friseur treffe.

Vorerst vielen Dank und Dir noch einen schönen Abend.

Tina


Tina ( gelöscht )
Beiträge:

14.05.2003 18:57
#9 RE: Mir reicht es mal wieder gründlich mit mir selber antworten

Hallo Tommi,

auch Dir danke für die schnelle Antwort. Ich will gerne weiterhin schreibend dabei bleiben. Dein Zitat und Deine Antwort hatte für mich was Neues und ich fand es gut. Ich war damals unheimlich sauer auf meinen Mann und bezichtigte ich gedanklich der Feigheit und das er mir nicht helfen wolle und es sich bequem mache um sich ja nicht selber einschränken zu müssen. Na er war der Böse, den ich eigendlich verlassen müsste, obwohl ich das ja uneigendlich gar nicht will, da ich ihn nach wie vor und das ist ehrlich liebe. Aber bei mir sind die anderen schnell die Bösen und beim Schreiben meiner Mail dachte ich mir schon sicher werden mir einige raten meinen Mann die Leviten zu lesen und zu gehen. Dein Hinweis hat mir aber kurz und präzise nahegebracht um was es wohl wirklich geht - nämlich um mich dafür vielen Dank und noch einen schönen Abend. Selbstmitleid und Schuldzuweisung an andere ist wohl des Alkis Lieblingssport neben dem Saufen.

In diesem Sinne viele Grüße,

Tina


miezekatz Offline




Beiträge: 731

14.05.2003 19:05
#10 RE: Mir reicht es mal wieder gründlich mit mir selber antworten

Liebe Tina,

vor keinen Menschen der Welt musst du dich weniger fürchten, als vor den AA-Leuten! Die wissen nämlich, wie es in dir aussieht. Die sehen in deine Seele, weil sie das gleiche schon einmal bei sich selbst erlebt haben. Und wenn es 20 Jahre her ist, den ersten Gruppenbesuch, das Herzklopfen, die Angst und die Verzweiflung - das vergisst niemand. Du musst GARNICHTS erklären. Lass einfach geschehen. Auch ich war zum Testen auf dem Parkplatz vor dem Gebäude, in dem das Treffen stattfand. Auch ich bin dann doch nicht hinein gegangen, sondern erst längere Zeit später. Und auch ich wartete damals auf meinen Mann, der nicht kam. Und von dem ich mich zu gern hätte begleiten lassen. Ich bin dann alleine hin - heute froh um diese erste Selbstständigkeit!


Ich drücke dir die Daumen für Freitag, ganz fest!!![f1][ Editiert am: 14-05-2003 19:09 ][/f]


Tina ( gelöscht )
Beiträge:

14.05.2003 19:12
#11 RE: Mir reicht es mal wieder gründlich mit mir selber antworten

Hallo nochmal alle zusammen,

danke auch allen übrigen für Ihre Antworten. Ja jetzt ist es 19.00 Uhr vorbei und die Glocke hat schon zart geklingelt. Aber beim Lesen Eurer Antworten hat es sich zunächst gefestigt, daß ich sie klingeln lassen will. Das hat mir erst mal geholfen. Ich hoffe, ich kann morgen weiteres berichten. Dir Mietzekatze besonderen Dank für Deine Antwort wegen meiner Angst vorm Meeting.

Grüße,

Tina


pumi Offline




Beiträge: 95

15.05.2003 07:44
#12 RE: Mir reicht es mal wieder gründlich mit mir selber antworten

@Tina

WIESO nicht von deiner Hausärztin?? Die kennt dich
doch am Besten!!Hättest du kein Vertrauen in sie,würdest doch
auch sonst nicht hingehen!!Egal wo du sie triffst,glaube
kaum,dass da ein Kommentar kommen würde,sonst hätte sie
ihren Job verfehlt!
gruss


richie Offline




Beiträge: 395

15.05.2003 08:44
#13 RE: Mir reicht es mal wieder gründlich mit mir selber antworten

Zitat
Gepostet von Tina [Gast]
Liebe Mietzekatze,

vielen Dank für die aufmunternden Worte. Das mit gern hingehen um liebe Menschen zu treffen, habe ich mir so noch gar nicht überlegt. Ich sah es mehr als Lebenszwang um trocken leben zu können. Allerdings glaube ich inzwischen auch nicht mehr an "die Mär vom kontrollierten Trinken".



Hallo Tina,
ich kann mich der Mieze nur voll und ganz anschliessen.
Ich hab noch nie verstanden, woher das Geruecht kommt, ein leben lang hingehen zu muessen, um keinen Rueckfall zu bauen.
Ich denke nicht dass ich gleich in naechster Zeit einen Rueckfall bauen wuerde, wenn ich nicht mehr hinginge. Ich geh auch nicht mehr nur wegen meinem Alkoholismus hin. Ich geh hin, weil ich in der Gruppe einige liebe Menschen kennengelernt habe, die ich in meinem Leben nicht mehr missen moechte.


Schneeflocke Offline



Beiträge: 485

15.05.2003 10:04
#14 RE: Mir reicht es mal wieder gründlich mit mir selber antworten

Hallo Tina,

ich verfolge dieses Forum als Angehörige. Deine Hemmungen, einem Arzt von Deinem Problem zu erzählen, kann ich gut verstehen. da ich selbst 10 Jahre in der Verwaltung einer Arztpraxis gearbeitet habe, weiß ich, dass auch dort natürlich nur Menschen sitzen, die auch tratschen und sich so ihre Gedanken über die Patienten machen.

Aaaber erstens: es gibt das Arztgeheimnis. Das heißt nach außen darf nichts dringen.

Und für mich noch viel wichtiger: Auf Gebieten, auf denen die Kompetenz des Arztes sehr gut ist, wird sehr viel professioneller mit dem Patienten umgegangen. Also, wenn Du das Gefühl hast, Deine Alkoholkrankheit wird vom Arzt nicht als Krankheit angesehen, sondern als eine Art persönliche Schwäche: Hände weg von dieser Arztpraxis! Such dir irgendwo, vielleicht in der nächsten größeren Stadt einen Arzt, der Dich wirklich als Kranke ernst nimmt und dann wird er Dich auch entsprechend respektvoll behandeln und Tratsch, schiefe Blicke usw. sind gar kein Thema. Ein Rheumakranker wird ja auch nicht schief angesehen.
Lass ein wenig Deinen gesunden Menschenverstand bei der Auswahl der Menschen, die Dir helfen sollen, mitreden. Dann klappt es.
Morgen ist Freitag. viel Mut!

Deine Schneeflocke.


karotte Offline



Beiträge: 141

15.05.2003 10:07
#15 RE: Mir reicht es mal wieder gründlich mit mir selber antworten

Hallo Tina,

was den Arztbesuch betrifft, ich hatte damals auch ein Hemmschwelle durchbrechen müssen, bin zu meinem Hausarzt gegangen. Zum Glück hatte ich meinen Partner dabei. Was aber nicht heißt, das es dadurch angenehmer für mich war.
Mein Arzt ist auch der Therapiearzt, was ich später erfahren hatte, bei der ich dann nach meinem Klinikaufenthalt in Behandlung war.
Ich kann dir leider nicht sagen, ob deine Hausärztin die richtige ist. Ein Arzt sollte auf jedem Fall kompetent sein in Bezug auf Alkoholismus.
Und Ärzte haben Schweigepflicht, daran solltest du immer denken.
Meine Blutwerte waren damals normal, was aber meine Sucht nicht vermindert hat.

Einen Entzug zu Hause und das womöglich noch auf eigene Faust, halte ich für gefährlich, da es zu Krampfanfällen oder Delirien kommen könnte.
Ich weiß ehrlich gesagt nicht welche Ratschläge ich dir geben kann, außer du nimmst deinen Mut in beide Hände und redest offen und ehrlich mit deiner Familie (inkl. deiner Tochter) darüber. Ich weiß, kluge Worte, aber diese in die Tat umzusetzen ist oftmals nicht leicht. Meine Familie hat von meinem Entzug auch erst kurzfristig erfahren, als ich bereits einen Termin in der Klinik hatte. Ich habe mich damals total geschämt und war ihnen dann so unendlich dankbar, weil sie voll zu mir gestanden haben und es auch heute noch tun. Es läßt sich einfacher leben, als ständig lügen zu müssen.

Toll, dass du einen Besuch zu einer SHG starten willst. Zerreiß dir bloß nicht den Kopf darüber, was auf dich zukommen wird bei solch einem Meeting. Und jeder hat eine andere Meinung über diese und jene.
Ich habe früher auch eine SHG besucht, nur leider wurde die Gruppe zu groß (30 Leute!) und ich bin nicht mehr dort erschienen, weil es in solch einem großen Rahmen einfach zu unüberschaubar ist. Es gibt viele SHG, besuch am besten verschiedene, um dir einen Einblick zu verschaffen. Anschließend kannst du dich immer noch auf eine festlegen.

Und die Glocke ... laß sie läuten. Es werden Zeiten kommen und die Glocke wird es aufgeben nach dir und dem Alkohol zu rufen.

Ich wünsche dir noch einen schönen und trockenen Tag und alles Gute für dein Meeting am Freitag.

Karotte


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